Business Behave: Verabredungen sind keine Wanderpokale

Wer eingeladen ist zu einem Abendessen, bei Freunden zuhause, der käme nie auf die Idee, diese nicht selbst wahrzunehmen und stattdessen einen Nachbarn oder wen auch immer hinzuschicken. Doch wieso bloß kommen manche Menschen zu dem Schluß, dass man im Berufsleben so etwas mit anderen veranstalten darf?

Stellen Sie sich vor, Sie verabreden sich mit jemandem – nehmen wir mal einen Geschäftspartner, der einen ebenso engen Terminplan hat wie Sie selbst. Um ein neues Projekt zu besprechen. Kurz vor dem Termin erfahren sie plötzlich ganz nebenbei per Mail, dass jemand ganz anderes  auftauchen wird. Und zwar von dem Eingetauschten direkt. Jemand ohne dieselbe Entscheidungsgewalt wie Ihr eigentlicher Ansprechpartner, sehr freundlich zwar, aber leider eben nicht nur im Rang niedriger, sondern auch nicht mit derselben Sachkenntnis und Erfahrung ausgestattet. Und auch nicht mit Entscheidungsgewalt. Und ohne auch nur ein Wort der Entschuldigung von Ihrem eigentlichen Date. Super-Idee. Was tun Sie nun also, wenn Sie nicht unhöflich sein wollen – obwohl Ihr Date es längst ist. Sie wollen es nicht an dem netten Reserve-Kandidaten auslassen – und empfangen ihn. Sie bringen mit Anstand gemeinsam eine Stunde rum, nur haben Sie leider nicht viel davon.

Das Ganze kann auch in umgekehrter Richtung laufen: Sie wollen  per Telefon am selben Nachmittag nur kurz eine Absprache treffen und machen einen Telefontermin aus, für den sie nur wenigen Minuten verplanen. Doch der andere teilt ihnen zwei Stunden vorher per Mail mit, dass Sie dessen Auftraggeber direkt anrufen wird. Dann könne man gleich in medias res gehen und die entscheidenden Punkte abhaken. Soweit so nett: Nur dass Sie  erstens nicht bis dahin entsprechend eingearbeitet und vorbereitet sind, denn Sie haben für die Stunden anderes im Terminplan stehen. Und zweitens brauchen Sie für diese Art Gespräch mit diesen Ansprechpartner mindestens eine Stunde Zeit – die Ihnen an dem Tag ohnehin fehlt.

Also was tun? Ziehen Sie die Notbremse und sagen klar „nein, heute nicht“, kommt zwar gerne noch eine beleidigte Reaktion und der Schwarze Peter wird Ihnen in die Schuhe geschoben – nach dem Motto man habe „Ihren  Termin mit dem Betreffenden jetzt abgesagt“. Wie bitte? Wer hatte was vereinbart? Angepeilt war ein 5-Minuten-Gespräch und womit der andere Sie überrennt und wozu er Sie nötigen wollte, war ein einstündiges, ergebnisorientiertes  Konferenzgespräch mit jemand ganz anderem. Und mit dem und dazu hatten Sie sich ganz klar nicht verabredet. Jedenfalls nicht an dem Tag.

Das Ende vom Lied: Dicke Luft. Ihr Gegenüber fühlt sich vorgeführt, Sie fühlen sich zum Wanderpokal degardiert. Schließlich sind Sie kein Kinderkarussel vorm Supermarkt. Wo jeder, der einen Euro einwirft, ein paar Minuten auf dem Elefanten reiten darf – er selbst oder eben seine Kinder. Dem Elefant ist das egal, wer reitet. Dem Supermarktchef auch. Die Zeit auf dem Karussel ist dann verkauft. Genauso ist es aber mit einem Geschäftspartner keineswegs.

Fakt ist: Wenn sich im Berufsleben zwei Menschen verabreden, müssen es schon beide so wollen. Jeder hat Erwartungen an sein Gegenüber, das Gespräch, dessen Dauer und an das Ergebnis. Dies darf keiner einseitig ändern und den anderen dadurch in Zugzwang bringen oder sonstwie unter Druck setzen. Und ihm im harmlosesten Fall einfach nur die Zeit stehlen.

Denn so persönlich geht es immer noch überall zu. Jeder Friseur vergibt seine Termine und will wissen, wer wann bei ihm auf dem Stuhl Platz nimmt.   Und sich drauf einstellen können. So wie eine Autowerkstatt kaum demjenigen mit einer Reklamation den Super-Termin gibt, sondern einem lukrativen Kunden. Und so wie ein Abteilungsleiter sehr wohl sofort Zeit freischaufelt für einen Termin mit seinem übergordneten Direktor – aber dasselbe nicht tun würde für einen Vertreterbesuch. Und ebensowenig kann ein Vertreter der Firma Brandneu seinen verabredeten Termin mit diesem Abteilungsleiter verschachern an einen anderen Verteter von Superklar.

Denn: Wer ist schon gerne eine Parkuhr? Der ist nämlich egal, wer an ihr steht.

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