Ein neues Netzwerk will Gründerinnen mit Geld, Rat und Kontakten helfen. Ina Schlie erklärt hier im Interview, worum es ihr und rund 60 Top-Business-Frauen bei Encourage Ventures geht

Bahn-Vorständin Sigrid Nikutta, Ex-Justizministerin Brigitte Zypries, die Multi-Aufsichtsrätinnen Simone Menne, Ina Schlie und Alexa Hergenröther, Douglas-CEO Tina Müller oder Facebook-Europachefin Angelika Gifford und mehr als 50 andere Business-Frauen haben sich verbündet, um Start-up-Gründerinnen zu helfen: Mit Geld aus einem Fonds, mit Rat und Kontakten – und einem Netzwerk namens Encourage Ventures. Hier im Management-Blog gibt Ina Schlie, Ex-Managerin von SAP und heute Aufsichtsrätin bei Würth und Heidelberger Druckmaschinen, erste Antworten zum dem bevorstehenden Projekt, das sie und die anderen Netzwerkerinnen gerade aus der Taufe heben.

 

Ina Schlie (Foto: PR)

 

 

Ihr Verein ist Netzwerk für Investorinnen, was planen Sie genau?

Encourage Ventures ist ein All-Female-Investment-Netzwerk. Unsere Vision ist es, mehr Vielfalt in die deutsche Gründer:innen- und Investor:innenenlandschaft zu bringen. Wir verstehen uns als Ecosystem, das auf der einen Seite mehr Frauen zur Gründung ermutigen möchte und auf der anderen Seite Investorinnen zusammenbringt, die über großes Fachwissen verfügen. Wir begleiten Gründerinnen beim Aufbau und Wachstum ihres Unternehmens. Die Investorinnen kommen aus Tech, Finance, Investment, Corporate Management, Health, HR, Marketing Software und vieles mehr. Wir unterstützen Start-ups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam. Sie können sich bei Encourage Ventures bewerben, um von den Expertinnen in allen Entwicklungsstufen von der Idee bis zum Börsengang nachhaltig, ganzheitlich und interdisziplinär sowohl finanziell als auch durch Mentoring und Coaching unterstützt zu werden.

 

Und das hat bisher gefehlt?

Ganz klar, ja. Es gibt bereits einige Initiativen die Teilaspekte des Problems adressieren. Viele der Frauen, die sich nun bei Encourage Ventures zusammengefunden haben, sind auch schon in diesem Feld aktiv. Aus diesen Engagements ist nun die Überzeugung entstanden, dass wir das Thema positiv pushen können, indem wir uns zusammenschließen, ganzheitlich denken und angehen.

Wir geben einen Raum für Austausch zwischen Investorinnen, fördern den Zusammenschluss mehrerer Investorinnen, um einen Ausgleich zu der sehr männerdominierten Investoren-Landschaft zu schaffen. Wir möchten auch nicht in Konkurrenz zu bisherigen Initiativen gesehen werden, sondern bündeln die Kräfte, um etwas zu verändern. Deshalb kooperieren wir mit Auxxo, die einen Venture-Capital-Fonds, um einen Growth-Fonds zwischen 100 bis 200 Millionen Euro aufzulegen.

 

Wie sieht der Prototyp einer Gründerin aus, den Sie bei Ihrer Initiative idealtypisch vor Augen haben?

Wir suchen Gründer:innen, die einer großen Vision folgen. Passion, Personality und Mut sind Attribute, die uns begeistern und die wir unterstützen wollen. So haben die Gründerinnen Miriam Mertens und Amelie Vermeer bei den ersten beiden Pitch-Nights im April und Juni Investorinnen und Mentorinnen gefunden. Mertens hat zusammen mit Peter Goeke DeepSkill gegründet. Das Unternehmen ermöglicht, mittels tech-gestützter People Development Programme – Persönlichkeitsentwicklungsprogramme – erstmals, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern emotionale Skills, also Kompetenzen, auf- und auszubauen. Die Passion der Informatikerin Mertens ist, emotionale Kompetenz und Technologie.

Vermeer dagegen – sie ist Mit-Gründerin von Spoontainable und das ist laut „Handelsblatt“ eins der zehn innovativsten Start-ups Deutschlands – verkauft essbares Besteck. Das besteht zu 100 Prozent aus nachhaltigen Rohstoffen und ist eine Alternative für die immense Plastikverschmutzung weltweit.

 

Wie grenzen Sie sich ab von den bisherigen Netzwerken für Frauen wie die aus einzelnen Branchen, Global Digital Woman, Iwill und etlichen anderen mehr? Was können Sie mehr leisten?

Wir spannen einen Bogen zu anderen Netzwerken und arbeiten integrativ. Unser Ansatz ist insofern neu, als dass wir Gründerinnen über alle Phasen von der Gründung bis in die Wachstums- und Expansionsphase begleiten werden und uns dabei nicht nur auf die Finanzierung fokussieren, sondern ganzheitliche Unterstützung und Zugang zu einem großen Businessnetzwerk bieten. Wir sind auf keine Branche festgelegt.

 

Wie suchen Sie die Frauen, die Sie fördern wollen, aus? Gibt es Kriterien? Eine Jury? Wie viele sollen es im Jahr werden?

Es gibt keine Maximalzahl. Das wird mit der Art der benötigten Unterstützung stark variieren. Interessierte Gründer:innen können uns über unsere Webpage kontakten oder direkt ein Vereinsmitglied ansprechen. Pitch-Nights finden ungefähr alle sechs Wochen statt.

 

Wieviel Geld bringt jedes Vereinsmitglied bei Ihnen ein? Kommt es aus ihren Privatschatullen oder bei angestellten Frauen von den Unternehmen hinter ihnen?

Encourage Ventures ist unabhängiges Netzwerk und als Verein organisiert. Das bedeutet, dass die Investorinnen bei uns persönlich Mitglieder sind. Einige von ihnen haben bereits in der Vergangenheit siebenstellig direkt oder über ihre Beteiligungsgesellschaften investiert. Unabhängig von dem Verein planen wir in Zusammenarbeit mit Auxxo und hochkarätigen Expertinnen aus unserem Netzwerk den Aufbau eines 100 bis 200 Millionen Euro schweren All-Female Growth Funds.

 

Bei wem soll das Kapital eingesammelt werden?

Zum Teil aus dem Netzwerk, darüber hinaus haben wir bereits mit der Ansprache von potentiellen Großinvestorinnen begonnen.

 

Inwieweit soll die Tätigkeit des Vereins nach außen sichtbar werden? Gerade unter dem Aspekt, dass hierzulande Vorbilder, Role Models gefragt sein sollen?

Bereits vor dem offiziellen Launch haben wir in der Community eine große Sichtbarkeit und viel Zuspruch erhalten. Geplant ist der Aufbau eines umfassenden, digitalen, frei zugänglichen Schulungsangebots für Gründer:innen und regelmäßige Veranstaltungen. Zum anderen werden wir kontinuierlich Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um das Thema im gesellschaftlichen Diskurs fest zu verankern und präsent zu halten, dazu zählt natürlich auch die Präsentation unser Erfolgsstorys, der Role Models.

 

 

 

 

 

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