Fragebogen „Nahaufnahme“ mit IFS-CEO Wilfried Gschneidinger, dem „absoluten Informationsjunkie“

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Wilfried Gschneidinger, Deutschland-Chef des Business-Software-Unternehmens IFS aus Schweden, das weltweit über 3.500 Mitarbeiter hat und Referenzkunden wie K2 oder Völkl Sports. 

 

Wilfried Gschneidinger (Foto: IFS)

 

Erklären Sie bitte in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir machen Business Software und paaren dabei unsere technologischen Innovationen so mit dem Know-how unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass möglichst smarte Kundenlösungen entstehen.

 

Womit beginnt Ihr Arbeitstag?

An einem normalen Bürotag checke ich so ab sieben Uhr zuhause meine Mails und sonstigen Nachrichten. Gegen halb acht sitze ich dann meistens im Auto und da geht’s dann auch schon mit den ersten Telefonaten los.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Da ich einen sehr hohen Anspruch an mich selbst habe, bin ich auch bei meinen Erwartungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr fordernd. Ich sehe mich als teamorientierten Chef mit einem von Werten geprägten und offenen Führungsstil. Ich versuche immer, soweit das möglich ist, meine Manager die Entscheidungen selbst treffen zu lassen, damit sie sich stark damit identifizieren und auch die Verantwortung dafür übernehmen. Natürlich will ich meine Standpunkte dabei bestmöglich einbringen und freue mich auch sehr, wenn sich diese dann in den Entscheidungen wiederfinden.
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Sie würden mich als eine starke und durchsetzungsfähige Führungspersönlichkeit mit viel Empathie beschreiben, die immer ein offenes Ohr für die Belange des Teams hat. Sie vertrauen mir, folgen mir und gehen auch die Extrameile für mich. Ich hoffe, dass ich als immer fairer Chef respektiert und geachtet werde.

 

Tee oder Kaffee?

Kaffee. mit Milch.

 

Ihr Spitzname ist…?

„Med“. Abgeleitet von „Dr. med.“, weil ich als begeisterter Sportler schon als Jugendlicher immer über Verletzungen aller Art bestens Bescheid wusste und meistens auch richtig damit umgegangen bin. Meine „Therapien“ waren dabei zugegebenermaßen teilweise etwas rustikal. Das hat aber zu meinen Sportarten Eishockey und Fußball durchaus gepasst. In meiner niederbayrischen Heimat werde ich auch heute noch von alten Freunden mit „Med“ angesprochen.

 

Verraten Sie eine Marotte?

Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler – sehr zum Leidwesen meiner Frau. Ich kann mich immer nur sehr schwer von Dingen wie alter Kleidung trennen. In unserem Keller finden finden wir deshalb auch immer wieder noch Skibekleidung oder Motorradhelme, die ich selbst schon gar nicht mehr auf dem Schirm hatte.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Unpünktlichkeit und Unverbindlichkeit. Das sind Eigenschaften, die ich einfach nicht akzeptieren kann; weder im Beruf noch privat. Ich bin ein sehr werteorientierter Mensch und habe daher auch einen sehr hohen Anspruch hinsichtlich Integrität und Ehrlichkeit in meinem persönliches Umfeld.

 

… und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Man kann mir Korrespondenz, Publikationen oder Präsentationen nie so vorbereiten, dass sie mich vollumfänglich zufrieden stellen. Ich muss mich dann immer noch jedes Mal selbst einbringen und sie „gschneidingerisieren“. Was meine Mitarbeiter durchaus strapaziert und Nerven kostet, bis die Sachen dann endlich zu meiner Zufriedenheit finalisiert werden können.

 

Was möchten Sie gerne im Ruhestand oder dann machen, wenn Sie wirtschaftlich unabhängig sind, nicht mehr in Ihrer Firma tätig sind und ganz viel Zeit haben?

Ich werde nur noch Dinge machen, die mich erfüllen, aber nicht mehr ernähren müssen. Als bekennender Rotarier will ich mich noch stärker in karitative Projekte einbringen und mehr Zeit in das Gemeinwohl investieren. Nach einem sehr privilegierten Berufsleben möchte ich gerne etwas an Menschen zurückgeben, die nicht ganz so viel Glück hatten wie ich. Desweiteren werde ich mich dann stärker meinem großen Hobby widmen können – Oldtimern mit zwei und vier Rädern. Ich will dann reizvolle Veranstaltungen genießen, wie etwa die Oldtimer-Rallye Schenna Classic in Südtirol, wozu mir heute einfach die Zeit fehlt. Außerdem würde ich gerne junge Unternehmer als Advisor oder Sparringspartner mit meiner Erfahrung unterstützen. Außerderm steht Reisen ganz weit ober auf meiner Ruhestands-Agenda. Ich denke da an Ziele wie Südafrika, Singapur oder Oman, für die man mehr Zeit braucht, als ich heute habe.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ich liebe Menschen mit viel Empathie, Toleranz und Respekt für andere, unabhängig von Herkunft, Beruf oder Status. Deshalb kann ich mich auch immer wieder für Menschen begeistern, die ihren Job mit großer Leidenschaft ausüben und immer bestrebt sind, ihn bestmöglich zu machen. Erst letzte Woche habe ich einem jungen Service-Angestellten in einem Hotel in Holland ein Kompliment für seine Aufmerksamkeit und Kundenorientierung gemacht. Seine Antwort, wie gerne er seinen Job macht und seine Kunden bedient, hat mich schwer beeindruckt.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Familie, Freunde und – als absoluter Informationsjunkie – das Internet. Aber auch auf das Sportstudio würde ich, ehrlich gesagt, nur sehr ungern verzichten.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Als junger Sportler war mein Traumberuf immer Eishockeyprofi. Ich bewundere heute noch diesen Sport in seiner Perfektion. Daher würde ich sehr gerne mal einen Tag den Job eines Profis übernehmen und ein wichtiges Playoff-Match vor 15.000 Zuschauern spielen. Und natürlich dann in der Overtime das Siegtor erzielen, das wäre das Nonplusultra.

 

 

(Foto IFS)

Als IFS von 2005 bis 2008 die Landshut Cannibals – heute EV Landshut – gesponsert hat, bekam Gschneidinger diesen Helm von der letzten Sponsoring-Saison übergeben. Seitdem hat er einen Ehrenplatz auf dem Stehtisch in seinem Büro.

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