Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Apollo-Optik-Chef Jörg Ehmer, der „nicht gerade der Bilderbuch-Diplomat ist“

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Jörg Ehmer, Chef der Optikerkette Apollo-Optik in Deutschland und Österreich – mit rund 900 Geschäften hierzulande.

 

Jörg Ehmer (Foto: Presse)

 

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir steigern die Lebensqualität unserer Kunden durch besseres Sehen, Aussehen und Hören – mit den Retail-Marken Apollo, RobinLook, und John & Audrey in Deutschland und Pearle in Österreich.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Gegen sieben Uhr früh, ohne großes Programm zuhause. Zudem habe ich den Luxus eines kurzen Wegs in mein Büro, den ich gerne auch mal mit meiner alten Vespa zurücklege.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef ganz individuell beschreiben?

Ich arbeite gerne mit Menschen, gebe viel Vertrauensvorschuss und Handlungsspielraum. Aber wer nur redet, statt zu machen, versucht nach oben zu delegieren oder nur auf Anweisung arbeitet, der hat keine Freude an der Zusammenarbeit mit mir – und das beruht dann im Normalfall auch auf Gegenseitigkeit. Zum Jagen tragen will ich keinen. Ich bin sicher ein Chef mit Ecken und Kanten, aber ich gehe alles, was ich mache mit viel Herzblut an, bin offen und direkt und erwarte das auch von meinem Gegenüber. Immer auf Augenhöhe, selbstverständlich. Denn nur wer ehrlich Feedback gibt und gleiches auch verträgt, wächst. Angemessen informiert und involviert zu sein ist für mich wichtig – gerade im Handel – retail ist detail. Dafür muss man den Schreibtisch auch verlassen und ins echte Leben eintauchen. Dabei dann gleichzeitig nicht in  Mikro-Management zu verfallen ist, manchmal eine ziemliche Herausforderung.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Bassd scho …Die Franken sind bekannt dafür, sich kurz zu fassen. Und wenn es mal nicht passt, bekomme ich das von guten Mitarbeitern auch zurückgespielt, denn meine Tür ist tatsächlich so gut wie immer offen.

 

Tee oder Kaffee?

Beides, je nach Lust und Laune. Hauptsache gute Qualität, möglichst fair gehandelt und rückstandsfrei.

 

Ihr Spitzname ist…?

In früheren Jahren Doc.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Auch wenn es nach Klischee klingen mag: Ich wechsele täglich die Brille, manchmal auch mehrfach. Kann ich übrigens nur empfehlen.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Gleichgültigkeit und/oder mangelnder Alltagsanstand. Außerdem bekümmert mich, auf welch erschreckend niedrigem Niveau zunehmend die Diskussion über zentrale Fragen unseres Zusammenlebens verläuft. Ich finde es fatal, wie wenig Menschen über Geschichte, aktuelles Zeitgeschehen, Fakten und Hintergründe Bescheid wissen aber trotzdem meinen, alles besser zu wissen und das laut raus schreien zu müssen.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Im internationalen Kontext sicher, dass ich oft recht deutsch bin – konkret, direkt, sachbetont und manchmal auch nicht gerade der Bilderbuch-Diplomat. Außerdem habe ich von meinem Vater die Begabung geerbt, immer im falschen Moment aufzutauchen – kaum geht etwas schief, frage ich zufällig danach oder stehe im Raum. Das spendet gewiss nicht nur Freude…

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Aktiv bleiben, gerne auch in vermindertem Umfang beruflich. Ansonsten: Reisen abseits der ausgetretenen Pfade – vorletztes Jahr habe ich die Mongolei bereist, in diesem Jahr Bhutan. Ich möchte wissen, wie andere Menschen leben, wie andere Kulturen sich anfühlen. Und vieles davon auch gerne fotografisch festhalten – denn das ist eine meiner absoluten Leidenschaften.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ich schätze Menschen mit einem guten Wertesystem, wenn sie ihr Handeln konsequent daran ausrichten. Dabei geht es nicht nur um Sekundärtugenden wie Verlässlichkeit, sondern auch darum, einen Sinn im Handeln zu verfolgen – am liebsten gepaart mit gelebter Empathie und Leidenschaft, für das, was sie denken und tun.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Es gibt keine Dinge im Sinne von Sachen, auf die ich nie verzichten könnte.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ich würde lieber in einem komplett anderen Umfeld einen Profi bei seinem spannenden Job begleiten, als seinen Job zu übernehmen. Und da fällt mir vieles ein, das mich begeistern würde: Einen Fotojournalisten in einem Krisengebiet begleiten, dem Verantwortlichen einer NGO in Kolumbien bei der Betreuung eines indigenen Stammes über die Schulter schauen, Jürgen Klopp aus nächster Nähe beobachten…

 

 

(Foto: Privat)

„Fotografie ist meine Leidenschaft“, sagt Jörg Ehmer. Seine Homepage ist www.wiewiressehen.de.

 

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