New Work: Nicht mal jedes dritte Unternehmen reduziert tatsächlich Hierarchien

Viele Gerede gab´s über New Work mit flachen Hierarchien und Büroarchitektur, die alles mögliche demonstrierte, aber keine harte, effiziente Arbeit. Das Thema machten sich alle möglichen zu eigen,  nicht nur Büromöbelhersteller, die daran verdienen. Selbst Arbeitsrechtler aus Großkanzleien – also mit der Arbeitgeberseite verhaftet – überreichten zu dem Thema Power-Point-Präsentationen. Doch passiert ist … dann doch nicht so viel.

 

Die Management- und IT-Beratung Sopra Steria aus Hamburg hat zusammen mit dem FAZ-Institut Bilanz gezogen und befragte dafür 221 Fach- und Führungskräfte. Und zwar insbesondere dazu, ob die Unternehmen, die landauf landab die New Work beschworen, tatsächlich Hierarchien abgebaut haben. Wobei: Die meisten Befragten arbeiten bei Finanzdienstleistern, verarbeitendem Gewerbe und öffentlicher Verwaltung sowie Versorgern. Gefragt wurde April und Mai 2021, wie die Organisationen mit dem Veränderungsdruck umgehen und wie groß ihre Bereitschaft zur Neuorganisation ist.

 

Nur 30 Prozent der Unternehmen reduzierte tatsächlich Hierarchien

Heraus kam: Nur knapp jedes dritte Unternehmen hat in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich Hierarchien reduziert. Das, obwohl 68 Prozent der Fach- und Führungskräfte an schnellere Entscheidungen durch flache Hierarchien glauben.

 

 

Führungskräfte verfolgen lieber eigennützige Ziele als die des Unternehmens

Warum der Hierarchieabbau trotzdem nicht gelingen will? Der Grund ist simpel: Die Chefs wollen ihren Status nicht einbüßen. 40 Prozent der Befragten glauben, dass die Führungskräfte den Hierarchieabbau aus egoistischen Gründen blockieren – und zwar weil sie ihre eigenen fest eingeplanten Karriere- und Gehaltssprünge nicht aufgeben wollen.

 

Auch die Corona-Zeit ist ein Grund dafür, dass nicht viele Leitungsposten  abgebaut wurden: In heiklen Situationen hätten sich die Hierarchien bewährt. Denn „gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie oder bei existenzbedrohenden Lieferengpässen müssen unter Zeitdruck einschneidende Entscheidungen getroffen werden“, so die Studie. Und weiter: „Das Ziel, mit flachen Hierarchien beziehungsweise dem Wegfall von Weisungsstrukturen besser und schneller zu entscheiden, wird in turbulenten und kritischen Lagen häufig nicht erreicht.“

 

Das verfehlte Ziel: Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg

Dabei ist der Vorteil flacher Hierarchien „die Chance, Mitarbeitern mehr Entscheidungsmöglichkeiten und Platz für Innovationen und Kreativität zu geben, statt sie auf eine Anweisung von oben warten zu lassen“, so die Studie. Auch die sogenannten Stille-Post-Effekte – also die Verfälschung von Informationen durch die mehrfache Weitergabe in der Befehlskette – würde wegfallen. Denn in Unternehmen, die weniger hierarchisch strukturiert sind, arbeiten Mitarbeiter über die Abteilungsgrenzen hinweg zusammen und denken im besten Fall gar nicht mehr innerhalb dieser Grenzen laut Sopra Steria.

 

 

 

 

 

 

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