Buchauszug Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“

 

Buchauszug Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“

 

Attila Albert (Foto: Privat)

Buchauszug Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“

 

 

HERAUSFINDEN, WAS IHNEN GERADE WICHTIG IST

Unzufrieden im Job, obwohl er »eigentlich gar nicht schlecht« ist? Dann arbeiten Sie nicht (mehr) entsprechend dem Job-Motivator, der jetzt für Sie vordringlich wäre. So erkennen Sie, wo eine Veränderung inzwischen überfällig ist.

 

Für viele Berufstätige kommt einmal der Moment, in dem sie es nicht mehr verdrängen können: Irgendwas ist total schief­gelaufen. Sie führen überhaupt nicht das Leben, das sie sich immer vorgestellt haben. Da haben sie sich – naiv, wie man einmal war – vielleicht in jungen Jahren erträumt, Astronaut, Präsident oder wenigstens CEO zu werden. Bei Barbie mit all ihren Traumberufen hat es ja auch geklappt, und die war da noch nicht mal 40. Nun müssen sie ernüchtert feststellen, dass es schon knifflig genug ist, beruflich und finanziell auch nur halbwegs über die Runden zu kommen. Wer dazu noch einen liebevollen Partner will, nicht nur ein Hündchen oder eine Katze, braucht umso mehr verfügbare Zeit und Nerven. Zwar haben Haustiere bekanntermaßen viel mehr Verständ­nis für die eigenen, nur allzu menschlichen Unzulänglichkei­ten, sind aber eben doch nur begrenzt ein Beziehungsersatz.

Die große Karriere haben diejenigen gemacht, die man schon in der Schule nicht leiden konnte, und das Traum­schloss aus Kindertagen ist auch geschrumpft. Angesichts des Wohnungsmarktes muss man schon für zwei Zimmer Altbau mit Sanierungsbedarf dankbar sein. Statt des weitläufigen Gartens, den man sich für sich und die Kinder vorgestellt hatte, ist es nun eventuell nicht mal ein Balkon. Man muss dankbar sein, wenn wenigstens ein sauberer, halbwegs siche­rer Park in der Nähe ist. All die hochfliegenden beruflichen und persönlichen Träume – verloren gegangen zwischen Ab­schluss und erstem Autokredit, für den noch die Eltern bür­gen mussten. Soll das wirklich schon alles gewesen sein?

Manche hat sich während ihrer kaufmännischen Ausbil­dung vorgestellt, später einmal im eleganten Kostümchen selbst am Vorstandstisch zu sitzen und die Geschicke der Welt aus einem gläsernen Büroturm heraus zu lenken – oberste Etage mit Fernblick, wie man es in „50 Shades of Grey“ gesehen hat. Nun ist das Büro ein abgewohnter Co-Working-Space im Hinterhof und das Kostümchen aus dem Zara-Ausverkauf. Das aufregendste Ereignis im eigenen Berufsleben besteht da­rin, dass einem in einem spontan verlängerten Meeting wie­der einmal mit Schrecken einfällt: Jemand muss innerhalb der nächsten halben Stunde das Kind aus der Kita abholen und dann noch zu Lidl, und dieser Jemand ist man selbst.

Andere haben sich ausgemalt, wie aufregend es doch sein müsste, für einen der großen Konzerne mit einem weltbe­rühmten Namen zu arbeiten. Nun drängeln CEO, Vorstand, Geschäftsführer, Bereichs- und Abteilungsleiter ständig, dass die Zahlen besser werden müssen, während man selbst kei­nesfalls eine Idee äußern darf, wie das erreicht werden könnte. Die Tage im lauten, überfüllten Großraumbüro – ohne eige­nen Schreibtisch und ohne Telefonanschluss, es soll sich ja keiner mehr wie zu Hause fühlen – vergehen mit dem Schrei­ben und Beantworten komplizierter E-Mails mit jeweils zehn Kollegen in Kopie, mit dem Ausfüllen von Excel-Tabellen voller Formatierungsfehler und der Hoffnung, dass nach dem nächsten Urlaub alles besser werde, zumindest etwas leichter auszuhalten. Das ist jedoch für sich schon ein neuer Traum.

 

(Foto: Redline Verlag)

Attila Albert: „Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld. So finden Sie den Job, der wirklich zu Ihnen passt“ – Redline Verlag, 240 Seiten, 18 Euro

 

 

Ernüchternd ist für viele Berufstätige auch, wie wenig sich ihre Vorgesetzten für ihre Ideen und Vorschläge interessieren. Da wurde in der Stellenanzeige vielleicht noch gewünscht, dass man doch bitte kreativ und lösungsorientiert sein. Frü­her wurden sogar ausdrücklich Querdenker gesucht, bis die­ser Begriff irgendwie aus der Mode kam. Nun, da man die Aufgaben, Projekte und Kunden aus seiner täglichen Arbeit kennt, damit tatsächlich sinnvolle Verbesserungen empfehlen könnte, will sie keiner hören. Mehr noch, der Vorgesetzte ver­dreht genervt die Augen: »Bitte konzentrieren Sie sich erst ein­mal ganz auf Ihre Aufgaben.« Und Sie denken: »Das würde ich gern, und ich wüsste auch, wie ich sie besser und schneller erledigen könnte, wenn ihr mich endlich mal lasst.«

Der perfekte Job muss noch erfunden werden

Jeder weiß natürlich, dass es den perfekten Job nicht gibt. Wer ihn trotzdem sucht, wird bis zur Rente unzufrieden blei­ben. »Mit den misstrauischen Augen des Perfektionisten sieht die Welt wie eine fortwährende Enttäuschung aus. ›Kann nicht einmal alles glattgehen!‹, wird dein ständiger frustrier­ter Ausruf. Dabei ist das Ergebnis oft gar nicht so schlecht und fast immer vollkommen ausreichend – aber eben Wel­ten von jener Perfektion entfernt, die mit dieser Einstellung der Normalfall sein sollte«, heißt es dazu in meinem Ratgeber Perfektionismus ist ein Arschloch. »Sicher gibt es Perfektion, al­lerdings nur in kurzen, exotischen Momenten. Dann zeigt sie sich, so wie die ›Königin der Nacht‹ jährlich für einige Stun­den ihre Blüte öffnet. Kurz darauf ist sie schon wieder ver­welkt und müffelt nach Vergänglichkeit.«

Tatsächlich gibt es auch im Berufsleben perfekte Mo­mente: Nach dem nervenaufreibenden Bewerbungsverfah­ren kommt das Vertragsangebot und ist erstaunlich gut; der ersehnte Arbeitsvertrag wird endlich unterschrieben. Das Büro stellt sich als überraschend schön heraus, der Chef und die Kollegen sind fachlich top und menschlich super. Das knifflige Projekt ist erfolgreich; das Unternehmen bedankt sich mit einer unerwarteten Prämie oder der Chance, in einer Tochtergesellschaft im Ausland zu hospitieren. Sie freuen sich auf den nächsten Urlaub, den Sie sich auch leisten können – und dürfen sich wirklich erholen, anstatt ständig im Hotel­zimmer in Teams-Calls zu sitzen, was alle anderen normal fin­den: »Urlaub nennen wir: Meetings mit Aussicht!«

Zwischen all dem findet der Arbeitsalltag statt – mal auf­regend, mal langweilig, mal hektisch und mal ruhig. Stört Sie allerdings etwas fortlaufend, warten Sie nur noch auf die seltenen perfekten Momente, besteht Handlungsbedarf. Wahrscheinlich stimmt es sogar, wenn Sie sagen, dass Ihr Job »eigentlich gar nicht schlecht« ist. Aber diese subtile Ein­schränkung bedeutet gleichzeitig: Etwas sollte besser werden. Nur was? Dabei will Sie dieses Kapitel unterstützen.

Persönlichen Eindruck mit den Fakten abgleichen

Auch in beruflichen Fragen achten manche vor allem auf subjektive Anzeichen (zum Beispiel. ihre Gedanken und Ge­fühle), andere eher auf objektive Hinweise (zum Beispiel Zah­len und Fakten zum Thema). Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung und ihren Wert, auch wenn Ihnen eine wahrscheinlich näher und gewohnter als die an­dere ist. Folgen Sie bisher eher Ihrem Gefühl, so glei­chen Sie es jetzt immer wieder mit den Fakten ab, um sich nicht selbst zu täuschen. Gehen Sie bisher vor al­lem verstandesorientiert heran, dann berücksichtigen Sie zukünftig auch, was Sie dabei empfinden.

 

Nachfolgend finden Sie zu allen acht Job-Motivatoren ty­pische Anzeichen, dass speziell in diesem Bereich für Sie eine Veränderung vorteilhaft wäre. Gehen Sie alle durch und ent­scheiden Sie, wo Sie für sich Handlungsbedarf sehen und was jeweils Ihr Ziel sein könnte. Setzen Sie am besten zwei bis drei Schwerpunkte für Ihren nächsten beruflichen Schritt. Zum Beispiel: Sie wollen etwa zehn Prozent mehr verdienen und nicht mehr im Schichtdienst arbeiten, um mehr plan­bare Zeit mit Ihren Kindern und für den Sportverein zu ha­ben. Nehmen Sie sich mehr vor, überlasten Sie sich schnell.

Geld: Knapp bei Kasse, unerfüllte Wünsche

Dass eine finanzielle Verbesserung unbedingt notwendig ist, merken Sie im schlimmsten Fall daran, dass Sie zwingende Rechnungen (zum Beispiel Strom) nicht pünktlich oder überhaupt nicht mehr bezahlen können. Meist beginnt es aber früher: Sie können sich übliche Annehmlichkeiten (zum Beispiel regelmäßige Friseurbesuche, Weiterbildung, Urlaub) nicht leisten, obwohl Sie arbeiten. Manche haben auch weitergehende Ziele, wol­len sich etwa endlich eine Immobilie kaufen.

Bei vielen kreisen die Gedanken dann nur noch um ihre Geldsorgen und unerfüllten Wünsche, einige verdrängen sie dagegen komplett. Sie öffnen zum Beispiel keine Rechnun­gen und Mahnungen mehr in der Hoffnung, dass auch die anderen ihre Forderungen dann irgendwie vergessen. Fast im­mer fühlen sich Berufstätige mit finanziellen Sorgen minder­wertig, auch als Mensch nicht genug anerkannt. Sie schämen sich dafür, anderen anscheinend »nichts wert zu sein«.

Schauen Sie hier zuerst auf die Entwicklung Ihres Ein­kommens in den vergangenen zehn Jahren und ob es aktuell für Ihre Branche und Tätigkeit angemessen ist. Wenn nicht, können Sie vielleicht innerhalb der aktuellen Stelle mehr he­raushandeln. Ansonsten ist klar, dass Sie wechseln müssen. Das gilt auch, wenn Ihr Arbeitgeber keine Überstunden, Be­rufskleidung oder Arbeitsmittel vergütet – oder Sie teuer pen­deln, eventuell gar mit einer Zweitwohnung.

Listen Sie dazu Ihre ungefähren monatlichen Kosten so­wie Ihr Vermögen bzw. vorhandene Schulden (Dispo- und Ratenkredite, Käufe auf Ratenzahlung, privat geliehenes Geld) auf. Das mag erst einmal beängstigend sein, aber dann kennen Sie wenigstens Ihren Startpunkt. Übersteigt das Ihre Kraft oder haben Sie längst die Übersicht verloren, bitten Sie einen Verwandten oder Freund, mit Ihnen Ihre Unterlagen durchzusehen und zu ordnen. Das hilft, Scham und Verdrän­gen zu überwinden und wieder selbstbestimmt zu agieren.

Familie: Nie genug Zeit für die, die zählen

In jungen Jahren zeigt sich ein Mangel auf diesem Gebiet heute meistens daran, dass Sie ungewollt und lange Single sind. Sie wünschen sich einen Partner oder sogar schon eine eigene Familie, haben aber wegen der Arbeit keine Zeit und Kraft dafür. Später ändert sich das eventuell nur insoweit, dass Sie nun vielleicht in einer Beziehung sind und Kinder haben, sie aber wegen Ihrer Arbeit (z. B. Schichtdienst oder Überstunden) häufig vernachlässigen müssen.

Wer davon betroffen ist, fühlt sich regelmäßig zwischen beruflichen und familiären Verpflichtungen hin- und her­gerissen, stillen oder ausgesprochenen Vorwürfen ausgesetzt – und das ausgerechnet von den Menschen, die er doch am liebsten hat. »Warum kommst du wieder so spät, wir wollten doch zusammen essen?«, heißt es an einem Abend. »Hast du nicht daran gedacht, dass wir die Geburtstagsparty fürs Wo­chenende vorbereiten müssten?«, ein anderes Mal.

Ein Blick in Ihren Kalender kann Ihnen dabei helfen, Ihr Gefühl – und das der anderen – mit den Fakten zu verglei­chen. Notieren Sie eine Woche lang, besser einen Monat, wie lange Sie arbeiten. Addieren Sie den Arbeitsweg dazu – und sehen Sie, wie viel Zeit neben allen anderen Verpflichtungen für Partner und Familie übrig bleibt. Dafür gibt es kein fes­tes Maß: Was angemessen ist, müssen Sie anhand Ihrer Um­stände und Vorlieben selbst entscheiden.

Unterscheiden Sie bei Ihren Erwägungen, ob es sich um einen zeitweiligen oder dauerhaften Bedarf handelt. Die erste Zeit mit einem Kleinkind ist naturgemäß anstrengend, ebenso die Pflege eines kranken Angehörigen. Da können Sie jedoch auch zeitweise über Ihre Kräfte hinausgehen und Ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Handelt es sich jedoch ab­sehbar um einen längeren Zeitraum, sollten Sie nicht ewig improvisieren, sondern handeln.

Team: Nie wirklich Anschluss gefunden

Wie eng Sie sich mit Teamkollegen verbunden fühlen wol­len und ob es Ihr Wunsch ist, sie zusätzlich in Ihrer Freizeit zu treffen, ist eine persönliche Entscheidung. Das hängt viel vom individuellen Wesen ab. Aber wenn beides nicht der Fall ist, sind Sie eventuell in der falschen Gruppe. Das ist insbe­sondere der Fall, wenn Sie Vorgesetzte oder Kollegen haben, von denen Sie weder etwas lernen können noch dass Sie sie menschlich schätzen oder gern Zeit mit ihnen verbringen.

Selbst der belebteste Arbeitsplatz kann sich da bald sehr einsam anfühlen – sogar wenn der Umgangston oberfläch­lich freundlich ist. »Wirklich zu sagen haben wir uns aber nichts«, denken Sie und vermeiden gemeinsame Kantinenbe­suche oder Teamevents. Schlimmer noch ist es, wenn Sie sich von den anderen hintergangen oder ausgeschlossen fühlen, also Respekt und Vertrauen fehlen: »Was mache ich nur je­den Tag unter diesen Leuten?« Um Ihr Gefühl zu objektivie­ren, könnten Sie die Namen Ihrer direkten Vorgesetzten und Kollegen auf eine Liste schreiben. Vermerken Sie dazu jeweils mit einem Buchstaben oder Symbol, wen Sie fachlich (F) und menschlich (M) schätzen und mit wem Sie gern Zeit (Z) ver­bringen. Wie vielen im Team haben Sie alle drei Markierun­gen gegeben, wie vielen zumindest zwei? Sie müssen nicht alle mögen, aber ein bis zwei wären das Minimum.

Manchmal zeigt sich im Rückblick, dass man sich vom Team entfremdet, sich eine anfangs gute Beziehung lang­sam abgekühlt oder ganz verschlechtert hat. Typischer Grund hier: Sie haben neue Interessen entwickelt, wollen etwas be­wegen. Für die anderen soll alles bleiben, wie es ist – oder in eine andere Richtung gehen, als Sie es bevorzugen. In diesem Fall sollten Sie genauer überlegen, wann diese innere Tren­nung erfolgt ist und warum. Vorwürfe helfen hier nicht wei­ter, Sie haben sich beruflich »auseinandergelebt«

Karriere: Seit Jahren kein Aufstieg mehr

Die große Karriere ist gar nicht der Traum aller Berufstäti­gen, aber einen gewissen Aufstieg wünschen sich die meisten. Wenn Sie jahrelang nicht mehr – oder sogar noch niemals – befördert wurden, weder mehr Verantwortung noch größere Entscheidungsspielräume bekommen haben, merken Sie das an Ihrem Gehalt und an Ihrer Motivation. Sie strampeln sich ab, melden sich für Sonderprojekte, bilden sich weiter, blei­ben aber, wo Sie sind. Man übersieht Sie scheinbar.

Wer trotz aller Bemühungen weder Fach- noch Führungs­karriere macht, fühlt sich nach einiger Zeit persönlich zurück­gesetzt und getroffen. »Was soll ich denn noch machen, da­mit meine Leistung gesehen und anerkannt wird?«, ist dann ein naheliegender Gedanke voller Frust und manchmal Wut. Möglicherweise geht Ihnen, was noch schwerwiegender ist, schließlich der Glauben an sich selbst und ihre Fähigkeiten verloren: »Vielleicht kann ich wirklich nicht mehr?«

Ein Blick in Ihren Lebenslauf hilft Ihnen, Ihren Eindruck zu überprüfen. Was ist seit dem Abschluss Ihrer Ausbildung passiert? Gehen Sie alle bisherigen Stationen durch und zäh­len Sie nach, in welchen Abständen Sie – wenn überhaupt – befördert wurden. Normal wäre: alle drei bis fünf Jahre. Seien Sie dabei ehrlich mit sich selbst: Haben Sie seinerzeit Chan­cen ausgeschlagen, wären Sie heute vielleicht mutiger oder konsequenter? Sie könnten Ihre bisherigen Karrierestationen zur besseren Veranschaulichung auch einmal in einem Dia­gramm eintragen: Auf der horizontalen Achse die Jahreszah­len, auf der Vertikalen die Ebenen, auf denen Sie bisher tä­tig waren (Mitarbeiter, Team-, Abteilungs- und Bereichsleiter undsoweiter). Welchen Trend erkennen Sie? Ordnen Sie Ihre Positi­onen entsprechend der realen Verantwortung ein, wenn der Titel nach mehr klang, als wofür er wirklich stand.

Weiterentwicklung: Ewig nichts dazugelernt

Langeweile ist ein typisches Anzeichen dafür, dass Sie sich zu lange nicht mehr ausreichend weiterentwickelt haben. Das muss nicht heißen, dass Sie zu wenig zu tun haben. Auch ein hohes Arbeitsvolumen unter Zeitdruck kann sehr monoton werden, wenn Sie immer wieder dieselben oder ähnliche Auf­gaben zu erledigen haben. Ihnen fehlt dann die intellektuelle oder kreative Herausforderung, Sie lernen nichts mehr dazu, sondern stagnieren. Das ist auf Dauer unbefriedigend.

Wer sich nicht weiterentwickelt, fühlt sich unterfor­dert und steigt gedanklich aus; der Job ist ja nur noch Rou­tine. Zur Ablenkung flüchtet man sich in Sehnsüchte und Tagträume, um die öden Arbeitstage zu überstehen – und zu­mindest in seiner Vorstellung ein aufregendes, interessantes Ziel zu haben. Mancher ist nur noch beim jeweils nächsten Urlaub, andere erträumen sich ein Leben am anderen Ende der Welt oder mit einem anderen Partner.

Um für sich zu überprüfen, ob Sie in Ihrer Entwicklung stagnieren oder nicht, lohnt ebenfalls ein Blick auf den Le­benslauf: Was ist Ihre höchste formale Qualifikation (Berufs-oder Studienabschluss), was haben Sie seitdem dazugelernt? Suchen Sie alle Zertifikate und andere Nachweise betriebli­cher und privater Weiterbildungen zusammen, wenn Sie sie noch nicht parat haben. Die Scans davon brauchen Sie später sowieso für Ihre Bewerbungen. Interessant ist in diesem Zu­sammenhang auch, ob Sie regelmäßig Ihre gewohnte Stelle verlassen haben: Reisen Sie gelegentlich zu Branchenveran­staltungen wie Messen oder Konferenzen, treffen Sie Kolle­gen an anderen Standorten oder bei Partnerunternehmen, nehmen Sie an abteilungsübergreifenden Projekten oder Kur­sen teil? Nur bei solch einem Austausch und Vergleich mer­ken Sie, wie aktuell Ihr Profil und Wissen noch sind.

Gesundheit: Erholung vom Job dringend nötig

Oft wird gesagt, dass die Gesundheit das Wichtigste sei. Gleichzeitig gibt es viele Jobs, die ehrlicherweise nur zu schaf­fen sind, wenn man bereit ist, sich – zumindest für eine ge­wisse Zeit – die Gesundheit zu ruinieren. Zu bestimmten Berufsbildern gehören Schlafmangel, ungeregelte Arbeitszei­ten, keine Zeit und Kraft für Sport, viele Dienstreisen mit hektischen An- und Abreisen, schlechtem Schlaf in Hotels und ungesundem Essen unterwegs. Wird solch ein Lebens­stil, wie er in beruflichen Aufbauphasen oder bei besonders wichtigen Projekten nie ganz zu vermeiden ist, allerdings zum Dauerzustand, merken Sie das: Ihr Gewicht ist zu hoch oder zu niedrig, Sie fühlen sich mal aufgedreht, mal erschöpft. Ihr Körper zeigt Zeichen einer Überlastung (z. B. Schwindelge­fühl, nervöses Augenzucken, Schlafstörungen). Auch Alko­hol- oder Drogenmissbrauch zum Ausgleich sind häufig.

Eine objektive Einschätzung erlaubt der Blick auf Ihre Krankschreibungen und sonstigen gesundheitsbedingten Ausfälle in den vergangenen Jahren. Wie viele Tage waren es jeweils, wie hat sich das entwickelt? Eine allgemeinärztliche Untersuchung (Gewicht, Blutdruck, EKG, Blutbild) zeigt Ih­nen, wie es um Ihre Gesundheit bestellt ist. Notieren Sie auch einmal einen Monat lang, wie oft Sie beim Sport waren und sich an freien Tagen erholt haben. Durchaus ein Hinweis auf eine Überlastung ist es auch, wenn Sie nur mit einer Vielzahl von Maßnahmen durch Ihren Arbeitsalltag kommen: gegen den ständigen Stress meditieren oder Eisbäder nehmen, ein Tagebuch führen, um depressive Gedanken oder Ängste zu bewältigen. Diese Maßnahmen haben zwar ihre Vorteile, tra­gen aber eventuell auch dazu bei, dass Sie eine grundlegende Lösung (zum Beispiel weniger anstrengender Job) verschleppen.

Spaß: Seit Langem nicht mehr gern zur Arbeit

Wenn Ihnen die Arbeit weder Spaß noch Freude macht, mer­ken Sie das daran, dass Sie ungern an Ihren Arbeitsplatz, zu Ihren Vorgesetzten und Kollegen kommen. Langfristig stellen Sie fest, dass Sie sich negativ verändern. Möglicherweise wa­ren Sie früher ein zuversichtlicher, fröhlicher Mensch. Nun ertappen Sie sich dabei, dass Sie misstrauisch werden, über andere lästern und schimpfen, um sich etwas besser zu fühlen.

Die allgemeine Stimmung in einem Unternehmen und im Team ist fast körperlich spürbar und auch gut zu beob­achten: Wird viel gelacht, sind die Blicke offen, hilft man einander – oder ist es still, hält jeder seinen Kopf lieber ge­senkt, hört man höchstens genervte oder boshafte Bemer­kungen? Schauen Sie sich einmal in Ihrer Abteilung um, als wären Sie ganz neu im Unternehmen: Wie wirkt die Atmo­sphäre, wie wirken Ihre Kollegen auf Sie?

Abgleichen können Sie Ihren Eindruck mit der Zahl der Krankmeldungen und der Fluktuation (Mitarbeiterwechsel) im Team – sind sie recht hoch, steigen sie gar? Manche Un­ternehmen führen auch eigene Befragungen zur Zufrieden­heit der Belegschaft durch, die intern veröffentlicht werden. Nicht zuletzt ist ein Blick auf die Bewertungsportale im In­ternet aufschlussreich, in denen aktuelle und frühere Mitar­beiter ihre Wahrnehmung beschreiben.

Ein zweifelhaftes Kriterium ist die Verweildauer im Un­ternehmen. Es kann ein Zeichen von Zufriedenheit sein, wenn viele Kollegen ewig dabei bleiben, aber auch bedeuten, dass sie zu gering qualifiziert, ehrgeizig und mutlos für einen Wechsel sind. Auch hier verrät Ihnen der Ton alles: Sind die »Veteranen im Team« noch mit Interesse und Begeisterung dabei – oder klingt es, als würden sie eine lange Strafe absit­zen (»Ich muss nur noch zehn Jahre«)?

Lebenssinn: Das Gefühl, Zeit zu verschwenden

Die Überzeugung, keine sinnvolle Arbeit auszuüben, kann sich auf zweierlei Weise einstellen: mit der Einschätzung, dass Ihre Tätigkeit eigentlich – über das Geldverdienen hi­naus – von der Gesellschaft nicht gebraucht wird oder sogar schädlich für sie ist. Oder aber von etwas abgehalten zu wer­den, das Ihnen eigentlich wichtiger wäre. Im ersten Fall füh­len Sie sich gelangweilt und suchen den Ausgleich anderswo, im zweiten fühlen Sie sich ungeduldig. Möglicherweise ertap­pen Sie sich regelmäßig dabei, dass Ihre Gedanken von der Arbeit woanders hinwandern. Sie haben das Gefühl, Sie sit­zen Ihre Zeit nur ab und müssen sich mit etwas beschäftigen, das Sie weder interessiert noch erfüllt. Wer bisher gar nicht weiß, was er eigentlich als sinnvoll empfinden würde, denkt häufig an ferne Orte, an denen es interessanter und erfüllen­der sein müsste. Andere wissen bereits, was sie anzieht.

Der Blick auf Ihre bisherigen Aktivitäten in diesem Be­reich zeigt Ihnen, was Sie persönlich für sinnvoll halten. Das können aktive Mitgliedschaften und Ehrenämter sein (zum Beispiel in einem Verband oder Verein, in einer Partei, Gewerkschaft oder Kirche), mit welchen Anliegen Sie sich immer wieder beschäftigen, wo Sie meinen, dass »mehr getan« bzw. sich »et­was ändern« müsste. Das können Sie weiterhin nebenbei ma­chen, aber zukünftig durchaus auch hauptberuflich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, was Sie beim Blick auf die Mission (Zweck) bzw. Vision (Ziel) Ihres Arbeit­gebers empfinden, wie sie meist auf der Website veröffent­licht werden. Treibt das genannte Anliegen Sie auch um, ist es Ihnen gleichgültig oder sind Sie sogar dagegen? Gegen einen pragmatischen Umgang damit ist nichts zu sagen, Sie müs­sen nicht von allem überzeugt sein. Aber Sie vermeiden Wer­tekonflikte und sind engagierter, wenn Sie es unterstützen.

Aktiv werden, um etwas zu verändern

»Ein Job, der interessant und angemessen bezahlt ist, noch dazu in einem netten Team – das sind ja gleich drei Wün­sche auf einmal«, werden Sie vielleicht skeptisch denken. »Das geht nun wirklich nicht!« Aber tatsächlich gibt es auch die Berufstätigen, für die es insgesamt stimmt: Ihr Job ist nicht perfekt, aber in der Summe genau richtig. Ärgerliche Kleinigkeiten hier und da lassen sich damit leicht hinneh­men und anderweitig ausgleichen. Entscheidend ist aller­dings, dass Sie – wenn Sie identifiziert haben, in welchem Be­reich sich bei Ihnen etwas ändern müsste – aktiv werden: Ihre bestehende Stelle möglichst verbessern, sich ansonsten eine bessere suchen. Nur wie lange soll man noch abwarten, ob es nicht vielleicht von selbst besser wird oder sich ohne eige­nes Zutun eine unerwartete Chance auftut? Hinweise auf den richtigen Zeitpunkt finden Sie im nächsten Kapitel.

Motivator-Tipp: Regelmäßig evaluieren, wo Sie beruflich stehen

Nur selten nimmt man sich im Alltag die Zeit, genauer darüber nachzudenken, wo man beruflich steht und wo man hinwill. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, es ein- bis zweimal jährlich fest einzuplanen. Möglicher­weise bieten sich in Ihrem Jahreskalender bestimmte Termine an, für die Sie das fortlaufend eintragen wol­len, damit Sie es nicht vergessen. Beispiel: In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, in der meist sonst nicht viel los ist, könnten Sie zukünftig immer die Un­terlagen für Ihre Steuererklärung ordnen und zusam­menstellen. Dabei erinnern Sie die Belege wieder an die Ereignisse des vergangenen Jahres und Sie könn­ten sich Ihre Gedanken dazu notieren. Ein anderer gu­ter Termin ist nach den Sommerferien, wenn Sie erholt und voller Entschlusskraft sind.

 

 

 

 

 

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