Wieso Digitalmanager plötzlich gar nicht mehr so gesucht sind

Digital-Manager müssten eigentlich gefragt sein wie nie zuvor. Jetzt, wo die Digitalisierung wegen Corona in so großen Schritten seit März vorwärts geht und sie für so manches Unternehmen zum einzigen Rettungsanker wurde. Doch was passiert stattdessen? Unternehmen aller Branchen lassen die Digital-Manager und -Top-Manager, die sie noch zum Jahreswechsel angeblich händeringend suchten und sie mit schwindelerregenden Gehältern bis in den siebenstelligen Bereich lockten, lassen sie plötzlich links liegen. Headhunter bekommen digitale Lebensläufe von Social Media Managern und Chef Digital Officers (CDO), die auf der Suche nach neuen Jobs sind. Gastbeitrag von Hans-Werner Feick, Inhaber der IT-Managementberatung Kobaltblau.  

 

Feick (Foto: Kobaltblau)

 

War die Verpflichtung hipper CDOs bis dato eher ein Feigenblatt in Richtung Aufsichtsrat oder Aktionären? Dass man genug in Richtung Zukunft unternimmt. Digitale Bewerber gibt es aktuell genug – hört man auch aus vielen Unternehmen. Woher die plötzlich kommen? Es sind diejenigen, die in anderen Unternehmen jetzt Enttäuschungen erleben. Und die plötzlich feststellen: Anders als noch vor einem Jahr können sie sich nicht mehr die Jobs aussuchen, im Gegenteil.

Denn: Jetzt in der Corona-Krise vertrauen viele CEOs lieber ihren altbewährten Mitarbeitern als Digitalprofis, die ihnen immer irgendwie ungeheuer waren. Die digitalen Top-Manager hatten in den komplexen Konzernstrukturen keine Zeit sich eine Hausmacht und eigene Truppen aufzubauen, die den digitalen Wandel im Konzern vorantreiben – bestenfalls haben sie die Manager-Platzhirsche mir ihren Fragen zwei bis drei Jahre ärgern dürfen.

Doch kaum gibt es den ersten schweren konjunkturellen Gegenwind, stellen die Vorstände deren Jobs nicht nur in Frage, sondern schaffen sie in vielen Unternehmen einfach wieder ab. Warum? Weil sie nicht an der Digitalisierung zweifeln, sondern wie sie daher kommen. Sie schwelgen in Anglizismen, schwadronieren von Kanälen wie Twitter, die Vorständen suspekt sind und kosten Geld, das nicht sofort Rendite bringt.  Die Folge ist, sie werden kalt gestellt und ihre Aufgaben dem guten alten IT-Chef zugewiesen. Der legt nämlich in vielen Unternehmen ein echtes Comeback hin. Auch weil er viel dazu gelernt hat im digitalen Hype. Außerdem kennt er als einziger im Unternehmen alle Prozesse von vorn bis hinten und verfügt auch über entsprechende Manpower, um die digitale Transformation umzusetzen.

 

Darüber waren sich auch in der vergangenen Woche diverse CIOs auf einer Veranstaltung zur Zukunft der IT-Organisation einig. Und mancher CIO denkt digital auch wieder vermehrt grenzüberschreitend. Ein großer mitteständischer Automobilhersteller nutzt die Krise dazu, digitale Units mit lokalen Kräften im Ausland aufzubauen. Die Begründung: die lokalen Kräfte sind einfach viel motivierter – und günstiger.

 

Und natürlich menschelt es auch in Konzernen. Wahrscheinlich ist für manchen auch Schadenfreude dabei. Waren doch die Digital Natives die Stars, die gefühlt alles fordern und sich vieles erlauben konnten. Alle Unternehmen musste auf den digitalen Zug aufspringen und sei es nur, um dem Aufsichtsrat zu gefallen. Die digitalen Shootingstars teilten dann fleißig in jedem sozialen Netzwerk von LinkedIn bis Instagram ihre kleinsten Erfolge. Das nervte die altgedienten Hasen.


Bleiben damit
als Arbeitgeber für die digitalen Stars von gestern nur noch Google, Facebook, Tesla & Co. oder eines der vielen Technologie-Start-ups? Die bieten ein Arbeitsumfeld mit den aktuellsten Technologien und modernen Arbeitsplätzen. Dabei haben gerade traditionelle Unternehmen eine technische und kulturelle digitale Auffrischung durchaus nötig – genau das hat Corona ja eben gezeigt. Digitalmanager müssen sich wohl oder übel auf Hidden Champions oder größere Mittelständler einlassen – auch wenn die auf der Schwäbischen Alp, in Westfalen und im Bergischen Land sitzen.

 

Denn gerade die innovationsstarken Mittelständler, die in technologischen Nischen reüssieren, sind auch für die Digital Natives als Wissensträger für Innovationen und digitale Geschäftsfelder hoch interessant. Und bis dahin hat sich der Markt eben auch bereinigt – die hippen digitalen Newcomer hatten ein erstes ernstes Rendezvous mit der ökonomischen KrisenRealität und die Traditionsunternehmen haben auf die harte Tour zu spüren bekommen, wie wichtig die digitale Transformation zum Überleben ist.

 

 

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