Fragebogen „Nahaufnahme“ mit dem Essener Uniklinik-Chef Jochen Werner, der andere nervt, weil er sein Geschirr nie in die Spülmaschine räumt, sondern immer nur obendrauf stellt

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Jochen Werner, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen. Auf Twitter: @MedInfluencer 

 

Jochen Werner

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir diagnostizieren und behandeln in der Uniklinik Essen kranke Menschen, bilden Ärzte, Pflegekräfte und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen aus und forschen in unterschiedlichen Gebieten der Medizin.

.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Weckruf übers Handy um sechs Uhr, Dusche, dann Kaffee, ansonsten frühstücke ich nicht mehr, mit dem Versuch, auf Essen zwischen 20 Uhr und zwölf Uhr zu verzichten. Im Tagesablauf folgt dann mein online-Check zur aktuellen Nachrichtenlage und die Arbeit auf LinkedIn, XING, Facebook und Instagram. Danach geht’s ins Büro.

.

 

Was unterscheidet Sie als Chef von anderen Chefs im Auftreten und im Behave?

Die erste halbe Stunde im Büro möchte ich möglichst keinen sehen, erst mal ankommen, den Tag überdenken. Danach offenes Ohr für alle. Mein mitunter unkonventionelles Verhalten dürfte bei den Mitarbeitern angekommen sein. Dazu zählt auch meine Aktivität in den Sozialen Medien. Sie erleben mich als Treiber der Digitalisierung mit Füller und Post-its, die den einen oder anderen schon mal nerven können. Mit dem Auszug aus meinem Büro in ein kleineres habe ich vier Mitarbeitern Platz gegeben, die dadurch ein engeres Miteinander leben.

.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Die Mitarbeiter sehen mich wohl strenger als ich zu sein glaube. Solch eine Wahrnehmung ist Resultat einer jahrzehntelangen Entwicklung, war ich zu meiner Marburger Zeit als Klinikdirektor sicherlich rascher aufregbar als heute, wo die Mitarbeiter mein ruhig gesagtes „alles gut“ schon passend bewerten können. Eine enge Mitarbeiterin sagt, sie sähe mich als kühlen Kopf des Unternehmens, der seine Vision Smart Hospital mit nordischer Herzlichkeit, manchmal zu diplomatisch, sehr fordernd aber auch fördernd, tatsächlich umsetzt.

 

Tee oder Kaffee?

Bis 30 Jahre Tee, seitdem Kaffee

.

 

Ihr Spitzname ist…?

Didi – war von meinem fußballverrückten Vater nicht als Vorname durchsetzbar, so blieb es beim Spitznamen, genannt nach dem Brasilianer Didi, eigentlich Valdir Pareira, der Brasilien in meinem Geburtsjahr 1958 (und 1962) zur Fußballweltmeisterschaft führte. Beim Fußball geholfen hat es mir leider nicht.

,

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich schaue oft nachts in den Kühlschrank, auf der Suche nach einem Stück Käse, leider bleibt es öfter nicht bei der Inspektion.

.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Ich ärgere mich gelegentlich darüber, dass ich mit unserem adoptierten Straßenhund, so lieb ich ihn auch habe, wegen seiner Inkontinenz oft noch nach Mitternacht mit ihm raus muss.

.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Dass ich gebrauchtes Geschirr nicht in, sondern auf die Spülmaschine stelle.

.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Meine Familie genießen, jungen Leuten mit meinen Erfahrungen zur Seite stehen, Bücher schreiben und wieder fischen. Als junger Mann habe ich voller Begeisterung geangelt, am liebsten im Süßwasser, auch Fliegenfischen. Die Fliegen hatte ich selbst gebunden, eine konzentrierte und beruhigende Tätigkeit.

.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Lebenserfahrungen, aus denen man lernen kann. Mir sagte ein Arzt vor meinem Studium, dass ich so schnell wie möglich meine Doktorarbeit absolvieren solle, denn er habe diesen Zeitpunkt verpasst und haderte darüber immer noch. Gesagt getan begann ich damit Anfang des zweiten Semesters und schloss das Projekt zum Physikum ab. Dadurch bekam ich Möglichkeiten zu weiteren spannenden wissenschaftlichen Tätigkeiten im Studium. Es war für mich ein gutes Beispiel zu meinem Motto: Erfahrungen anderer begreifen und das damit Gelernte zum richtigen Zeitpunkt einsetzen.

.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Ich könnte, aber möchte nicht verzichten auf Füllfederhalter, Post-its und Smartphone.

.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Hochseefischer-

.

.

(Foto: Privat)

 

 

Blogger-Relevanz-Index 2019

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [1]