Buchauszug Philipp Depiereux und Friedrich Arnold: „Mut zur KI: Wie wir mit neuem Mindset Unternehmen erfolgreich in die Dekade der KI führen“

Buchauszug Philipp Depiereux und Friedrich Arnold: „Mut zur KI: Wie wir mit neuem Mindset Unternehmen erfolgreich in die Dekade der KI führen“

 

Philipp Depiereux (Foto: PR / Gabal Verlag)

 

Die Dekade der Künstlichen Intelligenz hat begonnen – und sie entscheidet darüber, ob wir in Europa den Anschluss halten oder unsere Zukunft aus der Hand geben. Philipp Depiereux und Friedrich Arnold zeigen, wie die KI-Transformation in Unternehmen gelingt. Mut, Haltung und Tempo sind die drei entscheidenden Faktoren.

Die Dekade der KI 


Die Hörmann Gruppe aus Kirchseeon ist ein mittelständischer Verbund aus rund 30 Gesellschaften. Anders als das bekannte gleichnamige Unternehmen für Garagentore steht diese Hörmann Gruppe für eine breite industrielle Basis: von Automobilzulieferung über Kommunikations- und Sicherheitstechnik bis hin zu Engineering-Dienstleistungen. Diese Vielfalt an Branchen, Prozessen und Kulturen ist sowohl Stärke als Herausforderung für die digitale Transformation.

 

Friedrich Arnold (Foto: PR / Gabal Verlag)


Friedrich Arnold ist Geschäftsführer der Hörmann Digital GmbH und Mitautor dieses Buches. Er versteht sich als Brückenbauer zwischen Technologie und Alltag im Mittelstand: pragmatisch, bodenständig und mit einem Faible dafür, komplexe Themen greifbar zu machen. Humorvoll im Ton, klar im Anspruch – so begleitet er die Gruppe auf ihrem Weg durch die Dekade der KI. 


Die folgenden Seiten zeigen, wie eine mittelständische Gruppe KI langfristig verankert – mit spitzen Use Cases, viel Enablement und ehrlichem Erwartungsmanagement.


Der Startpunkt: Führungskräftetagung 2024 


2024 fiel der Startschuss – und zwar nicht mit einer trockenen Präsentation, sondern mit einem echten Erlebnis. Statt Zukunftsprosa stand eine Prompting‑Challenge für Geschäftsführungen und Vorstand auf dem Programm. In nur 20 Minuten entstanden live erste Business‑Skizzen – keineswegs perfekt, aber so überraschend konkret, dass viele Führungskräfte zum ersten Mal dachten: Aha, das kann mir schon heute Arbeit abnehmen. Dieser Aha‑Moment markierte den Wendepunkt. 


Die Dekade der KI wurde bewusst als Langstrecke ausgerufen: kein Hype, kein Strohfeuer, sondern ein zehnjähriges Programm. Es soll Fähigkeiten aufbauen, Lernkultur etablieren und die Organisation Schritt für Schritt verändern. Für Skeptiker war die Botschaft klar: Aussitzen hilft hier nicht. 

Warum diese Langfristigkeit? Ein zentraler Treiber ist der demografische Wandel. Viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen gehen in den Ruhestand, jahrzehntelang aufgebautes Wissen droht verloren zu gehen. Die Mission der Dekade lautet daher: Wissen sichern, Arbeit erleichtern, Risiken beherrschbar machen. Oder einfacher gesagt: Wir wollen mit derselben Mannschaft mehr Wert schaffen. Künstliche Intelligenz ist dabei das Werkzeug, doch der eigentliche Wandel passiert bei den Menschen.

 

Hier zeigt sich besonders das Motiv Haltung: Nicht Technik um der Technik willen, sondern ein klarer Wertekompass. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, Menschen mitzunehmen und ihnen die Sicherheit zu geben, dass KI ihre Arbeit unterstützt – und nicht ersetzt. Und es braucht Mut, sich offen auf Neues einzulassen, auch wenn nicht jeder Schritt von Anfang an perfekt ist. Nur so kann aus einem Aha‑Moment ein nachhaltiger Kulturwandel werden. 


Doch die Mission reicht noch weiter: Die Hörmann Gruppe möchte mit der Dekade der KI nicht nur den demografischen Wandel abfedern, sondern auch die eigenen Stärken ausbauen. KI soll Innovationsfreude entfachen, Kunden mit besseren Angeboten begeistern und Hörmann zu einem attraktiven Arbeitgeber für Talente machen. So wird aus einer Risikoabwehr eine positive Zukunftsstrategie: 


KI ist der Motor für neues Denken, für mehr Wettbewerbsfähigkeit und für Arbeitsplätze, die Menschen gern einnehmen, weil sie Sinn stiften und moderne Werkzeuge bieten. 


Mut: Start in der Nische statt Big Bang 


Ein kleines, scharfes Problem lösen – so begann die KI‑Reise bei Hörmann. Ein Beispiel dafür ist die zeitaufwendige Protokollerstellung nach Meetings. Genau hier setzte die Gruppe mit der selbst entwickelten KI-App Genmi an. 

Der Gedanke war so schlicht wie wirkungsvoll: Wenn KI Routinearbeit übernimmt, gewinnen Menschen Zeit für das Wesentliche. Innerhalb weniger Wochen zeigte sich der Nutzen deutlich – weniger Schreibarbeit, schneller verfügbare Ergebnisse und spürbare Entlastung im Alltag. Für viele Mitarbeitende war das der erste handfeste Beweis, dass KI nicht nur ein Schlagwort ist, sondern tatsächlich hilft. Dieses Hands‑on‑Erlebnis brach Berührungsängste auf und machte deutlich: Erleben schlägt Erklären. Aus anfänglicher Neugier entstand echter Pull: Das wollen wir nutzen.

 

Gerade dieser sichtbare Erfolg baute Skepsis ab und schuf Vertrauen. Hier zeigt sich das Motiv Mut: Denn es war keineswegs selbstverständlich, im Mittelstand als Erstes ein digitales Tool auszurollen, das unmittelbar in die tägliche Arbeit eingreift. Doch Hörmann  wagte diesen Schritt – mit dem Risiko, dass nicht alles sofort perfekt läuft. Statt theoretisch lange zu planen, setzte man auf praktisches Ausprobieren. 

Transparenz statt Hochglanz war das Leitmotiv. Niemand versprach, dass KI gleich alle Probleme löst. Vielmehr wurde ehrlich gezeigt, was schon heute funktioniert und welchen konkreten Mehrwert es bringt. Damit wurde Mut zum Anstoß für eine Kultur des Lernens: kleine Schritte bewusst gehen, Erfahrungen sammeln, verbessern.


Haltung: Menschen ausstatten, nicht überfahren 


Enablement first: Bei Hörmann bedeutet das, die Mitarbeitenden nicht einfach mit einer fertigen Technologie zu überrollen, sondern sie systematisch zu befähigen. Deshalb wurde ein breites Spektrum an Trainingsformaten geschaffen: der KI‑Führerschein als niedrigschwelliger Einstieg, Intensivtrainings mit praxisnahen Übungen, wöchentliche Community‑Sessions für Erfahrungsaustausch und ein Train‑the‑Trainer‑Programm, das lokale Botschafterinnen und Botschafter in den Gesellschaften ausbildet. 

So wird KI nicht als Fremdkörper wahrgenommen, sondern Schritt für Schritt in den Alltag integriert. Für die Belegschaft heißt das: Sie können in geschütztem Rahmen ausprobieren, lernen, Fragen stellen – und dadurch Vertrauen in die neue Technologie aufbauen.

Das Motiv Mut zeigt sich hier besonders deutlich: Mut, sich auf unbekannte Themen einzulassen, Mut, Fragen zu stellen und auch Fehler zuzulassen.

Leitplanken und Verbote: Gleichzeitig setzt Hörmann klare Rahmenbedingungen. Sicherheit, Datenhoheit und Compliance – insbesondere im Hinblick auf den EU‑AI‑Act – bilden den Rahmen. Noch bevor der erste interne Chat-Assistent eingeführt wurde, wurde in der Hörmann Gruppe ein deutliches Verbot ausgesprochen, im Internet frei zugängliche KI-Tools für dienstliche Zwecke zu verwenden. So sollte der Abfluss von sensiblen Daten in nicht kontrollierte KI-Systeme verhindert werden.

 

Doch anstatt Innovation zu blockieren, schufen diese Regeln, Leitplanken, an denen sich die Teams orientieren konnten. Nachdem der interne und für die dienstliche Nutzung als sicher eingestufte Chat-Assistent eingeführt war, schuf dies die notwendige Sicherheit, ohne die Neugier zu bremsen. Die Mitarbeitenden wissen: Innerhalb dieser Grenzen dürfen und sollen sie Neues ausprobieren.

 

Tempo: Exponentielle Technik, lineare Organisation 


Am Anfang war es entscheidend, durch schnelles Handeln Begeisterung zu wecken. Die Hörmann Digital GmbH als gruppenweites Kompetenzzentrum konnte sehr früh erste KI-Lösungen entwickeln und präsentieren. Dieser Ansatz – Seeing is believing – sorgte für den notwendigen Anschub: Mitarbeitende und Führungskräfte sahen unmittelbar, was KI leisten kann. 

Nach diesem anfänglichen Push wurde das Vorgehen systematischer. Statt zentral Ideen vorzugeben, richtete Hörmann einen Pull-Prozess ein: In den einzelnen Gesellschaften werden KI-Potenziale gemeinsam mit den Betroffenen identifiziert, priorisiert und die besten Anwendungsfälle in die Umsetzung gebracht. Das sorgt für Akzeptanz und stellt sicher, dass die Projekte echten Nutzen stiften.

 

Das Motiv Tempo spielt hier eine wichtige Rolle: Anfangs war Geschwindigkeit nötig, um den Motor überhaupt ans Laufen zu bringen. Doch nachdem er angesprungen ist, geht es darum, ihn sicher hoch zu beschleunigen – nicht zu überhitzen. Deshalb setzt Hörmann  heute auf einen klaren Rhythmus: Enablement-Sprints pro Gesellschaft, regelmäßige Feedback-Schleifen und eine sorgfältige Priorisierung der Cases. So entsteht ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen Geschwindigkeit und Stabilität.

 

Was hat sich konkret mit KI verbessert? 


Seit Januar 2025 steht der gruppenweite Gen‑AI‑Assistent allen Mitarbeitenden als Hörmann-Buddy im Alltag zur Verfügung. Er unterstützt bei typischen Wissens- und Schreibaufgaben – vom Zusammenfassen langer Dokumente über das Strukturieren von Notizen bis hin zum Vorbereiten von Antworten auf Kunden- und interne Anfragen. Ergebnis: weniger Routine, mehr Fokuszeit für Kundennutzen und Projektergebnisse. Das spürbare Plus an Entlastung hat die Nutzung in der gesamten Gruppe deutlich ansteigen lassen – nicht, weil es »muss«, sondern weil es hilft. Vom Zeitfresser zur Produktivität auf Knopfdruck: Mit der internen Plattform hoermann.ai rollt die Hörmann Digital KI-Tools in der Gruppe aus, die für den dienstlichen Gebrauch sicher eingesetzt werden können. Teams erhalten so Zugang zu KI-Werkzeugen, denen sie vertrauen können. Der Gruppengedanke des Hörmann-Konzerns zeigt sich auch in der Art und Weise, wie in der Gruppe KI-Lösungen miteinander geteilt werden. Was der eine für sein Geschäft entwickelt, wird auch dem anderen in der Gruppe zur Verfügung gestellt. So entsteht mit der Zeit ein sich stetig erweiterndes und aufeinander aufbauendes Menü an »KI-Superkräften« für die Mitarbeitenden des Konzerns.

 

Der Blick nach vorn: Die Hörmann Gruppe befindet sich, wenn dieses Buch erscheint, mitten in der selbst ausgerufenen Dekade der KI. Sie steht damit stellvertretend für viele andere mittelständische Unternehmen in Europa, die gerade dabei sind, die Chancen und Risiken von KI auszubalancieren. Die nächsten Jahre werden zeigen: Gelingt es, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen – von der Vertiefung der Domänen‑Skills im Hörmann-Buddy über spezialisierte Agenten für Fachprozesse bis hin zu einer Governance, die Sicherheit und Innovation vereint? 


Eines ist sicher: Fünf KI‑Jahre sind eine Ewigkeit. Wer es schafft, Mut zu beweisen, die richtige Haltung zu zeigen und das Tempo zu steuern, bleibt anschlussfähig. Genau dafür steht Hörmann heute – für ein Unternehmen, das nicht nur Risiken managt, sondern Lust auf Zukunft macht, Kunden mit besseren Angeboten begeistern will und Talenten attraktive Arbeitsplätze bietet.

 

200 Seiten, 29,90 Euro (Foto: PR/Gabal)

 

 

 

 

 

 

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