„CEOs haben die moralische Pflicht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, so Levi-Strauss-Chef Bergh – Gastbeitrag CNN-Korrespondentin Julia Chatterley

US-Wahl Midterm Elections: Amerikanische Unternehmen werden zunehmend politisch. Gastkommentar von Wirtschaftskorrespondentin Julia Chatterley von CNN International https://edition.cnn.com/profiles/julia-chatterley-profile

Julia Chatterley, Wirtschaftskorrespondentin bei CNN (Foto: CNN International)

 

Ford, Amazon, Boeing oder Macy’s – alle schon in die Schusslinie geraten

Seit Donald Trump sein Amt angetreten hat, geraten Unternehmen immer wieder in seine Schusslinie. Ford, Amazon, Boeing und Macy’s gehören zu denen, die schon vom 45. Präsidenten der USA angegangen wurden.

 

Risiko: Boykottaufruf

Trump wurde weitestgehend aufgrund seines selbst ernannten Geschäftssinns gewählt. Einen Großteil seiner Amtszeit verbrachte er jedoch damit, sich mit einigen der größten amerikanischen Markenunternehmen anzulegen. Die Kosten für jene Unternehmen, die bereit waren, es mit ihm aufzunehmen, waren oft hoch. Das musste auch der Motorradhersteller Harley Davidson in Milwaukee schmerzlich feststellen, als Trump zu einem Boykott aufrief.

 

Nike bezieht Stellung mit umstrittenen Testimonial

Doch es scheint eine Trendwende einzusetzen. Nike hat sich dazu entschlossen, dass eine Werbekampagne mit dem umstrittenen NFL-Quarterback Colin Kaepernick das Risiko wert war. Apple, Google und Facebook gehören zu jenen 50 Unternehmen, die einen Brief unterzeichnet haben, in dem sie gegen Trumps Transgender-Politik protestieren.

 

Unternehmen werden mutiger

Auf jeden Arbeiter, der Trump seine Stimme gab und nun von den Konsequenzen der Zollpolitik und harten Rhetorik getroffen wurde, folgt ein anderer, für den es wert ist, diesen Preis zu zahlen. Umfragen zufolge sind die Themen Bildung, Einwanderung und Gesundheitsversorgung den Wählern viel wichtiger. Das könnte auch der Grund sein, warum die Unternehmen den Mut finden, politischer zu werden.

 

CEO von Levi Strauss fordert zum Wählen auf

Levi Strauss, die vielleicht berühmteste aller amerikanischen Marken, mischt schon vor der Wahl mit. Der Geschäftsführer Chip Bergh trug in den vergangenen Monaten meistens ein weißes T-Shirt mit der einfachen Aufschrift: „Vote“.

 

Wahlkabinen in Levi-Strauss-Geschäften

Bergh scheut den Kampf nicht; er hat sich bereits mit Waffenkontrollen, Schwulenrechten und Einwanderung auseinandersetzt. Jetzt sagt er seinen Arbeitern, sie müssten ihre Stimme nutzen. Das kalifornische Unternehmen gibt den Mitarbeitern eine bezahlte Wahl-Auszeit, errichtet Wahlkabinen in den Geschäften, und überzeugt andere Unternehmen, seinem Beispiel zu folgen – 400 sind es bisher, darunter der Einzelhandelsriese Walmart.

 

Bergh glaubt, dass die Gleichgültigkeit die vergangene Wahl gewonnen hat. „Mehr Menschen entschlossen sich dazu, lieber nicht wählen zu gehen, als für einen der beiden Kandidaten bei den Wahlen 2016 zu stimmen“, sagte er mir diese Woche. Er ist einer von vielen, die an junge Menschen herantreten, die die Wahl einfach ausgesessen haben.

 

„CEOs haben die moralische Verpflichtung, sich einzubringen“

Vieles deutet darauf hin, dass etwas in Schwung gebracht wurde. Eine neue Umfrage des Harvard Institute of Politics ergab, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass 18- bis 29-Jährige im Rahmen der diesjährigen Midterm Elections wählen gehen, als in den Jahren 2010 und 2014. Ein Großteil dieser Begeisterung wird von den Demokraten getragen – jeder Zweite sagt, dass er im November „definitiv“ abstimmen wird (51 Prozent), im Vergleich hierzu gaben 36 Prozent der Republikaner an, wählen zu gehen.

 

„CEO´s haben die moralische Pflicht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“

Doch Levi Strauss betont, dass der Wahlaufruf überparteilich ist. „CEOs haben die moralische Verpflichtung, sich einzubringen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, sagt Bergh. Sein Unternehmen ist ein klarer Nutznießer der Steuersenkungen von Trump. Die aktuelle Handelspolitik bedeutet für einige Unternehmen jedoch ein gemischtes Schicksal. Viele glauben, dass ein Repräsentantenhaus in demokratischer Hand den Präsidenten zügeln wird.

 

Doch auch das Repräsentantenhaus stößt an seine Grenzen; Zölle brauchen beispielsweise keine Zustimmung dort. Unabhängig vom Wahlausgang können die Handelsspannungen immer noch eskalieren. Die Unternehmen werden weiter auf einem schmalen Grat wandern müssen zwischen dem liberalen Instinkt und einem unberechenbaren Präsidenten, dessen Einfluss auf die Handelspolitik weitgehend uneingeschränkt bleiben wird.

 

Chip Bergh

 

 

 

Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018

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