„Nahaufnahme“-Fragebogen mit Thomas Sattelberger, der das sonore Geräusch seiner Waschmaschine liebt

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Thomas Sattelberger, FDP-Mitglied im Bundestag und Ex-Vorstand der Deutschen Telekom. 

 

 

Thomas Sattelberger (Foto: Presse/Jakob Berr)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir ergründen, wie das deutsche Innovationssystem tickt und warum es nicht ausreichend liefert. Dann treiben wir die Bundesregierung vor ihren nicht eingelösten Versprechungen her und machen spannende Alternativvorschläge.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Ich stehe meist Punkt 6.50 Uhr auf. Wenn Sitzungswoche ist und ich in Berlin bin, mache ich mich fertig für meinen ersten Termin: oft eine Acht-Uhr-Verabredung im Café Einstein Unter den Linden. Nach dem Aufstehen lese ich die nach Mitternacht eingegangenen Mails und grase alle meine sonstigen Online-Accounts nach Neuem ab. Währenddessen werfe ich Internet-Radio und Filterkaffeemaschine an; auch in Berlin trinke ich natürlich Kaffee aus München.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Allermeist weiß ich genau, was ich will. Deshalb fordere ich vor allem Umsetzungsideen. Bevor ein Konzept fertig ist, schaffe ich mir die verschiedensten Feedback-Kanäle, damit wir nicht eingefahrene Gleise bedienen. Was anliegt, tue ich immer möglichst sofort. Im laufenden Geschäft muss die Maschine geölt ticken. Da bin ich pingelig. Das klappt am besten, wenn jede und jeder seine Stärken ausspielen kann. Für Mitarbeiterentwicklung nehme ich mir immer viel Zeit und Raum. Eigentlich agiere ich wie ein patriachalischer Mittelständler, der genau weiß, wie der Hase läuft (oder es zumindest meint). Bitterböse werde ich, wenn derselbe Fehler zum dritten Mal passiert.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

„Als Mensch wie als Chef verfügt TS über die komplette Klaviatur emotionaler Regungen. Er kann schnell in die Luft gehen und genau so rasch ungemein großzügig sein. Mangelnden Tiefgang mag er überhaupt nicht. TS fordert Gründlichkeit, ist dabei arg kontrollwütig und scheint zu unser aller Erstaunen so gut wie nie eine Pause zu brauchen. Hier mit- und durchzuhalten ist kein Spaziergang und sorgt zugleich dafür, dass wir uns alle weiterentwickeln. TS überschüttet jedes einzelne Team-Mitglied fortlaufend mit neuen Ideen. Selbst wenn unser Büro zehn Köpfe mehr hätte, kämen wir kaum hinterher.“

 

Tee oder Kaffee?

Im Flieger und im Berliner Café Einstein: Tee. Sonst Kaffee – mit Milch und Süßstoff.

 

Ihr Spitzname ist…?

Phantomas, Sattelschlepper, TS. Im Bundestag habe ich häufiger über „fette Katzen“ gespottet und damit Forschungseinrichtungen gemeint, die vom steten Staatsgeld doch recht träge geworden sind. Seitdem haben inspirierte Abgeordnete wie René Röspel (SPD) eine diebische Freude daran, mich umzutaufen in „Katzenberger“ oder erfinden, wie Albert Rupprecht (CSU), so originelle Dreiklänge wie „Sattelberger, Sonnenberger, Sonnenkönig“.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Da fallen mir mehrere ein. So sehr ich Arbeit liebe, so sehr freue ich mich aber auch, wenn ein Vorgang abgeschlossen ist und ich die dazugehörigen Papiere zerreißen kann. Zuhause werfe ich sie dann in einen großen Pappkarton, den unser Labrador Sammy mit Lust umwirft und ausräumt. Außerdem rasiere ich mich zuhause den ganzen Tag – elektrisch, das Gerät liegt stets griffbereit. Und ich wache über die Wäsche. Sauber getrennt nach 30 Grad, 40 Grad, 60 Grad. Das sonore Geräusch einer laufenden Waschmaschine: wunderbar! Wenn mein ansonsten über alles geliebter Steven gegen jegliche Absprache plötzlich die Waschmaschine bedient und alles durcheinander bringt: ich werde wahnsinnig. Die Wäsche hänge ich auch auf und räume sie oft größtenteils schnell in den Schrank, bevor unsere Zugehfrau kommt. Sonst bügelt sie nämlich alles.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Wenn jemand sagt: Das Thema gehört mir, also Territorium besetzt, und dann nicht liefert. Oder oberflächliche Analysen und Lösungen mit billigen Parolen. Als Manager habe ich mir früher herausgenommen, auf solche Papiere mit großen Buchstaben UNSINN zu schreiben.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Ich kann mich mit einer mir offenbar ganz eigenen Vehemenz in ein Thema verbeißen und nicht lockerlassen, bis das Projekt auf dem Gleis ist oder das Problem gelöst. Mit Erstaunen stelle ich dabei immer wieder fest, dass manch Mitstreiter zwischendurch aufgeben will, keine Lust mehr hat, müde oder verärgert geworden ist.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ich mache jetzt genau das, was ich will. Keine ausschweifenden Fernreisen, kein Golf, sondern Bundestag. Die Begriffe „Rente“ oder „Pension“ als Lebensabschnitt – damit kann ich nichts anfangen. Nichts zu tun, nichts tun zu können, das würde mich rasend machen. Der Sensenmann soll mich bitte mitten bei der Arbeit holen. Wie ein echter Soldat will ich in den Stiefeln sterben und nicht im Bett.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ich unterhalte mich am liebsten mit Menschen, die mir etwas Neues beibringen, die mir Einblicke verschaffen in komplett neue Welten. Das sind beispielsweise junge Leute, die sich in der globalen Aids-Bekämpfung engagieren, oder Nerds, die mir etwas über digitale Trends erzählen. Menschen, die selbstbestimmt ihre Gaben ausleben und dabei Konventionen brechen, die machen mir Freude. Es ist mir schon oft passiert, dass ich wochenlang zunehmend ärgerlich über einem Problem gebrütet habe und mir dann im Gespräch mit einem völlig fachfremden Menschen ganz plötzlich die zündende Idee kam.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Ich liebe grüne Krawatten, vor allem lind- und jägergrüne. Habe auch gelbe, die sollten mal wieder in Mode kommen! Außerdem Reisegepäck ohne Rollen! Diese Rollen sind unästhetisch, ich trage meine Koffer sehr gerne. Fast unverzichtbar war für mich ehemals extremen Vielflieger meine schwarze Hon-Karte von der Lufthansa. Aber Carsten Spohr hat sie mir unerbittlich entzogen, als ich als Bundestagsabgeordneter nicht mehr genug Meilen zustande brachte.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Gerne den von DGB-Chef Reiner Hoffmann. Innerhalb eines Tages könnte ich ihm genügend Ärger stiften.

 

(Foto: Presse)

 Diese Winke-Katze war ein Geschenk für Thomas Sattelberger von WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger zum 70. Geburtstag im Juni diesen Jahres. Der Hintergrund: Sattelberger hatte die außeruniversitären Forschungseinrichtungen immer wieder als „fette Katzen“ betitelt. 

 

 

 

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