Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantworten die Brüder Andreas und Daniel Sennheiser, die als Enkel des Gründers Fritz gemeinsam den Audiotechnikhersteller in Wedemark in Niedersachsen führen.

Andreas und Daniel (r.) Sennheiser (Foto: PR)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Andreas: Wir entwickeln und produzieren High-Tech-Audiolösungen, um Menschen intensive emotionale Erlebnisse zu ermöglichen – denn Hören und Fühlen sind eng miteinander verbunden.
Daniel: Wir machen die besten Mikrofone, Kopfhörer und Lautsprecher der Welt – für Musiker, Künstler, Wissenschaftler, Studenten, Politiker, Musikenthusiasten und alle, die zusammen denken und arbeiten, aber nicht im selben Raum sitzen.
Womit beginnt Ihr Tag?
Andreas: Ich stehe um 6:30 Uhr auf, dusche – warm und kalt – und frühstücke ausgiebig. Danach bringe ich meine Kinder zur Schule, bevor ich gegen 8.30 Uhr im Büro bin.
Daniel: Bei mir klingelt der Wecker immer um 5.55 Uhr – wegen des Liedes von Charlotte Gainsbourg. Danach ein Milchkaffee und 20 Minuten Meditation. Erst dann schalte ich das Licht an und mache Frühstück. Diese 30 Minuten am Morgen nur für mich sind mir heilig.
Was unterscheidet Sie von anderen Chefs im Auftreten und im Behave?
Daniel: Bei uns im Vorstandsbüro wird viel gelacht und auch bei Stress bleibt der Ton entspannt. Die Abstimmungs-Meetings zwischen Andreas und mir finden öfter in einer gemeinsamen Joggingrunde statt. Je nach Thema kann die dann auch mal in 21 Kilometer (Halbmarathon) ausarten.
Andreas: Daniel verschenkt gerne Bücher, die ihm gefallen und auf den ersten Blick erst einmal gar nichts mit dem Business zu tun haben. Ich bringe ab und zu mal meinen Hund mit ins Büro.
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Andreas: „Schon wieder so eine neue Idee, das hat uns grad noch gefehlt…“ Ich entwickle halt gerne Zukunftsszenarien und -perspektiven. Das kann motivierend sein, manchmal aber wohl auch anstrengend.
Daniel: Zugänglich, zugewandt, aufrichtig an Menschen interessiert, aber manchmal vielleicht nicht beharrlich genug…
Tee oder Kaffee?
Daniel: Beides.
Andreas: Tee zum Frühstück, später ein Espresso.
Ihr Spitzname ist…?
Andreas: Ich hätte immer gerne einen Spitznamen gehabt, habe aber nie einen richtigen bekommen. Drei alte Schulfreunde nennen mich „Andi“, für alle anderen war Andreas ok.
Daniel: Bei mir ist es ähnlich unspektakulär. Viele Freunde nennen mich „Dani“, damals in der Schule „Senni“.
Verraten Sie eine Marotte.
Daniel: Ich koche total gerne – mag es aber gar nicht gemeinsam zu kochen. Ich bin beim Kochen absoluter Perfektionist und will deshalb in der Küche alles selbst machen. Man darf mir zuschauen, mit mir sprechen und gerne dazu ein Bier oder ein Glas Wein trinken – aber bitte auf keinen Fall etwas anfassen!
Andreas: Ich habe vor einiger Zeit begonnen, mit meinen Kindern Pokémon Go zu spielen und begeistere mich bis heute total dafür.
Was bringt Sie in Harnisch?
Andreas: Unterschwellige, unaufrichtige Kommunikation, die die Stimmung vergiftet.
Daniel: Probleme zu wälzen, ohne über Lösungsansätze zu sprechen, Dickfelligkeit („das geht nicht“, „das haben wir aber schon immer so gemacht“) und Zynismus. Und natürlich, wenn jemand unbedingt mitkochen will.
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Andreas: Meine direkte Art.
Daniel: Ich brauche teilweise lange, um auf E-Mails, zu antworten. Ich bin kein Freund asynchroner Kommunikation und wenn ich gestresst bin, ignoriere ich auch mal die eine oder andere. Das ist mein kleiner, passiver Widerstand gegen die „Always-on“-Mentalität.
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
Daniel: Ein Tonstudio betreiben mit Blick auf das Meer, in dem die ganze Crew über Wochen wohnen und produzieren kann. Dazu gibt es wunderbares Essen und jeden Tag Meditation und Yoga.
Andreas: Mit wenigen, mir sehr wichtigen Menschen aus Familie und Freundeskreis bei mir zu Hause sein: Gemeinsam Musik machen, etwas Seniorensport, gut essen und einfach den Moment zusammen genießen. Ansonsten reisen: Es gibt so viele Länder, die ich zwar vom Flughafen, Hotel und Büro her kenne, deren Kultur und Menschen ich aber nie wirklich richtig kennen gelernt habe – Hawaii, Indien, Vietnam, Südafrika, um nur einige zu nennen.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Andreas: Ich finde es sehr gewinnend, wenn Menschen authentisch und souverän sind. Das heißt für mich, dass sie ihr Inneres nach außen tragen können, ohne Angst zu haben. Das beeindruckt mich.
Daniel: Bei mir ist es ähnlich. Ich schätze klare, aufrichtige Menschen, die eine Meinung vertreten und Dinge anpacken. Menschen, die sich durchbeißen – auch wenn es schwierig wird – und ihren Idealen treu bleiben, aber trotzdem nicht stehenbleiben.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Daniel: Meine Kinder, ein Klavier und eine Gitarre.
Andreas: Die Menschen, die ich liebe, auch eine Gitarre und eine Zahnbürste.
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Daniel: Ich würde sehr gerne mal ein großes Konzert mixen – davor habe ich großen Respekt. Insbesondere, wenn alles live ist. Dieses Gänsehauterlebnis, das jeder kennt.
Andreas: Ich würde gerne einen Tag lang Astronaut sein und unsere kleine, unendlich kostbare Erde von oben betrachten – Perspektiven sehen, die ich aus der Mikroperspektive eines Erdbewohners nicht einnehmen kann. Gleichzeitig möchte ich mal spüren, wie sich die vollständige Schwerelosigkeit anfühlt.

(Foto: Sennheiser)
Daniel Sennheiser: Im vergangenen Jahr war ich viel in meinem VW Bus zwischen Zürich und der Wedemark unterwegs, um so oft wie möglich in unserem Hauptsitz im Büro zu sein. Ich dachte immer, man braucht jede Menge Infrastruktur, um ein Unternehmen zu leiten. Die letzten Monate haben mir gezeigt: ein VW-Bus, ein Laptop und die Möglichkeit, mir einen ordentlichen Kaffee zu kochen, reichen aus. Ich habe hunderte von Stunden von Videokonferenzen aus meinem Bus gemacht und vor Kurzem sogar ein Face-to-Face-Meeting mit Kaffee auf dem Parkplatz einer Autobahnraststätte.

(Foto: Privat)
Andreas Sennheiser: Ich mache sehr gerne Sport. Das ist für mich der perfekte Ausgleich zum Job. Fahrradfahren, Laufen oder auch gerne mal ein Triathlon. Dabei bin ich schon ziemlich ehrgeizig.


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