Seit Tagen erwarte ich ihn mit Sehnsucht. Fast mit mehr Vorfreude als Weihnachten. Und es ist auch nicht der Weihnachtsmann, sondern der Service-Mann von Siemens. Aber beide haben was gemeinsam für mich: Der eine existiert nicht, habe ich irgendwann kapiert – und der andere ist zwar real, erzählt aber kaum Vorstellbares. Haben Sie schon mal von „schwimmenden Sieben“ in Geschirrspülmaschinen gehört? Ich bis heute nicht. Bedeuten sollen sie Folgendes, so der Siemens-Techniker, der für den Raum Düsseldorf zuständig ist: Wenn ein Essensrest auf einem Teller war, wird er nicht vom Sieb aufgefangen – wie früher und seit Jahrzehnten – sondern schwinmmt drunter durch. Und dieser Essensrest – ich frage mich, was das sein soll – soll jetzt unter irgendeiner Motortrommel hängen und die sogar verbeult haben. So dass jetzt ein neuer Motor fällig sei – für die flüsterleise horrend teure Siemens-Geschirrspülmaschine, die erst vor neun Monaten angeschafft wurde.
Auf Anraten des lokalen Fachhändlers um die Ecke – der mich keineswegs aufgeklärt hat über das neue schwimmende Sieb und die hohen Risiken, die damit verbunden sind. Ist das nicht wiederum ein Schadensersatzfall?
Es gibt eine Bescherung – aber die falsche
Ob er das einem Mann auch erzählt hätte? Ich habe ein kurzes Deja-Vu-Erlebnis an manchen Autowerkstattbesuch in grauer Vorzeit. Oder ist das ganze ein Märchen, damit ich Schuldgefühle habe und am Ende Dankbarkeit empfinden soll, wenn das Ganze ein Garantiefall ist und ich nicht noch mehrere hundert Euro blechen muss. Schwimmende Siebe, die Essensreste direkt an die empfindlichen Teile durchlassen? Und was für Essen auf meinen Tellern soll so hart sein, dass es eine ganze Motortrommel beschädigt? Es übersteigt meine Fantasie. Ausnahmsweise.
Doch schlagartig wird mir vor allem eins klar: Heute ist tatsächlich keine Bescherung. Jedenfalls keine wie am 24.Dezember. Der Weltkonzern Siemens braucht noch weitere sechs Tage, um mir dieses Ersatzteil zu liefern. Innerhalb Deutschlands und in einer deutschen Großstadt. Sechs lange Tage, an denen working mom alles mit Hand spülen muss – obwohl ich doch erst vor kurzem so viel investiert habe in ein Gerät meines Vertrauens.
Major Healy, der die Maschinen versteht
Auf twitter kamen schon vorher – während der ersten langen Durststrecke vor der ersten Techniker-Audienz – erste Beileidsgrüße von puravida, einer anderen working mom, die mir den Namen des Elektrikers ihres Vertrauens anbietet. „Major Healy, der den Maschinen zuhört und sie versteht“, twittert sie. Das klingt gut.
Und wissen Sie, warum ich ganz plötzlich noch viel geneigter bin, nächstes Mal lieber Major Healy anrzurufen? Weil ich vor einige Zeit erzählt bekommen hatte, dass die Siemens-Techniker Umsatzdruck haben. Ein ehrgeiziger Manager soll sie angefeuert haben, den Umsatz zu verdoppeln. Wohlgemerkt, den Umsatz der Kundendienstabteilung.
Das kann nur eins bedeuten: Entweder ist tatsächlich die Qualität dieser Markenprodukte nur noch halb so gut und erheblich gesunken. Bei der Vorstellung fällt mir wieder der chinesiche Konsument ein, der den Siemens-Kühlschrank öffentlich zertrümmerte. Oder… es wird sprunghaft mehr und teurer repariert als noch im Vorjahr. Das bedeutet was? Statt einer Schraube zwei Schrauben, statt 30 Minuten 60 Minuten undsoweiter. Alles Dinge, die ein Konsument sowieso nicht kontrollieren kann. Des Wahnsinns fette Beute.
Und dann kapier ich auch, warum mir der Techniker schon bei seinen letzten Einsätzen eine Reparaturen-Versicherung verhökern wollte. Das war mir aber zu kompliziert und ich hing noch der Vorstellung an, ein Markenprodukt für so viel Geld…das könne doch nicht so schief gehen.
Schwimmende Siebe, die nicht mehr mit Essensresten fertig werden wie die Maschinen früher, an die habe ich damals nicht gedacht. Wie auch, wenn mich selbst der Fachhändler nicht warnt.
Wahrscheinlich sollte ich bei Ebay eine möglichst alte Geschirrspülmaschine kaufen. Eine robuste, wie es sie noch vor Erfindung alle Öko-Maschinen gab, die jahrzehntelang treue Dienste verrichtete und nicht kleinzukriegen war. Puravida erzählt mir schon vor längerem, dass genauso eine von ihr jetzt im örtlichen Kindergarten spült – und sie selbst unter einer neuen Modernen leidet.
Wie kommt es nur, dass ich mich in der Rolle als Konsument immer unglücklicher fühle, immer mehr als Opfer und Spielball fremder Mächte? Glaubt Siemens tatsächlich, dass das meine Konsumfreude steigert?
Die anderen Hürden der zentralen Reparatur-Service-Organisationen: Unauffindbare Geräte-Typ-Nummern: https://blog.wiwo.de/management/2010/05/20/wenn-der-herd-flammen-schlagt-aber-ohne-unauffindbare-geratenummern-nichts-lauft/

Ein echt interessanter Artikel. Irgendwie kaum vorstellbar, aber wahrscheinlich wahr.
Ein sehr guter Artikel, wie oft habe ich mich schon geärgert, dass ziemlich teure Neugeräte sehr schnell den Geist aufgeben und man sich vom Kundendienst bzw. Fachhändler eig. total über den Tisch gezogen fühlt, da man nun auch noch bei einem fast neuen Gerät eine teure Reparatur zahlen soll, die man angeblich selbst verschuldet hat… An solchen Tagen denkt man sich dann oft „Früher war alles besser“.
Ich kann also selbst gut nachvollziehen, wie du dich mit deiner Geschirrspülmaschine gefühlt haben muss. Zu Siemens muss ich jedoch sagen, dass ich gerade mit dem Siemens Kundendienst bislang überraschend positive Erfahrungen gemacht habe.