Buchauszug Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“

Attila Albert (Foto: Privat)
Buchauszug Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“
HERAUSFINDEN, WAS IHNEN GERADE WICHTIG IST
Unzufrieden im Job, obwohl er »eigentlich gar nicht schlecht« ist? Dann arbeiten Sie nicht (mehr) entsprechend dem Job-Motivator, der jetzt für Sie vordringlich wäre. So erkennen Sie, wo eine Veränderung inzwischen überfällig ist.
Für viele Berufstätige kommt einmal der Moment, in dem sie es nicht mehr verdrängen können: Irgendwas ist total schiefgelaufen. Sie führen überhaupt nicht das Leben, das sie sich immer vorgestellt haben. Da haben sie sich – naiv, wie man einmal war – vielleicht in jungen Jahren erträumt, Astronaut, Präsident oder wenigstens CEO zu werden. Bei Barbie mit all ihren Traumberufen hat es ja auch geklappt, und die war da noch nicht mal 40. Nun müssen sie ernüchtert feststellen, dass es schon knifflig genug ist, beruflich und finanziell auch nur halbwegs über die Runden zu kommen. Wer dazu noch einen liebevollen Partner will, nicht nur ein Hündchen oder eine Katze, braucht umso mehr verfügbare Zeit und Nerven. Zwar haben Haustiere bekanntermaßen viel mehr Verständnis für die eigenen, nur allzu menschlichen Unzulänglichkeiten, sind aber eben doch nur begrenzt ein Beziehungsersatz.
Die große Karriere haben diejenigen gemacht, die man schon in der Schule nicht leiden konnte, und das Traumschloss aus Kindertagen ist auch geschrumpft. Angesichts des Wohnungsmarktes muss man schon für zwei Zimmer Altbau mit Sanierungsbedarf dankbar sein. Statt des weitläufigen Gartens, den man sich für sich und die Kinder vorgestellt hatte, ist es nun eventuell nicht mal ein Balkon. Man muss dankbar sein, wenn wenigstens ein sauberer, halbwegs sicherer Park in der Nähe ist. All die hochfliegenden beruflichen und persönlichen Träume – verloren gegangen zwischen Abschluss und erstem Autokredit, für den noch die Eltern bürgen mussten. Soll das wirklich schon alles gewesen sein?
Manche hat sich während ihrer kaufmännischen Ausbildung vorgestellt, später einmal im eleganten Kostümchen selbst am Vorstandstisch zu sitzen und die Geschicke der Welt aus einem gläsernen Büroturm heraus zu lenken – oberste Etage mit Fernblick, wie man es in „50 Shades of Grey“ gesehen hat. Nun ist das Büro ein abgewohnter Co-Working-Space im Hinterhof und das Kostümchen aus dem Zara-Ausverkauf. Das aufregendste Ereignis im eigenen Berufsleben besteht darin, dass einem in einem spontan verlängerten Meeting wieder einmal mit Schrecken einfällt: Jemand muss innerhalb der nächsten halben Stunde das Kind aus der Kita abholen und dann noch zu Lidl, und dieser Jemand ist man selbst.
Andere haben sich ausgemalt, wie aufregend es doch sein müsste, für einen der großen Konzerne mit einem weltberühmten Namen zu arbeiten. Nun drängeln CEO, Vorstand, Geschäftsführer, Bereichs- und Abteilungsleiter ständig, dass die Zahlen besser werden müssen, während man selbst keinesfalls eine Idee äußern darf, wie das erreicht werden könnte. Die Tage im lauten, überfüllten Großraumbüro – ohne eigenen Schreibtisch und ohne Telefonanschluss, es soll sich ja keiner mehr wie zu Hause fühlen – vergehen mit dem Schreiben und Beantworten komplizierter E-Mails mit jeweils zehn Kollegen in Kopie, mit dem Ausfüllen von Excel-Tabellen voller Formatierungsfehler und der Hoffnung, dass nach dem nächsten Urlaub alles besser werde, zumindest etwas leichter auszuhalten. Das ist jedoch für sich schon ein neuer Traum.

(Foto: Redline Verlag)
Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“ – Redline Verlag, 240 Seiten, 18 Euro
Ernüchternd ist für viele Berufstätige auch, wie wenig sich ihre Vorgesetzten für ihre Ideen und Vorschläge interessieren. Da wurde in der Stellenanzeige vielleicht noch gewünscht, dass man doch bitte kreativ und lösungsorientiert sein. Früher wurden sogar ausdrücklich Querdenker gesucht, bis dieser Begriff irgendwie aus der Mode kam. Nun, da man die Aufgaben, Projekte und Kunden aus seiner täglichen Arbeit kennt, damit tatsächlich sinnvolle Verbesserungen empfehlen könnte, will sie keiner hören. Mehr noch, der Vorgesetzte verdreht genervt die Augen: »Bitte konzentrieren Sie sich erst einmal ganz auf Ihre Aufgaben.« Und Sie denken: »Das würde ich gern, und ich wüsste auch, wie ich sie besser und schneller erledigen könnte, wenn ihr mich endlich mal lasst.«
Der perfekte Job muss noch erfunden werden
Jeder weiß natürlich, dass es den perfekten Job nicht gibt. Wer ihn trotzdem sucht, wird bis zur Rente unzufrieden bleiben. »Mit den misstrauischen Augen des Perfektionisten sieht die Welt wie eine fortwährende Enttäuschung aus. ›Kann nicht einmal alles glattgehen!‹, wird dein ständiger frustrierter Ausruf. Dabei ist das Ergebnis oft gar nicht so schlecht und fast immer vollkommen ausreichend – aber eben Welten von jener Perfektion entfernt, die mit dieser Einstellung der Normalfall sein sollte«, heißt es dazu in meinem Ratgeber Perfektionismus ist ein Arschloch. »Sicher gibt es Perfektion, allerdings nur in kurzen, exotischen Momenten. Dann zeigt sie sich, so wie die ›Königin der Nacht‹ jährlich für einige Stunden ihre Blüte öffnet. Kurz darauf ist sie schon wieder verwelkt und müffelt nach Vergänglichkeit.«
Tatsächlich gibt es auch im Berufsleben perfekte Momente: Nach dem nervenaufreibenden Bewerbungsverfahren kommt das Vertragsangebot und ist erstaunlich gut; der ersehnte Arbeitsvertrag wird endlich unterschrieben. Das Büro stellt sich als überraschend schön heraus, der Chef und die Kollegen sind fachlich top und menschlich super. Das knifflige Projekt ist erfolgreich; das Unternehmen bedankt sich mit einer unerwarteten Prämie oder der Chance, in einer Tochtergesellschaft im Ausland zu hospitieren. Sie freuen sich auf den nächsten Urlaub, den Sie sich auch leisten können – und dürfen sich wirklich erholen, anstatt ständig im Hotelzimmer in Teams-Calls zu sitzen, was alle anderen normal finden: »Urlaub nennen wir: Meetings mit Aussicht!«
Zwischen all dem findet der Arbeitsalltag statt – mal aufregend, mal langweilig, mal hektisch und mal ruhig. Stört Sie allerdings etwas fortlaufend, warten Sie nur noch auf die seltenen perfekten Momente, besteht Handlungsbedarf. Wahrscheinlich stimmt es sogar, wenn Sie sagen, dass Ihr Job »eigentlich gar nicht schlecht« ist. Aber diese subtile Einschränkung bedeutet gleichzeitig: Etwas sollte besser werden. Nur was? Dabei will Sie dieses Kapitel unterstützen.
Persönlichen Eindruck mit den Fakten abgleichen
Auch in beruflichen Fragen achten manche vor allem auf subjektive Anzeichen (zum Beispiel. ihre Gedanken und Gefühle), andere eher auf objektive Hinweise (zum Beispiel Zahlen und Fakten zum Thema). Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung und ihren Wert, auch wenn Ihnen eine wahrscheinlich näher und gewohnter als die andere ist. Folgen Sie bisher eher Ihrem Gefühl, so gleichen Sie es jetzt immer wieder mit den Fakten ab, um sich nicht selbst zu täuschen. Gehen Sie bisher vor allem verstandesorientiert heran, dann berücksichtigen Sie zukünftig auch, was Sie dabei empfinden.
Nachfolgend finden Sie zu allen acht Job-Motivatoren typische Anzeichen, dass speziell in diesem Bereich für Sie eine Veränderung vorteilhaft wäre. Gehen Sie alle durch und entscheiden Sie, wo Sie für sich Handlungsbedarf sehen und was jeweils Ihr Ziel sein könnte. Setzen Sie am besten zwei bis drei Schwerpunkte für Ihren nächsten beruflichen Schritt. Zum Beispiel: Sie wollen etwa zehn Prozent mehr verdienen und nicht mehr im Schichtdienst arbeiten, um mehr planbare Zeit mit Ihren Kindern und für den Sportverein zu haben. Nehmen Sie sich mehr vor, überlasten Sie sich schnell.
Geld: Knapp bei Kasse, unerfüllte Wünsche
Dass eine finanzielle Verbesserung unbedingt notwendig ist, merken Sie im schlimmsten Fall daran, dass Sie zwingende Rechnungen (zum Beispiel Strom) nicht pünktlich oder überhaupt nicht mehr bezahlen können. Meist beginnt es aber früher: Sie können sich übliche Annehmlichkeiten (zum Beispiel regelmäßige Friseurbesuche, Weiterbildung, Urlaub) nicht leisten, obwohl Sie arbeiten. Manche haben auch weitergehende Ziele, wollen sich etwa endlich eine Immobilie kaufen.
Bei vielen kreisen die Gedanken dann nur noch um ihre Geldsorgen und unerfüllten Wünsche, einige verdrängen sie dagegen komplett. Sie öffnen zum Beispiel keine Rechnungen und Mahnungen mehr in der Hoffnung, dass auch die anderen ihre Forderungen dann irgendwie vergessen. Fast immer fühlen sich Berufstätige mit finanziellen Sorgen minderwertig, auch als Mensch nicht genug anerkannt. Sie schämen sich dafür, anderen anscheinend »nichts wert zu sein«.
Schauen Sie hier zuerst auf die Entwicklung Ihres Einkommens in den vergangenen zehn Jahren und ob es aktuell für Ihre Branche und Tätigkeit angemessen ist. Wenn nicht, können Sie vielleicht innerhalb der aktuellen Stelle mehr heraushandeln. Ansonsten ist klar, dass Sie wechseln müssen. Das gilt auch, wenn Ihr Arbeitgeber keine Überstunden, Berufskleidung oder Arbeitsmittel vergütet – oder Sie teuer pendeln, eventuell gar mit einer Zweitwohnung.
Listen Sie dazu Ihre ungefähren monatlichen Kosten sowie Ihr Vermögen bzw. vorhandene Schulden (Dispo- und Ratenkredite, Käufe auf Ratenzahlung, privat geliehenes Geld) auf. Das mag erst einmal beängstigend sein, aber dann kennen Sie wenigstens Ihren Startpunkt. Übersteigt das Ihre Kraft oder haben Sie längst die Übersicht verloren, bitten Sie einen Verwandten oder Freund, mit Ihnen Ihre Unterlagen durchzusehen und zu ordnen. Das hilft, Scham und Verdrängen zu überwinden und wieder selbstbestimmt zu agieren.
Familie: Nie genug Zeit für die, die zählen
In jungen Jahren zeigt sich ein Mangel auf diesem Gebiet heute meistens daran, dass Sie ungewollt und lange Single sind. Sie wünschen sich einen Partner oder sogar schon eine eigene Familie, haben aber wegen der Arbeit keine Zeit und Kraft dafür. Später ändert sich das eventuell nur insoweit, dass Sie nun vielleicht in einer Beziehung sind und Kinder haben, sie aber wegen Ihrer Arbeit (z. B. Schichtdienst oder Überstunden) häufig vernachlässigen müssen.
Wer davon betroffen ist, fühlt sich regelmäßig zwischen beruflichen und familiären Verpflichtungen hin- und hergerissen, stillen oder ausgesprochenen Vorwürfen ausgesetzt – und das ausgerechnet von den Menschen, die er doch am liebsten hat. »Warum kommst du wieder so spät, wir wollten doch zusammen essen?«, heißt es an einem Abend. »Hast du nicht daran gedacht, dass wir die Geburtstagsparty fürs Wochenende vorbereiten müssten?«, ein anderes Mal.
Ein Blick in Ihren Kalender kann Ihnen dabei helfen, Ihr Gefühl – und das der anderen – mit den Fakten zu vergleichen. Notieren Sie eine Woche lang, besser einen Monat, wie lange Sie arbeiten. Addieren Sie den Arbeitsweg dazu – und sehen Sie, wie viel Zeit neben allen anderen Verpflichtungen für Partner und Familie übrig bleibt. Dafür gibt es kein festes Maß: Was angemessen ist, müssen Sie anhand Ihrer Umstände und Vorlieben selbst entscheiden.
Unterscheiden Sie bei Ihren Erwägungen, ob es sich um einen zeitweiligen oder dauerhaften Bedarf handelt. Die erste Zeit mit einem Kleinkind ist naturgemäß anstrengend, ebenso die Pflege eines kranken Angehörigen. Da können Sie jedoch auch zeitweise über Ihre Kräfte hinausgehen und Ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Handelt es sich jedoch absehbar um einen längeren Zeitraum, sollten Sie nicht ewig improvisieren, sondern handeln.
Team: Nie wirklich Anschluss gefunden
Wie eng Sie sich mit Teamkollegen verbunden fühlen wollen und ob es Ihr Wunsch ist, sie zusätzlich in Ihrer Freizeit zu treffen, ist eine persönliche Entscheidung. Das hängt viel vom individuellen Wesen ab. Aber wenn beides nicht der Fall ist, sind Sie eventuell in der falschen Gruppe. Das ist insbesondere der Fall, wenn Sie Vorgesetzte oder Kollegen haben, von denen Sie weder etwas lernen können noch dass Sie sie menschlich schätzen oder gern Zeit mit ihnen verbringen.
Selbst der belebteste Arbeitsplatz kann sich da bald sehr einsam anfühlen – sogar wenn der Umgangston oberflächlich freundlich ist. »Wirklich zu sagen haben wir uns aber nichts«, denken Sie und vermeiden gemeinsame Kantinenbesuche oder Teamevents. Schlimmer noch ist es, wenn Sie sich von den anderen hintergangen oder ausgeschlossen fühlen, also Respekt und Vertrauen fehlen: »Was mache ich nur jeden Tag unter diesen Leuten?« Um Ihr Gefühl zu objektivieren, könnten Sie die Namen Ihrer direkten Vorgesetzten und Kollegen auf eine Liste schreiben. Vermerken Sie dazu jeweils mit einem Buchstaben oder Symbol, wen Sie fachlich (F) und menschlich (M) schätzen und mit wem Sie gern Zeit (Z) verbringen. Wie vielen im Team haben Sie alle drei Markierungen gegeben, wie vielen zumindest zwei? Sie müssen nicht alle mögen, aber ein bis zwei wären das Minimum.
Manchmal zeigt sich im Rückblick, dass man sich vom Team entfremdet, sich eine anfangs gute Beziehung langsam abgekühlt oder ganz verschlechtert hat. Typischer Grund hier: Sie haben neue Interessen entwickelt, wollen etwas bewegen. Für die anderen soll alles bleiben, wie es ist – oder in eine andere Richtung gehen, als Sie es bevorzugen. In diesem Fall sollten Sie genauer überlegen, wann diese innere Trennung erfolgt ist und warum. Vorwürfe helfen hier nicht weiter, Sie haben sich beruflich »auseinandergelebt«
Karriere: Seit Jahren kein Aufstieg mehr
Die große Karriere ist gar nicht der Traum aller Berufstätigen, aber einen gewissen Aufstieg wünschen sich die meisten. Wenn Sie jahrelang nicht mehr – oder sogar noch niemals – befördert wurden, weder mehr Verantwortung noch größere Entscheidungsspielräume bekommen haben, merken Sie das an Ihrem Gehalt und an Ihrer Motivation. Sie strampeln sich ab, melden sich für Sonderprojekte, bilden sich weiter, bleiben aber, wo Sie sind. Man übersieht Sie scheinbar.
Wer trotz aller Bemühungen weder Fach- noch Führungskarriere macht, fühlt sich nach einiger Zeit persönlich zurückgesetzt und getroffen. »Was soll ich denn noch machen, damit meine Leistung gesehen und anerkannt wird?«, ist dann ein naheliegender Gedanke voller Frust und manchmal Wut. Möglicherweise geht Ihnen, was noch schwerwiegender ist, schließlich der Glauben an sich selbst und ihre Fähigkeiten verloren: »Vielleicht kann ich wirklich nicht mehr?«
Ein Blick in Ihren Lebenslauf hilft Ihnen, Ihren Eindruck zu überprüfen. Was ist seit dem Abschluss Ihrer Ausbildung passiert? Gehen Sie alle bisherigen Stationen durch und zählen Sie nach, in welchen Abständen Sie – wenn überhaupt – befördert wurden. Normal wäre: alle drei bis fünf Jahre. Seien Sie dabei ehrlich mit sich selbst: Haben Sie seinerzeit Chancen ausgeschlagen, wären Sie heute vielleicht mutiger oder konsequenter? Sie könnten Ihre bisherigen Karrierestationen zur besseren Veranschaulichung auch einmal in einem Diagramm eintragen: Auf der horizontalen Achse die Jahreszahlen, auf der Vertikalen die Ebenen, auf denen Sie bisher tätig waren (Mitarbeiter, Team-, Abteilungs- und Bereichsleiter undsoweiter). Welchen Trend erkennen Sie? Ordnen Sie Ihre Positionen entsprechend der realen Verantwortung ein, wenn der Titel nach mehr klang, als wofür er wirklich stand.
Weiterentwicklung: Ewig nichts dazugelernt
Langeweile ist ein typisches Anzeichen dafür, dass Sie sich zu lange nicht mehr ausreichend weiterentwickelt haben. Das muss nicht heißen, dass Sie zu wenig zu tun haben. Auch ein hohes Arbeitsvolumen unter Zeitdruck kann sehr monoton werden, wenn Sie immer wieder dieselben oder ähnliche Aufgaben zu erledigen haben. Ihnen fehlt dann die intellektuelle oder kreative Herausforderung, Sie lernen nichts mehr dazu, sondern stagnieren. Das ist auf Dauer unbefriedigend.
Wer sich nicht weiterentwickelt, fühlt sich unterfordert und steigt gedanklich aus; der Job ist ja nur noch Routine. Zur Ablenkung flüchtet man sich in Sehnsüchte und Tagträume, um die öden Arbeitstage zu überstehen – und zumindest in seiner Vorstellung ein aufregendes, interessantes Ziel zu haben. Mancher ist nur noch beim jeweils nächsten Urlaub, andere erträumen sich ein Leben am anderen Ende der Welt oder mit einem anderen Partner.
Um für sich zu überprüfen, ob Sie in Ihrer Entwicklung stagnieren oder nicht, lohnt ebenfalls ein Blick auf den Lebenslauf: Was ist Ihre höchste formale Qualifikation (Berufs-oder Studienabschluss), was haben Sie seitdem dazugelernt? Suchen Sie alle Zertifikate und andere Nachweise betrieblicher und privater Weiterbildungen zusammen, wenn Sie sie noch nicht parat haben. Die Scans davon brauchen Sie später sowieso für Ihre Bewerbungen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, ob Sie regelmäßig Ihre gewohnte Stelle verlassen haben: Reisen Sie gelegentlich zu Branchenveranstaltungen wie Messen oder Konferenzen, treffen Sie Kollegen an anderen Standorten oder bei Partnerunternehmen, nehmen Sie an abteilungsübergreifenden Projekten oder Kursen teil? Nur bei solch einem Austausch und Vergleich merken Sie, wie aktuell Ihr Profil und Wissen noch sind.
Gesundheit: Erholung vom Job dringend nötig
Oft wird gesagt, dass die Gesundheit das Wichtigste sei. Gleichzeitig gibt es viele Jobs, die ehrlicherweise nur zu schaffen sind, wenn man bereit ist, sich – zumindest für eine gewisse Zeit – die Gesundheit zu ruinieren. Zu bestimmten Berufsbildern gehören Schlafmangel, ungeregelte Arbeitszeiten, keine Zeit und Kraft für Sport, viele Dienstreisen mit hektischen An- und Abreisen, schlechtem Schlaf in Hotels und ungesundem Essen unterwegs. Wird solch ein Lebensstil, wie er in beruflichen Aufbauphasen oder bei besonders wichtigen Projekten nie ganz zu vermeiden ist, allerdings zum Dauerzustand, merken Sie das: Ihr Gewicht ist zu hoch oder zu niedrig, Sie fühlen sich mal aufgedreht, mal erschöpft. Ihr Körper zeigt Zeichen einer Überlastung (z. B. Schwindelgefühl, nervöses Augenzucken, Schlafstörungen). Auch Alkohol- oder Drogenmissbrauch zum Ausgleich sind häufig.
Eine objektive Einschätzung erlaubt der Blick auf Ihre Krankschreibungen und sonstigen gesundheitsbedingten Ausfälle in den vergangenen Jahren. Wie viele Tage waren es jeweils, wie hat sich das entwickelt? Eine allgemeinärztliche Untersuchung (Gewicht, Blutdruck, EKG, Blutbild) zeigt Ihnen, wie es um Ihre Gesundheit bestellt ist. Notieren Sie auch einmal einen Monat lang, wie oft Sie beim Sport waren und sich an freien Tagen erholt haben. Durchaus ein Hinweis auf eine Überlastung ist es auch, wenn Sie nur mit einer Vielzahl von Maßnahmen durch Ihren Arbeitsalltag kommen: gegen den ständigen Stress meditieren oder Eisbäder nehmen, ein Tagebuch führen, um depressive Gedanken oder Ängste zu bewältigen. Diese Maßnahmen haben zwar ihre Vorteile, tragen aber eventuell auch dazu bei, dass Sie eine grundlegende Lösung (zum Beispiel weniger anstrengender Job) verschleppen.
Spaß: Seit Langem nicht mehr gern zur Arbeit
Wenn Ihnen die Arbeit weder Spaß noch Freude macht, merken Sie das daran, dass Sie ungern an Ihren Arbeitsplatz, zu Ihren Vorgesetzten und Kollegen kommen. Langfristig stellen Sie fest, dass Sie sich negativ verändern. Möglicherweise waren Sie früher ein zuversichtlicher, fröhlicher Mensch. Nun ertappen Sie sich dabei, dass Sie misstrauisch werden, über andere lästern und schimpfen, um sich etwas besser zu fühlen.
Die allgemeine Stimmung in einem Unternehmen und im Team ist fast körperlich spürbar und auch gut zu beobachten: Wird viel gelacht, sind die Blicke offen, hilft man einander – oder ist es still, hält jeder seinen Kopf lieber gesenkt, hört man höchstens genervte oder boshafte Bemerkungen? Schauen Sie sich einmal in Ihrer Abteilung um, als wären Sie ganz neu im Unternehmen: Wie wirkt die Atmosphäre, wie wirken Ihre Kollegen auf Sie?
Abgleichen können Sie Ihren Eindruck mit der Zahl der Krankmeldungen und der Fluktuation (Mitarbeiterwechsel) im Team – sind sie recht hoch, steigen sie gar? Manche Unternehmen führen auch eigene Befragungen zur Zufriedenheit der Belegschaft durch, die intern veröffentlicht werden. Nicht zuletzt ist ein Blick auf die Bewertungsportale im Internet aufschlussreich, in denen aktuelle und frühere Mitarbeiter ihre Wahrnehmung beschreiben.
Ein zweifelhaftes Kriterium ist die Verweildauer im Unternehmen. Es kann ein Zeichen von Zufriedenheit sein, wenn viele Kollegen ewig dabei bleiben, aber auch bedeuten, dass sie zu gering qualifiziert, ehrgeizig und mutlos für einen Wechsel sind. Auch hier verrät Ihnen der Ton alles: Sind die »Veteranen im Team« noch mit Interesse und Begeisterung dabei – oder klingt es, als würden sie eine lange Strafe absitzen (»Ich muss nur noch zehn Jahre«)?
Lebenssinn: Das Gefühl, Zeit zu verschwenden
Die Überzeugung, keine sinnvolle Arbeit auszuüben, kann sich auf zweierlei Weise einstellen: mit der Einschätzung, dass Ihre Tätigkeit eigentlich – über das Geldverdienen hinaus – von der Gesellschaft nicht gebraucht wird oder sogar schädlich für sie ist. Oder aber von etwas abgehalten zu werden, das Ihnen eigentlich wichtiger wäre. Im ersten Fall fühlen Sie sich gelangweilt und suchen den Ausgleich anderswo, im zweiten fühlen Sie sich ungeduldig. Möglicherweise ertappen Sie sich regelmäßig dabei, dass Ihre Gedanken von der Arbeit woanders hinwandern. Sie haben das Gefühl, Sie sitzen Ihre Zeit nur ab und müssen sich mit etwas beschäftigen, das Sie weder interessiert noch erfüllt. Wer bisher gar nicht weiß, was er eigentlich als sinnvoll empfinden würde, denkt häufig an ferne Orte, an denen es interessanter und erfüllender sein müsste. Andere wissen bereits, was sie anzieht.
Der Blick auf Ihre bisherigen Aktivitäten in diesem Bereich zeigt Ihnen, was Sie persönlich für sinnvoll halten. Das können aktive Mitgliedschaften und Ehrenämter sein (zum Beispiel in einem Verband oder Verein, in einer Partei, Gewerkschaft oder Kirche), mit welchen Anliegen Sie sich immer wieder beschäftigen, wo Sie meinen, dass »mehr getan« bzw. sich »etwas ändern« müsste. Das können Sie weiterhin nebenbei machen, aber zukünftig durchaus auch hauptberuflich.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, was Sie beim Blick auf die Mission (Zweck) bzw. Vision (Ziel) Ihres Arbeitgebers empfinden, wie sie meist auf der Website veröffentlicht werden. Treibt das genannte Anliegen Sie auch um, ist es Ihnen gleichgültig oder sind Sie sogar dagegen? Gegen einen pragmatischen Umgang damit ist nichts zu sagen, Sie müssen nicht von allem überzeugt sein. Aber Sie vermeiden Wertekonflikte und sind engagierter, wenn Sie es unterstützen.
Aktiv werden, um etwas zu verändern
»Ein Job, der interessant und angemessen bezahlt ist, noch dazu in einem netten Team – das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal«, werden Sie vielleicht skeptisch denken. »Das geht nun wirklich nicht!« Aber tatsächlich gibt es auch die Berufstätigen, für die es insgesamt stimmt: Ihr Job ist nicht perfekt, aber in der Summe genau richtig. Ärgerliche Kleinigkeiten hier und da lassen sich damit leicht hinnehmen und anderweitig ausgleichen. Entscheidend ist allerdings, dass Sie – wenn Sie identifiziert haben, in welchem Bereich sich bei Ihnen etwas ändern müsste – aktiv werden: Ihre bestehende Stelle möglichst verbessern, sich ansonsten eine bessere suchen. Nur wie lange soll man noch abwarten, ob es nicht vielleicht von selbst besser wird oder sich ohne eigenes Zutun eine unerwartete Chance auftut? Hinweise auf den richtigen Zeitpunkt finden Sie im nächsten Kapitel.
Motivator-Tipp: Regelmäßig evaluieren, wo Sie beruflich stehen
Nur selten nimmt man sich im Alltag die Zeit, genauer darüber nachzudenken, wo man beruflich steht und wo man hinwill. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, es ein- bis zweimal jährlich fest einzuplanen. Möglicherweise bieten sich in Ihrem Jahreskalender bestimmte Termine an, für die Sie das fortlaufend eintragen wollen, damit Sie es nicht vergessen. Beispiel: In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, in der meist sonst nicht viel los ist, könnten Sie zukünftig immer die Unterlagen für Ihre Steuererklärung ordnen und zusammenstellen. Dabei erinnern Sie die Belege wieder an die Ereignisse des vergangenen Jahres und Sie könnten sich Ihre Gedanken dazu notieren. Ein anderer guter Termin ist nach den Sommerferien, wenn Sie erholt und voller Entschlusskraft sind.
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