Underbergs Emil schmiss die Lokalrunde – Handelsblatt Hall of Fame des deutschen Unternehmertums

Markenartikler aus dem Mittelstand – und erst recht Familienunternehmer – wissen einfach, wie Markenpflege funktioniert: Bei der Verleihung der Handelsblatt Hall of Fame des deutschen Unternehmertums in München im The Charles Hotel brachten die Kellner nach dem Hauptgericht an alle Tische plötzlich die typischen winzig kleinen Fläschchen, die in Packpapier eingewickelt sind. Emil Underberg II. hatte sie gestern Abend höchstpersönlich spendiert, damit die rund 100 geladenen Gäste auf den Gastgeber anstoßen mögen.Und vor lauter Rührung erinnerten sich selbst Gäste, die sich bis dahin hauptsächlich durch Blasiertheit hervortaten, plötzlich lautstark an ihre Großmutter, die jeden Tag solch ein Fläschchen Underberg geleert habe.
Anekdoten der Art gab´s mehr. Tunnelbauunternehmer Martin Herrenknecht – einer der beiden Preisträger – etwa berichtete, dass er von seinem Vater eine Tracht Prügel bekam, weil er ihm im Streit sagte: „Ich werde mal doppelt so viele Mitarbeiter haben wie Du.“ Der Vater hatte damals zwölf Leute in seiner Polsterei – und Herrenknecht hat heute deutlich mehr als 2 000.

 

Steuerbelege im Waschkorb
Oder jene Begebenheit: Herrenknecht hatte einen Mitarbeiter entlassen und dessen Großmutter begegnete ihm Sonntags beim Kirchgang. Die alte Dame schalt ihn: „Du stellst den Heinz wieder ein!“ Und Herrenknecht erzählte weiter, „das habe ich am Montag dann gemacht.“ So unkompliziert kann es bei Familienunternehmen zugehen.
Launig war auch die Erzählung, wie Herrenknecht seine Belege im Waschkorb zum Steuerberater transportierte – weil er sich lieber um die Technik seiner Tunnelbohrer kümmert als um Steuerkram.

 

Herr Leibinger, was ist eine Konturennippelmaschine?

Und drollig wurde es, als die Moderatorin und TV-Börsenexpertin Anja Kohl von dem anderen Preisträger Berthold Leibinger von Trumpf seine Konturennippelmaschine erklärt haben wollte – die sich dann aber doch nicht als so spektakulär herausstellte, sondern lediglich Löcher verschiedener Größe in Bleche stanzt. Leibinger fährt übrigens auch mit seinen 78 Jahren noch Abfahrtsski und gab zum Besten, dass er sich nach dem Ski-Unfall des thüringischen Ministerpäsidenten Dieter Althaus einen Helm kaufen wollte – und keinen bekommen konnte, weil sie ausverkauft waren.

 

Spontane Ansprache von Gabriele Henkel

Gabriele Henkel – die Witwe von Konrad Henkel, der posthum geehrt worden war – war wiederum so angetan von der Veranstaltung, dass sie kurzerhand spontan zur Bühne ans Mikrofon ging und eine kurze Ansprache hielt. Warum sie das ausgerechnet auf englisch tat, erschloss sich den anderen Gästen freilich nicht. Aber schön war’s trotzdem.

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Alle Kommentare [3]

  1. Sehr geehrte Frau Tödtmann,

    mit Freude habe ich den Beitrag über die Verleihung der „Handelsblatt Hall of Fame“ gelesen. Solch einen „privaten“ Einblick in das deutsche Unternehmertum bekommt man ja als Student sonst nicht so schnell.

  2. Nach dem Absägen von Ypsilanti war klar was kommt : Die Kernenergie

    Darum geht es von vorneherein.
    Diskussionen um Y sind daher vollkommen unrelevant und Ablenkungsmanöver. Es geht um die Wirtschaftsfragen und wer setzt sich durch.

    Und die „Verantwortlichen“ haben sich dem Bloggen entzogen und Vergnügen sich wieder mit Nichtdiskussion oder Diktat ohne sich zu über Fakten zu informieren. Das Ausgrenzen der Bevölkerung von der Diskussion und die Verfolgung der eigenen Interessen, der „Machterhalt“ steht im Vordergrund.

  3. Allerdings sind die Kölner nicht so leicht zu bestechen. Gerade dort herrscht ein buntes Treiben und Redefreiheit.