Führungskräfte ohne Digitalstrategie (5) – Am flexibelsten wird der Arbeitsort sein, denken Führungskräfte. Von Ulrich Goldschmidt vom DFK-Verband für Führungskräfte

Führungskräfte ohne Digitalstrategie: Gastbeitrag von Ulrich Goldschmidt (5).

Manager reden zwar von Digitalisierung – lassen ihren Worten aber keine Taten folgen. Laut der Studie „Führung und Digitalisierung“ des DFK-Verbands für Fach- und Führungskräfte wird der Arbeitsort noch das Flexibelste sein.

 

Ulrich Goldschmidt (Foto: C.Tödtmann)

 

Am flexibelsten ist der Arbeitsort

Wo schafft die Digitalisierung in der täglichen Arbeit die größten Möglichkeiten der Flexibilisierung? Beim Arbeitsort. 78 Prozent der Fach- und Führungskräfte führen das flexible, ortsungebundene Arbeiten auch auf den Einsatz digitaler Instrumente zurück. Damit ist nicht nur das Home office gemeint, sondern alle Möglichkeiten, außerhalb des angestammten festen Büros zu arbeiten. Nur elf Prozent sehen für sich keine solche Flexibilität.

Die Flexibilisierung der Arbeitsorganisation sehen 73 Prozent durch die Digitalisierung unterstützt. Zehn Prozent sehen hier keinerlei Veränderung.

 

Bei der Arbeitszeit wirkt sich die Digitalisierung dagegen weniger stark aus. Nur 65 Prozent können ihre Arbeitszeit mit Unterstützung durch digitale Instrumente flexibler einteilen, 14 Prozent haben insoweit keinerlei Chance auf Flexibilität. Der mutmaßliche Grund: Auch Fach- und Führungskräfte sind bei ihrer Arbeitszeit stärker fremdbestimmt als bei der Wahl des Arbeitsorts. Zwar ist die Aussage, dass Führungskräfte nicht zeit-, sondern aufgabenbezogen arbeiten, immer noch richtig. Doch es bleibt eben die Abhängigkeit von Kundenwünschen, Aufträgen von Vorgesetzten, Zusammenarbeit mit Partnerfirmen und so weiter, die auch Führungskräfte nicht steuern können.

 

Nur vier Prozent glauben, dass Veränderungen sich an Wünschen der Mitarbeiter orientieren werden

Geht es um die Gestaltung des Arbeitslebens, stellt sich natürlich immer auch die Frage, wer dafür die Spielregeln bestimmt. Die bislang übliche Antwort lautet: Selbstverständlich der Arbeitgeber, denn er hat die Organisationshoheit im Unternehmen. Nur: Passt das auch noch zu einer agilen, digitalisierten Arbeitswelt 4.0?

 

Auch diese Frage hat der DFK gestellt: Werden sich die Veränderungen des Arbeitsumfelds eher an den Wünschen der Mitarbeiter oder eher an Vorstellungen der Unternehmen? Für 34 Prozent der Befragten ist klar, dass die Unternehmensvorstellungen immer vorgehen werden. 60 Prozent erwarten, dass ein Ausgleich der Interessen von beiden erfolgen wird. Nur vier Prozent sehen eine wachsende Marktmacht der Mitarbeiter und nehmen an, dass sich die Veränderungen an deren Wünschen orientieren werden.

 

Tatsächlich dürften in einer Arbeitswelt 4.0 Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern eine immer wichtigere Rolle spielen. Aber auch wenn die Digitalisierung zu einer immer stärkeren Individualisierung auch im Arbeitsleben beitragen wird, bedeutet dies nicht, dass diese Vereinbarungen individuell getroffen werden. Stattdessen wird die Flexibilisierung durch Kollektivregelungen gestaltet werden, also von Betriebsräten und Sprecherausschüssen der Leitenden Angestellten.

 

Ob und wie sich das Betriebsverfassungsrecht selbst auf die flexiblere Arbeitswelt einstellt? Meine persönliche Einschätzung: Ohne mehr Flexibilität werden Betriebsverfassung und Mitbestimmung nicht überleben.

 

 

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