Management-Coach und Ex-Manager Hanns-Ferdinand Müller hat einen Wunsch: Er wünscht sich mehr feine Kerlinnen und Kerle. Deshalb hat er exklusiv für den Management-Blog ein Manifest geschrieben:
Die zwölf Prinzipien der feinen Kerlinnen und Kerle.
Keine Regeln für Perfektion. Keine Anleitung zum besseren Menschen. Sondern zwölf Punkte, was gute Führung im Kern ausmacht. Denn ein feiner Mensch ist kein fertiger Mensch. Ein feiner Mensch ist jemand, der bereit ist, jeden Tag an sich zu arbeiten.

Hanns-Ferdinand Müller (Foto: C.Tödtmann)
Die zwölf Prinzipien sind:
- Haltung vor Hierarchie
Ein Titel macht noch keine Führungskraft. Entscheidend ist die Haltung dahinter. - Menschenwürde vor Macht
Macht ist niemals dazu da, Menschen kleiner zu machen. Sie ist eine Verantwortung. - Hirn, Herz und Hintern verbinden
Gute Entscheidungen brauchen Verstand, Empathie und die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen. - Zuhören, bevor man spricht
Wer Menschen führen will, muss zuerst verstehen wollen. - Klarheit ohne Härte
Man kann deutlich sein, ohne verletzend zu werden. - Mut zur Wahrheit
Feine Menschen sagen auch unbequeme Dinge – aber immer mit Respekt. - Demut trotz Erfolg
Erfolg ist niemals nur das Ergebnis eigener Leistung. Immer gehören andere Menschen dazu. - Menschen entwickeln, statt Menschen zu benutzen
Die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft ist, andere größer zu machen. - Verantwortung übernehmen
Feine Menschen suchen keine Schuldigen. Sie suchen Lösungen. - Charakter zeigen, besonders wenn es schwierig wird
Der wahre Charakter zeigt sich nicht in guten Zeiten, sondern in Krisen. - Vorbild sein, bevor man Vorbild sein will
Führung beginnt nicht mit Worten. Sie beginnt mit dem eigenen Verhalten. - Spuren hinterlassen, nicht nur Ergebnisse
Am Ende zählt nicht nur, was wir erreicht haben, sondern wen wir auf diesem Weg geprägt haben.
Denn irgendwann kommt für jeden von uns der Moment, in dem Titel, Position und Visitenkarte keine Rolle mehr spielen. Der Tag, an dem wir außer Dienst sind. Wenn wir nicht mehr Vorstand, Geschäftsführer oder Führungskraft sind. Vielleicht der Tag der Pensionierung. Vielleicht irgendwann auch der letzte Tag unseres Lebens.
Und dann bleibt nur eine einzige Frage:
Was sollen Menschen über dich sagen?
Nicht:
Wie groß war dein Büro?
Wie viele Mitarbeiter hattest du?
Wie viele Projekte hast du geleitet?
Wie viele Zahlen hast du bewegt?
Sondern:
Wie war dieser Mensch?
War er jemand, bei dem ich mich gesehen gefühlt habe?
War sie jemand, die mir Mut gemacht hat?
War er jemand, der mich gefordert hat, ohne mich kleinzumachen?
War er jemand, der auch dann Haltung gezeigt hat, wenn es unbequem wurde?
War er jemand, dem ich vertraut habe?
War er jemand, von dem ich sagen würde: „Ich bin ein besserer Mensch geworden, weil ich ihm begegnet bin.“
Und genau dann kommen wir zur entscheidenden Frage:
Warst du ein feiner Mensch?
Denn am Ende erinnern sich Menschen nicht an unsere PowerPoint-Präsentationen. Sie erinnern sich nicht an unsere Organigramme. Sie erinnern sich nicht an unsere Titel. Sie erinnern sich daran, wie wir sie behandelt haben.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Führungskennzahl des 21. Jahrhunderts.
Nicht EBITDA. Nicht Aktienkurs. Nicht Marktanteil.
Sondern:
Habe ich Menschen größer gemacht?
War ich ein feiner Mensch?
Wenn wir diese Frage häufiger mit Ja beantworten könnten, wären unsere Unternehmen nicht nur erfolgreicher. Sie wären menschlicher.
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