Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Caroline von Kretschmann, Geschäftsführende Gesellschafterin vom Europäischen Hof Heidelberg

Caroline von Kretschmann (Foto: PR)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Wir haben seit 160 Jahren das Ziel, Menschen glücklich zu machen. Gäste, Kolleginnen und Kollegen und jeden, der unser Haus betritt.
Womit beginnt Ihr Tag?
Seit meinem 14. Lebensjahr starte ich ausnahmslos jeden Morgen – meistens um 6,30 Uhr – mit mindestens 30 Minuten Sport. Am liebsten so, dass ich richtig ins Schwitzen komme. Ich gewinne Energie, indem ich Energie einsetze. Seit langem gehören auch noch die Fünf Tibeter und ein großes Glas heißes Wasser zu meinem morgendlichen Ritual. Vielleicht ist das der Grund, warum ich fast nie schlechte Laune habe, sehr zur Freude aller, die mit mir in den Tag starten.
Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?
Ich umarme unsere Gäste und Kollegen vermutlich öfter, als es in der Luxushotellerie üblich ist. Ich tanze mit unserem Team auf TikTok und gelegentlich auch mit Gästen. Bei aller Liebe zu Tradition und Struktur breche ich gerne Muster. Diese Freude am Unkonventionellen im Rahmen des Konventionellen habe ich wohl von meinen Eltern geerbt.
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
In einer kürzlich durchgeführten Befragung haben mich die Kollegen als nahbar und fair beschrieben. Als jemanden, der stets ansprechbar ist, zuhört, mit anpackt und alle gleichermaßen wertschätzend behandelt, ob Auszubildende, Spüler, Hausdame oder Gastronomieleiterin. Besonders gefreut hat mich das wiederkehrende Feedback: „stabil vertrauenswürdig“.
Tee oder Kaffee?
Grüner Tee.
Ihr Spitzname ist…?
„Frau Dr.“. Nicht, weil mir meine Promotion so wichtig wäre, sondern weil es in unserem in dritter und vierter Generationen privat geführten Hotel die einfachste Möglichkeit ist, mich von meiner Mutter zu unterscheiden. Die Idee kam vom Team. Früher war oft unklar, wer gemeint war. Inzwischen nennen mich sogar viele Gäste so.
Verraten Sie eine Marotte.
Ich bade in Parfüm. Auch schon seit meiner Jugend.
Was bringt Sie in Harnisch?
Arroganz und Intoleranz. Beides sagt mehr über die Enge des eigenen Denkens und das eigene Selbstwertgefühl aus als über die vermeintlichen Schwächen anderer. Für das Gegenüber sind sie trotzdem verletzend. Deshalb haben sie bei uns im Haus keinen Platz. Und schon gar nicht gegenüber unseren Kollegen.
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Ich bin viel zu viel am Handy. Bisher konnte ich mir das nicht erfolgreich abgewöhnen.
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
In unserer Familie geht man seit Generationen nicht in Rente. Natürlich, um dem Betrieb weiter zu dienen. Viel zu arbeiten ist Teil unserer Familien-DNA. Vermutlich aber auch ein wenig, aus der leisen Befürchtung heraus, dass wir gar nicht wüssten, wie man ohne Arbeit glücklich bleibt.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Integrität als Fähigkeit, zu seinen Werten zu stehen, gerade dann, wenn es unbequem wird. Wenn zum Beispiel amerikanische Konzernlenker aktuell opportunistisch ihre Diversity- und Sustainability-Programme über Bord werfen, zeigt das, wie sehr Integrität fehlen kann. Bei uns sind Werte nicht verhandelbar, auch dann nicht, wenn dies wirtschaftliche Nachteile bedeutet.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Mein Handy, mein Hometrainer, meine Schlafbrille.
Was war Ihr peinlichster Moment?
Mein peinlichster Moment passiert mir leider öfters: wenn ich jemanden nicht gleich wiedererkenne, den ich eigentlich erkennen müsste. Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun, sondern mit der Vielzahl an Personen, die ich jeden Tag treffe und meinem leider miserablen Gesichtsgedächtnis. Für eine Hotelière ist das natürlich eine besondere Herausforderung, aber so habe ich immerhin öfter die Gelegenheit, jemanden ein zweites Mal wie beim allerersten Mal willkommen zu heißen.
Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?
Der Lockdown während Corona. Obwohl wir dadurch in vielerlei Hinsicht gewachsen sind.
Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?
Kohärenzfähigkeit, verstanden als die Kunst, das große Ganze zu sehen, in jeder Situation auch das Positive zu erkennen und daraus ins selbstwirksame Handeln zu kommen. Und auch etwas ihre fast unerschöpfliche Energie.
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Glückliche Züchterin eines frischgeborenen Rauhaardackel-Wurfs

(Foto: Privat)
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