„Juve“ wird von NWB übernommen – Griffiths und Gerber bleiben an Bord

„Juve“ wurde von NWB übernommen – und gleich rückwirkend zum 1. Januar 2016. Die Meldung durfte heute mittag um 13 Uhr on air gehen.

Alle Anwälte wissen, wer „Juve“ ist und für die anderen sei es hier nochmal erwähnt: „Juve“ hat die Transparenz-Werdung der Anwälte-Szene vollbracht mithilfe des dicken Handbuchs „Wirtschaftsanwälte“. Das erscheint jährlich neu und obendrein ihr monatliches Magazin über die Anwälte und ihren Markt. Die Juristen nennen das Magazin ulkigerweise die „Gala“ für Anwälte. Na, wie sie mögen.

 

Astrid Gerber (Foto: Juve)

Astrid Gerber (Foto: Juve)

Als sich die damals noch kleine Fachredaktion 1997 – also vor rund 19 Jahren – in Köln etablierte und loslegte, reagierte die Anwaltschaft unisono pikiert.

Man wollte sich nicht vergleichen lassen, war viel zu stolz dazu – und was die Guten unter den Kanzleien erst relativ spät verstanden: Gerade den Guten nutzt es ja, visibel zu sein. Mussten sich Astrid Gerber und Aled Griffiths – im Gründungsteam war auch noch Christoph Tillmanns, der später zu Freshfields wechselte – anfangs bis vor höchste Gericht bekämpfen lassen, so gewann „Juve“ vor Gericht und das Blatt wendete sich irgendwann.

 

Aled Griffits (Foto: Juve)

Aled Griffits (Foto: Juve)

 

Und zwar spätestens mit der Einführung der „Juve-Awards“, bei denen die Anwälte einmal im Jahr für ihre Verdienste geehrt – und damit noch visibler – wurden. Plötzlich fand einmal im Jahr eine große Sause in Frankfurt statt (als Düsseldorfer und mit Düsseldorf als zweitwichtigstem Standort für Kanzleien hierzulande hätte man es auch mal gerne am Rhein gesehen), erst im Palmengarten, dann in der Alten Oper. Plötzlich rissen sich die Anwälte um die abgezählte Zahl der Eintrittskarten, sehr zum Entsetzen der Kanzleisprecher. Denn die geraten in die Klemme: Ob denn ihre Kontakte zu „Juve“ etwa so schlecht seien, dass sie nicht noch die ein oder andere Karte zusätzlich besorgen könnten, provozieren sie die Top-Anwälte dann gerne.

 

Der Event ist wie eine Oskar-Verleihung für Anwälte, das Motto ist Sehen-und-Gesehen-Werden. Und das ist gar nicht mehr so einfach, sich treffen zu wollen, weil die Party nach der Verleihung auf zwei Ebenen stattfindet und mit 1000 Gästen schlicht unüberschaubar ist.

 

Juve Awards 2014 in der Alten Oper in Frankfurt

Juve Awards 2014 in der Alten Oper in Frankfurt

 

Je nach Moderator auf der Bühne fiel der offizielle Teil humorvoll oder dröge aus. Mein Lieblings-Award war der mit Anke Engelke, die den Anwälte vorhielt, dass es bei „Juve“ ja wie bei einem Klassentreffen sei. Und dass man vor allem heute diejenigen Partner wieder träfe, die man gestern erst rausgeworfen habe.

Oder Eva Herman, die sich bei den allerersten Awards immer wieder bei den langen unaussprechlichen Kanzleinamen verhaspelte – bis sie entnervt sagte, dass die Telefonistin am Abend aber auch wisse, was sie den ganzen Tag gemacht habe.

Hinter „Juve“ stand die ganze Zeit ein britischer Investor, Gareth Quarry, und man mutmaßt, der habe nun auf Verkauf gedrängt. 20 Prozent gehörten bis dahin Griffiths und Gerber. Zum Zuge kam nun der Fachverlag NWB aus Herne mit 270 Mitarbeitern, der ansonsten Steuer-, Wirtschaftsrechts- und Rechnungswesen-Fachliteratur herausbringt.

Das Wichtigste erst mal: Gerber und Griffths bleiben an Bord, versicherten sie mir heute. Und hoffentlich auch die 51 „Juve“-Mitarbeiter, von denen immerhin 25 Redakteure sind. Sollten die Awards dem Rotstift einer Zentrale zum Opfer fallen – eines Tages -, wird „Juve“ insgesamt an Bedeutung einbüßen.

Weder Unternehmensberater, noch Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer können so eine zentrale Veranstaltung vorweisen.

 

 

 

 

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