Warum Unternehmen ihre KI-Projekte sie so oft sterben lassen
Unternehmen gehen Künstliche Intelligenz (KI) als Projekt – oft falsch an, erzählt IT-Unternehmensberater Hans-Werner Feick. Hochmotiviert initiieren die Manager Workshops mit den Fachbereichen, damit sie mögliche Effekte von KI-Einsatz kreieren. Dann entstehen „halbgare Ideensammlungen, aber eben nicht mehr“, erzählt der Gründer der Beratung Blue Mind mit Kunden wie Siemens, Mercedes oder der Bundesanstalt für Arbeit.
Warum? Weil die Manager erkennen, dass ihre Projekte keinen kurzfristigen Nutzen bringen. Sie sehen nur ganz viel Arbeit, aber kein rasches Ergebnis. Wenn etwas erst in drei oder fünf Jahren Verbesserungen bringt, lassen sie es lieber sein. Die Folge: Die Initiative stirbt. „Insbesondere den Mittelmanagern fehlt Engagement und langer Atem“, stellt Feick immer wieder fest.

Hans-Werner Feick (Foto: C. Tödtmann)
Der wahre Grund: Für ihre persönlichen Ziele, ihre Boni, ist nur das interessant, was sie schneller erreichen können. Digitalisierung gehört nicht dazu, denn die benötigt gründliche Basisarbeit und langen Atem, sagt Feick. Man müsse dafür Leute für längere Zeit von ihrer Arbeit abziehen, ein vernünftiges Datenmanagement einführen, Prozesse grundlegend neu denken und schließlich dazu bereit sein, sich aus gewohnten Abläufen zu verabschieden. Und man müsse darüber nachdenken, wie man Dinge grundlegend anders gestalten kann, erzählt der Berater weiter.
„Genau das gelingt Managern der Unternehmen oft nicht“, so sein Fazit. „Die denken klein-klein“. Im Gegensatz zu Unternehmen mit Innovatoren wie Elon Musk an der Spitze. Die sagten „ich will“ und dächten fünf Jahre nach vorne.
Was Manager nun tun können, um die Chancen aus KI und Digitalisierung nicht zu verschlafen:
- Das Unternehmen grundlegend durchleuchten, wo man KI einsetzen könnte – keine Tabus zulassen, versuchen, alles neu zu denken und insbesondere die großen werttreibenden Themen querdenken.
- Dafür dann Leute einstellen, die quer denken, nicht unbedingt IT-Experten, sondern eher Leute, die Ideen fürs Geschäft mitbringen und IT-Sachverstand haben. Die wissen, was IT kann, was nicht und welche Voraussetzungen nötig sind.
- Sich nicht abschrecken lassen von viel Aufwand: Durchdenken, planen umsetzen und nicht nach einem Jahr bei der nächsten Budgetkürzung abmoderieren. Nicht zu viel planen, die wichtigsten Dinge durchdenken und einfach machen.
- Einen Verantwortlichen haben, der so ein Projekt schon mal zuvor wirklich erfolgreich umgesetzt hat. Er muss die Ergebnisse der letzten 20 Jahre einlesen und von der KI die Entwicklung machen lassen. Derjenige muss dann viele Widerstände überwinden: Denn die Forscher und Entwickler probieren nur das aus, was KI ihnen vorgeschlagen hat, die KI macht die komplette Grundlagenforschung. Die Ingenieure wiederum blocken, weil sie ihre Pfründe nicht verlieren wollen.
Feicks Fazit: Eigentümergesellschaften gelingt das besser als AG´s, denn der Eigentümer zieht sein Projekt durch. In den AG´s gibt es immer Risikovermeider und Kontroller, die nur in Jahreszyklen und ans Quartalsergebnis denken – und solche Projekte ausbremsen.
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