Warum Lida-Award-Siegerin Cordelia Krooß ihren Preis verdient hat – Gastbeitrag 2 von Willms Buhse

Gastbeitrag, 2. Folge von Willms Buhse, Chef von doubleYUU in Hamburg

Vergangene Woche wurde der Managerpreis für Digital Leaders, Lida Awards 2012, vergeben: Gewonnen hat Cordelia Krooß, eine Nachwuchsmanagerin von BASF.

 

Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, bei der Verleihung des Managerpreises „Leader in the Digital Age Award“  www.lidaaward.org   auf der CeBIT in Hannover hautnah dabei zu sein. Als Mitorganisator und als Laudator hatte ich die Chance, mitzuerleben, wie einige Führungspersönlichkeiten geehrt wurden, die Prinzipien der Digital Leadership verinnerlicht haben. Sie orientieren sich an Werten wie Offenheit, Transparenz und Agilität und schaffen es, die Chancen der digitalen Vernetzung für ihre Arbeit zu nutzen.

 

Der Abend begann schon spannend: In einer bemerkenswert offenen Ansprache machte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode der versammelten Managerriege klar, dass ihre alten, auf starren Hierarchien basierenden Führungsmodelle in einer von permanenter Veränderung geprägten Welt nicht mehr funktionieren. Genau deswegen hatte das Niedersächsische Wirtschaftsministerium gemeinsam mit uns – dem Hamburger Unternehmen doubleYUU (www.doubleyuu.com) – und dem Netzwerk Medien & Wirtschaft der nordmedia neue Vordenker, Führungspersönlichkeiten und Transformatoren hat gesucht und in Jay Rogers, Tim Renner, Cordelia Krooß und der Otto-Group gefunden.

 

Warum ich Jay Rogers, Mitgründer und CEO des US-Autoherstellers Local Motors, und den Musikmanager Tim Renner für gute Preisträger halte, habe ich an dieser Stelle ja schon dargestellt. http://blog.wiwo.de/management/2012/03/03/welche-eigenschaften-brauchen-leader-gastbeitrag-von-willms-buhse/

 

Über den Newcomer-Preis von Cordelia Krooß habe ich mich ganz besonders gefreut. Denn irgendwie habe auch ich, ohne es zu wissen, dazu beigetragen, dass wir uns in diesem Rahmen gestern treffen konnten. Unter anderem hat sie, wie sie mir erzählte, die Lektüre meines Buches „Die Kunst, loszulassen“ dazu inspiriert, sich mit dem Thema digitale Vernetzung auseinanderzusetzen. (Ja, es geht bei diesem Buch um die Frage, wie man zeitgemäß führen und Mitarbeiter vernetzten kann, und nicht um Yoga, wie man vielleicht auch vom Titel her vermuten könnte 😉 )

 

Lida-Award-Gewinnerin 2012: Cordelia Krooß von BASF

Wie überzeugt sie von den innovativen Möglichkeiten ist, mi Hilfe von digitalen Werkzeugen Veränderungen anzuschieben, bringt sie unter anderem in einem Motto zum Ausdruck, das sie auf ihrer Google+-Profilseite veröffentlicht hat: „Some call it change. I call it life.“ Sie arbeitet seit 1994 bei BASF in verschiedenen Bereichen der Unternehmenskommunikation. Wissen zu teilen und zu vermitteln ist eine Aufgabe, mit der sie sich seit langem beschäftigt.

Wie aber schafft man es, dass in einem Unternehmen wie BASF die 109.000 Mitarbeiter in über 80 Ländern mit fast 400 Produktionsstandorten ihr Wissen auch austauschen können? Cordelia Krooß baut seit 2010 ein unternehmensweites internes Netzwerk, das über Abteilungen, Landesgrenzen und Themengebiete hinaus die Zusammenarbeit der Mitarbeiter ermöglichen soll. Mit psychologischem Gespür für die Bedürfnisse der Nutzer und handwerklicher Kompetenz im Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen kann sie bereits nach anderthalb Jahren beeindruckende nachhaltige Erfolge beim Aufbau dieses internen Netzwerks verbuchen.

Im Klartext: connect.BASF, die Software, über die die Leute bloggen, Wikis füllen, Experten finden und Fragen stellen und beantworten sollen, wird tatsächlich in der Breite genutzt. Das ist, wie ich aus vielen Enterprise-2.0-Projekten weiß, keineswegs die Regel. Oft verpuffen die Investitionen in die Vernetzungssoftware, weil niemand der Mitarbeitern erklärt, was sie damit tun können und sollen und die Führungsriese nicht die vernetzte Kommunikation vorlebt. Die interne Vernetzung mit Hilfe von Enterprise 2.0-Software, durch die sichergestellt ist, dass anders als bei Facebook oder anderen Sozialen Netzwerken sensible Daten immer auf den Servern des Unternehmens bleiben, kann man zwar im Vorstand beschließen, aber nicht den Mitarbeitern verordnen. Bei BASF läuft das dank Cordelia Krooß anders. Insgesamt lagen gut drei Jahre zwischen der ersten Idee zu einem solchen Netzwerk und seinem Start. Damit so ein Projekt auch Ergebnisse liefert, braucht man dazu eine besondere Persönlichkeit: Eine, die vermitteln und überzeugen kann, denn die Partizipation der Mitarbeiter an so einem Netzwerk kann man nicht erzwingen. Dementsprechend bedankte  sie sich gestern auch bei all denen bei BASF, die sich an dem internen Wissensnetz beteiligen: „Mein Lida-Award widme ich den 30.000 BASF-Kollegen, die sich bereits an connect.BASF beteiligen, um sich zu vernetzen, Wissen zu teilen und zu kollaborieren“, schrieb sie in einer Twitter-Nachricht.

https://twitter.com/#!/ShakespDaughter/status/177458443068780545

Auch das gehört zu einem Management-Preis wie dem Lida-Award: Auch die Anerkennung wird mit dem gesamten Team, allen Beteiligten, geteilt.

Und Otto? Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr ein Sonderpreis für eine bemerkenswerte digitale Transformation von der Jury vergeben. Der Gewinner des Sonderpreises ist die Otto Group. Der ehemalige Versandkatalog-Riese ist inzwischen zweitgrößter Online-Händler der Welt. Kaum ein Unternehmen demonstriert den erfolgreichen Wandel eines großen Handelsunternehmens auf dem Weg in die Netzgesellschaft so eindrucksvoll.

 

Dass Vorstandsvorsitzende Hans-Otto Schrader hat den Preis stellvertretend für den Konzern entgegen nahm, zeigt mir einerseits, dass auch der Lida-Award als junger Managerpreis nach nur zwei Jahren schon eine gewisse Bedeutung hat – was mich als Mit-Initiator sehr freut.

 

Er zeigt aber vor allem, wie wichtig für Otto das Thema Digitale Transformation ist. Die Führungsriege lebt den Wandel vor, statt ihn nur zu verordnen. Sie versucht intensiv, in Workshops selbst den digitalen Mindset zu entwickeln. So können die Führungskräfte wirklich als Vorbilder agieren und vorleben, was sie von ihren Mitarbeitern erwarten.

 

Der Erfolg gibt Otto Recht. Mit 74 Prozent entfallen mittlerweile rund drei Viertel des Gesamtumsatzes auf den Onlinehandel. Allein in einer Stunde werden auf otto.de rund 200.000 Euro Umsatz generiert.

 

Doch sich einmal neu zu erfinden und vom Katalog- zum E-Commerce-Unternehmen reicht nicht aus. Der Wandel ist auch weiterhin Pflicht, selbst wenn ein Unternehmen wie Otto es geschafft hat, im klassischen Netz anzukommen. Denn auch das Internet verändert sich ständig, Technologie entwickeln sich weiter, Nutzergewohnheiten ändern sich. Die Otto Group begleitet etwa besonders die technischen Entwicklungen rund um das Thema Mobile Shopping intensiv, um ihren Kunden auf die jeweiligen Endgeräte abgestimmte Services, Angebote und Darstellungsformen bieten zu können. Dass die Otto-Mitarbeiter diese Veränderungen nicht als Problem, sondern als Herausforderung bewerten und mit großer Eigeninitiative Antworten auf neue Entwicklungen finden, zeigt, dass die Führung von Otto schon ein gutes Stück auf dem Weg zur Entwicklung des digitalen Mindsets gekommen ist.

 

„Unsere Preisträger haben in ganz verschiedenen Unternehmen und Branchen gezeigt, dass neue, kreative Formen der  Zusammenarbeit nicht nur funktionieren sondern auch Innovationen erleichtern und Geschäftsmodelle ermöglichen“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Bode. Das finde ich ein absolut passendes Fazit für einen Abend, an dem vor allem die geehrt wurden, die neue, zeitgemäße Führungsmethoden leben.

 

http://www.mebucom.de/news/events/LIDA-Awards-auf-der-CeBIT-vergeben-3360

 

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