Führungskräfte ohne Digitalstrategie (3) –  Und Ihr Geschäftsmodell so? Von Ulrich Goldschmidt vom DFK-Verband für Führungskräfte

Führungskräfte ohne Digitalstrategie: Gastbeitrag von Ulrich Goldschmidt. Manager reden zwar von Digitalisierung – lassen ihren Worten aber keine Taten folgen. Um ihr Geschäftsmodell machen sie sich nicht so große Sorgen, nach der Studie „Führung und Digitalisierung“ des DFK-Verbands für Fach- und Führungskräfte. Warum eigentlich nicht? (3)

Ulrich Goldschmidt (Foto: C.Tödtmann)

 

Fast die Hälfte der Fach- und Führungskräfte in Deutschland glaubt schon, dass die Digitalisierung das Geschäftsmodell ihres Unternehmens grundsätzlich in Frage stellen wird. Erstaunlicherweise sind die Top-Manager der Unternehmen da deutlich optimistischer. 60 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer sehen ihr aktuelles Geschäftsmodell durch die Digitalisierung nicht einmal teilweise gefährdet. Das hat der Berufsverband DFK – Verband für Fach- und Führungskräfte in seiner Studie „Führung und Digitalisierung“ herausgefunden, für die er über 1.500 Fach- und Führungskräfte befragt hat.

 

Zuviel Optimismus im Top-Management

Angesichts der Geschwindigkeit mit der die Digitalisierung die Gesellschaft, die Kundenerwartungen und die Prozesse in den Unternehmen durchdringt, überrascht es schon, wenn insbesondere Unternehmenslenker glauben, dass sie an alten Geschäftsmodellen festhalten können. Dabei: Es müssen schon außergewöhnliche und ausschließlich analoge und analog denkbare Geschäftsmodelle sein, um jegliche Gefährdung durch Digitalisierung, Algorithmen und Künstlicher Intelligenz ausschließen zu können. Solche Geschäftsmodelle gibt es sicher nach heutigen Stand der Technik.

 

Deshalb sollten Top-Manager jedes heutige Modell mit gehöriger Skepsis unter die Lupe nehmen, ob es nicht doch disruptiven Veränderungen zum Opfer fallen könnte. In der Wirtschaftsgeschichte sind immer wieder Unternehmen von der Bildfläche verschwunden, weil sich das Topmanagement genau dies nicht vorstellen konnte. Bis heute. Das ist die Folge eines rückwärts gewandten Blicks, während ein mutiger Blick in die Zukunft nötig gewesen wäre.

 

Doch gerade erfolgreiche Geschäftsmodelle verleiten zudem dazu, sie bis zum letzten Moment weiterzuführen und wie in einer Wagenburg zu verteidigen. Und tatsächlich erfordert es Mut und außerordentliche Visionen, um sich von einem lieb gewonnenen Geschäftsmodell zu verabschieden – solange es gut läuft und Erträge in die Unternehmenskassen spült. Nur: So verspielt man Wettbewerbsvorsprünge und –vorteile gegenüber mutigeren und visionären Konkurrenten schnell. Mit Mut und Visionen in einer Welt zunehmender Ungewissheiten verantwortungsvoll umgehen zu können, sind aber herausragende Eigenschaften von erfolgreichen Managern.

Meine Empfehlung: Alles auf den Prüfstand zu stellen. Und dabei Kunden und Mitarbeiter einbinden – von Anfang an.

 

Geschäftsmodelle entwickeln kann man nicht an den Algorithmus delegieren

Immerhin sagen 80 Prozent der Fach- und Führungskräfte, dass die Digitalisierung ihnen dabei helfen wird, neue Geschäftsmodelle für die Unternehmen zu entwickeln. Bei den Top-Managern ist dieser Wert nur geringfügig niedriger. Dabei wird die Entwicklung von Geschäftsmodellen auch in der Zukunft Teil der Führungs- und Managementverantwortung bleiben. Es wird auf absehbare Zeit nicht funktionieren, diese Aufgabe schlicht an einen Algorithmus zu delegieren. Algorithmen entwickeln keine Geschäftsmodelle – das tun Menschen. Allerdings wird die Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung dabei helfen, solche Geschäftsmodelle schneller zu entwickeln und ans Laufen zu bringen.

 

 

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