Ein Teller Falafel-Avocado-Bowl mit Immobilienrechtlerin Julia Haas: „Wer unterschreibt, muss wach bleiben“

Das Pony auf der Wiese warf Julia Haas als Fünfjährige in Schweden immer wieder ab. Und immer wieder kletterte sie drauf. Weil sie unbedingt reiten lernen wollte. Das war im Sommerurlaub, ihre Eltern hatten dort ein Ferienhaus. Trotz Ferien jobbte sie später dort bei einer Jeanskette, lernte nebenbei schwedisch. Als Studentin dann blieb sie für den Masterstudiengang auch länger in Stockholm.

 

 

Julia Haas (Foto: C.Tödtmann)

 

Damals steuerte die Anwältin von Freshfields, die heute Teamchefin der Immobilienrechtler ist und Mandanten wie Vonovia oder Union Invest berät, noch aufs Verwaltungsrecht zu. Sie verglich den Ombudsman in Schweden mit dem in Deutschland – doch beide haben eigentlich nur die Bezeichnung gemein. Denn der in Schweden ist ein Jurist, bei dem sich Bürger beschweren können. Er guckt den Behörden auf die Finger, kontrolliert, untersucht Missstände und hat dafür einen ganzen Apparat zur Verfügung, erzählt Haas. Also so etwas wie eine Aufsichtsbehörde, ein Kontrolleur für die Verwaltung. Das sollte es auch hier geben, findet sie.

Aus dem „verpeilten Pony“ in Schweden damals vor 40 Jahren wurde inzwischen ein 26 Jahre altes Schulpferd. Devento lebt im Freien, in einer Herde jahraus jahrein bei Schnee, Regen und Eis. Ganz ohne Reitstall und Boxen, stattdessen auf einer Wiese mit Unterständen aus Holz und, wenn´s dicke kommt, mit einer Art Schutzmantel.

 

Durchverhandeln bis morgens um 8.30 Uhr

Und genauso wie Julia Haas ihr Pferd lenkt, hält sie ihr Anwälte-Team – und wenn´s sein muss auch die Mandanten – bei der Stange, wenn ein Immobiliendeal eine ganze Nacht lang bis morgens 8.30 Uhr durchverhandelt wird, erzählt sie. So lange, bis endlich beurkundet wird. Ihr Motto: „Wer unterschreibt, muss wach bleiben, den muss man bei Laune halten“ Mit Süßigkeiten, Kaffee und den Resten vom Buffet vom Vorabend. Zur Not verhandelt sie eine Frage nochmal neu, das mache auch wach, sagt die gebürtige Dortmunderin.

Dass sie nicht nur bei Ortsbegehungen auf Baustellen mit Helm und Sicherheitsschuhen, sondern auch bei  Deals oft eine der wenigen Frauen unter vielen Männern ist, stört sie nicht. „Einfach in den Verhandlungsraum reingehen und loslegen“, ist ihre Devise. In Schweden hat sie nämlich auch das gelernt: Männer und Frauen waren dort schon vor 25 Jahren gleichberechtigt, erzählt sie.

 

Ohne langes Fackeln

Und wenn´s sein muss, wird Haas auch sehr energisch: Als sich bei einem Vertragsabschluss der Anwalt der Gegenseite ein Dokument kurzerhand nahm, weil man ja jetzt durch sei, wurde sie ihrem Sternzeichen Löwe sofort gerecht. Sie schnappte es sich sofort zurück. Ohne lange zu fackeln, denn ihr Klient hatte ihr eingeschärft: Das Dokument gibt´s erst ganz am Ende, und zwar wenn das Geld geflossen ist.

Und am Ende von Deals gibt es dann Momente wie den, als sie zusammen mit den Mandanten nach geschlagener Schlacht den Sonnenaufgang über Frankfurt ansieht und wieder Luft holt. Wenn der Deal unter Dach und Fach ist, die Minuten sind ihr wichtig.

 

 

(Foto: C.Tödtmann)

 

 

 

 

 

 

 

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