Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Signium-Chefin Angela Westdorf mit dem Spitznamen Duracell-Häschen

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Angela Westdorf, die Managing Partnerin der Personalberatung Signium, die 44 Büros weltweit hat und deren Sitz in Chicago ist.

 

Angela Westdorf (Foto: C.Tödtmann)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir von Signium beraten Unternehmen bei der Besetzung und Weiterentwicklung von Führungskräften.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Um 5.15 klingelt mein Wecker. Mein Tag beginnt mit gemütlichem Tee-Trinken, aus einem möglichst großen Becher mit Milch – seit meiner Zeit in Wales, wo ich als Deutschlehrerin gearbeitet habe. Dabei lese ich den „Kölner Stadt-Anzeiger“ von hinten nach vorne und informiere mich in Online-Zeitungen und Blogs über Neuigkeiten. Danach gehe ich Schwimmen, Laufen oder Fahrradfahren auf dem Peleton, letzteres ist meine neue Leidenschaft seit Corona.

 

Was unterscheidet Sie als Chef von anderen Chefs im Auftreten und im Behave?  

Ich bringe meinem Team aus jedem Urlaub und von jeder internationalen Konferenz etwas Praktisches mit: Kofferanhänger aus den USA, Flipflops aus Brasilien, Tee aus Indien, Salz von Sylt, Untersetzer aus Rügen, Brillenputztücher aus Polen oder Öl aus der Toskana. Nur in Indien habe ich nichts Praktisches gefunden. Am Ende habe ich kitschige Elefantenanhänger mitgebracht, die sich jetzt verrückterweise am längsten auf den Schreibtischen halten.

Und ich bringe jede Woche einmal Obst für alle mit, das ich dann auch schnippele und,  wenn es nicht im Meeting aufgegessen wird, den Mitarbeitern auch bringe. Mir ist es ausserdem wichtig, dass wir auf unsere Erfolge anstoßen, wenn wir einen Kandidaten vermitteln oder einen besonderen Auftrag an Land ziehen konnten.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Dass ich als Chefin ziemlich anstrengend sein kann wegen meines Tatendrangs und Optimismus. Vielleicht auch, dass ich manchmal sogar zu nett bin. Wenn ich  unsere Kartons mit Weihnachtskarten und Adventskalendern selber schleppe.

 

Tee oder Kaffee?

Ganz eindeutig Tee. Am liebsten ganz einfachen, schwarzen Beuteltee und unbedingt mit Milch, stilecht britisch.

 

Ihr Spitzname ist…?

Angi heiße ich bei meinen Geschwistern und der Familie. Ansonsten oft Duracell-Hase.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich stelle Tassen und Becher neben dem Untersetzer ab, weil mich das Geräusch sonst wie das Kratzen von Nägeln auf einer Tafel nerven würde.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Fehlende Wertschätzung für alle Arten von Arbeit. Egozentrik sowie selbstherrliches und rücksichtsloses Agieren finde ich abstoßend.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

 Ich will immer einen Konsens finden und setze damit eine große Ausdauer voraus. Auch zu viel Optimismus, Energie und gute Laune haben auf andere nicht immer einen positiven Effekt. Aber das verzeihe ich meinen Kollegen gerne – Duracell-Häschen können ganz schön anstrengend sein.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ich tanze für mein Leben gern, zum Einen Standard/Latein und seit Jahrzehnten schon Jazz-Dance. Wenn ich in Rente gehe, möchte ich mehr Zeit fürs Tanzen und Lernen neuer Tänze haben wie Tango Argentino in Argentinien.

Und noch etwas: Ich bin zwar aus der evangelischen Kirche ausgetreten, habe aber eine jahrelange Verbindung zu Pfarrer Meurer hier in Köln, der Unglaubliches für seine Gemeinden im Brennpunkt wie auch überregional auf die Beine stellt und den ich unterstütze. Wenn ich in Rente gehe, möchte ich ihn oder eine andere Hilfsorganisation mit praktischer Hilfe unterstützen, also ein Ehrenamt übernehmen.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ich mag Menschen, die Humor haben und wertschätzend mit anderen umgehen. Auch Bescheidenheit und Intelligenz sind mir wichtig. Ein besonderes Beispiel für mich war der CEO eines Top-Five-Pharmaunternehmens, der auf seinem Campus auf eine Gruppe rauchender Azubis zuging ihnen mit ehrlicher Besorgnis und ohne Vorwurf und Direktive sagte: „Sie wissen doch, Rauchen ist gefährlich.“

Genauso beeindruckte mich der Biontech-Mitgründer und Mediziner Uğur Şahin als Führungskraft, der sich trotz größten Drucks Zeit für Mitarbeiter jeden Levels nimmt und mit ihnen austauscht.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Erstens hänge ich sehr an meinem Ring, der aussieht wie ein Ehering, aber keiner ist. Er ist eine Erinnerung an den Ring meiner verstorbenen Mutter, der mir bei einem Einbruch gestohlen wurde und den mir meine engste, langjährige Vertraute – ich nenne sie immer meine Adoptivmutter – geschenkt hat. Ich trage ihn immer, er ist mein Glücksbringer. Zweitens ist Cola Zero für mich überlebenswichtig. Und drittens mein Fahrrad als mein Hauptverkehrsmittel in der Stadt.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Der Job der beiden Strüngmann-Brüder – die Gründer des Pharmaunternehmens Hexal. Ich finde es wahnsinnig faszinierend, wie man ein so exzellentes Gefühl für Geschäftsideen im Gesundheitswesen und die richtigen Investitionen haben kann.

 

Die Schatulle auf Angela Westdorfs Schreibtisch ist ein Mitbringsel von einer Firmenkonferenz in Chicago und trägt den Spruch, der auch ihr Motto wurde: „How beautiful a day can be when kindness touches it“ (Übers.: „Wie schön kann ein Tag sein, wenn Freundlichkeit ihn berührt.“). In der Coronazeit haben wir per Zoom einen täglichen Jour Fixe gemacht, bei dem jeder mit einer positiven Nachricht beginnen musste, die keinen beruflichen Bezug hatte. Das konnten ganz harmlose oder nebensächliche Dinge sein. Hauptsache, wir teilen schöne Momente miteinander – auch oder gerade in dieser besonderen Zeit.

 

 

 

 

 

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