Ein Teller Kartoffel-Waldpilzsuppe mit Jones-Day-Anwältin Karin Holloch: Nur Integere erkennen Schlawiner

Nur integere Leute arbeiten in ihrem Team, erzählt Anwältin Karin Holloch aus der Kanzlei Jones Day, Spezialistin für interne Ermittlungen in Unternehmen. Denn: Das ist gar nicht so leicht und nur Integere erkennen die Schlawiner, wenn sie und ihre Kollegen im Einsatz für ein Unternehmen bei Internal Investigations Straftäter enttarnen sollen. Es sei nicht so einfach, die zu erkennen, erzählt sie hier in der „Löffelbar“, einer Kneipe in Düsseldorf-Pempelfort. Wie sie das meint? Die Schlawiner seien oft Sympathen, die jeder mag. Das sind die Typen, von denen alle Kollegen denken, sie hätten alles im Griff, jeder hält sie für kompetent. Das seien die klassischen Betrüger.

Ihre Kanzlei kennt man spätestens seit dem VW-Skandal: Es ist Jones Day, die US-Sozietät, die für VW in Sachen Diesel-Skandal versuchte, Licht ins Dunkle zu bringen, Täter zu enttarnen im Auftrag des Autokonzerns – aber am Ende der Öffentlichkeit ihre Erkenntnisse nicht preisgab.

Doch zurück zu Karin Holloch, Sie nennt Korruptionsbekämpfung ihr „Lieblingsthema“  und erzählt, wie superkorrekt es heutzutage zugehe – und zugehen müsse. Sie berichtet von einer Schöffin, die aus einem Strafprozess wegen Befangenheit rausflog – wegen eines Schokoladenweihnachtsmanns für drei Euro maximal. Den hatte nämlich eine Schöffin  am Nikolaustag an die Staatsanwältin und andere verschenkt.

Noch ein Beispiel gefällig? Wenn Polizisten ein Unternehmen durchsuchen, nehmen sie  heutzutage nicht mal ein Glas Wasser dabei an, erzählt die Juristin. Um ja nicht als korrupt dazustehen. Deshalb brächten die Polizisten sich inzwischen ihr eigenes Wasser mit.

Umgekehrt bringt auch Holloch, wenn sie zu Verhandlungen ins Landeskriminalamt (LKA) fährt, ein Care-Paket gleich fürs ganze Team mit. Das tut sie nicht, weil ihre Kollegen so hungrig und durstig sind, sondern um die Besprechungen so kurz wie möglich zu halten.

 

Auch für sich selbst hat die Düsseldorferin immer Nüsse, Wasser und einen Thermobecher mit Ingwertee dabei, um im Zweifel nur ja lange durchhalten zu können. „Wenn´s der Aufklärung eines Falles dient, bleibe ich stundenlang.“ Und wenn sie sich – wie bei einem ihrer letzten Auslandseinsätze – mit Möhren von einem Markt bewaffnet.

 

Karin Holloch (Foto: C.Tödtmann)

 

Für sie ist ein Job professionell gelaufen, wenn ihr Einsatz so ausgeht: Entweder a) geht der Täter, kassiert keine Abfindung, zahlt dem Unternehmen Schadenersatz und der Fall ist abgeschlossen. Oder b) der Täter verlässt die Company, bekommt eine kleine Abfindung und unterschreibt eine Klausel, dass er das Geld zurück bezahlt, wenn strafrechtliche Ermittlungen erfolgen. Oder c) wenn die Kündigung des Täters mit gerichtlicher Hilfe geschieht. Denn so selbstbewusste Täter gibt es durchaus, die trotz Beweise ihrer Schuld die Firma wegen Rufschädigung verklagen, sagt Holloch.

Ebenso erstaunlich ist, wie brav Täter ihre Laptops abliefern – im festen Glauben, ihre Untaten blieben unentdeckt. Dabei: Legal Techniker, Investigativ-Rechercheure, die intelligente Suchen aufsetzen, finden alles, meint Holloch. Natürlich schreiben Täter nicht „Danke fürs Kickback“. Einer schrieb immer „guy“, wenn er Zwischenhändler meinte. Ein anderer verwandte das Wort „Powerlächeln“. Der Mann hatte Geld unterschlagen und beispielsweise Mitarbeiterinnen von Kunden umgarnt mit Sätzen wie „ich sende Dir ein Powerlächeln“. Ein anderer sprach Frauen immer mit „Hello, Honey“ an, um Nähe herzustellen. Es wirkte tatsächlich.

 

Was Holloch beeindruckt: Eigentlich wollen immer alle Täter reden. Und sie sei Expertin für unangenehme Fragen. Sie wundere sich, wie ehrlich viele Menschen antworten. Denn sie hielten selbst den Druck nicht aus, sie wollten die Karten auf den Tisch legen.

 

Wie sie mit Hinweisgebern, also Whistleblowern umgeht? Die müsse sie bestmöglich schützen,sagt sie. Sie zum Beispiel treffen, ohne dass deren Vorgesetzte etwas mitbekommen. Die Handys müssen abgeschaltet sein und man trifft sich an Orten, die plausibel seien.

 

Jeder achtet auf andere Dinge

Und noch etwas hat sie in all ihren Berufsjahren gelernt: Dass sie verschiedene Leute im Team braucht, die auf Verschiedenes achten. Sie selbst erkenne ziemlich schnell, wer mit wem ein sexuelles Verhältnis habe. Typisch für Frauen, die eben immer auf Interaktionen achten. Aber in einem Moment, da war sie dem Team-Kollegen zutiefst dankbar, weil der besonders geistesgegenwärtig war. Der nämlich sah, dass ein Mitarbeiter ihres Auftraggebers eine Pistole mit sich führte. Nur: Der Mann war letztlich doch kein Täter, aber er war in Russland tätig und musste sich selbst schützen.

 

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  1. Hier treffen anwaltliche Expertise, profunde business-experience und management-view zusammen, treffend formuliert, facettenreich und auf den Punkt gebracht, kurz: tolles Interview Ich hoffe, dass darüber die leckere Waldpilzsuppe nicht kalt geworden ist