Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Ileana Honigblum, Vizepräsidentin und Deutschland-Chefin des britischen Industriesoftwarelieferanten Aveva aus Cambridge, einem Tochterunternehmen des französischen Elektrotechnik-Konzerns Schneider Electric. Aveva hat weltweit 7.000 Mitarbeiter.

Ileana Honigblum (Foto: PR/Aveva)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Aveva liefert Industriesoftware für komplexe Anlagen und Prozesse und nutzt Technologien wie digitale Zwillinge, Datenvisualisierung und KI.
Womit beginnt Ihr Tag?
Früh am Morgen bin ich einfach nicht leistungsfähig. Mein Mann bringt mir jeden Morgen Cappuccino ans Bett. Mein erster Termin startet nie vor neun Uhr.
Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job ?
Ich öffne erst mal kurz alle Fenster in meinem Büro – frische Luft, frische Gedanken, frischer Kaffee.
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Diese Woche sagte mir jemand, dass ich die Art von Mensch bin, der „die Blumen schüttelt, damit wir ihren Duft riechen können“.
Tee oder Kaffee?
Beides. Am liebsten Chai und grüner Tee.
Ihr Spitzname ist…?
Ile und Honig. Oder Negra, so nennt mich mein Bruder und mein Vater tat es auch.
Verraten Sie eine Marotte.
Ich schlafe erst ruhig, wenn ein Glas Wasser neben meinem Bett steht und alle Schranktüren im Zimmer geschlossen sind. Das sind Gewohnheiten aus der Kindheit.
Was bringt Sie in Harnisch?
Wenn sich Leute hinter Ausreden verstecken oder anderen die Schuld geben. Fehlender Respekt und mangelnde Verantwortlichkeit finde ich unglaublich frustrierend.
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Ich bin ungeduldig und neige dazu, voreilige Schlüsse zu ziehen. Mir ist das sehr bewusst und ich versuche deshalb immer wieder, einen Gang runterzuschalten und wirklich zuzuhören, bevor ich mir ein Urteil bilde.
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
Eine Art Teilzeit-Rente. Eine Mischung aus Reisen, Familie und Engagement für andere. Ich werde mehr Zeit in Argentinien verbringen, wo ich ursprünglich herkomme. Mein Mann und ich wollen aber auch mehr Bikepacking machen, über mehrere Monate an unterschiedlichen Orten leben. Vor zwei Jahren haben wir in Japan damit angefangen. Daneben Projekte, die nicht an einen festen Job oder Zeitplan gebunden sind, zum Beispiel in der Arbeit mit NGOs, in Beiräten oder in Programmen zur Führungskräfteentwicklung und Wirtschaftsausbildung.
Und ich habe immer davon geträumt, ein kleines saisonales B&B in Italien zu betreiben. Auch wenn das für mich als Nicht-Frühaufsteher vielleicht zu ambitioniert ist …
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Transparenz, ehrliches Feedback und Vertrauen.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Handy, Ehering und Glätteisen.
Was war Ihr peinlichster Moment?
Das war auf dem Weg nach Mailand zu meinem ersten großen Führungstreffen bei IBM Deutschland: Mein Auto sprang nicht an, ich nahm das meines Mannes, hetzte zum Flughafen. Dort merkte ich: Mein Gepäck lag noch im anderen Auto. Am nächsten Morgen betrat ich also in Jeans und Turnschuhen das Meeting, damals noch ein absolutes No-Go. So hatte ich mir unser erstes Aufeinandertreffen im Leadership-Team natürlich nicht vorgestellt – ich wollte schließlich einen guten Eindruck hinterlassen. Mein damaliger Chef scherzt bis heute, dass das alles nur eine Ausrede für eine ausgedehnte Shopping-Tour in Mailand gewesen sei.
Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?
Früh ein nahes Familienmitglied zu verlieren. Diese Erfahrung hat mich tief geprägt und beeinflusst bis heute meine Art zu leben und das Leben zu genießen.
Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?
Die Freundlichkeit und das Lächeln meiner Mutter sind ein wertvoller Teil von mir.
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Ich wäre gern für einen Tag Putin. Dann würde ich den Krieg in weniger als 24 Stunden beenden.

(Foto: Privat)
„Als ich einen meiner früheren Jobs aufgab, schenkte mir mein Team zum Abschied ein Paar Boxhandschuhe. Sie wollten mir dafür danken, dass ich immer für sie gekämpft habe. Und mich daran erinnern, niemals aufzuhören, für die Dinge zu kämpfen, die ich für wichtig halte“, erzählt Ileana Honigblum. Die Handschuhe liegen jetzt auf ihrem Schreibtisch. „Sie erinnern mich daran, dass selbst in schwierigen Momenten, selbst wenn ich das Gefühl habe, allein zu kämpfen, jemand das bemerkt und schätzt – und dass sich alles lohnt.“


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