Ein Teller Schweinefilet mit Headhunterin Sabine Hansen, die weiß, welche Fehler Karrierefrauen machen

Ein Teller Schweinefilet mit Headhunterin Sabine Hansen, die weiß, welche Fehler Karrierefrauen machen

Frauenförderung ist Sabine Hansens Ding. Schon lange. Viele Jahre hat die Headhunterin bei renommierten Adressen wie Booz Allen, Heidrick & Struggles oder Kienbaum Executive Search gearbeitet. Vor neun Jahren gründete sie mit der Anwältin Natalie Daghles das Mentoring-Programm für junge Business-Frauen, IWil  und dann ihre eigene Personalberatung She4her Leadership Consulting. Doch derzeit – unter dem Druck der Krise – scheint es mit der Frauenförderung in den Unternehmen eher rückwärtszugehen. Oft sind es die Frauen, die die Vorstände jetzt verlassen müssen. Von Personalexpertin  Hansen will ich wissen, warum das so ist.

Sabine Hansen (Foto: C. Tödtmann)

 

Wie es Männer anstellen, dass Frauen nicht mitspielen dürfen

Digitalunternehmerin Katja Nettesheim erzählte hier vor einiger Zeit im Management-Blog, was sie hinter den Kulissen der Top-Manager erlebte und dass Frauen auf der Topmanagement-Ebene oft nicht mitspielen dürfen. Wie männliche Kollegen sie austricksen, Entscheidungen an ihnen vorbei lancieren. Wie sie Frauen gleich nicht in die wirklich wichtigen Gremien hineinlassen. Oder wie sich Männer schon vor der entscheidenden Sitzung – heimlich – untereinander abstimmen und frühzeitig für Ergebnisse sorgen, die sie haben wollen.

Der typische Fehler, den Karren der Vorgänger aus dem Dreck zu ziehen

Hansen hat Antworten auf die Frage, welche Fehler gerade Frauen in der Chefetage machen. Sie lernen nicht von anderen, meint die Headhunterin. Und sie begehen oft taktische Fehler. Zum Beispiel: Einen Job zu übernehmen mit unerledigten Aufgaben, die der Vorgänger im Amt nicht geschafft hat. Dann müssen sie mit einer Hypothek belastet starten und erst mal den Karren aus dem Dreck ziehen. Sie müssen das tun, was der Vorgänger nicht hinbekommen hat, erzählt Hansen.

Ohne eigene Hausmacht geht es nicht

Oder: Typisch für Managerinnen sei, dass sie alleine im neuen Job antreten, ohne eigene Buddys mitzubringen. Männer ticken da anders, vergleicht die Personalexpertin. Männer bringen in die neue Firma eine Seilschaft mit, oder sie ziehen dort ihre Kandidaten hoch und bauen sich zügig eine Hausmacht auf. Ein Erfolgsrezept, das schon Friedrich Joussen bei TUI als CEO Schlagkraft sicherte und ihm zum Erfolg verhalf. Einer der Kardinalfehler von Frauen sei, zu verkennen, dass sie übersehen: Sie müssen ab Tag eins liefern, beobachtet Hansen. Und das geht mit Verstärkung im fremden, neuen Terrain besser als alleine auf weiter Flur.

Der Fehler, nicht über Budget und Ressourcen noch vor dem Vertragsschluss mit der neuen Company zu verhandeln

Gerade Frauen unterliefe der Fehler, Jobs anzunehmen, in denen sie weder Budget noch Ressourcen zur Verfügung gestellt bekämen, erlebt die Headhunterin. Dass sie diese Punkte schon bei ihrer eigenen Vergütungsverhandlung gleich zu Beginn mitverhandeln sollten, käme ihnen gar nicht in den Sinn. Tut sie es nämlich nicht, muss immer erst der Vorstand über jede Einzelheit entscheiden – so werden Frauen zu Bittstellerinnen gemacht.

Erst das künftige Terrain sondieren

Warum? Vor lauter Freude über den angebotenen Job fragen viele Frauen zu wenig nach, bevor sie ihn antreten. Sie versäumen es, darauf zu bestehen, alle anderen Vorstände und jeden einzelnen Aufsichtsrat noch vor der Vertragsunterzeichnung zu treffen. Zu groß sei ihre Angst, als kompliziert wahrgenommen zu werden.

Dabei wäre es auch für sie überlebenswichtig, schon vor Jobantritt etwa dies herauszufinden: Gibt es Widerstände? Von wem sind Störmanöver zu erwarten? Und umgekehrt: Wer hat welches Interesse daran, dass sie den Job bekommt?

 

(Foto: C.Tödtmann)

 

 

 

 

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