Das fatale Missverständnis von Topmanagement-Communitys

Das fatale Missverständnis von Topmanagement-Communities. Gastbeitrag der Coachs  Dorothea Assig und Dorothee Echter

 

Dorothea Assig und Dorothee Echter (Foto: PR / Magdalena Jooss)

 

Sie kennen viele großartige Menschen, Sie treffen sich, sie sind wertschätzend im Austausch miteinander … und dann? Treffen Sie sich wieder. Und wieder. Diese Wohlfühloase können Sie ewig weiter bespielen – das ist ok, nur hat es nichts mit Ihrer Karriere oder der der anderen zu tun. Das Treffen ist keine Community, sondern eher verwandt mit Entertainment oder privater Freundschaft.

Communitys sind ein Investment – finden dabei keine Transaktionen statt, verfällt das Kapital

Was sind die entscheidenden Transaktionen einer Community, die Karrieren weiterbringen? Neben gemeinsamen Geschäftsaktivitäten – Kunde findet Lieferantin, zwei gründen gemeinsam – sind es Empfehlungen.

Wenn Sie jemanden empfehlen, ist dies eine hochwirksame Transaktion und Investition in Ihre eigene Karriere

Denn erst wenn Sie selbst beginnen, andere zu empfehlen, gibt es die Chance, dass Sie empfohlen werden. Sie übernehmen Definitionsmacht: Sie erklären, wir sind hier zusammen, um uns gegenseitig zu fördern, zu empfehlen. Und Sie stellen strategische Reziprozität – Gegenseitigkeit im sozialen Miteinander – her: Ich bin hier, um euch zu fördern. Das prägt Erwartungen und bringt andere auf Ideen. Das Wohlfühlen kann bleiben, die Strategie ist entscheidend.

Der Irrglaube an die Perfektion

Das Missverständnis der Wohlfühltreffen liegt darin, dass Sie glauben, Ihre Empfehlung müsse perfekt sein. Nur der absolute Superstar, „Sie wird den Vorstand umhauen“, „er wird alle Probleme sofort lösen können“, sei empfehlenswert.

Dabei: Garantie-Empfehlungen gibt es nicht, sogar Ms. Perfect kann ein Fehlgriff sein, und  vielleicht funktioniert der etwas blasse Ingenieur dafür umso besser.

Das haben Sie nicht mehr in Ihrer Hand.

Es gibt keinen Reputationsschaden – außer für die Empfohlenen selbst, wenn sie sich nicht im Topliga-Habitus bewegen. Wenn Ihre Empfehlung nicht das geplante, erhoffte  Ergebnis hat, dann haben dennoch alle gewonnen: Sie haben neue erfolgreiche Menschen kennengelernt.

Lernen Sie, Ihre Community zu führen, indem Sie mehr Empfehlungen geben

  • Gehen Sie bei Ihren Community-Treffen weg vom „Wie geht’s dir?“ hin zu Fragen wie „Wen willst du diese Woche kennenlernen?“, „Welches Mandat ist bei dir gerade offen?“, „Was brauchst du gerade von mir?“ oder „Soll ich Dich empfehlen?“.
  • Wenn Ihr Unternehmen zu Talks, Vorträgen und Seminaren einlädt, empfehlen oder beauftragen Sie Ihre Community-Kollegen. Die müssen keine Genies in ihrem Feld sein. Expertise reicht.
  • Wenn bei Ihnen ein neuer CFO gesucht wird, empfehlen Sie dem Aufsichtsrat Ihren Community-CFO-Kollegen.
  • Sie selbst leiten die Unternehmens-Akademie? In Ihrer Community gibt es mit Sicherheit exzellente Berater, die Sie beauftragen können.
  • Wenn Sie unsicher sind, aber dennoch Ihren Community-Kollegen etwas Gutes tun möchten, dann laden Sie sie bitte nicht zu Unternehmensevents ein, die weit unterhalb ihrer Liga liegen. Das sind keine Empfehlungen, das sind Kränkungen.

Aus Ihrer Wohlfühl-Verbindung wird dann ein Karriereschub, wenn daraus gemeinsame Geschäftsaktivitäten, messbare Unterstützung und gegenseitige Empfehlungen entstehen.

 

 

 

 

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