Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Insolvenzverwalter Malte Köster, der Werder-Bremen-Fußballspiele am liebsten im Trikot ansieht

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Malte Köster, Top-Insolvenzverwalter und Managing Partner der Kanzlei WillmerKöster in Bremen

 

Malte Köster (Foto: C.Tödtmann)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Im besten Falle sanieren wir Unternehmen in Schieflage und schaffen stabile Perspektiven für einen Neuanfang – sollte das nicht mehr möglich sein, liegt unser Augenmerk darauf, den Marktaustritt für alle Beteiligten fair und mit Blick nach vorn zu gestalten.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Es gibt zwei Szenarien. Szenario eins: Ich gehe morgens eine Runde laufen, währenddessen steht die Familie gut gelaunt auf und meine Töchter freuen sich auf die Schule, anschließend – so gegen sieben Uhr –  frühstücken wir gemeinsam in Ruhe. Szenario zwei ist genauso – nur ohne „laufen“, „gut gelaunt“, Vorfreude auf die Schule und „in Ruhe“… Szenario zwei kommt häufiger vor, da geht es uns wohl wie vielen anderen Familien. Wichtig ist aber immer: Family first!

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?

Tatsächlich habe ich nur wenige Spleens, dafür bin ich zu hanseatisch. Wobei: Ich mag es, Krawatten zu tragen, aber für den Job ist das nicht entscheidend.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Ich habe mich erkundigt: Das Team findet es scheinbar gut, dass ich aus unseren Sanierungen immer ein Erinnerungsstück mit ins Büro bringe. Dadurch wird unsere Tätigkeit für die Unternehmen greifbar. Eine Schaufel, ein Bauteil für einen Motor oder auch ein bearbeitetes Stück Holz ist mir allemal näher als ein Plexiglasaufsteller mit einer Zahl darauf. Ich freue mich, dass das Team das auch so sieht.

 

Tee oder Kaffee?

Ich mag morgens Kaffee, mittags Espresso und an der Nordsee einen klassischen Ostfriesen-Tee.

 

Ihr Spitzname ist…?

Ich habe mich bei meinem Bruder und bei einem alten Studienfreund aus Münster rückversichert: Damit kann ich leider nicht dienen. Meine Frau hat aber bestimmte unterschiedliche Tonlagen für Malte und ich habe gelernt, genau darauf zu achten… Wenn etwa a und e betont und langgezogen sind, beeile ich mich besser. Wenn nur das a langgezogen ist, war meine lustige Bemerkung wohl doch nicht so lustig, wie ich dachte…

Verraten Sie eine Marotte.

Ich bin unerschütterlicher Werderaner, schon seit Kindertagen. Und wenn ich zuhause ein Spiel von Werder Bremen ansehe, gehört nun mal auch ein Trikot dazu. Leider sind in meinem Freundeskreis auch Personen mit Fußballsachverstand dabei, die aus mir unerfindlichen Gründen andere Mannschaften anfeuern, da muss ich gerade ganz schön einstecken.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Ich habe sehr viel über Psychologie von meiner Mutter gelernt. Das hat mir schon oft geholfen, ruhig und unaufgeregt zu bleiben. Wenn aber jemand zu arrogant auftritt, fällt mir das schwer. Und über zugeparkte Gehwege kann ich mich ganz hervorragend aufregen. Bei Werder-Spielen bin ich natürlich immer ganz ausgeglichen.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Mir ist zu Ohren gekommen, dass ich wohl ab und an dazu neige, ein klitzekleines bisschen zu schnell Auto zu fahren.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Es wäre für mich reizvoll, stärker in die Kunstwelt abzutauchen – ganz ohne Zeitdruck Ausstellungen und Museen besuchen. Moderne Architektur finde ich auch spannend – ach, da gibt es für mich noch so viel zu entdecken. Und ich möchte mehr Zeit für meine Frau und meine Familie haben oder auch wieder ein bisschen mehr Sport zu treiben.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ich finde, eine gemeinsame Art von Humor zu haben, macht vieles einfacher. Im Beruflichen kommen Professionalität, Integrität und Verbindlichkeit hinzu. Was das Private angeht, sind mir Zusammenhalt und tiefempfundene Freundschaft auch in schwierigen Zeiten wichtig.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Erstens auf ein gutes Buch, thematisch gerne ganz nah an echten Lebensgeschichten. Fantastisch ist  „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ von Charlie Mackesy. Zweitens auf ein Smartphone – für den engen Draht zu meiner Frau und zu meinen Töchtern. Und drittens auf eine gute Flasche Riesling aus dem Rheingau samt Korkenzieher. Bei Wein ist mir aber rot oder weiß nicht entscheidend, wichtig ist, dass der Wein die Trinkreife erreicht hat. Ich bin eher Genießer als Sammler.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ich wäre gerne ein talentierter Bildhauer. Wenn aus Stein eine Skulptur entsteht, ist das faszinierend. Mich hat allerdings das Verlegen der Platten auf der Terrasse schon an meine Grenzen geführt.

 

 

 

Diese Aktie hängt in Malter Kösters Büro. Seine Eltern hatten ihm Anfang der 90èr-Jahre ein paar Vulkan-Aktien geschenkt, um ihn als Teenager an das Thema Börse und Aktien heran zu führen. Köster erzählt: „Damals war der Bremer Vulkan die einzige börsennotierte Gesellschaft in Bremen mit überregionaler Bedeutung. Die Unternehmensgruppe hat dann im Februar 1996 Konkurs angemeldet, als ich im ersten Semester Jura war. Dem Thema Konkurs bin ich treu geblieben, aber der Funke Aktien sprang nie über. Da bin ich bis heute neutral bis skeptisch.“

 

 

 

 

 

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