Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Katja Nettesheim, die nicht über Tomatensoßen streiten mag

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Katja Nettesheim, CEO des Softwareuntenehmens Culcha, Gründerin der Medienuntenehmensberatung _Mediate und Digitalprofessorin an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Die frühere Managerin von Axel Springer und Beraterin bei Boston Consulting berät heute Medienunternehmen wie Schibsted, SWMH oder Bonnier in Managementfragen im digitalen Zeitalter. 

 

Katja Nettesheim

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Culcha ist ein digitales Werkzeug, mit dem Manager gegen Montagsgebühr ihre Führung verbessern, um zum Beispiel Teams zusammenschweißen, den Stresspegel ihrer Mitarbeiter zu senken und gemeinsam eine bessere Leistung erzielen können.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Mit einem unwirschen Blick auf den Wecker und nochmaligem Umdrehen. Dann kommen meine Töchter ins Bett zum Kuscheln und – ehrlich gesagt – frühstücken wir auch dort. Das spielt sich zwischen sieben und halb acht ab. Wir müssen dann echt schnell sein, in einer knappen halben Stunde sind wir aus dem Haus.

 

Was unterscheidet Sie als Chef von anderen Chefs im Auftreten und im Behave?

Ich habe kranken Mitarbeitern auch schon Essen nach Hause gebracht und helfe, wo ich nur kann. Ich mache gerne Witze im Büro, wir lachen viel. In der Corona-Zeit habe ich allen Kollegen das Buch „Unfog your mind“ vor einem Wochenende nach Hause geschickt – zur Unterhaltung und zum Reflektieren. 

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Katja zeigt immer vollen Einsatz für ihre Mitarbeiter. So wie neulich, als sie noch spät nachts den Mietvertrag unserer brasilianischen Produktmanagerin geprüft und recherchiert hat, ob und gegebenenfalls mit welcher Taktik sie ihre drei Katzen in die neue Wohnung mitnehmen kann.

 

Tee oder Kaffee?

Im Büro lautet meine Devise: auf drei Tassen Kaffee eine Tasse Tee, zum Runterkommen. 

 

Ihr Spitzname ist…?

Katinka, so hat mich mein Vater immer genannt.

 

Verraten Sie eine Marotte?

Ich singe gerne. Unter anderem in einem Spaß-Chor, fast alles Mütter: „Die grölenden Girls“ heißen wir. Manchmal trinken wir mehr als wir singen, insbesondere in Corona-Zeiten. Einmal habe ich frühmorgens alleine im Büro und Airpods im Ohr – das sind diese kabellosen Kopfhörer – laut gesungen und nicht gemerkt, dass ein Kunde schon minutenlang im Türrahmen stand.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Langsame Leute. Vor allem Touristen in Berlin oder in München, die im Weg rumstehen, wenn ich mit dem Fahrrad durch will. Aber auch Dummheit und Arroganz – das kommt ja oft auch zusammen daher. Wie gefährlich eine arrogante Haltung sein kann, sieht man an vielen etablierten Unternehmen, die Jahrzehnte lang meinten, dass sie sich die Erfolgsrezepte junger Digitalunternehmen erst dann ansehen müssen, wenn sie profitabel sind. Getreu dem Motto „Das mit Zalando, das wird kein gutes Ende nehmen, bei den Retouren!“
 

… und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Dass ich immer etwas Sinnvolles tun muss, jede Minute. Einfach mal so abhängen, ist nicht mein Ding. Ich lese dann doch wieder ein Fachbuch, verbringe „Quality Time“ mit den Kindern und bringe ihnen beim Einkaufen auch gleich Rechnen bei beim Einkaufen oder räume irgendwas in der Wohnung auf nach der Devise: „Kein Gang mit leeren Händen“. Und dass ich schimpfe und fluche über unerledigte Dinge, die sind nämlich so energieraubend.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Einfach mal in einen Ashram gehen. Oder eines Tages die Kinder meiner Töchter hüten. Ich kann mir auch vorstellen, nochmal (online) studieren und über den Weg von Neurowissenschaften und Spiritualität versuchen, endlich das Leben und die Menschen zu verstehen.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Positive Energie, wenn man mit ihnen gemeinsam an einem Strang zieht und – wie bei meinen Töchtern – mal nicht darüber streitet, welche Tomatensoße es gibt.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Meine Trinkflasche von der Messe München, die ich tagsüber mit Wasser fülle und abends schon mal mit Weinschorle. Dann meinen Stift mit Notizbuch und meinen eigenen, übersichtlichen Schreibtisch und – derzeit neurowissenschaftliche – Fachbücher.

 

(Foto: Nettesheim)

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Der eines männlichen Vorstandsvorsitzenden eines DAX-Unternehmens. Ich will endlich verstehen, warum so viele schlechte Manager gehalten werden, die  offensichtlich falsche Entscheidungen treffen. Mir ist schleierhaft, warum diese Vorstände so viele Kompromisse machen und Rücksichten nehmen. An mangelnder Intelligenz kann es ja nicht liegen. Und gemeinsame Leichen im Keller können nicht die Gründe für alles sein.

 

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