Ein Teller Pommes mit Burger und Rucola mit Oliver Löffel, der sich ärgert über Fake Shops, deren Betreibern keine Behörde beikommt

Selbst der Mann vom Landeskriminalamt sei frustriert, erzählt Oliver Löffel, Markenrechtler in Düsseldorf. Die vielen Fake Shops, die nur Konsumenten betrügen, haben quasi einen rechtsfreier Raum. Und der Anwalt legt noch eins drauf: es sei eine Bankrotterklärung des Staates. Den Tätern kommt so gut wie keiner auf die Schliche, kaum einer wird je gefasst.

Doch von Anfang an: Wer bei einem solchen Fake-Shop, der Markenartikel beispielsweise von Puma oder Nike anbietet, kann bis zum St.Nimmerleinstag auf die Produkte warten, sein Geld ist futsch und wenn er Pech hat, verwenden die Täter seine Kreditkartendaten, um auf seine Kosten einkaufen zu gehen.

Zu spät gucken die Geprellten dann mal nach auf diesen Fake-Homepages, wer denn der Betreiber so ist. Impressum? Datenschutzhinweise? Alles Fehlanzeige.

 

Oliver Löffel in der „Löffelbar“ in Düsseldorf (Foto: Tö)

 

Erstatten die Betrogenen eine Strafanzeige passiert – nichts. Die Anzeige wird gegen Unbekannt erstattet. Doch auch die Polizei kann nicht helfen, wenn sie die Täter gar nicht ermitteln kann. Eben mangels Impressum.

 

Null Abstimmung der Behörden, keine Watch List

Damit nicht genug: Ob die Kollegen etwa in anderen Bundesländern parallel dazu ebenfalls Strafanzeigen wegen demselben Fake Shop bearbeiten, weiß keiner. Diese Infos würden von keiner Behörde gesammelt, es gebe keine Abstimmung unter den Behörden und es werde auch keine Liste mit Fake Shops ins Internet gestellt – um zumindest andere zu warnen, kritisiert Löffel. Auch nicht von den Verbraucherschützern, ärgert sich Löffel. Eine einfache Datenbank zum Nachsehen für Verbraucher, eine Watch List, müsse doch machbar sein.

Auch geschädigt sind durch Fake-Shops die Markenhersteller, seine Mandanten. Die stellen auch Budgets zur Bekämpfung diese Fake Shops zur Verfügung, mit denen Anwälte wie er aber allenfalls manche Shops vom Netz nehmen lassen können. Eine umständliche Sache und das ist das Äußerste. Etwas wenig für einen Rechtsstaat findet Löffel.

 

Fake Shops abknipsen lassen

Wie er die Shops vom Netz bekommt? Jurist Löffel hat sich inzwischen ein Verfahren ausgedacht, mit dem er selbst für seine Mandanten Fake Shops vom Netz abschneiden lässt – was eigentlich auch die Behörden selbst machen könnten. Etwas umständlich, aber am Ende wirkungsvoll: Für die Fake Shops mit einer .de-Endung beantragt er bei der Denic Auskunft über die Inhaber der Domain. Das begründete Interesse an der Auskunft für die Markenproduzenten ist klar.

Zurück kommen von der Denic dann regelmäßig Namen mit Adressen, die nicht existieren. Mal ist es ein zum Beispiel ein Kennedydamm, den es in Mettmann gar nicht gibt. Das wiederum lässt sich Löffel dann vom Einwohnermeldeamt der jeweiligen Stadt schriftlich bestätigen, um es der Denic vorzuweisen, damit sie die Webseite abknipst und die Daten löscht. Dafür braucht der Domainbetreiber meist wiederum vier Wochen.

 

Geraubte Identitäten

Was bei solchen Gelegenheiten aber auch oft genug herauskommt, ist ein weiterer Geschädigter: Wenn es die Adresse nicht gibt, aber durchaus einen Menschen mit dem Namen. Unbescholtene Leute, die nicht nur um ihren Ruf im Netz fürchten müssen, sondern die auch ihrerseits oft ein Anwalt beauftragen. Die Kosten sehen auch die nie wieder. Ebenso wenig wie die Markenartikler, die irgendwann kapitulieren. Spätestens wenn ihr Budget ausgeschöpft ist.

 

 

Lesehinweis: https://loeffel-abrar.com/newsblog/dsgvo-wirkt/

DSGVO wirkt?!

 

 

 

Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Aus aktuellem Anlass ein Update:

    Der Polizei in Köln ist ein seltener Erfolg gegen die Betreiber von Fake Shops gelungen. Nach vielen Monaten intensiver Arbeit einer eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe bei der Polizei im Rhein-Kreis Neuss, gelang der Kripo gestern die Festnahme von zwei tatverdächtigen Betrügern.

    https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/onlinebetrueger-gefasst-100.html

    Erfolgreich im Kampf gegen Fake Shops ist man in der Schweiz. Auch dort sind Fake Shops ein großes Problem:

    „Es gibt unzählige solcher Fake-Onlineshops. Werden sie entdeckt und enden sie auf die Domain «.ch», löscht sie die Schweizer Registrierungsstelle für Internetadressen Switch. 2016 waren es 700, ein Jahr später 6100, 2018 bereits rund 6400. […] Die Betrüger wollen nicht nur das Geld, sondern auch die Daten der Kunden. Teils buchen sie erst Monate später Beträge von Kreditkarten ab, sagt Nussbaumer. Oder sie nutzen Namen und Adressen der Opfer, um unter deren Identitäten neue Fake-Onlineshops zu eröffnen. Einige verkauften die Daten auch im Darknet.“

    https://www.srf.ch/news/wirtschaft/kriminelle-onlineshops-wenn-nichts-oder-minderwertige-ware-ankommt

    In der Schweiz gibt es § 15 der Verordnung über Internet Domänen. Diese Vorschrift wird so konsequent angewendet, dass in der Schweiz 99% der gemeldeten .ch Fake Shops innerhalb von 4 Wochen dicht sind. Strafverfolger, Registrare und Hoster arbeiten gut zusammen.
    Zurück nach Deutschland: Der Fake Shop http://www.replayonlinesale.de/ ist seit Monaten online. In dem Shop werden Replay und Zalando Produkte angeboten. Alles gefälschte Angebote. Am 24. Mai 2019 wird sich die Verbraucherschutzministerkonferenz in Mainz mit dem Thema Fake Shops befassen.

    Dabei kann vielleicht auch KI helfen. Ein Unternehmen aus Konstanz setzt ihr technisches Know-How u.a. im Bereich Künstliche-Intelligenz innerhalb eines Forschungsprojektes ein, um gehackte Seiten von sog. Fake-Online-Shops zu erkennen und dadurch die Webseitenbetreiber und die Verbraucher vor Missbrauch zu schützen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt soll zudem in dieser ersten Phase bis April 2019 Erkenntnisse über die notwendigen Kooperationspartner liefern, die für eine dauerhafte und effektive Bekämpfung der international agierenden Betrüger notwendig sind. Die Akteure sind u.a. die zuständigen Ermittlungsbehörden, Strafverfolgung, Verbraucherschutzverbände, Zahlungsmittelanbieter und Webseiten-Hoster.

    https://www.mindup.de/fileadmin/documents/presse/PRMitteilung-2018-11-30-Fake_Shops_Forschungsprojekt.pdf