Es gibt Menschen, die haben ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Das sind jene, die in einen Raum kommen, in dem zwei andere gerade eine dienstliche Besprechung haben, und sie als Hereinkommender nehmen sich das Recht heraus, die anderen zu unterbrechen. Egal, ob sie ein Chef sind oder gleichrangig sind in der Hierarchie. Sie unterbrechen die anderen auch dann, wenn ihr eigenes Anliegen keineswegs eilig oder tagesaktuell ist. Und sie unterbrechen auch Dienstbesprechungen anderer, keineswegs eine private Plauderei.
Andere Degradieren vor Freude über die eigene Wichtigkeit
Das Missliche ist dann: Der Bewohner des Zimmers freut sich so über seine Wichtigkeit, dass gleich zwei Leute etwas von ihm wollen, dass er sich - ohne nachzudenken – dem zweiten zuwendet. Wenn´s ein Chef oder Chefchen ist, umso begeisterter. Höflichkeitsregeln? In Anbetracht der Hierarchie wie weggeblasen.
Man steht also als derart Abgekanzelter schlimmstenfalls zehn Minuten daneben, verliert kostbare Zeit und wartet. Wartet, bis sich der Bewohner des Büros freundlicherweise einem wieder zuwendet und es weitergeht im Text. So ganz nebenbei hat der Eindringling die Hackordnung klargestellt. Dumm nur, dass Sie sich darin ganz unten befinden in dem Moment.
Reinkommen und andere unterbrechen ist definitiv unhöflich
Jedoch: Gleich in der Sekunde, in der der Eindringling die Höflichkeitsgrenze überschreitet, muss er gestoppt werden. Am besten mit diesen Worten – und samt der passenden Handbewegung: „Bitte unterbrechen Sie uns nicht und lassen Sie uns erst zum Ende kommen. Danach können Sie sofort Ihr Anliegen vorbringen.“ Oder schneller und im Klartext: „Stop, einer nach dem anderen.“ Und dann ist wichtig, keine Pause eintreten zu lassen, sondern gleich weiter zu reden. Nur dieses dominante Verteidigen seiner Ich-war-zuerst-hier-Rechte hilft in diesem Fall. Für Frauen gilt dies umso mehr, neigen sie doch dazu, höflich zurück zu stehen.
Ähnlich ist die Situation, wenn ein Kunde an einem Tresen steht und mit dem Verkäufer spricht, dann aber das Telefon klingelt. Ist der Verkäufer überfordert, geht er direkt ans Telefon und lässt denjenigen, der sich eigens persönlich zu ihm bemüht hat, dumm herum stehen. Verkehrte Welt, oder? Auch hier hilft nur eins, hart bleiben, siehe oben. Es kann nicht sein, dass jemand so über die kostbare Zeit anderer verfügen darf. Zumal es für den Verkäufer Arbei tszeit ist und den Stehen-Gelassenen dessen wenige Freizeit.
Die rigide Banker-Floskel
Banken haben für diese Gelegenheit eine Strategie, die superunhöflich ist, aber effizient: Erreichen Sie Ihren Berater nicht, sondern einen unzuständigen Kollegen, rattert dieser routiniert herunter: „Herr Meier ist im Kundengespräch.“ Ende, aus, unterbrechen undenkbar, auch nicht per Telefon. Schön wäre nur, die Banker würden sagen „Herr Meier ist in einem anderen Kundengespräch.“, denn schließlich ist der Anrufer kein Bittsteller – sondern auch ein Kunde.
Lesetipp:
„Wie kommen Sie mir denn?“ von Gabriele Schlegel und Claudia Tödtmann
144 Seiten, 15,90 €
ISBN: 978-3709302057
Erhältlich unter http://www.handelsblatt-shop.com/buecher-eigener-autoren/wie-kommen-sie-mir-denn-p698.html










