Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Winzer und Ex-DFB-Präsident Fritz Keller, der Menschen hasst, die im Lokal eine Duftwolke hinter sich herziehen

 

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Fritz Keller, der badische Winzer und frühere DFB-Präsident 

 

Fritz Keller beim Musik-, Wein- und Genussfestival Pinot and Rock im vergangenen Jahr   (Foto: PR/Paul Gärtner)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir bringen den Menschen Freude beim Essen und beim Wein.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Das kommt immer ein bisschen auf den Abend davor an. Ich bin abends oft in einem unserer Restaurants und unterhalte mich mit den Gästen – da kann es auch mal später werden.

Morgens schaue ich meistens als erstes aufs Handy, starte meine Playlist und überlege, wie ich bereits in der Früh die Welt retten kann und was es auf Social Media so Neues gibt. Dann begrüße ich die Gäste beim Frühstück, frühstücke selbst – mit einer echten Zeitung – und gehe dann ins Weingut. Dort wartet meistens der ein oder andere Termin auf mich. Zum Beispiel Weingutführungen oder Tastings – das ist jeden Tag unterschiedlich. Und dann eben eine Tour durch die Weinberge. Meistens mit dem E-Mountainbike, um zu gucken, was die Natur in den letzten 24 Stunden geleistet hat.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?

Ich bin ein sehr fairer Mensch. Was ich überhaupt nicht leiden kann, ist wenn Gäste oder Kunden mit unseren wunderbaren Mitarbeitenden schlecht umgehen. Da bin ich sehr ungeduldig. Schnipsen im Service oder etwas in der Art  – das macht mich sehr nervös und da  kann ich auch mal ungemütlich werden. Es kommt selten vor, dass ich jemanden bitte, zu gehen, aber es ist schon passiert.

 

…und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Dass ich wirklich mit allen auf Augenhöhe spreche. Wer fair behandelt werden will, muss fair behandeln. Das gilt für mich gleich wie für unsere Mitarbeiter und unsere Gäste. Manchmal vergessen die Menschen im Restaurant, dass sie (ungelernte) Gäste sind, dass die Rezepte in der guten Gastronomie so ausgeklügelt sind, dass die Qualität leiden, wenn jeder Extrawünsche bestellt. Das geht nur da, wo Fertiggerichte serviert werden.

 

 Tee oder Kaffee?

Tee. Japanischer Grüner Tee in den unterschiedlichsten Sorten

 

Ihr Spitzname ist…?

Fritz the Cat

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich kann innerhalb von Minuten einen Raum verwüsten. Privat bin ich – leider – ziemlich chaotisch – aber nicht im Berufsleben.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Ungerechtigkeit und einfache populistische Einstellungen, ohne nachzudenken.

Und Weinsnobbismus – also, wenn Leute nur nach Etiketten trinken. Hauptsache, er ist teuer.

Und Menschen, die im Lokal eine Duftwolke hinter sich herziehen. Das verfälscht die Wahrnehmung der Aromen und verdirbt den besten Wein.

 

Was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Dass ich auf meine Qualitätsnormen bei Weinen bestehe: Ich hasse gesüßte und belanglose Weine. Da bin ich kompromisslos und da stört einiges: Micky-Maus-Weine oder Limonade-Weine, wo jeder Jahrgang gleich schmeckt, verabscheue ich. Meist sind das in Massen gefertigte überteuerte Markenweine. Der Sinn des Weintrinkens ist Terroir – das heißt ,die Region, den Jahrgang in deine Flasche zu kriegen. Da kann es nicht sein, dass jeder Wein jedes Jahr gleich schmeckt.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ausschlafen und reisen, um neue Kulturen kennenzulernen und meinen Horizont zu erweitern. Ich bin in meinem Job immer viel gereist, aber immer getrieben von der Zeit und in Hetze. Ich würde gerne entspannt reisen und neue Kulturen und lokale Kunst kennenlernen.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ehrlichkeit, Fleiß und Kreativität – das sind die wichtigsten Eigenschaften.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Mein Handy, ein voller Weinkeller und mein E-Bike. Und Musik – deswegen habe ich das Pinot & Rock ins Leben gerufen – das nur am Rande.

 

(Foto: Privat)

 

Was war Ihr peinlichster Moment?

Torwandschießen im Sportstudio (findet man auch online)

 

Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?

Den Abstieg mit dem SC Freiburg in die zweite Liga

 

Welche Eigenschaften haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?

Warmherzigkeit und Menschenliebe

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten, welcher wäre das?

Chefredakteur einer Tageszeitung

 

 

 

 

 

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