Nina Schick: „Deepfakes. Wie gefälschte Botschaften im Netz unsere Demokratie gefährden und unsere Leben zerstören können“

Nina Schick (Foto: Goldmann/©Maria Lind)
Covid-19
Ein globales Virus
Dass die Welt genau zu der Zeit, als ich dieses Buch schrieb, in eine nie dagewesene Krise stürzen würde, die alle Entwicklungen der Infokalypse hervorragend veranschaulichen sollte, konnte ich nicht vorhersehen. Nun fegt die Corona-Pandemie schon seit mehr als einem Jahr über die Welt. Jene, die sich mit diesem schrecklichen Virus infiziert haben und daran sterben, bekommen buchstäblich keine Luft mehr. Für den Rest von uns fühlt es sich an, als zöge ein unsichtbarer Henker die Schlinge um unseren Hals immer enger, als hungere er uns aus, indem er uns unserer Leben und unserer Lebensgrundlagen beraubt. Es handelt sich um ein noch nie dagewesenes Szenario, von dem wir schlicht und ergreifend nicht wissen, wie es sich weiterhin entwickeln wird. Ebenso wie sie uns unsere Lebensgrundlage entzieht, zwingt uns die Pandemie, der eigenen Sterblichkeit ins Auge zu blicken. Im Hinblick auf die inneren Abläufe unserer zunehmend gefährlichen und nicht länger vertrauenswürdigen Informationsumwelt gibt sie jedoch auch eine hervorragende Fallstudie ab.
Die Rolle Chinas
Den Namen Wuhan hörte ich das erste Mal an einem bitterkalten Winterabend Ende Januar 2020. An diesem Tag erreichte das Virus Europa. Ich war gerade auf dem Weg zu einer Besprechung der Abendausgaben bei Sky News in London und las die ersten Auflagen der Schlagzeilen des nächsten Tages. In Wuhan war ein tödliches Virus entdeckt worden, das ernste Lungenerkrankungen hervorrief. Innerhalb nur weniger Wochen waren Dutzende Menschen gestorben. Bis zum chinesischen Neujahrsfest, eine der größten Feierlichkeiten im Mondkalender, waren es nur noch wenige Tage. Millionen von Menschen würden kreuz und quer durch das Land (und die Welt) reisen, um mit ihren Liebsten zu feiern.
Die chinesische Regierung entschied sich für eine drastische Maßnahme. Über Nacht wurden Wuhan und die angrenzenden Regionen stillgelegt und abgesperrt. Um die 25 Millionen Menschen waren in der größten Sperrzone, die die Welt bis dahin gesehen hatte, gefangen. Doch nicht einmal, dass Peking die Notbremse zog, konnte verhindern, dass sich das neuartige Coronavirus zu einer ausgewachsenen Pandemie entwickelte. In den Monaten, in denen ich dieses Buch schrieb, fiel mir jedoch auch auf, wie gut sich die Coronakrise eignet, die Schlüsselaspekte der Infokalypse zu illustrieren.
In Kapitel 2 habe ich das Konzept der Infokalypse mit Blick durch die geopolitische Linse eingeführt. Ich habe beschrieben, wie ein staatlicher Akteur, nämlich Russland, ihren Geist heraufbeschwor, lang bevor sie tatsächlich in unser Leben trat. Jetzt, da
wir alle im Zeitalter der Infokalypse leben, profitiert Russland von ihr. Es nutzt die Gegebenheiten der Infokalypse, um seine politischen Ziele zu erreichen. Für Russland ist Covid-19 so etwas wie die Operation Infektion im Turbogang, und wie nicht anders zu erwarten, macht es sich dies natürlich zunutze, um seine Gegner weltweit zu entzweien und von sich abzulenken.
Schon kurz nach dem Ausbruch der Pandemie führte der Kreml einen Dauerbrenner ins Feld – die Behauptung, es bestünde ein Zusammenhang mit einem US-amerikanischen Programm für biologische Kriegsführung. Diese Narrative gehen auf den Kalten Krieg zurück, als die Sowjets den Vereinigten Staaten unterstellten, sie würden die »faschistische Technologie« der Nazis zweckentfremden und mithilfe von Genmanipulation Krankheiten entwickeln. Der Kreml stellte also die Behauptung auf, das Virus sei eine US-amerikanische »Biowaffe«, die sich gegen China richte.
Als Covid-19 schließlich die Vereinigten Staaten erreichte, war die Botschaft natürlich schon wieder eine ganz andere: Nun erklärte man, das Virus sei aus finanziellen Gründen von der US-Pharmaindustrie entwickelt worden, und mutmaßte, dass bereits eine Impfung bereitstehe. Das Virus ermöglichte es dem Kreml darüber hinaus, sich die zunehmend erkaltenden Beziehungen zwischen Peking und Washington zunutze zu machen. Getreu seinem Motto »entzweien und ablenken« verbreitete Russland die Geschichte, dass Covid-19 eine von China entwickelte Biowaffe sei, deren Verbreitung mit dem dortigen Ausbau des 5G-Netzwerkes zusammenhänge.
Um in der Ukraine die Angst zu schüren, die Situation sei schlimmer als gedacht, schreckte der Kreml nicht davor zurück, entsprechende Gerüchte zu verbreiten. Dies führte in einem ländlich gelegenen Dorf zu gewaltsamen Ausschreitungen, als ukrainische Bürger und Bürgerinnen, die in Wuhan gelebt hatten, zurück in ihre Heimat evakuiert wurden. Demonstranten blockierten Straßen und bewarfen die Busse, in denen sich die Evakuierten befanden, mit Steinen. Die Nationalgarde musste eingreifen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.
Als der britische Premierminister Boris Johnson ins Krankenhaus eingeliefert wurde, weil das Coronavirus auch in seinem Körper wütete, legte sich Russland im Hinblick auf seine Informationskampagnen ganz besonders ins Zeug. Falschinformationen machten die Runde, die besagten, dass Johnson ohne Hilfe nicht mehr atmen könne und daher an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden sei; dies wurde seitens der britischen Regierung jedoch wütend dementiert. Die Infokalypse ist jedoch nicht länger ausschließlich eine Domäne Russlands. Mittlerweile trachten auch andere staatliche Akteure danach, von ihr zu profitieren. So haben sich beispielsweise Chinas Taktiken mit dem Auftauchen von Covid-19 drastisch gewandelt. Bisher ging es bei chinesischen Informationskampagnen immer darum, mithilfe von Zensur und der Erschaffung eines Narrativs die absolute Kontrolle zu erlangen. Seit März 2020 hat sich China jedoch einer Strategie bemächtigt, die eher an Russland erinnert und Verwirrung in Bezug auf den Ursprung des Virus stiften soll.

Nina Schick: „Deepfakes Wie gefälschte Botschaften im Netz unsere Demokratie gefährden und unsere Leben zerstören können“ – 17 Euro, 256 Seiten, Goldmann Verlag https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Deepfakes/Nina-Schick/Goldmann/e586080.rhd
Analytikerinnen, die sich mit der Verbreitung gezielter Falschinformation auseinandersetzen, haben bisher immer zwischen Russlands »Chaos-« und Chinas
»Kontroll«-Strategien unterschieden, weshalb es eine bemerkenswerte Entwicklung ist, dass China seinen Ansatz nun auf den Kopf stellt. Chinas Informationskampagnen in Reaktion auf die Coronakrise setzen sich aus drei großen Teilstrategien zusammen. An erster Stelle steht natürlich die Zensur. Zu Beginn der Ereignisse in Wuhan hielten die chinesischen Behörden sämtliche Meldungen über die aufkeimende Pandemie unter Verschluss und unterdrückten jegliche Kritik an der zentralen Regierung. Dies geschah, indem man das Risiko herunterspielte, erste Whistleblower zum Schweigen brachte und die Zahl der Toten nach unten »korrigierte«.
Dr. Li Wenliang, ein Augenarzt am Central Hospital in Wuhan, wurde in dieser Geschichte zur tragischen Figur. Als er Ende Dezember 2019 Alarm schlagen wollte, wurde er vor die Behörden geschleift und gezwungen, eine Stellungnahme
zu unterschreiben, die besagte, er habe eine falsche Aussage getroffen, die »die öffentliche Ordnung gestört« habe. Aufgrund einer grausamen Laune des Schicksals starb Dr. Li in der Folge an Covid-19; er hinterließ einen kleinen Sohn und eine schwangere Frau. Vor seinem Tod aber erfuhr er noch weltweite Anerkennung als Held. In einem Interview mit der New York Times sagte er: »Ich denke, es wäre um einiges besser gewesen, wenn die Behörden früher mit den Informationen über die Epidemie an die Öffentlichkeit gegangen wären.«
Selbst als sich Covid-19 mit rasender Geschwindigkeit über Chinas Grenzen hinaus verbreitete, hielt die KPCh (die Kommunistische Partei Chinas) Informationen zurück – unter anderem in den sozialen Medien. Ein Bericht der University of Toronto legt nahe, dass die chinesische Regierung ab Dezember 2019 Schlüsselwörter mit Bezug zum Ausbruch der Epidemie auf den Online-Plattformen des Landes zensieren ließ. Ab Februar 2020 wurde dann bereits jedwede kritische und sogar neutrale Information in Zusammenhang mit der Reaktion der Regierung blockiert. In der Zwischenzeit gab die für die Internetregulierung zuständige Behörde eine Warnung heraus, dass man all jene, die auf Websites und sozialen Plattformen »schädigende« Inhalte veröffentlichen und »Angst verbreiten« würden, bestrafen würde.
Diese Vorgehensweise gefährdete jedoch nicht nur die chinesische, sondern die gesamte Weltbevölkerung. In einem Bericht übte der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten im Britischen Parlament scharfe Kritik an der chinesischen Regierung, die »die Daten verfälscht« und öffentliche Gesundheitsbehörden sowie die Regierungen anderer Länder »vorsätzlich getäuscht« und somit »die Analyse der Situation erschwert« habe, die »in den entscheidenden Anfangsstadien der Pandemie« jedoch von äußerster Wichtigkeit gewesen wäre.
In den Worten des Vorsitzenden des Komitees Tom Tugendhat wurde es »zunehmend deutlich, dass [China] entscheidende Informationen über das Virus verfälschte, um das Image der Regierung zu schützen«, anstatt anderen Ländern dabei zu helfen, schnell und effizient darauf zu reagieren. Die KPCh weiß, wie viel sie angesichts dieser Pandemie zu verlieren hat. Und genau aus diesem Grund greift sie im Zuge ihrer Informationskampagne auf eine zweite Teilstrategie zurück: den gezielten Versuch, China als harmlosen und verantwortungsvollen Akteur darzustellen.
Dies hat sowohl zu einer übertrieben positiven Berichterstattung über den Umgang mit der Krise im eigenen Land als auch zur sogenannten »MaskenDiplomatie« geführt, im Zuge derer Peking Hilfspakete in Form von medizinischem Zubehör, aber auch Personal versendet, um so anderen, vor allem aber westlichen Regierungen, im Kampf gegen das Virus beizustehen. Das wurde mir klar, als ich auf die Fotos stieß, die die vom chinesischen Staat geförderte Medienagentur Xinhua auf diversen sozialen Plattformen veröffentlicht hatte: Sie zeigten, wie kartonweise chinesische Hilfsmittel am Flughafen Heathrow im Vereinigten Königreich eintreffen. Alle Kartons trugen die Aufschrift »Keep Calm and Cure Coronavirus« (»Ruhe bewahren und das Coronavirus kurieren«).
Auf die Vorwürfe, China habe die ersten Daten verfälscht (was nachgewiesenermaßen der Fall war), reagierten chinesische Botschafter und Botschafterinnen mit dem Hinweis, dass ein »besonders solidarisches« Verhalten in dieser Situation hilfreicher sei als »Schuldzuweisungen«.
Drittens versuchte China im Zuge der Coronakrise, Verwirrung zu stiften, insbesondere was den Ursprung des Virus anbelangt. Seinen Anfang nahm dieses Manöver im März 2020, als Zhao Lijian, der Sprecher des Außenministeriums, behauptete, es gäbe keine Fakten oder Beweise, die dazu berechtigten, »das Coronavirus ›Chinavirus‹ zu nennen«. Er legte nahe, dass jeder, der dies tue, die »versteckte Absicht« hege, »die Schuld auf China zu schieben«. Am 12. März verlinkte Lijian auf Twitter einen, wie er es nannte, »überaus wichtigen« Artikel, der den Ursprungsort des Coronavirus fälschlicherweise nach Amerika verlagerte. Den US-Behörden warf Lijian vor, sie hätten ihr Wissen über das Virus für sich behalten.
Daraufhin folgte eine von chinesischen Botschaftern und staatlich geförderten Pressekanälen koordinierte Kampagne, im Zuge derer behauptet wurde, dass Covid-19 zuerst außerhalb Chinas ausgebrochen oder von der US-Armee nach Wuhan eingeschleppt worden sei.
Dieser Ansatz kann als neue Teilstrategie einer harten Außenpolitik Pekings gewertet werden, mit der man die Absicht verfolgt, von den eigenen Fehltritten abzulenken.
Derweil lancieren andere Staaten, darunter auch der Iran und Nordkorea, ihre eigenen Informationskampagnen in Verbindung mit Covid-19. Ihre Ressourcen und Taktiken mögen sich dabei zwar unterscheiden, ihnen allen gemein ist jedoch, dass sie die Coronakrise für ihre Zwecke nutzen, indem sie die Berichterstattung im eigenen Land zensieren, den Westen mittels spezieller Narrative verunglimpfen, auf persönliche Daten zugreifen und die Bevölkerung verstärkt überwachen.
So hat das iranische Regime beispielsweise dringend benötigte Gesundheitsinformationen versandt, die jedoch mit einer Spyware versehen waren, um Vorgänge in der Bevölkerung nachzuverfolgen. Dass eine wachsende Anzahl staatlicher Akteure vermehrt in der Infokalypse mitmischt, verheißt nichts Gutes. Für uns sollte das auf jeden Fall ein Warnschuss sein, der zeigt, wie schnell sich diese Tendenzen entwickeln und intensivieren. Inmitten der Pandemie wird die Dynamik der Infokalypse auch in den westlichen Ländern immer deutlicher. Wieder können wir
die Vereinigten Staaten als Fallstudie anführen. Trumps Umgang mit der Krisensituation war objektiv betrachtet katastrophal; im Anschluss bekämpfte er die Pandemie mit seiner ganz eigenen Form der Desinformation.
Covid-19 hatte die Trump-Regierung kalt erwischt. Trotz früher Warnsignale lehnte sie es ab, wie andere Länder vorbereitende Maßnahmen zu ergreifen. Zu dem Zeitpunkt, als ich dieses Buch schrieb, verzeichneten die USA gerade die höchste Infektionsrate weltweit, und das Virus hatte bereits über 100 000 Menschenleben gefordert. Der stümperhafte Umgang mit der aktuellen Situation geht auf eine Versammlung des Nationalen Sicherheitsrates im April 2018 zurück, während derer die TrumpRegierung das für die Bekämpfung einer eventuellen Pandemie zuständige Team straff rationalisierte. Darüber hinaus verfügte sie wiederholt Budgetkürzungen im Gesundheitsbereich, denen auch ein Programm mit dem Namen »Predict« zum Opfer fiel, ein Frühwarnsystem, das auf eventuelle Pandemien aufmerksam machen sollte und in das bereits 200 Millionen Dollar investiert worden waren.
Während Länder wie Deutschland, Neuseeland und Südkorea die bevorstehende Pandemie ernst nahmen, Plätze auf Intensivstationen schufen, in die Produktion von Beatmungsgeräten investierten, Teststrategien entwarfen und mögliche Optionen der Kontaktnachverfolgung erwogen, tat die Trump-Regierung nichts dergleichen. Am 22. Januar 2020, nur Stunden, bevor in Wuhan der Lockdown verhängt wurde und in Europa die ersten Fälle auftraten, wurde dem damaligen Präsidenten, der sich zu diesem Zeitpunkt beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos befand, zum ersten Mal die Frage gestellt, ob er im Hinblick auf eine potenzielle Pandemie besorgt sei. »Überhaupt nicht«, lautete die Antwort. »Wir haben das alles unter Kontrolle.«
Von dieser unbekümmerten Antwort zunehmend beunruhigt veröffentlichten die Experten und Expertinnen, die Trump 2018 gefeuert hatte, eine Stellungnahme in der Washington Post.
Darin baten sie die Regierung, vorbereitende Maßnahmen zu ergreifen, um »einer Verbreitung des Coronavirus zuvorzukommen«, wobei sie zu bedenken gaben, dass eine Pandemie »unausweichlich« schien. Sie plädierten dafür, alle Patienten und
Patientinnen mit »ungeklärter Lungenentzündung« testen zu lassen, selbst wenn sich diese zuvor nicht in China aufgehalten hatten. Doch Trump ignorierte den Sturm, der sich zusammenbraute. Das heißt, er ignorierte ihn nicht nur, er verbreitete sogar
aktiv Falschmeldungen zum Thema Covid-19. Bei Wahlkampfveranstaltungen im Februar behauptete er, das Virus würde »in wärmeren Temperaturen absterben« oder »eines Tages […] auf wundersame Weise verschwinden« und dass »alles gut« würde.
Mit dem Vorwurf, dass die Demokraten Covid-19 für ihre Zwecke instrumentalisierten, spielte er das akute Risiko sogar noch herunter. Seine genauen Worte lauteten: »Das Blatt wendet sich, [die Demokraten] haben verloren, das Blatt wendet sich. Denken Sie mal darüber nach. Denken Sie einfach nur mal darüber nach. Das ist nichts weiter als ihr neuestes Täuschungsmanöver.«
Bis Mitte März 2020 hatte sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in den Vereinigten Staaten auf 10 000 verdoppelt. Und immer noch behauptete Trump, es sei alles in Ordnung. »Es geht uns hervorragend. Unserem Land geht es hervorragend«, sagte er. Auf die Frage, ob er die Verantwortung für die so offenkundig unzureichende Reaktion seiner Regierung übernähme, antwortete Trump: »Nein, ich übernehme für gar nichts die Verantwortung.« Der Markt befand sich inzwischen im freien Fall und brach so schnell ein, wie seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 nicht mehr. Am 20. März warnte das Investmentbanking-Unternehmen Goldman Sachs davor, dass das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten im zweiten Quartal 2020 um 24 Prozent fallen und die Arbeitslosigkeit auf mindestens neun Prozent steigen würde.
Letztendlich wurde dem Präsidenten dann doch klar, dass er sich mit der Situation auseinandersetzen musste. Am 17. März 2020, also drei Tage, bevor Goldman Sachs sich äußerte, hielt Donald Trump eine Ansprache vor einer Versammlung von Journalistinnen: »Wir haben es hier mit einer Pandemie zu tun«, sagte er, um dann noch hinterherzuschieben: »Ich habe mir schon gedacht, dass es sich hier um eine Pandemie handelt, bevor das Wort Pandemie überhaupt zum ersten Mal fiel.«
Sobald ihm dämmerte, wie ernst die Lage tatsächlich war, startete Trump eine Desinformationsoffensive. Monate vor der Wahl verlagerte sich sein Fokus plötzlich komplett darauf, die Schuld für das von ihm verbockte Krisenmanagement von sich zu weisen. Trumps Problem war nur, dass die Coronakrise die Gefahren, welche die Infokalypse mit sich brachte (und die Rolle, die er dabei spielte), ganz klar vor Augen führte. Fehlinformationen sind einfach gefährlich – Punkt. In einer Pandemie kosten sie jedoch buchstäblich Leben. Da für den Kampf gegen Covid-19 präzise Informationen nötig sind, befand sich Trump ironischerweise in einer Situation, in der er auf die Experten und Expertinnen des Gesundheitswesens angewiesen war, um einen Plan für den Umgang mit der Krise ausarbeiten und so das Vertrauen der Öffentlichkeit gewinnen zu können. Gleichzeitig verbreitete er jedoch nach wie vor Fehlinformationen – bewusst wie unbewusst. Würde nicht so viel auf dem Spiel stehen, hätte man die Situation durchaus komisch finden können.
Auf der einen Seite hatten wir also Trump, auf der anderen seine wissenschaftlichen Berater und Beraterinnen. Dr. Anthony Fauci, der Leiter des National Institute for Allergy and Infectious Diseases, des Nationalen Instituts für Allergie- und Infektionskrankheiten, ist das komplette Gegenteil von Trump. Als Mitglied der Covid-19-Taskforce des Weißen Hauses informierte er neben dem Präsidenten die Öffentlichkeit. Seine Reaktion während eines Briefings Mitte März 2020 machte ihn zur Internetlegende: Als Donald Trump das State Department – das Außenministerium – als »Deep State Department« – als »Schattenstaat-Ministerium« – bezeichnete, entglitten ihm für wenige Sekunden die Gesichtszüge, und er griff sich um Fassung ringend an die Stirn.
Seine wachsende Beliebtheit nutzte er seitdem, um die US-amerikanische Bevölkerung über Covid-19 aufzuklären, auch wenn das seinen Status innerhalb der Regierung gefährdete. Während Trump als eine Quelle irreführender und gefährlicher Information die Infokalypse verkörperte, stand Dr. Fauci für das Gegenteil – für vertrauenswürdige und sachliche Information. Monate vor der Wahl sah die surreale Realität der Infokalypse in den Vereinigten Staaten so aus: Die führenden Expertinnen des öffentlichen Gesundheitswesens und der Präsident teilten sich eine Bühne, um der Nation wichtige Informationen zu vermitteln, die letztendlich aber widersprüchlich sind.
Nichts versinnbildlicht dies besser als der Moment, in dem Trump auf dem
Podium des Weißen Hauses vorschlug, dass man doch »Desinfektionsmittel« mithilfe von »Injektionen innerlich« – quasi als Reinigung – anwenden und somit als Heilmittel gegen das Virus einsetzen könnte, während eine seiner leidgeprüften wissenschaftlichen Beraterinnen (in diesem Fall Dr. Deborah Birx) mit versteinerter Miene stumm vor sich hinstarrte. Wenn sie nicht gerade gefährliche Behauptungen zum Thema Virusbehandlung aufstellten, waren Trump und seine Verbündeten redlich bemüht, die Schuld an der Lage im eigenen Land von sich zu weisen, indem sie den Demokraten vorwarfen, sie hätten sie mit dem Amtsenthebungsverfahren abgelenkt. Als außenpolitische Maßnahme hat die Regierung aggressive Informationskampagnen gegen China gestartet. Die Wortgefechte zwischen Peking und Washington werden erhebliche geopolitische Folgen für die gesamte Welt nach sich ziehen.
Am 24. Januar 2020, vier Tage nachdem er gesagt hatte, dass er sich wegen einer Pandemie keine Sorgen mache, äußerte sich Trump – immer noch in Davos – ganz begeistert über China. Auf Twitter schrieb er: »China hat sich alle Mühe gegeben, das Coronavirus einzudämmen. Die Vereinigten Staaten wissen diese Bemühungen und die diesbezügliche Transparenz sehr zu schätzen. Es wird alles gut werden. Im Namen des amerikanischen Volkes möchte ich vor allem Präsident Xi danken!« Im Hintergrund baten Trumps persönliche Berater den Präsidenten, bei Präsident Xi auf mehr Transparenz im Hinblick auf das Virus zu drängen, doch Trump weigerte sich – und zwar gleich zweimal.15 Zu diesem Zeitpunkt versuchte er nämlich gerade einen langanhaltenden Handelsstreit zwischen Peking und Washington beizulegen, und war damit beschäftigt, sich schmeichelhaft über das Verhältnis zu China, das »noch nie zuvor so gut« gewesen sei, und seine »großartige Beziehung« zu Präsident Xi auszulassen.
In Wirklichkeit stand das ohnehin schon gespannte Verhältnis zwischen den USA und China kurz davor, einen Sturzflug hinzulegen. All dies geschah parallel zur zunehmenden Krise im Gesundheitssektor. Bereits im März hatte Trump einen anderen Ton angeschlagen: Von der »großartigen Beziehung« war nichts übrig geblieben, stattdessen bezeichnete er Covid-19 nur noch als »Wuhan-Grippe« oder »China-Virus«. Vom diplomatischen Standpunkt aus gesehen war das zweifelsohne taktlos, rein objektiv betrachtet aber korrekt: Covid-19 hat seinen Ursprung in China. Natürlich trug dies kaum dazu bei, die Wellen zu glätten. Im Gegenteil, Trump hatte mit seinen Schuldzuweisungen gerade erst angefangen. Seither haben die Anschuldigungen und Spannungen zwischen Peking und Washington den Siedepunkt erreicht; so äußerte Trump beispielsweise, Chinas Umgang mit der Pandemie beweise, dass Peking alles tue, »was in seiner Macht steht«, um seine Wiederwahl im November zu verhindern.
Seinen eigenen Aussagen zum Trotz beschuldigte Trump nun China der Verschleierung, versprach das Land »zur Verantwortung« zu ziehen und drohte mit »massiven Nachforschungen«. Im April 2020 berichtete die New York Times, dass leitende Angestellte der Trump-Regierung Druck auf US-Geheimdienste ausübten, damit diese eine Verbindung zwischen Covid-19 und Laboren in Wuhan herstellten. Aus Angst, das Weiße Haus könnte dies als »politische Waffe« in dem sich zuspitzenden Konflikt mit China verwenden wollen, weigerte man sich jedoch, dem nachzukommen. Eine weise Entscheidung, denn auch wenn es der Wahrheit entspricht, dass China wichtige Informationen über die Verbreitung des Virus zurückhielt, finden sich keine Beweise dafür, dass dieses in einem Labor in Wuhan hergestellt worden wäre.
Stattdessen veröffentlichten die US-Geheimdienste ein gemeinsames Statement, nach dem das Virus nicht »von Menschen erschaffen oder genetisch modifiziert« wurde. Dennoch behauptete Trump nur Stunden später, er habe Beweise gesehen, welche die Theorie stützten, Covid-19 sei in einem Labor in Wuhan entstanden. Diese Botschaft scheint ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Laut einer Umfrage von YouGov und Yahoo News zufolge glaubten 58 Prozent der Trump-Wähler und -Wählerinnen, dass »chinesische Wissenschaftler das Coronavirus in einem Labor entwickelt« hätten, »von wo es versehentlich freigesetzt« worden sei.
Covid-19 und die Verschwörungsideologen
Trumps Desinformation rund um das Thema Covid-19 hat sowohl das In- als auch das Ausland gefährdet. Allerdings gibt es neben ihm noch andere, die bewusst und unbewusst Fehlinformationen verbreiten (auch wenn er natürlich ein besonders wichtiger »Influencer« ist). Für Verschwörungsideologen hat sich die Pandemie als eine Art Turbo erwiesen. Wie Daniel Jolley, Dozent an der Psychologischen Fakultät der Northumbria University, erläutert, beruhen Verschwörungsmythen auf dem Glauben, »eine mächtige Gruppe von Menschen« spinne »Intrigen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen«. Solche Mythen sind gerade in schwierigen Zeiten besonders wirksam und überzeugend, denn indem sie eine vermeintliche Erklärung für die Krise liefern, helfen sie den Menschen, diese zu meistern. Laut Jolley greifen Menschen deshalb auch immer dann auf Verschwörungserzählungen zurück, wenn »wir ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben.«
In den Vereinigten Staaten verbreitet QAnon – eine Gruppe von Verschwörungsideologen, nach deren Glauben sich eine Elite Pädophiler zu einem »Schattenstaat« verschworen hat – den Mythos, Bill Gates habe das Coronavirus entwickelt. (Wie man sieht, gibt es im Internet jede Menge Verschwörungserzählungen, in denen elitäre Pädophile die Weltherrschaft an sich reißen wollen – man denke nur an »Pizzagate« aus Kapitel 5.) Eine Version dieser Erzählung lautet, Bill Gates wolle die Impfungen gegen Covid-19 als Vorwand nutzen, um Milliarden von Menschen Microchips einzupflanzen und so jede ihrer Bewegungen zu überwachen. Die bereits erwähnte Studie von Yahoo News und YouGov kam zu dem Schluss, dass 44 Prozent der republikanischen Wähler und Wählerinnen diesem Verschwörungsmythos tatsächlich Glauben schenken und nur 50 Prozent der USamerikanischen Bevölkerung bereit wären, sich impfen zu lassen, wenn ein Impfstoff entwickelt werden würde.
Demnach sollte es also keine Überraschung sein, dass die Geschichten über Bill Gates auch in der internationalen Gemeinschaft der Impfgegner Anhängerinnen finden; dabei handelt es sich um eine Gruppe von Menschen, die Impfungen gegen ansteckende Krankheiten sowohl für sich selbst als auch für ihre Kinder ablehnen. Ihre Gründe dafür sind vielfältig; unter anderem glauben sie, dass Impfungen Autismus verursachen können. Auch wenn die Impfskepsis weit zurückreicht, hat sie seit Beginn der Infokalypse an Popularität gewonnen und findet immer mehr Verbreitung, weshalb sich heute beobachten lässt, dass Ausbrüche von Krankheiten wie beispielsweise den Masern in der westlichen Welt erneut die Katastrophengrenze erreichen.
Für feindlich gesinnte ausländische Staaten ist die ImpfgegnerGemeinschaft leichte Beute. Russland instrumentalisiert sie beispielsweise ebenso wie es die afro-amerikanische Bevölkerung für seine Zwecke nutzt. Nicht einmal Covid-19 konnte das Vertrauen mancher Impfgegnerinnen erschüttern. Eine Influencerin, die Sängerin M.I.A., gab an, sie würde »lieber sterben« als sich impfen zu lassen. Novak Đoković, die Nummer Eins der Tenniswelt, erwog sogar, dem Sport endgültig den Rücken zu kehren, weil er sich vor Reisen »nicht von jemandem zur Impfung zwingen lassen wollen« würde.
Währenddessen hat sich im Vereinigten Königreich der berühmt-berüchtigte Verschwörungsideologe David Icke die Geschichte zusammengesponnen, Covid-19 verbreite sich mithilfe von 5G-Netzwerken. Um das Ganze einzuordnen: Das ist derselbe Mann, der behauptet, Archonten, eine interdimensionale, reptilienartige Spezies, hätten die Weltherrschaft übernommen, indem sie sich als Weltelite, zum Beispiel als britische Königsfamilie, ausgäben. Verschwörungsmythen rund um die 5G-Netzwerke, die sich durchaus berechtigter Ängste im Hinblick auf die nationale Sicherheit und Chinas Rolle bei der Bereitstellung einer derart bedeutenden Informationsinfrastruktur bedienen, gab es natürlich auch schon vor der aktuellen Krise.
Allerdings haben sie sich mittlerweile weiterentwickelt und Covid-19 als zusätzlichen Faktor integriert. Im Vereinigten Königreich nimmt dies allmählich eine gefährliche Wendung. Zu dem Zeitpunkt, als ich dieses Buch schrieb, hat es bereits über 70 Brandanschläge auf Sendemasten gegeben; darüber hinaus sind mehr als 180 Übergriffe auf Schlüsselkräfte gemeldet worden, die an der Realisierung der 5G-Pläne beteiligt waren.
Im Zusammenhang mit Covid-19 gab es auch schon das erste Deepfake – bis jetzt wohl das beste Beispiel für ein künstlich erstelltes Medium »in freier Wildbahn«, das politischen Schaden anrichten könnte. Generiert vom belgischen Zweig der weltaktivistinnen Extinction Rebellion (XR) zeigt es eine fiktive Ansprache von Belgiens damaliger Premierministerin Sophie Wilmès; in dieser Rede stellt sie die Behauptung auf, globale Epidemien wie SARS, Ebola oder Covid-19 seien auf die »vom Menschen verursachte Ausbeutung und Zerstörung unserer natürlichen Umwelt« zurückzuführen.
Sie scheint sich mit XR einig, wenn sie sagt: Mit dem Coronavirus läutet eine Alarmglocke, die wir nicht ignorieren können […] Pandemien zählen zu den Folgen
einer größeren ökologischen Krise. Wir als Entscheidungsträger haben das Ausmaß der ökologischen Zerstörung stark unterschätzt. Mit der Coronakrise wird jedoch deutlich, wie tiefgreifend die nun erforderlichen Veränderungen sein müssen: Wir müssen unser Leben umkrempeln – und zwar jetzt.
Wie dieses Video zustande kam, wurde von den verantwortlichen XR-Aktivisten nicht bekanntgegeben, und auch wenn sie es auf Facebook als »fake« bezeichneten, versäumten sie es doch, das Video auch im Titel entsprechend auszuweisen. Wie die Kommentare unter dem Video zeigen, hielten es daher auch viele Zuschauer für echt.
Alleinherrscher und Kriminelle
Gefährliche und nicht vertrauenswürdige Informationen rund um Covid-19 sind ein globales Problem. In Indien nutzen Politiker der herrschenden hinduistisch-nationalistischen Partei BJP die Krise, um ihre eigene nationalistische Pseudowissenschaft voranzutreiben, beispielsweise, indem sie behaupten, dass Urin und Dung der heiligen Kuh als Heilmittel eingesetzt werden könnten. In Brasilien wehrte sich Präsident Jair Bolsonaro beharrlich gegen jedwede Maßnahmen wie einen Lockdown oder Kontaktbeschränkungen, tat Covid-19 als »kleine Grippe« ab und warf den Medien »Hysterie« vor. Das Coronavirus erreichte Südamerika später als andere Kontinente; zu dem Zeitpunkt, als ich dieses Buch schrieb, hatte Brasilien jedoch nach den Vereinigten Staaten die zweithöchste Infektionsrate weltweit, mit einer exponentiell ansteigenden Todesrate (zum genannten Zeitpunkt die sechsthöchste der Welt).
In einer vom Imperial College London durchgeführten Studie, im Zuge derer die aktive Übertragungsrate von Covid-19 in 48 Ländern ermittelt wurde, erwies sich Brasilien als das Land mit der höchsten Transmissionsrate (R0 = 2,81). Trotz allem stiftet Bolsonaro weiterhin Verwirrung, indem er von Gouverneuren und Bürgermeisterinnen eingeführte, absolut sinnvolle Maßnahmen öffentlich verhöhnt und zu verhindern sucht. Von Journalisten und Journalistinnen auf die schnell ansteigenden Fallzahlen angesprochen, antwortete er nur: »Na und? Was erwarten Sie jetzt von mir?«
Russland sieht sich mit einer ganz ähnlichen Krisensituation konfrontiert. Bevor es von Brasilien überholt wurde, hatte das Land für kurze Zeit weltweit die zweithöchste Infektionsrate. Im März 2020, als es noch so aussah, als sei Russland nicht so stark
betroffen, beeilte sich Moskau, anderen Ländern Hilfe zukommen zu lassen, unter anderem den Vereinigten Staaten. Dabei versäumte Putins Regierung, diese Zeit für die nötigen Vorbereitungen zu nutzen. Binnen nur weniger Wochen hatte sich das Blatt gewendet, und Russland musste Beatmungsgeräte aus den USA importieren.
Ironischerweise legte Putin im Umgang mit Covid-19 genau dieselbe Unfähigkeit an den Tag, die er den Oberhäuptern der westlichen Länder vorgeworfen hatte. Doch in dieser Krise kommen nicht nur Politikerinnen, Verschwörungsideologen und staatliche Akteure zum Zug. Eine ganze Palette von Erpressern, Diebinnen und Internetkriminellen ist dank Covid-19 zu neuem Leben erwacht. Manche dieser Betrüger versuchen Profit aus der Pandemie zu schlagen, indem sie beispielsweise falsche Medikamente verkaufen. Im März 2020 fing die internationale Polizeibehörde Interpol mithilfe von »Operation Pangea«, ihrem Programm zur Bekämpfung gefälschter und illegaler Gesundheitsartikel, über 34000 Produktkopien ab, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus standen. Von gefälschten Masken und minderwertigem Handdesinfektionsmittel bis hin zu nicht genehmigten virushemmenden Medikamenten war alles dabei.
Auch die Internetkriminalität hat jetzt ihren großen Auftritt. Die momentanen Bedingungen eignen sich hervorragend, um Organisationen und Unternehmen, aber auch Einzelne anzugreifen. Mit Hundertmillionen von Menschen im Lockdown, die alle verzweifelt auf Informationen warten, ist das sogar ein Kinderspiel. Während der Coronakrise war ein exponentieller Anstieg des sogenannten »Phishings« zu bemerken; dabei handelt es sich um Betrugsfälle, bei denen Kriminelle versuchen, an private Daten zu kommen. Viele von ihnen versenden E-Mails, in denen sie sich als Angehörige öffentlicher Gesundheitsbehörden (z.B. als jemand von der Weltgesundheitsorganisation) ausgeben, um Nutzer und Nutzerinnen dazu zu verleiten, Schadsoftware herunterzuladen, mithilfe derer dann persönliche Daten wie beispielsweise Kreditkartennummern gestohlen werden. Wie wir am Beispiel Iran gesehen haben, greifen auch staatliche Akteure auf derartige Tricks zurück, um Spyware zu installieren.
Da immer mehr Menschen von zu Hause arbeiten, mussten die Firmen ihre Zugangssysteme schnell ausbauen und dabei oft Kompromisse bei der Sicherheit eingehen. Auch das hat es Cyberkriminellen leichter gemacht, Covid-19 für ihre Zwecke zu nutzen. Die Gefahren, die von unserem kaputten Informationsökosystem ausgehen, stehen seit Beginn der Pandemie noch stärker im Rampenlicht. Nachdem so vieles über das Virus noch unbekannt ist, bietet es sich natürlich an, die Leerstellen mit falscher und nicht vertrauenswürdiger Information zu füllen. Die Coronakrise macht deutlich, wie die Infokalypse funktioniert. Und wir sind mittendrin, weshalb sie auch auf uns alle Auswirkungen hat.


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