Buchauszug Vince Ebert:: „Wot se Fack, Deutschland? Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben“

Vince Ebert (Foto: PR / dtv/ CFrank Eidel)
Die Tyrannei der Wehleidigen
Als Physiker hatte ich in meinen Kabarettprogrammen von Anfang an einen klaren, aufklärerischen Ansatz. In meiner ersten Show Physik ist sexy habe ich zum Beispiel erklärt, warum der Himmel blau ist, wodurch sich Glauben von Wissen unterscheidet oder wie man mithilfe der Newton‘schen Bewegungsgesetze die Ejakulationsgeschwindigkeit berechnen kann. Die liegt übrigens nach wie vor stabil bei acht Kilometern pro Stunde. Deswegen auch der Begriff „Schrittgeschwindigkeit“.
Später habe ich zum großen Vergnügen der Zuschauer unter Zuhilfenahme des Stefan Boltzmann‘schen Strahlungsgesetzes berechnet, dass es im Himmel heißer ist als in der Hölle, ich habe dargelegt, dass man Energie eben nicht wenden kann (wer hätt’s gedacht?), und dass es biologisch gesehen nur zwei verschiedene Geschlechter gibt. Allein mit dieser Aussage kann man sich inzwischen sein berufliches Leben vermasseln.
Im Jahr 2022 sagte die Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag der Biologin Marie-Luise Vollbrecht zur Zweigeschlechtlichkeit bei Fischen ab, weil das von den Studenten als „transfeindlich“ bezeichnet wurde. Wer kennt das nicht? Da bestellt man im Restaurant nichtsahnend eine Forelle Müllerin – und schwuppdiwupp ist man mittendrin in der Frage: männlich? weiblich? divers? Mit Forelle Müller*in ist man auf der sicheren Seite.
Erst nachdem renommierte Wissenschaftler – unter anderem die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard – das Einknicken der Universitätsleitung vor den aktivistischen Studenten öffentlich kritisierten und der Referentin inhaltlich recht gaben, entschloss sich die Universität, den Vortrag nachzuholen. Marie-Luise Vollbrecht wurde im Nachgang trotzdem zur Hassfigur eines ideologischen Mobs, der ihr in den sozialen Medien sogar rechtsextremes Gedankengut vorwarf.
Alleine dieses Beispiel zeigt, wie sehr der aktuelle Zeitgeist die Errungenschaften der Aufklärung bedroht.
Empirie, Rationalität und objektives Wissen werden infrage gestellt und gleichzeitig werden die eigenen Empfindungen als unumstößliche Wahrheiten propagiert. Dadurch entsteht fast automatisch eine Hysterisierung, eine Überhöhung des Gefühls, eine Welt, in der jeder die eigenen Befindlichkeiten zur höchsten Instanz erhebt.
2023 hat sich die Komikerin Anke Engelke rückwirkend für eine Parodie der Popsängerin Ricky in der Sendung Die Wochenshow entschuldigt, weil sie dabei „Blackfacing“ betrieben hatte. Auch ich möchte mich an dieser Stelle für mein Comedyprogramm „Denken lohnt sich“ aus dem Jahr 2008 entschuldigen. Der Titel ist anstößig und inakzeptabel, weil er schon damals erhebliche Teile der Bevölkerung ausgegrenzt hat.
Das Phänomen der politischen Korrektheit ist seit Langem bekannt, es kam in den Achtzigerjahren auf. Aus guten Gründen. Damals bildete sich an amerikanischen Universitäten eine Bewegung, die forderte, Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe, einer Behinderung oder einer bestimmten sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Damals bestand Handlungsbedarf, stockkonservative Kräfte bestimmten die Debatten. Offene Intoleranz gegenüber Minderheiten war gesellschaftlich akzeptiert.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse in den USA massiv verbessert. In den vergangenen 25 Jahren stieg die Zahl der schwarzen Studenten, die einen Bachelor-Abschluss erworben haben, um 82 Prozent. Inzwischen haben 37 Prozent der schwarzen Amerikaner im Alter von 25 bis 34 Jahren einen College-Abschluss.
All das wäre eigentlich ein Grund, froh über diese gesellschaftlichen Fortschritte zu sein und sich ein wenig lockerer zu machen.
Paradoxerweise passierte das Gegenteil. Je offener und durchlässiger die amerikanische Gesellschaft wurde, umso mehr entstand durch die zahllosen politisch korrekten Sprachregelungen der Eindruck, es herrschten weiterhin offene Diskriminierung und Rassismus. Gerade so, als hätte der Kampf für Minderheitenrechte nie stattgefunden.
Auch in Deutschland ist dieses Thema in allen seinen Formen angekommen. 2022 nahm der Ravensburger Verlag das Buch Der junge Häuptling Winnetou aus dem Programm, weil in der Geschichte die Gefühle von Indianern verletzt werden.
Pardon, das Wort „Indianer“ sollte man auch nicht mehr verwenden, da der Begriff rassistisch ist. Was ich erstaunlich finde, denn die größte Interessenvertretung der amerikanischen Ureinwohner bezeichnet sich selbst als „National Congress of the American Indians“. Ja, wissen die denn nicht, dass sie sich damit selbst beschimpfen? Da war bei der Namensgebung mit Sicherheit zu viel Feuerwasser im Spiel.
Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt untersucht schon seit längerer Zeit die Gepflogenheiten an Bildungseinrichtungen. Seiner Auffassung nach begannen vor rund fünfzehn Jahren die Studenten drei große Überzeugungen zu verinnerlichen: dass sie so empfindlich und fragil seien, durch abweichende Meinungen in Büchern oder Vorträgen irreversibel verletzt werden zu können und dass Worte eine Form von Gewalt darstellen; dass ihre Gefühle – insbesondere ihre Ängste – ein zuverlässiges Instrument für das Verständnis der Realität seien; und dass die gesamte Gesellschaft aus Opfern auf der einen und Unterdrückern auf der anderen Seite bestünde.
Menschen, die diesen Auffassungen nachhängen, gelten landläufig als „woke“. Woke bedeutet wörtlich: „erwacht“ und erinnert ein bisschen an das Mitgliedermagazin der Zeugen Jehovas, den Wachtturm. Woke Menschen kämpfen gegen Rassismus, gegen Sexismus, gegen Diskriminierung und für Minderheiten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Das Problem ist eher, dass sie diese Phänomene buchstäblich überall sehen. Auch wenn die Fakten eine andere Sprache sprechen. Gibt es beispielsweise in einer Gruppe keinerlei Anzeichen für rassistische Tendenzen, behaupten woke Menschen gerne, das läge daran, dass Rassismus oft unsichtbar, aber strukturell immer vorhanden sei. Selbst wenn man eindeutige Beweise dagegen aufführt, ist das für sie erst recht ein Beweis dafür, dass Rassismus existiert.
Denn wenn sich etwas wahr anfühlt, dann ist es auch wahr. Doch ein Gefühl als solches – sei es auch noch so real und stark – ist keine valide Aussage über die wirkliche Welt. Sinnsysteme sind subjektiv und kein Beweis einer objektiven Wahrheit.
Aus gutem Grund stellen wissenschaftliche Institutionen wie Universitäten in ihrem Selbstverständnis nicht das Gefühl, sondern das Streben nach der Wahrheit in den Fokus. Das Motto der Harvard University lautet: „Veritas“ (Wahrheit), die Yale University wirbt mit „Lux et Veritas“ (Licht und Wahrheit). Auch im Leitbild meiner Alma Mater, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg heißt es: „Veritati, der Wahrheit verpflichtet“.
Umgekehrt ist mir keine Universität der westlichen Welt bekannt, die auf dem Ethos von Gefühlen und Befindlichkeiten gegründet worden wäre. Und trotzdem haben in den vergangenen Jahren diese Themen Leben und Lehre an vielen Bildungseinrichtungen geprägt.
Zwar ist in den USA die akademische Gefühlswelle bereits wieder auf dem Rückzug begriffen. An deutschen Universitäten jedoch sieht es (noch) nicht nach einer solchen Abkehr aus. Immer häufiger werden dort nach früherem amerikanischen Vorbild Programme und Maßnahmen wie „Diversity-Trainings“, Triggerwarnungen oder „Bias Response Teams“ eingeführt.

Wot Se Fack, Deutschland? von Vince Ebert – Paperback | dtv Verlag, 17 Euro, 304 Seiten
An der Uni Hamburg wurden „Safer Spaces“ eingerichtet, die Studenten vor belastenden Erfahrungen, vor Ideen und Widerspruch schützen sollen. Die jungen Leute lernen, wie man sich hilflos fühlt. Analog zu „Fake News“ könnte man in dem Fall von „Fake Emotions“ sprechen. Man täuscht verletzte Gefühle vor, um ja nicht argumentieren zu müssen. Nicht selten kippt diese erlernte Hilflosigkeit in Frustration und Wut um. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz spricht davon, dass sich in unserer Gesellschaft Stück für Stück eine Tyrannei der Wehleidigen etabliert hat, die ihre Aggressivität als Notwehr verkaufen, um ihren Willen durchzusetzen.
Und sie kommen damit oftmals durch. Laut einer Allensbach-Umfrage fühlen sich 40 Prozent der deutschen Hochschullehrer durch die allgemeine politische Korrektheit in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. 18 Prozent sind sogar der Auffassung, dass dieser Zeitgeist verhindert, bestimmten Forschungsfragen nachzugehen.
Das 2021 von Hochschulprofessoren gegründete „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ hat inzwischen über 700 Beispiele von Angriffen auf die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland dokumentiert.
Zensur und die Unterdrückung von Meinungsfreiheit verbinden wir in Deutschland, aufgrund unserer Geschichte, vor allem mit dem Naziregime. Dass die Meinungsfreiheit auch von links unter Druck geraten kann, ist für viele offenbar neu. Vor Kurzem erst erklärte mir ein linker Kabarettkollege, so etwas wie „Cancel-Culture“ sei ein „rechtes Narrativ“. Es existiert nicht. „Und wer etwas anderes behauptet, den entfernen wir aus dem öffentlichen Diskurs …“
Scherz beiseite. „Man darf doch heute alles sagen, aber man muss dann eben auch mit Kritik umgehen können“, argumentieren viele. Dem stimme ich absolut zu. Sachliche Kritik ist selbstverständlich richtig und wichtig. Beim Canceln jedoch geht es um etwas grundsätzlich anderes. Man greift nicht das Argument an, sondern die Person, die das Argument vorbringt, mit dem Ziel, diese Person zu diskreditieren. Und das ist keine Kritik, sondern eine klare Einschüchterungstaktik.
Dazu kommt, dass durch die Verteufelung von anderen Ansichten unbequeme Tatsachen totgeschwiegen werden. Auch die Inszenierung als Opfer, dessen Gefühle durch das Aussprechen von „unerlaubten“ Dingen verletzt werden, löst kein einziges Problem. Probleme verschwinden nicht, nur weil man sie nicht mehr aussprechen darf. Mit Sprachregelungen und Redeverboten ändert man die Welt nicht. Wer die Konfrontation von Ideen verhindert, tut dies aus Angst vor der Schwäche des eigenen Standpunkts.
Wenn eine Position wirklich durchdacht ist, sollte sie robust sein. Sie sollte insbesondere ironischen, satirischen und sarkastischen Angriffen standhalten können. Kann sie das nicht, ist die Idee eventuell gar nicht so spitze.
Satiriker haben dies schon vor Jahrtausenden erkannt, wie die Werke von Aristophanes, Horaz, Juvenal, Lukian von Samosata, Jonathan Swift, Voltaire, Mark Twain, Ambrose Bierce, Oscar Wilde oder George Orwell belegen.
Heute sind es Komiker wie Ricky Gervais, Bill Burr, Jimmy Carr, Bill Maher oder Dave Chappelle, die den Zeitgeist aufs Korn nehmen und sich dabei immer wieder den Zorn einer politisch korrekten, woken Community zuziehen. Auch Comedy-Legenden wie John Cleese oder Rowan Atkinson machen immer wieder deutlich, wie sehr die politische Korrektheit die Freiheit in der Kunst beschränkt.
Natürlich kann man die gesellschaftspolitische Situation bei uns in Deutschland nicht mit autokratischen Systemen wie Russland, Nordkorea oder dem Iran vergleichen, wo es für Künstler wirklich lebensbedrohlich ist, Witze über das Regime zu machen. Trotzdem haben sich auch bei uns die Zeiten für die Humoristen – pardon, für die „Humorierenden“ – verschlechtert.
Witze über Annalena Baerbock oder Luisa Neubauer, das Heizungsgesetz oder Gendern gelten plötzlich nicht mehr als Satire, sondern als Hetze. Komiker, die die Widersprüchlichkeit des woken Zeitgeistes durch den Kakao ziehen, äußern aus Sicht vieler woker Menschen keine Kritik, sondern sind verantwortlich für die Spaltung der Gesellschaft und, schlimmer, bedienen den rechten Rand.
Eine Methode, die der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (ein klassischer Linker) schon in den Sechzigerjahren thematisierte: Die Angst vor dem „Beifall von der falschen Seite“ ist nicht nur überflüssig. Sie ist ein Charakteristikum totalitären Denkens.
Als ich 1998 als Komiker angefangen habe, war es vor allem wichtig, Gags zu schreiben, bei denen die Leute lachen. Heute wünschen sich viele, man solle doch bitte Gags schreiben, bei denen die richtigen Leute lachen. Wenn die falschen Leute lachen, ist das schon suspekt.
In jüngster Zeit jedoch hat diese verklemmte, übervorsichtige Stimmung eine Gegenreaktion ausgelöst. Wer sich heutzutage traut, auf der Bühne politisch unkorrekte Themen anzusprechen, dem fliegen die Herzen zu und er spielt oftmals vor vollen Häusern. Nach Jahren der braven Zurückhaltung haben anscheinend immer mehr Zuschauer genug von politischer Korrektheit und stromlinienförmiger Angepasstheit.
Für einen Kabarettisten liefert der Zeitgeist das Material. Es ist also quasi meine Aufgabe, das woke Weltbild in meinen Shows vorzuführen. Spaß macht mir das, nicht obwohl, sondern gerade weil die Zeiten so spießig und biedermeierhaft sind.
Ich bin ein Kind der Achtziger. Damals hat es uns nicht die Bohne interessiert, dass Freddie Mercury bisexuell war, ob Michael Jackson sich als schwarz oder als weiß identifizierte oder welches Geschlecht Boy George hatte. Es war nicht wichtig. Die haben geile Musik gemacht, darum ging es!
Oder nehmen Sie die Crew von Raumschiff Enterprise. Das war schon damals eine bunte Multitkulti-Truppe. Die Frauenquote lag deutlich über dem Durchschnitt und mit Mr Spock hatte es sogar ein Autist in die Geschäftsleitung geschafft. Und das komplett ohne einen Inklusions- oder Diversity-Manager.
Als ich auf der Bühne angefangen habe, war der beste Rapper weiß, der beste Golfer schwarz und der deutsche Außenminister schwul. Alles kein Skandal. Heute drehen die Leute durch, wenn man sie mit einem falschen Pronomen anspricht.
Die politische Korrektheit überzieht das alltägliche Leben wie eine juckende Hautkrankheit. Und je länger dieser Zirkus andauert, umso mehr zerstören wir eine der größten Errungenschaften unserer abendländischen Kultur: sagen zu dürfen, was man denkt. Auch wenn es dumm, falsch und unerträglich ist.
Was vermisse ich Leute wie Karl Lagerfeld, Harald Schmidt oder Niki Lauda! Typen, denen es egal war, was andere von ihren Aussagen hielten. Dass viele Menschen (oder bin ich damit allein?) sie dafür auch heute schätzen, offenbart, wie groß unsere Sehnsucht nach ein bisschen Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit in einer Welt voller angepasster Herdentiere ist. „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, war Lagerfelds berühmtester Satz. Von Prinz Philip, Herzog von Edinburgh und königliches Gegenstück zu Lagerfeld, wird Folgendes berichtet: Bei einer öffentlichen Veranstaltung verriet ihm ein Zwölfjähriger seinen größten Berufswunsch, er wolle Astronaut werden! Daraufhin beugte sich der Ehemann der englischen Königin zu dem kleinen Bub hinunter und sagte: „Vergiss es, mein Junge. Für einen Astronauten bist du viel zu fett …“
Politisch vollkommen unkorrekt. Aber eben auch mit einer erfrischenden Dosis Realität, die in unserer Gesellschaft immer mehr verdrängt wurde. Und wer weiß, vielleicht hat sich der Junge ja sogar die Worte zu Herzen genommen, ist heute topfit und arbeitet bei SpaceX?
Lesetipp: Interview Volker ter Haseborg mit Vince Ebert auf wiwo.de
Vince Ebert: „Wot se Fack, Deutschland?“ Kabarettist rechnet mit seiner Heimat ab
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Laut dem SPIEGEL kokolorisiert Ebert mit „rechten Triggerthemen“ sein Buch und „macht es sich dabei sehr leicht“. Welch besseren Beweis könnte es geben, dass Ebert mit seiner Triggeranalyse zu Lasten unseres derzeitigen gesellschaftlichen mainstream-mindsets genau den richtigen Punkt getroffen hat. Welch ein Niedergang eines ehemaligen Leuchtturms des deutschen Journalismus. Der angebliche „Splitter im Auge“ Eberts lässt den SPIEGEL den „Balken im eigenen Auge“ übersehen. Eine wirklich rationale und einigermassen objektive Auseinandersetzung mit Eberts Narrativ findet nicht statt. Anstelle dessen versucht der SPIEGEL Ebert in eine „rechte“ Ecke abzudrängen, offenbar um dadurch bei potentiell leicht Beeinflussbaren einen emotionalen Kurzschluss auszulösen, der eine rationale Auseinandersetzung erübrigt und Ebert „aus dem Diskurs nimmt“. Ebert selbst ztitiert eine solche Konstellation mit dem Nachsatz: „Spass beiseite“. Wenn heute solche tiefgründigen gesellschaftlichen Analysen nur noch von Comedians geäussert werden dürfen, weil die notfalls gegen ein „Herausnehmen aus dem Diskurs“ einwenden können, sie hättens ja nicht so ernst gemeint, finde ich das nicht mehr spassig.