Den Fragebogen Nahaufnahme beantwortet Micha Siebenhandl, CEO von Pro Optik, der drittgrößten Optikerkette in Deutschland mit 182 Filialen und 144 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr.

Micha Siebenhandl (Foto: PR/Pro Optik)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Wir machen mit nachhaltigen Produkten „Blinde“ sehend, sprich wir verkaufen Markenbrillen, Fashion Designer-Sonnenbrillen, Kontaktlinsen, aber auch Hörgeräte und alles aus der Welt der Augenoptik und Hörakustik.
Womit beginnt Ihr Tag?
Morgens um fünf Uhr überfliege ich zuerst zwei wichtige Tageszeitungen und suche mir daraus zwei Themen, mit denen ich mich intensiv befasse. Das muss nicht Wirtschaft sein, sondern kann auch Kultur, Politik undsoweiter beinhalten. Ich möchte morgens wissen, was in der Welt vor sich geht. Danach gönne ich mir jeden Morgen einen ordentlichen Vitamincocktail. Ich bin ein Nahrungsergänzungsmittelfetischist und nehme täglich Omega 3, Vitamin C, Magnesium, Vitamin D3, Vitamin K2 und Probiotics. Ich bin jetzt 48 Jahre und ich war noch nie in meinem Leben krank.
Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?
Ich schenke ständig und unverhofft Blumen – Überraschung pur! Und ja, auch Männern, was die zugehörigen Damen zuhause meist ein wenig stutzig macht
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Einige würden sagen: „Der Siebenhandl ist viel zu intensiv!“, weil ich ständig über alles im Bilde sein möchte. Kritik kommt gelegentlich auch, wenn ich meine Ideen mitten in der Nacht oder früh morgens per Whatsapp verschicke, statt ordnungsgemäß ab acht Uhr E-Mails zu schreiben.
Tee oder Kaffee?
Espresso! Doppelt bitte.
Ihr Spitzname ist…?
Mikamale (Italienisch: „alles ist schön“)
Verraten Sie eine Marotte.
Ich glaube, ich bin einer der wenigen Männer, die sich schminken und ich gehe niemals ohne Make-up aus dem Haus. Ich habe mich immer gefragt, warum dürfen Frauen das und Männer nicht? Wenn wir schon bei Diversity und Gleichberechtigung sind, dann bitte hier auch! Ich finde es sehr stark, wenn Menschen zu sich stehen.
Was bringt Sie in Harnisch?
Was mich richtig wütend macht ist, wenn ich meine äußerst wertvolle Zeit mit jemandem verbringe, der mich anlügt.
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Mein ehemaliger Chef sagte immer zu mir: „Micha, you need to work on your brutal honesty“. Es macht andere wahnsinnig und ich schockiere oft damit, dass ich komplett transparent und ehrlich bin. Ich sage einfach immer und jeder Situation genau was ich denke und habe auch keine Angst davor, was mein Gegenüber davon hält. Einmal beschwerte sich ein Mitarbeiter über genau so ein heftiges Feedback, noch dazu ohne Vorwarnung. Meine Antwort? „Ja, so ist es. Ich möchte, dass Sie jeden Tag besser werden und jeden Tag soviel wie möglich lernen, und dafür ist ehrliches, unmittelbares Feedback der beste Weg.“
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
Ich möchte mir eine Finca auf Mallorca einrichten, direkt am Meer. Dort werde ich selbst einen eigenen großen Holztisch und viele Stühle bauen, finden oder restaurieren, damit alle meine Kinder und Enkelkinder zu mir kommen können. Ich bin ein absoluter Familienmensch. Ich möchte in meiner Rente so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau, meinen Kindern und Enkeln verbringen. Familie ist mir wirklich das Allerwichtigste im Leben.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Wenn Menschen Dankbarkeit zeigen können. Wenn ich zum Beispiel für Freunde koche – und das tue ich sehr gerne – freue ich mich wahnsinnig, wenn die Gäste am nächsten Tag eine Nachricht schicken und sich für den schönen Abend bedanken. Auch einen Strauß Blumen gab es mal dafür – weltklasse! Wertschätzung zu zeigen und dem Gegenüber mit Stil zu begegnen, ist das Salz in der Suppe. Am allermeisten schätze ich es aber, wenn man das Wort Liebe richtig definiert. Liebe bedeutet, dem anderen Gutes zu tun und das Bedürfnis zu haben, dass es dem anderen gut geht. Wenn sie nach diesem Motto leben, sind Sie auch im Job besser und erfolgreicher.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Mein Handy… (dann lange nichts… nach einigem Zögern:) … meine Sonnenbrille und meine Kreditkarte
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Ich würde gerne einen Tag den Job des deutschen Bundeskanzlers übernehmen. Mein Ziel wäre dann, Presse und Bürgern grundsätzlich und immer ganz konkret zu sagen, was ich vorhabe und was meine Agenda ist. Ich würde sehr gerne erleben, wie es auf politischer Bühne funktioniert, wenn man den Menschen wirklich reinen Wein einschenkt und sie vollumfänglich informiert und nicht klein hält, so wie es leider oft passiert.

(Foto: Privat)
“ Den Lufthansa-Flieger hat mir mein Sohn selbst zusammengebaut, in einer schweren Zeit in unserem Leben, in der ich beruflich nicht mehr so viel um die Welt reisen konnte. Das hat mir sehr gefehlt und der Flieger sollte gegen mein Fernweh helfen“, erzählt Micha Siebenhandl. Und weiter: „Das andere Bild ist eine selbstgeritzte Darstellung von New York, die mir mein anderer Sohn geschenkt hat. New York ist meine absolute Lieblingsstadt. Beides steht immer auf meinem Schreibtisch.“
—————————————————————————————————————
Hinweis der WiWo-Redaktion:Sie haben eine Frage rund um Ihre eigene Karriere? Dann schreiben Sie uns an coach@wiwo.de Unsere WiWo-Coaches geben professionellen Rat. Sie bleiben dabei selbstverständlich anonym. Wenn Sie uns Hintergrundinfos geben, etwa zu Alter, Lebensumständen oder dem Grund Ihrer Frage, ermöglicht dies aber eine möglichst konkrete Antwort.
—————————————————————————————————————

Copyright: @Claudia Tödtmann. Alle Rechte vorbehalten.
Kontakt für Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de
Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia Tödtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung.
Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die männliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleichermaßen mit gemeint.

