Gastbeitrag zum Weltglückstag: Wenn das Ungewisse aufs Stimmungsbarometer drückt

Weltglückstag? Klingt irgendwie drollig, den gibt´s aber wirklich. Und zwar seit die UN-Hauptversammlung ihn am 28. Juni 2012 beschlossen hat und er 2013 zum ersten Mal begangen wurde laut Wikipedia.

Daher heute ein Gastbeitrag von Andre´Niedostadek, der gerade das Buch „Glücksorte im Harz“ geschrieben hat und sich mit dem Thema Glück auch sonst befasst. Er sagt: „Es ist schon irgendwie eine vermaledeite Sache mit diesem Glück. Wer sich dazu bekennt, glücklich zu sein, zieht neidische Blicke auf sich.“ Autor André Niedostadek ist ansonsten Rechtsprofessor an der Hochschule Harz.

 

 

Jeder stellt sich diese Frage: Führe ich eigentlich ein glückliches Leben? Auf der anderen Seite des Zauns, so scheint es, sieht das Gras halt doch irgendwie immer etwas grüner aus. Philosophen haben sich darüber den Kopf zerbrochen, was das Glück ist und Wissenschaftler haben versucht, der Glücksformel auf die Schliche zu kommen. Vergebens, es bleibt ein Phantom. Und so stolpern wir mal mehr, mal weniger bewusst in die Suche nach einem neuen Glückskick: Beziehung, Auto, Job und so weiter und so weiter. Schon das Fiebern nach dem Glück lastet oft schwer auf uns.

Und offenbar tun sich die Deutschen besonders schwer mit dem passenden Glückslevel. Wir schaffen es nicht hoch auf das Glücks-Siegertreppchen, glaubt man verschiedenen Umfragen und Studien.

Hinter skandinavischen Ländern, insbesondere Dänemark mit dem Hygge-Konzept – Hygge ist das dänische Wort für Glück -, oder neuerdings auch Österreich sind weit vorne und haben die Deutschen auf einen der Plätze weiter hinten verbannt.

Dabei lässt schon die Interpretation der Ergebnisse aufhorchen: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Fast jeder vierte Erwachsene bezeichnet sich als unglücklich.
Ebensogut könnte man umgekehrt auch herausstellen, dass immerhin doch eine Mehrheit glücklich ist, wie eine Umfrage des Marktforschers YouGov und dem Sinus-Institut, einem Sozialforschungsinstitut aus Heidelberg zeigt: https://yougov.de/news/2019/03/19/gegen-alle-vorurteile-deutsche-sind-glucklich-und-/ .

 

Ungewissheit drückt auf das Stimmungsbarometer

Die große Frage aber ist: Sollte man sich damit überhaupt beschäftigen? Nehmen wir einmal die Arbeitswelt, insbesondere die viel beschriebene, schöne neue Arbeitswelt, wenn man Stichworte wie Arbeit 4.0 im Hinterkopf hat. Was dort noch auf uns zukommen wird, weiß keiner zu prognostizieren. Und diese Ungewissheit drückt auf das Stimmungsbarometer und damit das eigene Glück. Doch die Arbeitswelt ist nun einmal für viele ein zentraler Lebensinhalt. Hier genauer hinzuschauen ist auch deshalb wichtig, weil sich gerade hier viele Aspekte bündeln, von denen jeder auf ganz eigene Weise auf das persönliche Glück einwirkt. Mal ist es zu viel, oft eher zu wenig. Hier ein paar Beispiele: zu viel Stress, zu wenig Zeit für Partnerschaft und Freunde, zu wenig Geld am Monatsende oder eine Gesundheit, die nicht so richtig mitspielt. Manchmal kommen auch gleich mehrere Dinge zusammen.

 

Wenn der Blick aufs Glück verstellt ist

Schlecht nur, wenn der Blick verstellt ist und man sich zu sehr an einzelnen Facetten festbeißt: Es geht nicht allein um weniger Stress, nicht allein um mehr Zeit für Familie und Freunde und schon gar nicht allein um mehr Geld. Wenn schon, dann geht es um ein ausgewogenes Verhältnis von alledem und noch etwas mehr. Glück erschöpft sich niemals in einem einzigen Punkt. Die Summe verschiedener Faktoren macht’s. Ja, eine angemessene Bezahlung kann zumindest zeitweise glücklich machen. Aber was ist das allein gegen passende Weiterbildungsangebote, realistische Perspektiven im Unternehmen und echte Aufstiegschancen?

Am heutigen Weltglückstag zollen die Vereinten Nationen mit dem „International Day of Happiness“ seit einigen Jahren Anerkennung dafür, dass nicht allein materieller Wohlstand glücklich macht. So gesehen ist der Weltglückstag eine Einladung, sich mal wieder einiger Grundlagen bewusst zu werden. Er ist eine Einladung für die Politik, mit Mut und Augenmaß wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen, er ist eine Einladung für Unternehmenslenker mehr Glücksbewusstsein zu entwickeln und tatsächlich Rahmenbedingen zu schaffen, die zum Glück beitragen, anstatt sich – wie so oft – mit mantrahaft vorgetragenen Lippenbekenntnissen zu begnügen.

 

Wer andere glücklich macht, vermehrt sein eigens Glück

Und der Weltglückstag ist eine Einladung an jeden Einzelnen, sich darauf zu besinnen, was ihn wirklich glücklich macht. Was das ist, wird jeder für sich herausfinden und immer wieder neu überdenken müssen. Allein die Auseinandersetzung damit dürfte sich schon lohnen: Wie brachte es doch der Dichterjurist Johann Wilhelm Ludwig Gleim einmal treffend auf den Punkt: „Nur wer glücklich ist, kann glücklich machen. Wer’s tut, vermehrt sein eignes Glück“.

 

 

 

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