Wenn den Unternehmen ihre Führungskräfte immer diskreter und immer schneller von Headhuntern abgeworben werden – via Zoom-Call

Diskrete Gespräche, diskrete Video-Calls

Da mühen sich offenbar so manche Unternehmen ab, ihre Angestellten auch im Homeoffice an der langen Leine zu führen, damit sie ja brav arbeiten. Manche überwachen sie minutiös an ihren Computern, weil sie die Arbeitsergebnisse offenbar nicht deuten können. Oder weil sie einfach nicht wissen, ob deren Output ebenso hoch ist wie vor der Pandemie. Denn sonst bräuchten sie es ja nicht bezweifeln.

 

Angela Westdorf (Foto: C.Tödtmann)

Dabei: Das tatsächliche Risiko lauert woanders, und zwar in der Riege der eigenen Führungskräfte. Die nämlich sind heute viel leichter abzuwerben als vor Corona, erzählt Angela Westdorf, Headhunterin bei der Personalberatung Signium. Erstens, weil viele ins Nachdenken kamen, wie zufrieden sie tatsächlich bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber sind. Oder wieviel sie von ihrem Unternehmen in Zukunft so erwarten, wieviel sie ihm zutrauen. Oder ob sie sich im Homeoffice richtig gewürdigt und gewertschätzt sahen und ob sie vom Leben vielleicht nicht doch noch etwas ganz anderes wollen. Vielleicht persönlich Sinnstifterenderes.

 

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Oder dass sie sich in der Homeoffice-Zeit schon etwas entfremdet haben von ihrer Company und sie gar nicht so sehr vermissen. Die Wechselwilligkeit der Mitarbeiter ist jedenfalls in der Homeoffice-Zeit der Pandemie gestiegen, zeigen Studien.

 

Der Trend: Abwerben geht sechsmal so schnell wie vor der Pandemie

Zweitens aber – und das freut die Headhunter ebenso wie die abwerbenden Unternehmen und auch die abtrünnigen Kandidaten selbst: Dauerte ein solcher Wechsel-Prozess vor der Pandemie sechs Monate lang, so ist der Deal heute oft in vier Wochen in trockenen Tüchern. Oder besser, die Tinte unter dem neuen Arbeitsvertrag trocken.

 

Westdorf zählt die Gründe auf: Als erstes sind die Kandidaten viel schneller und diskreter erreichbar als früher in ihren Büros. Niemand hört ihnen zu, keiner kann reinplatzen. Dann können als nächstes die Kandidaten ein Zoom-Gespräch mit dem Headhunter im Homeoffice viel schneller mal zwischendurch einschieben. Oder in der Mittagspause machen. Alles geht ohne zeitraubende Reisen schneller als früher, als sie noch zu irgendeinem Treffpunkt in einer Hotellobby oder an einem Airport womöglich in einer anderen Stadt jetten mussten. Der Kandidat immer mit der Angst im Nacken, von Kollegen gesehen zu werden.

 

Für Zoom-Calls mit drei oder mehr Leuten finden sich schneller Termine als für persönliche Treffen 

Dieselbe Zeitersparnis beim Headhunter, kein Zeitverlust durch Reisen. Als nächstes die diversen Termine mit den verschiedenen Leuten in der abwerbenden Firma: Alles funktioniert zügig ohne viel Zeitverlust, ohne Reisen. Auch Termine mit drei oder vier Leuten sind per Videocall viel schneller machbar als wenn alle zusamen kommen – so wie früher, erzählt Angela Westdorf. Alleine einen Termin zu koordinieren, dauerte Tage. Und zwischen den einzelnen Terminen vergingen Wochen.

 

Für die anheuernde Company ist das meist eine Freude: Nicht mehr so lange wie früher auf neue Kräfte warten zu müssen, bis der Neue schliesslich an Bord angekommen war. Für die verlassene Firma ist dieser Trend umso unangenehmer: Nie war es so leicht, ihre Führungskräfte so diskret und unauffällig zu erreichen, selten waren die so abwanderungswillig und nie ging es so flott, jemanden zu verlieren.

 

Der andere Trend: Unflexible Führungskräfte

Dennoch kommt vielen Unternehmen ein weiterer Trend zupaß: In der Pandemiezeit haben sich etliche Leute auf ihre Familien rückbesonnen und wollen nun nicht mehr pendeln und sich auf eine Wochenendbeziehung beschränken. Oft ist es auch der Partner der sein dagegen Veto einlegt – und durchaus manche Wechsel unerwartet platzen lässt, erzählt Westdorf. Oder die Kandidaten muckeln inzwischen viel zu gerne im Homeoffice herum, als dass sie fünf Tage die Woche beim neuen Arbeitgeber Präsenz zeigen wollen – und das nicht mal als Führungskraft. Diese neue Beharrlichkeit beschimpfen Unternehmen wie Personalberater als unflexibel. Nur die absoluten Karrieristen oder eben die Top-Manager auf oberster Ebene haben nach wie vor kein Problem mit dauernder Präsenz in ihrer Firma, „für die ist die Company ihr zweites Wohnzimmer“, bringt es Erik Bethkenhagen von Hoffmann & Partner auf den Punkt.

 

 

 

 

 

 

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