„WirtschaftsWoche“-Ranking: Wertvolle Arbeitgeber in Deutschland Mitte (3) – Ein Bekenntnis zur Region wird honoriert

 

Deutschlands wertvollste Arbeitgeber: Ein Bekenntnis zur Region wird honoriert (zuerst erschienen auf Wiwo.de am 9. September 2019)

Warum Arbeitgeber von der Bevölkerung in ihrer Region als wertvoll angesehen werden, kann verschiedene Ursachen haben. Der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, sponsert insgesamt 660 Vereine.

 

Eine exklusive Studie des Kölner Analyseinstituts ServiceValue im Auftrag der „WirtschaftsWoche“ hat die wertvollsten Arbeitgeber für das Gemeinwohl ihrer Region ermittelt. Im dritten Teil geht es um die Region Mitte.

 

Ganze drei Stunden dauert die Tour für die Besucher der Koziol-Glücksfabrik. In Erbach im Odenwald in der Nähe von Frankfurt gibt es für die Gäste erst einmal Sekt und Snacks in der Glücks-Kantine zwischen pink gestrichenen Wänden mit Hirschgeweihen daran und Grünpflanzen, die von der Decke hängen. Die Kantine ist keine für Mitarbeiter, sondern nur für die Gäste, die zum Beispiel die Tour bei Frankfurter-Stadtevents.de buchen. Später dürfen sie dann die Produktion besichtigen, Traumkugeln basteln und ein Erlebnis-Museum über die Firmengeschichte besuchen. Darin sind alle Maschinen interaktiv: Die Besucher können Hebel oder Knöpfe drücken, Förderbänder laufen lassen und Interviews mit Zeitzeugen anhören.

 

Nicht nur diese Form der Öffentlichkeitsarbeit unterscheidet Koziol von vielen anderen Firmen. Ursprünglich war das Traditionsunternehmen 1927 als Souvenirartikelhersteller zum Beispiel von Kuckucksuhren und Schneekugeln gegründet worden. Heute liefert Firmeninhaber Stephan Koziol originelle Haushalts- und Designartikel in alle Welt, der Umsatz wird auf 25 Millionen Euro geschätzt. Koziol gilt als Hidden Champion und gibt ein klares Bekenntnis zur Region ab: Das Unternehmen lässt ausschließlich in Deutschland produzieren. „Solche Unternehmen bieten Mitarbeitern Zugehörigkeit, Heimat und Bindung – und das, wenn alles immer austauschbarer wird und sich keiner mehr irgendwo zugehörig fühlt“, urteilt Dominik von Au, Experte beim Beratungsunternehmen PwC.

 

Dominik von Au von PWC (Foto: C.Tödtmann)

Das Bekenntnis zum Standort ist ein Punkt, den die Teilnehmer bei der Umfrage der WirtschaftsWoche mit dem Marktforscher Service Value auf der Suche nach den wertvollsten Arbeitgebern in Deutschland in der Region Deutschland Mitte (3) anerkennen. Wertvoll für die Region ist ein Arbeitgeber dann, wenn er über das Wohl seines Unternehmens und auch das seiner eigenen Mitarbeiter hinaus denkt und handelt. Für das Ranking wurden 54 Landkreise und 17 kreisfreie Städte abgefragt.

Pro Landkreis beteiligten sich mindestens 100 Bürger, pro Großstadt mindestens 1000. Sie gaben den Unternehmen Noten von eins für „ausgezeichnet“ bis sechs für „mir unbekannt / irrelevant für das Gemeinwohl“. Die Vorauswahl der Unternehmen orientiert sich an den Mitarbeiterzahlen. Im kleinsten Landkreis muss ein Unternehmen mindestens 100 Mitarbeiter zählen, in der größten Stadt mindestens 500. Insgesamt wurden 2158 Unternehmen bewertet. 594 Arbeitgeber bekamen so gute Noten, dass sie ausgezeichnet wurden.

 

Lokales Vereinssponsoring als Brücke

Warum Arbeitgeber von der Bevölkerung in ihrer Region als wertvoll angesehen werden, kann sehr verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel das Engagement in lokalen Vereinen wie bei Fraport: Der Betreiber des Frankfurter Flughafens sponsert insgesamt 660 Vereine. Davon sind mit 363 die meisten Fußballvereine, aber auch Tanz-, Volleyball- oder Schwimmvereine werden begünstigt.

 

Fraport lässt sich gutes Ansehen und gesellschaftliche Verantwortung in der Region einiges kosten. Deutlich über fünf Millionen Euro gebe das Unternehmen für insgesamt 1500 Projekte jährlich aus, sagt Fraport-Sprecher Jürgen Harrer. Für das Unternehmen offenbar ein sinnvolles Engagement, zumal Fraport in der Nachbarschaft wegen des Fluglärms auch Gegner hat. Man sei sich bewusst, dass der Flughafen die Region durch den Fluglärm auch stark belaste, so Harrer beim Wirtschaftsforum „Metropol 2030“ der Wirtschaftsinitiative Frankfurt Rhein-Main. Umso wichtiger sei es, dass das Unternehmen durch gesellschaftliches Engagement seine Dankbarkeit zeige, in der Region wirtschaften zu dürfen.

 

Wenn Top-Manager in Kitas vorlesen

Selbst Unternehmen, die in ihrem Kerngeschäft nicht viel mit der Region zu tun haben, ist lokales Engagement wichtig. Nur ein Beispiel: 30.000 Pixi-Bücher verschenkte die Deutsche Börse zusammen mit der Stiftung Lesen an 500 hessische Kitas mit dem Titel „Marktplatz für Tiere“. Worum es in der Geschichte geht? Sechs Tierfiguren finden gemeinsam heraus, was Handel, Tausch und Besitz sind. Zum Auftakt der Aktion las Top-Manager Nicolas Nonnenmacher von der Deutschen Börse dann auch selbst im Kinderzentrum Niddagaustraße in Frankfurt vor.

Selbst internationale Konzerne zeigen Flagge vor Ort. Gute Noten bekam bei der WirtschaftsWoche-Umfrage zum Beispiel Samsung: In seiner Deutschland-Zentrale kümmert sich der südkoreanische Technologieriese auch um den Nachwuchs: In Workshops können Jugendliche ab der siebten Klasse in ihren Herbstferien etwa das Programmieren und das Entwickeln von Apps lernen.

Die eigenen Mitarbeiter als Botschafter

Auf die Mitarbeiter als Botschafter bei sozialen Projekten setzen Unternehmen wie der Pharmakonzern Fresenius Kabi in Bad Homburg und der US-Konzern Procter & Gamble in Bad Schwalbach – beide schneiden im WirtschaftsWoche-Ranking gut ab. Die Procter & Gamble-Mitarbeiter packen jedes Jahr im Dezember Weihnachtspäckchen für mehr als 400 bedürftige Kinder. Die bekommen sie bei einer Weihnachtsfeier im Kino überreicht – samt Filmvorführung mit Popcorn, wie es sich gehört.

Fresenius Kabi stellt seine Mitarbeiter für einen Tag im Jahr von ihrer normalen Tätigkeit frei, damit sie bei sozialen Einrichtungen mitarbeiten können. Die Bandbreite ist groß: „Das kann ein Heim sein, dessen Spielplatz einen neuen Anstrich vertragen kann. Oder es kann eine Krankenhaus-Kinderspielecke sein, die renoviert werden müsste“, heißt es vom Gesundheitskonzern. Beim Projekt „Lernfreunde-Haus“ der Kleiderkammer Karlsruhe etwa installierten sechs Fresenius-Kabi-Kollegen im vergangenen Januar neue Kleiderstangen.

Hier geht´s zur langen Liste der Arbeitgeber in Deutschland Mitte (3)

https://www.wiwo.de/erfolg/trends/deutschlands-wertvollste-arbeitgeber-ein-bekenntnis-zur-region-wird-honoriert/24985878.html

 

 

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