Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Dentsu-Aegis-Network-CEO Ulrike Handel, die sich den morgendlichen Luxus leistet, nur zu lesen und zu denken

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet  Ulrike Handel, CEO von Dentsu Aegis Network Deutschland, Österreich und der Schweiz, einer Agenturgruppe für Kommunikations- und Mediaberatung mit zuletzt weltweit 38.000 Mitarbeitern.

 

Ulrike Handel (Foto: Privat)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir sind eine Agenturgruppe mit über 3.000 Experten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Unternehmen aller Industrien und Größen in den Bereichen Media und Performance Marketing, Content Service und Kreation sowie in Marketingtechnologien und CRM-Lösungen unterstützt.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Ich starte um 6.30 Uhr immer mit Sport, entweder indoor oder outdoor. Seit acht Monaten habe ich ein Peloton-Spinning-Rad, das ich in mein Sportprogramm einbaue. Zum Frühstück liebe ich seit meiner Kindheit Kölln-Flocken, aber bitte nur die echten. Außerdem versuche ich, mir bis neun Uhr früh den Luxus zu leisten, nur zu denken und zu lesen und nicht zu reden. Klappt ab und zu.

 

Was unterscheidet Sie als Chef von anderen Chefs im Auftreten und im Behave?

Ich komme offenbar viel jünger rüber als ich bin. Typischer Satz bei einem ersten Treffen: „Du siehst gar nicht aus wie ein CEO!“ – ich frage mich jedesmal, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung ist. Vielleicht fehlen mir auch die typischen Statussymbole: Altes Fahrrad statt Auto, Turnschuhe statt Business-Schuhe, keine Selbstdarstellungs-Allüren und ich behandle alle Kollegen auf Augenhöhe.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Ich zitiere aus einer meiner vielen Feedback-E-Mails der Kollegen:
„Offen & Ehrlich & Herzlich & Menschlich & Normal (!) und vor allem mit den richtigen Themen!“

 

Tee oder Kaffee?

Beides parallel. Und dann zusätzlich noch Ingwerwasser mit Limette. Alles gleichzeitig. Ich trinke sehr viel, das geht schon morgens los und führt unterwegs im Restaurant oder Hotel fast immer zu Nachfragen: „Wollen Sie jetzt lieber Kaffee oder Tee und was war das mit dem Ingwerwasser?“

 

Ihr Spitzname ist…?

Ich hatte nie einen Spitznamen und habe alle Versuche dazu schon im Kindergarten abgelehnt: Ich fand es einfach albern, den eigenen Namen abzukürzen. Manche nennen mich dennoch Uli – darauf reagiere ich aber nicht.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich gucke beim Einkaufen im Supermarkt immer auf die Preise. Eine Ananas kaufe ich zum Beispiel nur, wenn sie unter drei Euro kostet. Und: Ich liebe Bücher und bestelle mir ständig welche, von denen ich höre oder die ich empfohlen bekomme. Zu lesen schaffe ich sie dann nicht. Mittlerweile habe ich eine große Bibliothek zuhause.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Ich bin grundsätzlich extrem tolerant. Aber wenn jemand eine große Klappe hat, vielleicht noch arrogant ist, dann aber nicht liefert, dann habe ich damit ein Problem.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Wenn auf meinen Reisen der Flieger Verspätung hat oder ausfällt, darf meine Assistentin im Hintergrund einen Plan B und C organisieren und ich frage relativ häufig nach, wie weit sie damit ist und arbeite parallel Optionen aus. Da sie extrem freundlich, geduldig und gut organisiert ist, hat sie sich noch nie dafür bei mir beschwert, aber ich bin mir sicher, dass sie es zumindest in dieser Sache nicht leicht mit mir hat.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ganz klar: Weniger Sport und mehr Geld ausgeben! Zweites ist als Schwäbin eine echte Herausforderung für mich.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Wenn sie ihre eigene Balance gefunden haben, sich nicht von anderen oder anderem beirren lassen, in gewisser Weise unabhängig sind.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Mein 40 Jahre altes City-Bike, mein Bonanza-Rad und natürlich mein Mountainbike.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Warren Buffett – mit 90 Jahren immer noch so fit, die Gedanken und die Sprache klarer und pointierter als bei den meisten Global Playern und als Investorenlegende ein absolutes Vorbild. Er hat ein sehr kleines effizientes Management Team, um seine Beteiligungen zu managen und Investment-Entscheidungen zu treffen. Das würde ich mir gerne mal genauer ansehen. Ihn im vergangenen Jahr bei der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha gesehen zu haben, war ein unvergessliches Erlebnis.

 

 

 

Seit meiner Schulzeit beklebe ich schon Papp-Ordner mit Bildern und Sprüchen, die mich beschäftigen. Diese Mappe begleitet mich seit meinem Start bei Dentsu im Frühjahr 2017. Ich habe sie mit einem Anime von Isao Takahata beklebt, ein japanischer Manga-Künstler. Mit Dentsu Inc. habe ich japanische Gesellschafter und bis auf meine Vorliebe für Sushi und den japanischen Schriftsteller Haruki Murakami wusste ich so gut wie nichts über Japan und seine Kultur. Das Bild musste herhalten. Deshalb habe ich die Mappe überall mit mir herum getragen und auch bei Meetings im Londoner Headquarter demonstrativ auf den Tisch gelegt. Einige haben mich nach der Bedeutung des Bildes gefragt. Bei allen anderen bin ich mir sicher, dass sie bis heute glauben, ich hätte eine Vorliebe für Kinderfilmfiguren.

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Nach drei Jahren in dieser Verantwortung sicher ein gut gewählter Zeitpunkt um ein Resumé zu ziehen…. nun was sehen wir da….
    eine Schwäbin, die gerne radelt, gerne mehr Geld ausgeben würde und mit der Liebe zu japanischer Anime-Kunst….

    Andere würden sagen, eine zerbrechliche Frau, die sich mit Heidi und ihrem Schicksal identifiziert und gerne ihre Zwänge besiegen würde….

    Fakt ist, dass das jährliche Wachstum von 7,4 % auf 0,7 % in 2019 eingebrochen ist und auf HJ-Ebene ist man in 2020 mit -20,2% bereits im Minus.

    Vielleicht reicht die Inspirationsfähigkeit und die Bereitschaft sich persönlich zu involvieren noch nicht ganz um die restlichen Kunden zu halten und Neue zu gewinnen. Die Historie zeigt, dass Agenturnetzwerke die allein auf zentral akquirierten Kunden basieren hohe Fragilität aufweisen, was sich im vorliegenden Fall erneut zu beweisen scheint.

    Liebe Frau Handel, nachdem ich die von Ihnen heute verantwortete Region bei Aegis zum Marktführer gemacht habe, mit 33% operating Margin und zweistelligen Wachstumsraten, schmerzt es mich den Niedergang zu sehen. Fliegen in seiner Kunstfertigkeit zu leisten, heisst den Steuerknüppel manuell in der Hand zu halten – auch bei schlechtem Wetter – und nicht einen Computer bei strahlendem Himmel zu bedienen.

    Ich wünsche Ihnen den Mut sich nach den ersten drei Jahren bei Dentsu endlich zu involvieren und persönlich zu engagieren, dann wird das auch was mit dem Wachstum….. Ihre Kollegen verdienen es.

    Herzlichst Ihr Aleksander Ruzicka