Pferde haben ihren eigenen Kopf – anders als Mitarbeiter folgen sie nur dem, dem sie sich anvertrauen wollen – aus freien Stücken. Mitarbeiter ticken da anders – und Führungskräfte können da auf Seminaren schon mal Überraschungen erleben.
Die Coaching-Termine mit Pferdebegleitung bei Sofie Meisieck finden immer in Gruppen statt. Man braucht mehrere Leute für ihre Seminar für Manager, Führungskräfte oder Teams mit Pferd, denn das Feedback der Gruppe spielt eine große Rolle, erzählt Sophie Meisieck. In Holzminden in Niedersachsen, der idyllischen Kleinstadt, weit ab vom Schuss. Dann finden sich die Manager auf einer Wiese wieder. In ungewohnter Umgebung, „wo sie den Kopf frei haben und offener sind“, wie Meisieck erzählt: „Dann ticken sie anders als im geschlossenen Raum.“
Seit sieben Jahren veranstaltet die promovierte Agrarwissenschaftlerin, die selbst passionierte Reiterin ist, diese Seminare – 80 Kilometer von Hannover entfernt. Was das Besondere daran ist? Die Manager spulen ihr normales Führungsverhalten ab, aber bekommen unerwartete Reaktionen. Denn nun soll ihnen ein Pferd folgen. Freiwillig und ohne Lohntüte am Monatsende. Ohne Angst vor Kündigung oder Degradierung undsoweiter. Und dann sieht es schon mal ganz anders aus als mit den eigenen Leuten.So erinnert sich Meisieck an denjenigen, der sich für einen Spitzen-Chef gealten hatte – und fassungslos davor stand, als der Gaul keinen Zentimeter mit ihm gehen wollte.
Unvermutete Führungs-Talente
Umgekehrt beeindruckte sie im selben Coaching ein zurückhaltender Typ, dem das Pferd anstandslos folgte. Ausgerechnet. Da gab es direkte Reaktionen: Der erste wurde immer stiller, der zweite strahlte. Für den ist es die tiefe innere Befriedigung, dass er eigentlich führen kann – und er wird dadurch ermutigt, eine Führungsrolle einzufordern.
Beim Besuch bei Sopfie Meisieck kochten wir zusammen Moussaka – einem fast 30 Jahre alten Rezept aus „Essen & Trinken“. Mit Auberginen, Rinderhack, Tomaten, Knoblauch, Brühe und Zwiebeln – allerdings ohne Kartoffeln, wie man es sonst kennt. Stattdessen mit Baguette dazu und einem kräftigen Rotwein. Superlecker. Ob die Hollandaise oben drauf sein muss oder nicht, darüber sind wir uneins – und also gibt es zwei verschiedene Hälften. Eine mit, eine ohne.
Und Meisieck holt aus: „Ein Pferd kann man nicht manipulieren, nicht anlügen – anders als Kollegen in der Firma. Denn ein Pferd reagiert natürlich und folgt einem Menschen – oder eben nicht.
Führungs-Talent mit ruhiger Ausstrahlung
Ihre Erkenntnis: Frauen sind im Vorteil, weil sie emphatisch „breiter aufgestellt“ sind. „Frauen ticken pragmatischer“, findet sie. Und die Männer in ihren Trainings erleben die extremeren Situationen als die Frauen: Eben wenn der Typ, der Ruhe ausstrahlte, dann auch noch ausgerechnet das Problempferd über einen schwierigen Parcour bringt. Der bekommt den Applaus der ganzen Gruppe – dann ist 17 Leuten erst mal die Kinnlade heruntergefallen.
Einfach sind die Übungen nicht. Mal muss man das Pferd um eine Tonne herum führen, mal über eine knisternde Plastikplane, bei der das Pferd nicht weiss, was darunter ist und ensprechend zögert.
„Es ist schon ein Phänomen“, urteilt Meisieck: Da läuft ein Mensch in Schlangenlinien und das Pferd, das beschlossen hat, ihm zu folgen, läuft auch die Schlangenlinien nach.
Blender unter den Führungskräften werden mit solchen Übungen sofort entlarvt. Angeeignetes Gehabe wie eine große Klappe und ausladende Bewegungen – unterstützt von kernigen Floskeln – , damit können sie Menschen einschüchtern, aber keine Tiere.
Meisieck: „Das Gegenteil ist der ruhige, introvertierte Typ, der in seiner ruhigen gelassenen Art viel größere Führungsstärke hat, als man annimmt.“
Management by Nilpferd
Den Standard-Führungs-Stil der Manager kennt die Pferde-Expertin: Management by Nilpferd. Auftauchen, Klappe aufreißen, wieder abtauchen. Seine Mitarbeiter fühlen sich „dominant gedeckelt“ und weil der Chef abtaucht, bleibt der Geführte alleine zurück.
Mit der Folge: Er kann sich nicht reiben und nicht auseinander setzen. Denn der Chef stellt sich ihm nicht. Die Führungsexpertin weiß: „Wir sind konditioniert auf diese Form von Chef – wir sind gewohnt, in hierarchischen Formen zu denken.“
Nur eben die Pferde nicht, die die Wahl haben – ob sie dem Manager vertrauen und ihm aus freien Stücken folgen wollen.
Handelsblatt über Meisieck:



Ich hatte auch schon mal ein Pferde-Coaching …. es ist fantastisch wie genau die Pferde auf die Austrahlung reagieren!
Ein Pferd lässt sich nicht täuschen. Es weiß (besser gesagt es spürt) genau wo etwas nicht stimmt 🙂
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