Welche Eigenschaften brauchen Leader? Gastbeitrag von Willms Buhse

Das Gastautor Willms Buhse ist Vortragsredner, Buchautor und Enterprise 2.0-Experte. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens doubleYUU in Hamburg.

 

Welche Eigenschaften brauchen Leader? Gedanken zu den Gewinnern des Leader-in-the-Digital-Age-Award (Lida)

Mit Jay Rogers, dem CEO das US-Autobauers Local Motors, und Tim Renner, dem Kopf hinter dem Musik-Netzwerk Motor, wurden gerade bemerkenswerte zwei Manager von einer hochkarätig besetzten Jury geehrt. Rogers ist Gewinner des http://lidaaward.com Leader in the Digital Age Award 2012 (LIida-Award), der unter dem Vorsitz von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode verliehen wird, in der Kategorie Manager/Vordenker 2012 . Tim Renner wird der Preis in der Kategorie Entertainment 2012 verliehen.

Ich habe beide als Jurymitglied unterstützt, denn beide sind eine gute Wahl, denn der Lida-Award, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen wird, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Manager auszuzeichnen, die vernetzt denken und zeitgemäße Leadership-Modelle erfolgreich umsetzen. Und genau das tun beide.

http://www.mw.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=5459&article_id=103408&_psmand=18 Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode nennt Jay zurecht „einen Manager, der sein Unternehmen perfekt an die Anforderungen einer vernetzten, digitalen Welt angepasst hat“.

Während andere Automotive-Firmen auf hermetisch abgeschlossene eigene Entwicklungsabteilungen setzen, Jay steht für die Idee, mit Hilfe einer Online-Community Autos in einem offenen Kollaborationsprozess zu bauen. Mitmachen darf jeder. Dazu muss man kein Ingenieur sein, sondern nur mit einem Web-Browser und – wenn man will – einem CAD-Programm umgehen können. Autofans rund um die Welt helfen Local Motors mit Ideen und Entwürfen und haben so das Design und die Bauteile des Ralley Fighters gestaltet, der seit letztem Sommer in den USA auf den Straßen fährt.

So schnell wie das total vernetzte Auto-Unternehmen Local Motors kann kein anderer Fahrzeug entwickeln. 18 Monate dauete es vom Enturf bis zu dem Zeitpunkt, am den der Rally Fighter, das erste Auto von Local Motors auf der Straße fuhr. Bisher reden wir in der Automotive-Industrie über einen Zeitraum von fünf Jahren und mehr, um ein neues Fahrzeug zu entwickeln. So schnell ist Local Motors nur, weil Jay verstanden hat, vernetzt zu denken und die Dynamik des Webs zu nutzen.

Auch über den Preis von Tim Renner – wirklich ein http://www.nordmedia.de/presseinfomodul/detail/395.html Taktgeber der Musikindustrie – freue ich mich. Tim kenne ich seit 15 Jahren und bin beeindruckt, mit wie viel Engagement er dafür kämpft, dass sich die Unterhaltungsindustrie neu erfindet. Besonders zu Zeiten von  https://de.wikipedia.org/wiki/Napster Napster war es selten, dass ein Musikmanager das Internet nicht als Teufelszeug ansah, sondern als Chance betrachtet für Künstler, mit Fans zu interagieren und neue Erlösmodelle aufzubauen.

Beides sind Manager, die viele Eigenschaften mitbringen, die für heutige Führungskräfte unabdingbar sind: Beide haben einen digitalen „Mindset“, das heißt: Sie haben verstanden, wie das Internet funktioniert. Sie haben Werte, wie sie für die Netzgemeinschaft selbstverständlich sind, verinnerlicht: Sie leben Offenheit, Transparenz, Agilität, Flexibilität und Dialogbereitschaft vor.

Jay hat sein ganzes Unternehmen um diese Werte herum aufgebaut. „Transparenz, Partizipation, Agilität und Offenheit sind Werte, die Local Motors auf allen Ebenen prägen“, sagt er. Das sind nicht nur leere Worte: Die Community Manager, die die Nutzergemeinschaft steuern und motivieren, sind in seinem Unternehmen so wichtig wie die Ingenieure. Kommunikation mit den Netznutzern hat für Local Motors absolute Priorität.

Die Konstruktionsdaten für den Ralley Fighter sind im Internet zu finden. Konstruktionsdaten sind in der übrigen Automotive-Industrie – eine Branche, die es in der Disziplin Geheimhaltung leicht zur Weltmeisterschaft bringt – das am besten gehütete Geheimnis. Local Motors macht sie öffentlich, damit die Netzgemeinschaft sie verbessern kann. Die Community entscheidet, welche Entwürfe die besten sind. Jay führt, aber er befiehlt nicht. Er ist der oberste Vernetzer, ein Leader, der motiviert, und moderiert,  der dafür sorgt, dass das Wissen fließt und Mitarbeitern und Community-Aktiven eine Bühne baut, auf der sie kreativ sein können. Aber darüber vergisst er auch das Anführen nicht. Er entscheidet schlussendlich, welche der vielen Ideen mit dem Budget von Local Motors umgesetzt werden. Local Motors ist ein gutes Beispiel dafür, dass die netz-gestützte Zusammenarbeit – die sogenannte Collaboration – ausschließt, dass jemand zentral unternehmerische Entscheidungen trifft.

Wie gut diese Vorgehensweise funktioniert, haben wir bei doubleyuu Ende 2012 zusammen mit T-Systems und der Universität St. Gallen http://www.doubleyuu.com/local-motors-studienergebnisse/ in einer Studie  nachgewiesen.

Während Ford beispielsweise für seinen 4-Wheel-Drive F150 in fünf Jahren etwa 1,5 Milliarden Dollar investieren musste und Tesla für den Roadster sechs Jahre und 250 Millionen Dollar Kapital benötigte, kam der Rally Fighter, das erste Modell, das Local Motors zum Verkauf anbietet, mit einem Budget von 3,6 Millionen Dollar aus. Local Motors muss also nur ein bis zwei Prozent des Kapitals aufwenden, das die klassische Automotive-Industrie in ein neues Fahrzeugmodell investiert.

Bereits jetzt ist Local Motors nach eigenen Angaben an einem Punkt, an dem schon 150 verkaufte Fahrzeuge pro neuer Serie ausreichen, um den Break-Even zu erreichen. Nicht schlecht, oder?

Auch Tim hat den digitalen „Mindset“ verinnerlicht: Er schreibt nicht nur Bücher über den Wandel in der Musikindustrie, sondern ist permanent online als Blogger aktiv. Und er setzt nicht auf ein Alternativmodell zum bisherigen Musikgeschäft, sondern er reagiert – wie Jay Rogers – situativ auf Veränderungen. Er stellt sich dem massiven Umbruchsprozess, den die globale Vernetzung und Digitalisierung in der Musikindustrie eingeleitet haben, durch mutiges Ausprobieren. Statt alten, zum Niedergang verurteilten Geschäftsmodellen nachzutrauern, begann er, neue aufzubauen: als der Kopf hinter Motor FM, einem auf neue Künstler spezialisierten Musikradio, als Chef von Motor Entertainment einer Firma die den Künstlern als Dienstleister ihre Veröffentlichungen managed, oder als Vorstand und Begründer der all2gethernow, einem Berliner Netzwerk welches Musikern auf den Weg in die Unabhängigkeit hilft.

Tim und Jay können etwas, was viele Führungskräfte heute noch nicht können: Sie haben sich von der agilen Software-Entwicklung abgeschaut, wie man heute managed. Sie orientieren sich nicht an alten Führungsmodellen wie „Command and Control“ oder kooperative Führung, bei denen letztlich doch immer der einsame Manager allein die Definitionsmacht darüber hat, was richtig, notwendig und angemessen ist.

Ihre Managementmethode erkennt an, dass man als Führungskraft nicht immer allein und im Voraus alles am Besten weiß. Wie bei einem agilen Software-Projekt denken sie an das große Ganze, gehen aber in kleinen Schritten vor. Im agilen Management werden keine Demoversionen einer Software, wohl aber andere Zwischenstände, etwa aus der Arbeit an der Organisations- oder Konzeptentwicklung, vorgestellt, bewertet und durch das schnelle Feedback fortlaufend zielführend weiterentwickelt. Jeder Zwischenschritt wird vom Team bewertet. Die so gewonnen Erkenntnisse werden genutzt, um zu definieren, wie der nächste Projektschritt aussehen soll.

Dieses Vorantasten erlaubt es, permanent auf Probleme und neue Anforderungen zu reagieren. Auf Methoden aus dem agilen Management zu setzen ist eine sinnvolle Methode, um in einer Zeit erfolgreich zu sein, die vom Netz und einem dauerhaften, extrem dynamischen Wandel geprägt ist.

Das allerdings ist eine Erkenntnis, die noch nicht besonders weit in der Geschäftswelt verbreitet ist. Genau deshalb freut es mich so, dass gerade Jay und Tim 2012 den LIDA-Award am 7.3. 2012 im Zuge einer Abendveranstaltung auf der Cebit verliehen bekommen. Und zwei weitere Preise folgen als Überraschung noch.

P.S. Wer Lust hat, daran teilzunehmen, dem gibt die WiWo exklusiv die Chance dazu:

Wir haben fünf Tickets für den Lida-Award, die wir nach dem Prinzip first come-first serve vergeben.

Bitte eine einfache Mail mit Ihren Koordinaten schicken an: claudia.toedtmann@wiwo.de mit dem Betreff „Lida Award-Tickets“

 

 

Über den Gastautor: http://www.willmsbuhse.com

http://www.doubleyuu.com

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Alle Kommentare [1]

  1. Leider waren die Karten schnell vergriffen – vielen Dank für die rege Beteiligung! Ich freue mich daruf, die 5 Gewinner persönlich zu treffen.
    Wir haben tolle Gäste zur Verleihung!
    Und jetzt muss ich die Laudatio für den Vordenker/Manager 2012 fertig vorbereiten….