Attentate: Zwölf Verhaltensmaßregeln für Geschäftsreisende, die in einen Anschlag hinein geraten

Verhaltensregeln bei einem Terroranschlag

 Gastbeitrag von Christian Schaaf, Geschäftsführer und Gründer der Spezialberatung für Sicherheitsfragen Corporate Trust. Schaaf war früher beim LKA und ist Fachmann für den Umgang mit kriminellen Bedrohungen und Krisenmanagement bei Extremsituationen.

 

Christian Schaaf (Foto: Privat)

Die Terroranschläge in Paris am 16.10.2020, Nizza am 31.10.2020 und Wien am 2.11.2020 haben wieder einmal gezeigt, dass solche Attacken hier in Europas Städten  überall geschehen können. Tatsächlich kann man sich nur schwer gegen einen Terroranschlag schützen. Trotzdem sollte man jederzeit darauf vorbereitet sein und die wichtigsten Verhaltensregeln beachten, um heil aus der Situation zu kommen.

 

Die Situation in Wie vor wenigen Tagen: Ein vermummter Attentäter, vermutlich ein islamistischer Terrorist, schießt in einem belebten Szene-Viertel mit einem Sturmgewehr um sich. Die Polizei versucht das Geschehen in den Griff zu bekommen. Das ist schwierig, weil an insgesamt sechs Tatorten geschossen wird, die Lage unübersichtlich ist und erst mal keiner weiß, wie viele Terroristen es tatsächlich sind. Vier Passanten sterben und 22 weitere Menschen werden teils schwer verletzt.

 

In praktisch in jeder europäischen Großstadt kann man als Passant jederzeit in so eine Situation geraten. Selbst wenn Polizisten schnell vor Ort sind, ist man in den ersten Minuten mindestens auf sich selbst gestellt. Das wichtigste Prinzip: „Raus aus der Gefahrenzone“! Nur: Ob es sich um ein Attentat handelt, ist oft nicht einfach sofort zu realisieren. Außerdem: Wo ist die Gefahrenzone genau und wohin muss man sich bewegen, um wegzukommen und nicht den Tätern direkt in die Arme zu laufen?

 

Unternehmen sollten ihre Geschäftsreisenden – auch wenn sie nur in Europa unterwegs sind -, auf solche Szenarien vorbereiten, Tipps mit an die Hand geben oder spezielle Trainings für Reisesicherheit anbieten.

 

Tipps für Dienstreisende: Verhaltensregeln bei einem Terroranschlag

Informieren Sie sich vorher über die Länder, in die Sie reisen. Beachten Sie die örtlichen Gesetze, religiösen Traditionen, Bräuche, Geschäftspraktiken und Verhaltensregeln.

Die Faustregel: Je exotischer das Ziel, je mehr sich die Kultur des Ziellandes von der eigenen unterscheidet, umso wichtiger ist die Vorbereitung der Reise und die Einhaltung der Hinweise und Verhaltensregeln während der Reise.

1. Erkundigen Sie sich, wie das örtliche Telefonsystem funktioniert und halten Sie die lokalen Notrufnummern parat. Für den Notfall sollten Sie auch in Ihrem Mobiltelefon auf diese Telefonnummern Zugriff haben. Ein Informationsblatt mit den wichtigsten Hinweisen und Telefonnummern für den Notfall hilft Ihnen sofort die richtigen Maßnahmen einzuleiten, Gefahren abzuwehren und Folgen zu mindern.
Versuchen Sie sich bei jedem längeren Aufenthaltsort (Hotel, Bar, Restaurant, Geschäft undsoweiter) die Ausgänge einzuprägen und mögliche Fluchtwege zu überlegen.

 

2. Versuchen Sie sich auf dem Weg dorthin öffentliche Gebäude (Polizeistationen, Behörden, Krankenhäuser undsoweiter) in der Nähe zu merken, die bei einem Terroranschlag Schutz bieten könnten.

 

3. Vermeiden Sie Panik bei einem Anschlag. Bleiben Sie nach Möglichkeit ruhig und handeln Sie überlegt.

 

4. Verschaffen Sie sich einen Überblick, woher die Gefahr kommt. Weglaufende Personen sind in der Regel ein Indikator, dass von dort ein Angreifer kommt oder ein Anschlag war/droht.

 

5. Laufen Sie nicht blind mit der Menge. Manchmal kann es der richtige Weg sein, sich weg von der Menge zu bewegen, insbesondere wenn eine Massenpanik droht.

 

6. Verhalten Sie sich möglichst unauffällig und machen Sie nicht unnötig auf sich aufmerksam.

 

7. Begeben Sie sich schnell aus der Gefahrenzone und verstecken Sie sich nicht in unmittelbarer Nähe. Terroristen suchen die Umgebung oft nach Personen ab, um sie zu töten.

 

8. Wenn plötzlich auffällig viele uniformierte Sicherheitskräfte oder Polizeibeamte erscheinen, suchen Sie rasch Schutz an einer geeigneten Stelle wie hinter einer Säule einem großen Automaten oder schweren Möbeln.

9. Machen Sie keine Aufnahmen mit dem Smartphone und posten Sie diese insbesondere nicht auf sozialen Netzwerken. Während der Aufnahmen sind Sie ein leichtes Ziel. Außerdem könnten Täter dadurch Hinweise auf das Vorgehen bzw. die Taktik der Polizei/Sicherheitskräfte erhalten.

 

10. Wenn Sie sich in Gebäuden in unmittelbarer Tatortnähe aufhalten, entfernen Sie sich von Fenstern beziehungsweise Glasscheiben. Bei einer Schießerei könnten Sie sonst Querschläger oder Abpraller treffen.

 

11. Verbarrikadieren Sie sich und verhalten sich so, dass die Täter nicht auf Sie aufmerksam werden.

 

12. Wenn es ungefährlich möglich ist, informieren Sie Vertrauenspersonen über ihre Lage, wo Sie sich aufhalten und dass es Ihnen gut geht.

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