Wenn der Job – oder der erhoffte Job – wichtiger ist als die eigene Gesundheit

Leidensfähigkeit bescheinigte die „Ärzte-Zeitung“ den deutschen Arbeitnehmern: Wenn sie Beschwerden haben, gehen sie keineswegs sofort zum Arzt. Ganz im Gegenteil: Nur eine absolute Minderheit von 15 Prozent reagieren sofort und geht zum Arzt.

Jeder zweite dagegen hat den Arztbesuch verschoben und knapp jeder vierte das sogar zweimal. Und warum? Um nicht bei der Arbeit zu fehlen.

 

Aufschieben von Arztterminen – obwohl die Wirtschaft an sich gut läuft

81 Prozent der Männer und 90 Prozent der Frauen haben laut dem Marktforscher Splendid Research einen erforderlichen Besuch beim Arzt innerhalb von drei Jahren mindestens einmal „über einen längeren Zeitraum“ verschoben. Für 64 Prozent bedeutete das „mehrere Wochen“, für 25 Prozent „mehrere Monate“

Bemerkenswert: Arbeitnehmer reagieren so, obwohl die Konjunktur so gut läuft und Facharbeiter so sehr Mangelware sind. Die Großwetterlage schlägt also nicht durch auf den einzelnen? Individuell ist es eben doch immer etwas anderes als makroökonomisch.

 

Nicht mehr heilbar – aus Angst um den Job oder den erhofften Job

Wie übel dieses Phänomen ist, zeigt dieses Umfrage-Ergebnis: 21 Prozent sagten, dass die Ursache ihrer Krankheit hätte früher erkannt werden können. Zwölf Prozent gaben zu, dass die Behandlung durch die verspätete Diagnose schwieriger wurde. Am allerschlimmsten: Vier Prozent der Befragten sagten, dass ihre Krankheit durch die verspätete Diagnose irreversibel wurde.

So, wie die junge Designerin, die ihrem erhofften Job in einer Werbeagentur in Süddeutschland zuliebe ebenfalls nicht zum Arzt ging. Monatelang. Ein tödlicher Fehler, wie sich später herausstellte. Im Anfangsstadium wäre ihr Krebs noch gut behandelbar gewesen. Es folgten quälende Jahre, sie wurde nicht mal 40 Jahre alt. Ob der erhoffte Job das wert war? Ganz sicher nicht.

 

 

Quelle: Ärzte-Zeitung 20.7.2018

 

Was die Kranken machen, wenn sie nicht zum Arzt gehen? 61 Prozent hoffen auf Selbstheilung, 43 Prozent kaufen rezeptfreie Medikamente, 40 Prozent befragen das Internet zu ihren Symptomen. 33 Prozent versuche es mit Hausmitteln, 17 Prozent suchen Rat bei Familie und Freunden – und sieben Prozent tun einfach gar nichts.

 

 

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