Wenn Wahrnehmung und Wirklichkeit klaffen, Stichwort: Top-Managergehälter (Gastbeitrag Sumin Nam)

Das Phänomen mit Wahrnehmung und Realität kennt man vom Fußball: Der Traditionsverein Dynamo Dresden macht eigentlich nur mit Ausschreitungen und brutalen Fan-Attacken auf sich aufmerksam. Dass der Verein aber mit den Fans und Anhängern über diese Probleme spricht und entsprechende Maßnahmen ergreift, ist kaum einem bekannt. Szenenkenner wissen aber, dass es in Dresden noch nie so viel Dialog und Miteinander gegeben hätte, eine eindeutig positive Tendenz – die aber einfach keinen interessiert.

 

Für sich selbst ist leistungsbezogene Vergütung ok, aber nicht für andere – sprich Top-Manager

So wie Dynamo müssten sich momentan auch die Vorstände und Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen fühlen. Eine Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Unternehmensberatung HKP – Hostettler, Kramarsch & Partner -kommt zu dem Ergebnis, dass Wahrnehmung und Wirklichkeit bezüglich der Vergütung von Top-Unternehmern weit auseinander klaffen ( http://de.finance.yahoo.com/nachrichten/hostettler-kramarsch-partner-top-management-091810918.html). Während große Teile der Befragten leistungsbezogene, flexible Bezahlung bevorzugen und 82 Prozent ihr eine motivierende Wirkung zuschreiben, ziehen sogar 67 Prozent so eine Vergütung für sich selbst in Betracht.

Das Problem: Wenn es um Top-Gehälter der führenden Manager und CEOs geht, kennen die Deutschen kein Pardon. Mehr als zwei Drittel der Befragten interpretieren überzogene Bonuszahlungen als grundlegendes Problem unseres Systems. Selbst in der höchsten Bildungsgruppe, die höheren Vergütungen eher aufgeschlossen ist, stimmen 64 Prozent dieser Aussage zu.

Michael Kramarsch, Chef der Unternehmensberatung HKP

Alle Dax-Unternehmen haben bereits Obergrenzen, also CAP´s

Das Paradoxon besteht darin, dass alle Dax-Unternehmen bereits eine freiwillige Vergütungsobergrenze (CAPSs) für flexible Zahlungen implementiert haben. Diese CAPs sind zwar nicht gesetzlich verpflichtend, kommen den Wünschen der Bevölkerung aber stark entgegen – und dennoch hüllen sich die Unternehmen diesbezüglich in Schweigen. „Der breiten Öffentlichkeit ist offenbar nicht bekannt, dass Unternehmen für Sonderfälle CAPs für die Vergütung ihrer Vorstände gesetzt haben und darüber hinaus auch im normalen Geschäftsalltag über Regeln zur Begrenzung der Vergütungshöhen verfügen“, erklärt HKP-Managing Partner Michael Kramarsch.

 

… aber sie reden nicht drüber

Wieso das? Welches Interesse haben Unternehmen etwas zu verschleiern, dass ihrem Ruf förderlich ist? Kramarsch begründet es so: „Die Vergütungsberichte der Unternehmen sind leider in den Händen der Wirtschaftsprüfer und Juristen und nicht der Kommunikationsbereiche. Damit steht die Befolgung buchhalterischer Ausweispflichten im Vordergrund und leider nicht die allgemein verständliche und transparente Berichterstattung.“

 

Abteilungsinteressen contra Informationsbedürfnisse

Dass heisst also konkret: Die Unternehmen arbeiten zwar eifrig an Begrenzungsregeln, offenbaren diese aber nicht. Weder teilen sie es mit, wenn sie CAPs installieren, noch wie jene konkret aussehen und was sie bewirken.

Doch klar ist auch: Die Unternehmen und deren Pressestellen sind am Zuge. Denn was die Bevölkerung wissen will, ist ja bekannt.

 

Wer die Presse nicht informiert, braucht sich nicht wundern über die Fremdwahrnehmung

Kommen wir nochmal zurück zum Fußball: Selbstverständlich kann es Dynamo Dresden nicht recht sein, wenn ihre Fans randalieren. Deswegen tut der Verein ja auch was dagegen. Leider wird die Presse, als vermittelndes Medium zwischen Klub und Öffentlichkeit, ungenügend über entsprechende Maßnahmen informiert. Die Kommunikation stockt und Dresden behält sein Krawall-Image. So in etwa verhält sich das auch bei den Dax-30-Unternehmen.

Kurt Tucholsky sagte einmal: „Wie reden Menschen mit Menschen? Aneinander vorbei.“ Genau das muss besser werden – das gilt für Dynamo, wie auch für deutsche Top-Unternehmen.

 

 

WiWo-Praktikant Sumin Nam

Sumin Nam

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