Buchauszug Cornelia und Stephan Schwarz: „Richtig gut rüberkommen. Wie Sie emphatisch und erfolgreich kommunizieren.“

Der Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Kommunikation: Warum Empathie eine Frage des Bewusstseins ist – und wie sie sich auf Ihre
Kommunikation auswirkt
Die wichtigste Unterstützung für kontinuierlich erfolgreiche empathische Kommunikation erhalten Sie von einem entwickelten Bewusstsein. Diese Feststellung beruht auf unseren eigenen Erfahrungen. Wesentliche Impulse für unser Coaching gab uns der Buddhismus, den man als Bewusstseinsreligion bezeichnen kann, oder, besser noch, als gelebte Bewusstseinsphilosophie. Alles dreht sich darum, höhere Bewusstseinsstufen zu erlangen, auf denen Achtsamkeit, Mit-Fühlen, Akzeptanz und Vertrauen möglich werden.
Aber Bewusstsein ist nicht einfach eine Frage des Wollens, es muss nach und nach entwickelt werden. Man kann sich alles Mögliche vornehmen – empathisch spiegeln, zugewandt kommunizieren, gute Beziehungen leben, doch wenn man glaubt, den Entwicklungsprozess des Bewusstseins überspringen zu können, werden die guten Vorsätze bald im Sande verlaufen.
Oft hören wir von unseren Seminarteilnehmern: Okay, ich komme klar, und irgendwie schaffe ich das auch mit dem Spiegeln. Beobachten wir sie dann, stellen wir meist fest, dass sie das keineswegs in dem Maße tun wie angenommen. Die Selbstwahrnehmung
und die Außenwahrnehmung klaffen also weit auseinander. Deshalb haben wir ein Stufenmodell entwickelt, in dem sich jeder selbst verorten kann, um seine kommunikativen Kompetenzen besser einschätzen zu können.

Cornelia Schwarz und Stephan Schwarz: „Richtig gut rüberkommen – Wie Sie emphatisch und erfolgreich kommunizieren.“ dtv, 256 Seiten, 14,90 Euro https://www.dtv.de/buch/cornelia-schwarz-stephan-schwarz-richtig-gut-rueberkommen-26191/
Stufe 1 Unbewusste Inkompetenz:
Ein Großteil der Menschen befindet sich im Zustand vorbewusster Kommunikation. Sie kommunizieren natürlich täglich, tun es jedoch, ohne groß darüber nachzudenken. Daher entgeht ihnen vieles: Ihnen ist weder bewusst, wie sie sich verhalten, noch beobachten sie ihre Gesprächspartner, um die Auswirkung ihres Verhaltens zu überprüfen. In diesem Fall kann man von unbewusster Inkompetenz sprechen.
Stufe 2 Bewusste Inkompetenz:
Deutlich weniger Menschen haben das Stadium bewusster Kommunikation erreicht. Sie kennen wichtige kommunikative Regeln und wissen auch einiges über empathische Spiegelung, haben aber Schwierigkeiten, sie im Alltag anzuwenden. Solche Menschen
nehmen durchaus wahr, welche negativen Folgen das Ausbleiben der Spiegelung hat, sind aber nicht in der Lage, das empathische Verhalten so weit zu verinnerlichen, dass es ein Kennzeichen ihrer Kommunikation wird. Hier liegt eine bewusste Inkompetenz vor.
Stufe 3 Bewusste Kompetenz:
Den geringsten Anteil machen Menschen aus, die eine bewusste Kommunikationskompetenz erlangt haben. Sie wissen nicht nur viel über erfolgreiches kommunikatives Verhalten, sie haben es zu einem Teil ihrer Persönlichkeit werden lassen. Empathische Spiegelung ist für sie keine Strategie, sondern eine Lebenshaltung. Daher reflektieren sie zwar ihre Kommunikation, müssen aber keine speziellen Techniken abrufen. Völlig selbstverständlich können sie sich auf ihre empathische Kompetenz verlassen und genießen es, lebendige Beziehungen zu gestalten. Der Grund dafür ist ein entwickeltes Bewusstsein. Die Unterschiede zwischen diesen drei Stufen werden besonders offensichtlich, wenn Probleme auftauchen.
Die Neigung zu Schuldzuweisungen
Bei unbewusster Inkompetenz neigt man zu Schuldzuweisungen. Sich selbst hält man für okay, wirft aber den Gesprächspartnern vor, sie verhielten sich seltsam oder seien ein Ärgernis, weil sie bestimmte Erwartungen nicht erfüllen. Menschen mit unbewusster
Inkompetenz beschweren sich häufig: Mein Kind nervt, mein Kollege ist eine Schlafmütze, meine Frau ist nie zufrieden.
Die Ursache dafür suchen sie nicht in ihrer defizitären Kommunikation, immer nur in den vermeintlich negativen Eigenschaften der Menschen ihres Umfelds. Bei bewusster Inkompetenz ist oft eine resignative Haltung zu beobachten. Solche Personen erkennen durchaus ihre kommunikativen Defizite, meinen jedoch, sie seien eben unfähig, all das
umzusetzen, was sie wissen. Achselzuckend geben sie bei Problemen auf oder haben sogar Angst vor Gesprächen, weil sie befürchten, dass sie es beim nächsten Mal wieder nicht hinbekommen. Die Schuldzuweisung richtet sich gewissermaßen gegen
sich selbst.
Bei bewusster Kompetenz stellt sich eine große Sicherheit und Gelassenheit im Umgang mit anderen ein. Diese Menschen nehmen ihre Kommunikationspartner gleichsam spielerisch als Teampartner wahr. Kommen Probleme in Sicht, wissen sie, dass sie durch ihre bewusst empathische Haltung Konfliktlösungskompetenz besitzen, und scheuen sich nicht, auch auf schwierige Gesprächspartner offen zuzugehen.
An dieser Stelle werden Sie sich vermutlich fragen, wie Sie die dritte Stufe erreichen können. Was hat es mit dem Bewusstsein auf sich? Welche Haltungen stehen dahinter? Bewusste empathische Kommunikation beruht auf der Absicht, dass sie zum Wohle aller geschieht. Es handelt sich also um die Bereitschaft, das eigene Verhalten so zu gestalten, dass es nicht nur einem selbst, sondern allen gut geht. Auf sich selbst zentrierte Menschen sagen: Was muss ich tun, damit ich mich wohlfühle und meine Ziele erreiche? Empathische Menschen fragen hingegen: Wie kann ich dazu beitragen,
dass sich auch meine Gesprächspartner wohlfühlen und ich im Einklang mit ihnen meine Ziele erreiche? Sie haben verinnerlicht, dass sie Teil eines Ganzen sind, und dass alles mit allem in Verbindung steht.
Permanente Offenheit für den Perspektivwechsel
Die Konsequenz daraus ist die permanente Offenheit für den Perspektivwechsel. Und nicht nur das: Die innere Landkarte eines Menschen können Sie erst lesen und verstehen, wenn Sie zutiefst davon überzeugt sind, dass sich dieser Perspektivwechsel immer lohnt, auch dann, wenn Sie keinen direkten Vorteil daraus ziehen.
Niemand muss beispielsweise nett zu einer Blumenverkäuferin sein. Die Blumen bekommen Sie auch, wenn Sie sich abweisend verhalten oder mit dem Blick auf Ihr Handy das Geld hinblättern. Spiegeln Sie die Verkäuferin jedoch, sodass ein Gespräch
voller Sympathie entsteht und Sie sich voneinander mit einem Lächeln verabschieden, dann haben Sie einen ideellen Wert geschaffen: positive psychische Energie. Und die kommt allen zugute – Ihnen, der Blumenverkäuferin, zufällig anwesenden Kunden sowie allen, die Ihnen, der Blumenverkäuferin und den Kunden an diesem Tag noch begegnen.
Wer im Wir denkt, kreiert Wärme
Wer im Ich denkt, kreiert Kälte, wer im Wir denkt, Wärme. Beides breitet sich daraufhin aus. Fälschlicherweise neigen wir oft dazu, uns isoliert zu betrachten, unabhängig vom Umfeld. Schauen wir überhaupt über den Tellerrand, dann sehen wir gerade noch denjenigen, mit dem wir gerade kommunizieren, missachten aber das große Ganze, dessen Teil wir sind. Kein Wunder in der Ich-Gesellschaft. Aus dieser egozentrischen Haltung heraus initiiert man jedoch ungewollt negative Kettenreaktionen.
Svenja und ihre Schwiegermutter: Die Ablehnung
Svenja ist seit fünf Jahren glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Nur einen Wermutstropfen gibt es in der Ehe: ihre Schwiegermutter. Svenja lehnt sie ab, weil sie meint, ihre Schwiegermutter mische sich zu oft ein. Deshalb verhält sich Svenja
konfrontativ. Erscheint die Mutter ihres Mannes etwa bei den Kindergeburtstagen, behandelt Svenja sie kühl und herablassend. So liegt bei solchen Anlässen immer eine gewisse Anspannung in der Luft. Ihr Mann leidet darunter, die Kinder sind irritiert und begegnen ihrer Großmutter reserviert. Wird Svenja von ihrem Mann zur Rede gestellt, zuckt sie mit den Achseln: »Wieso, deine Mutter darf doch dabei sein. Kann ich doch
nichts dafür, wenn sie sich nicht wohlfühlt. Außerdem betrifft das ja nur sie und mich. Alle anderen haben doch ihren Spaß.«
Das Beispiel belegt den Irrtum, man könnte manche Beziehungen ruhig schlecht laufen lassen, ohne andere damit zu beeinträchtigen. Svenja meint, die Kälte zwischen ihr und ihrer Schwiegermutter sei nur ein Binnenphänomen, in Wahrheit aber vergiftet sie die Atmosphäre für alle. Es reicht nicht, der Form Genüge zu tun, indem sie ihre Schwiegermutter einlädt. Die doppeldeutige Botschaft: Du darfst zwar dabei sein, aber ich zeige dir, dass mich das stört, stiftet Unsicherheit und eine bedrückende Atmosphäre in der gesamten Familie. Ihr Mann spürt es, ihre Kinder spüren
es: Etwas stimmt nicht.
Svenja verhält sich also unbewusst inkompetent. Bei bewusster Inkompetenz würde sie zumindest registrieren, dass ihr Verhalten negative Auswirkungen für alle hat. Sofern sie aber eine bewusste Kommunikationskompetenz ausgeprägt hätte, würde sie
ihre Schwiegermutter spiegeln und ihr damit volle Zugehörigkeit signalisieren – was der gesamten Familie zugute käme.
Die positive Wirkung von Akzeptanz
Die Geschichte mit Svenja und ihrer Schwiegermutter führt uns zu einer weiteren Erkenntnis: dass man andere grundsätzlich akzeptieren sollte, und zwar genau so, wie sie sind, mit allen vermeintlichen Macken und Fehlern. Das fällt schwer, weil die meisten Menschen überzeugt sind, ihre subjektiven Werturteile seien objektive Gradmesser für Integrität und ohne Weiteres auf andere übertragbar. Nur zu gern vermitteln sie ihren Mitmenschen: »Ich weiß, was richtig und falsch ist« oder: »Ich weiß, was gut und richtig für dich ist.« Oft suchen sie auch fieberhaft nach Gründen, warum jemand ganz anders denkt, fühlt und handelt.
Voreiliges Psychologisieren
Sehr beliebt ist das voreilige Psychologisieren. Vermissen sie beispielsweise
emotionale Nähe beim Partner, heißt es dann: »Du hattest bestimmt eine gefühlskalte Mutter« oder: »Du stürzt dich in Arbeit, weil du so gut wie kein Privatleben hast.« Und schon haben die Bewertungen eingesetzt, die Einflussnahmen, die Änderungsversuche. Dabei geht viel Energie verloren, denn ändern können wir Menschen nicht, sehr wohl aber vor den Kopf stoßen. Sobald wir anfangen, Kommunikationspartner abzuwerten, zu erziehen oder sogar zu manipulieren, führt das zu tiefer Entfremdung: Wir versagen ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit.
Bei einer empathischen Haltung geht es weder um den Versuch, sich Menschen zurecht zu biegen, noch darum, Mutmaßungen über ihren Werdegang anzustellen. Vielmehr gilt es, sie in all ihrer individuellen Subjektivität im Jetzt zu erkennen. Wie tickt
jemand? Welche Vorlieben hat er, welche Überzeugungen und Bedürfnisse? Was meidet er, wovor fürchtet er sich? Viel zu selten stellt man sich solche Fragen, wenn man mit jemandem kommuniziert, und doch hängt alles davon ab, ob man zur Haltung bewertungsfreier Akzeptanz findet – und damit zu einer hohen Qualität der Kommunikation.
Nicht Akzeptanz bedeutet:
Wir kommunizieren egozentrisch und unbeweglich.
Akzeptanz bedeutet:
Wir kommunizieren empathisch und flexibel.
Wer nicht akzeptiert, baut unsichtbare Barrieren auf
Wer nicht anerkennt, dass andere so sind, wie sie sind, baut unsichtbare
innere Barrieren zwischen sich und seinen Kommunikationspartnern auf. Man bleibt auf die Unterschiede fixiert und ist unfähig, die Gemeinsamkeiten zu sehen. Daraus resultieren viel Stress und Leid. Im Buddhismus, der friedfertigsten aller Religionen, hat Akzeptanz daher einen sehr hohen Stellenwert. Die buddhistische Weisheit stützt sich auf die Erfahrung, dass Menschen, Dinge und Ereignisse nicht änderbar sind, dass sie einfach existieren und geschehen. Sich dagegen aufzulehnen, sei ein Zeichen geistiger Unreife, sie hingegen zu akzeptieren, beschere tiefen Seelenfrieden und eine altruistische Haltung.
Akzeptieren schont Kraft
Diese Einstellung ist nicht mit Resignation zu verwechseln. Ein Buddhist hat sehr wohl Ziele, und er weiß auch, wie er sie verwirklicht: nicht gegen etwas, sondern mit etwas. Also auch nicht gegen einen anderen Menschen, sondern mit ihm, im Bewusstsein
eines geklärten Geists, der sich nicht mehr mit Trotzreaktionen blockiert. Der Vorteil uneingeschränkter Akzeptanz: Wir müssen nicht kräftezehrend mit der kognitiven Dissonanz kämpfen, die sich bei der Fokussierung auf Unterschiede, Störfaktoren und unerwünschtes Verhalten ergibt.
Bei unserer Coachingarbeit machen wir häufig Bekanntschaft mit Blockaden, die durch Nicht-Akzeptanz entstehen. Manchmal, etwa in Unternehmen, ziehen sich die daraus resultierenden Kommunikationsschwierigkeiten über Jahre hin, ohne dass irgendeine Besserung in Sicht wäre. So im Fall der Leiterin einer IT-Abteilung, die regelmäßig Auseinandersetzungen mit einem leitenden Kollegen aus der Personalabteilung hatte. Für ihn bedeutete Professionalität unter anderem, perfekte E-Mails zu senden.
Die Leiterin der IT-Abteilung nahm es damit nicht so genau, sie verschickte schon mal Mails mit Rechtschreibfehlern oder ohne ausgefüllte Betreffzeile. Darüber entbrannte immer wieder Streit, weil der Kollege aus der Personalabteilung dieses Detail nicht akzeptieren konnte.
Die Kunst: Unterschiede erkennen und respektieren
Die Kunst liegt darin, Unterschiede zu erkennen, sie zu respektieren und dadurch Akzeptanz zu erschaffen – statt durch Ablehnung Mauern aufzutürmen. Im genannten Beispiel gibt es bestimmt Eigenschaften, die der Kollege aus der Personalabteilung
spiegeln kann. Er muss ja nicht gleich fehlerhafte Mails schreiben, es reicht schon, wenn er Werte oder andere Meta-Programme der IT-Leiterin spiegelt. Denn: Wie soll eine Annäherung zustande kommen, wenn man nur die Unterschiede betont? Wie soll man Gemeinsamkeiten entdecken, wenn man dem Gegenüber jede Zugehörigkeit
versagt? Nur durch Akzeptanz kann man in der empathischen Spiegelung zur Steuerungsphase gelangen, in der der Gesprächspartner ebenfalls zu spiegeln beginnt. Auf diese Weise findet man zueinander, ohne dass einer von beiden seine Identität
aufgibt. Eine sehr aufschlussreiche Geschichte ist uns in diesem Zusammenhang besonders eindringlich in Erinnerung.
Die verfeindeten Bereichsleiter
Vor einigen Jahren bat uns ein großes, deutschlandweit verzweigtes Unternehmen um Rat. Zwei Bereichsleiter, einer in Hamburg, der andere in München, kamen absolut nicht miteinander klar. Sie waren unfähig, professionell zu kooperieren, weil sie sich ständig in den Haaren lagen und dadurch auch ihre Abteilungen gegeneinander aufbrachten. Da das Unternehmen beide Bereichsleiter für hoch kompetent hielt und keinen von ihnen entlassen wollte, schaltete der Vorstand uns ein. Rasch wurden die Unterschiede deutlich, als wir die beiden nacheinander besuchten.
Inhaltlich auf einer Linie, sich aber durchs Verhalten provoziert fühlen
Der Hamburger saß gehemmt und verkrampft auf seinem Stuhl. Er atmete schwer und sprach stockend, mit langen Pausen zwischen den Sätzen. Der Münchner war emotional, sprach laut, schnell und mit raumgreifenden Gesten. Unaufgefordert beschwerte er sich über den Hamburger Kollegen: »Ach, der Lahmarsch, der kriegt doch nichts auf die Reihe.« Wir bestellten die beiden zu einem Meeting nach Frankfurt, auf neutrales Terrain. Zunächst spiegelten wir den Hamburger. Wir sprachen betont langsam, mit langen Pausen, in verspannter Haltung. Danach spiegelten wir den Münchner, indem wir genauso temperamentvoll und emotional agierten – wir hielten ihnen also einen Spiegel vor. Anschließend fingen die beiden an zu lachen. Das Lachen lockerte und befreite sie.
So konnten wir den Dissens während einer Seminareinheit klären, in der beide offen sagten, was sie übereinander dachten. Sie begriffen, dass sie inhaltlich durchaus auf einer Linie lagen, sich aber durch das Verhalten des Gegenübers provoziert fühlten. Es hatte lediglich an der Akzeptanz der unterschiedlichen Temperamente gefehlt. Die weitere Zusammenarbeit – auch der jeweiligen Abteilungen – lief daraufhin vollkommen konfliktfrei. Solche Erlebnisse bestätigen uns, wie wertvoll das Ethos der Akzeptanz
ist. Selbst beim Partner und bei engen Freunden werden Sie immer wieder Dinge entdecken, die Sie stören.
Wie oft haben Sie schon darüber gestritten, ohne dass sich etwas änderte? Wie oft haben Sie wie Don Quichotte vergeblich gegen Windmühlen gekämpft? Genauso gut könnten Sie in einem Stau auf der Autobahn wild hupen und mit den Fäusten auf das Lenkrad einhämmern. Damit ändern Sie nichts, verlieren aber viel Energie und
bauen Aggressionen auf. Wesentlich weiser wäre es, tief durchzuatmen, die Situation zu akzeptieren und zu fragen: Was fange ich jetzt mit der geschenkten Zeit an? Vielleicht Musik hören? Oder in Ruhe über ein Thema nachdenken, das mich schon lange beschäftigt?
Vergleichbar können Sie Ihren Frieden mit dem machen, was Sie an anderen Menschen stört. Jammern Sie nicht darüber, dass Ihre Ansprüche und Erwartungen nicht erfüllt werden. Gehen Sie konstruktiv mit den Eigenschaften um, die Sie vorfinden – und seien diese auf den ersten Blick noch so ärgerlich oder anstrengend.
Unser Tipp: Bei der nächsten Begegnung mit einem Menschen, der provozierend anders ist, versuchen Sie es bitte einmal mit der empathischen Haltung. Benennen Sie im Stillen die trennenden Eigenschaften und Verhaltensweisen. Spiegeln Sie
sie kommentarlos auf der Basis bewusster Akzeptanz. Beobachten Sie, wie sich Ihr Gegenüber öffnet und verändert. Sie werden sich wundern, wie viel Ruhe und Frieden in Ihre Kommunikation einzieht, und wie viel Energie frei wird, die Sie für einen harmonischen Austausch nutzen können.
Vertrauen, die Brücke zum Gegenüber
Das Meta-Ziel empathischen Verhaltens lautet Vertrauen, und das ist ebenfalls eine Frage des Bewusstseins. Im Buddhismus rangiert das Vertrauen nicht zufällig ganz oben auf der Werteskala: Um den Pfad der Erleuchtung zu absolvieren, wird Vertrauen
als Erstes genannt, danach erst folgen Achtsamkeit, Tatkraft, Konzentration und Weisheit. Dasselbe gilt für bewusste Kommunikation. Ob wir uns in einer Gesprächssituation sicher und geborgen fühlen, oder ob ein gewisses Misstrauen bleibt, hängt vom Grad des Vertrauens ab, der erreicht wird.Dafür muss man sich vergegenwärtigen, dass jeder Kommunikationspartner zwar Absichten verfolgt, aber nicht notwendigerweise schlechte Absichten. Die Unterstellung, jemand wolle uns
schaden oder sei vorsätzlich böse, bestimmt oft das Scheitern von Kommunikation. Meist ist eine falsche Interpretation des Verhaltens anderer schuld daran: Mit einem unentwickelten Bewusstsein kultivieren wir häufig Vorurteile und verstellen uns die Sicht
durch Misstrauen. Dafür gibt es viele Beispiele, wie sie uns täglich begegnen:
❯ Ein Mann sagt seiner Frau, er habe noch einen dringenden
Termin und komme später zur Familienfeier – sie schließt daraus,
er nehme den Job wichtiger als die Familie.
❯ Eine Angestellte erklärt ihrem Chef, sie habe eine Aufgabe
nicht in der verabredeten Zeit geschafft – er folgert, sie engagiere
sich nicht genug im Job.
❯ Ein Kind weigert sich, seine Schulaufgaben zu erledigen – die
Mutter meint daraufhin, das Kind sei störrisch und aufsässig.
In allen drei Beispielen könnten auch ganz andere Bedingungen vorliegen: Der Ehemann steht tatsächlich unter beruflichem Druck und muss schweren Herzens Überstunden einschieben. Die Angestellte wird von Kollegen gemobbt und kann sich nicht ausreichend auf ihre Aufgaben konzentrieren. Das Kind fühlt sich vom Schulstoff überfordert, ist niedergeschlagen und will nicht an den Misserfolg erinnert werden. Haben sich aber bereits Fronten gebildet, bleiben diese Bedingungen ungesehen, Konflikte zeichnen sich ab. Sofern es jedoch gelingt, vertrauensvolle Gesprächssituationen zu ermöglichen, sind diese Konflikte vermeidbar. Im Buddhismus wird das Vertrauen mit einem Edelstein verglichen, der schmutziges Wasser reinigen kann.
Das funktioniert übrigens tatsächlich auch im physikalischen Sinne, denn bestimmte Edelsteine lagern Verunreinigungen aus dem Wasser an und klären es auf diese Weise. Für Buddhisten ist der Edelstein jedoch eine Metapher, mit der sie verdeutlichen
wollen: Vertrauen eliminiert die Schlacken innerer Vorbehalte. Man kann das Gute im Menschen nicht sehen, wenn man mangels Vertrauen nur die Fehler wahrnimmt oder negative Unterstellungen mit sich herumschleppt. Genauso wenig kann man
konstruktiv kommunizieren, wenn man jemandem misstrauisch, ablehnend und abwertend gegenüber tritt.
Der Weg zur bewussten Kommunikationskompetenz ist von vier Säulen flankiert:
❯ lebendiger, flexibler Kontakt durch empathische Spiegelung
❯ uneingeschränkte Akzeptanz als Zeichen von Zugehörigkeit
❯ Aufbau von Vertrauen, das langfristige gute Beziehungen ermöglicht
❯ subtile Steuerung, um auf einer gemeinsamen Ebene Ziele und
Veränderungen zu verwirklichen
Zuweilen werden wir gefragt: »Ja, aber muss ich denn wirklich jeden akzeptieren und ihm mein Vertrauen schenken, auch wenn er bösartig, rücksichtslos, intrigant ist?« Die Antwort ahnen Sie bestimmt schon: Ja, auch solche Menschen haben Akzeptanz und
Vertrauen verdient. Kein blindes, vorbewusstes Vertrauen, wohlgemerkt, aber jenes gegenseitige Vertrauen, das in der empathischen Spiegelung entsteht und das die Buddhisten meinen: reinigendes Vertrauen.
Was auch immer Sie über einen Menschen denken – falls Sie sich empathisch verhalten und Vertrauen herstellen, werden Sie feststellen, dass dieser Mensch gar nicht so bösartig, rücksichtslos oder intrigant ist wie gedacht. Sondern, dass er einfach nur ein Mensch ist, mit allen Fehlern und Vorzügen. Es ist unendlich hilfreich, sich diese Sicht der Dinge zu eigen zu machen. Denn Sie wissen ja: Ihren Partner und Ihre Freunde können Sie sich aussuchen, die meisten anderen Menschen Ihres
Umfelds jedoch nicht. Also kommt es darauf an, mit wirklich jedem in lebendigen, kooperativen Kontakt zu treten, indem Sie sich empathisch verhalten. Die Buddhisten haben diese Haltung von jeher vertreten: Sobald Vertrauen entstehe, stelle sich auch
Wertschätzung ein, die das Gegenüber seinerseits mit Wertschätzung beantworte.
Empathisches Spiegeln ist die Chance, jemanden aus einem negativen in einen wünschenswert vertrauensvollen Zustand zu führen.
Stellen Sie sich vor, der eben erwähnte Ehemann kommt verspätet zu der Familienfeier. Seine Frau kann jetzt ärgerlich reagieren, und spätestens auf der Heimfahrt wird ein Streit losbrechen. Ganz gleich, wie sich der Mann verteidigt, seine Frau wird ihm
Gleichgültigkeit im Hinblick auf Familiäres unterstellen. Zudem wird sie bewusst eine Asymmetrie zulassen, also seinen Stress Vertrauen, die Brücke zum Gegenüber 189
und seine kleinlaute Zerknirschung nicht spiegeln, sondern ihn lautstark beschimpfen. Vermutlich revanchiert er sich dann mit Gegenangriffen. Spiegelt die Ehefrau jedoch den inneren und äußeren Zustand ihres Mannes, stellt sie Vertrauen her. Daraufhin ist ein Gespräch möglich, in dem sich der Ehemann offenbart, und zwar so freimütig,
dass sie gemeinsam nach Lösungen für die äußeren Probleme suchen können. Möglicherweise bestätigt sich sogar der Verdacht der Frau, ihr Mann habe wenig Interesse am Familienleben.
Dann ist auch das ein gutes Gesprächsergebnis, weil sie ihn bitten kann, die Gründe für sein Desinteresse zu nennen. Normalerweise würde er sich das nicht trauen, aber in der sicheren Zone von Akzeptanz, Zugehörigkeit und Vertrauen kann nun ein echtes Beziehungsgespräch beginnen. Durch Vertrauen, das aus einer empathischen Haltung resultiert, gibt man dem Gegenüber Raum, aus einem positiven Gefühl heraus seine Beweggründe und Absichten zu offenbaren. Leider geschieht genau das oft nicht. So stellen wir alle möglichen, oft negativen Vermutungen an, die eine offene Kommunikation verhindern.
Womit nicht gesagt sein soll, dass es nicht zuweilen negative Absichten und Beweggründe gibt. Aber auch diese herauszufinden, bringt uns weiter. Schädlich ist nur, wenn wir im Dunkeln tappen. Dann wird die Kommunikation schwer und belastend,
eine Spirale des Misstrauens und der Missverständnisse entsteht.
Gesine und ihr Chef: Peinliche Begegnung im Lift
Für Gesine ist es ein Albtraum: Sie will mit dem Aufzug nach unten ins Erdgeschoss fahren, und im letzten Moment steigt ihr Chef dazu. Obwohl nur eine kurze gemeinsame Zeit vor ihnen liegt, ist sie starr vor Schreck, denn sie weiß nicht, was der Chef von ihr hält. Er gilt als streng und spricht selten ein Lob aus. Ist er zufrieden mit ihren Leistungen? Oder hat er sie womöglich längst auf die Abschussliste gesetzt? Munkelt man nicht, es werde demnächst Entlassungen geben? Ihr Chef steht sehr gerade, mit durchgedrücktem Kreuz da und schaut ihr direkt ins Gesicht. Gesine weicht seinem Blick aus und schickt ein Stoßgebet zum Himmel, dass der Aufzug bloß
nicht stecken bleibt. Mit ängstlich hochgezogenen Schultern drückt sie sich an die Wand des Lifts. Das muntere, mit lauter Stimme vorgebrachte »Hallo, wie geht’s?« ihres Chefs beantwortet sie leise und mit angespannter Miene: »Mir? Äh, ganz
gut so weit.« Prompt verzieht er ebenfalls das Gesicht, er runzelt die Stirn, sie schweigen angespannt. Als der Lift im Erdgeschoss hält, flieht Gesine mit einem hastig gemurmelten »schönen Tag noch«, ihr Chef schaut ihr skeptisch hinterher.
Nicht gut gelaufen, gar nicht gut. Klar, viele Menschen haben gewisse Probleme, spontan face to face mit dem Chef zu kommunizieren. Sie sind unsicher, wie sie sich gegenüber einem hierarchisch Höhergestellten verhalten sollen, und fühlen sich wie in
einer Prüfungssituation. Doch hier scheitert die Kontaktaufnahme völlig. Gesines Verhalten ist typisch für unbewusste Inkompetenz. Sie ist nicht in der Lage, so zu kommunizieren, dass sich eine vertrauensvolle Gesprächsebene ergibt, weil sie von
ihrem eigenen Misstrauen blockiert ist.
Alle Merkmale empathischer Kommunikation fehlen:
❯ Sie nimmt ihren Chef nicht bewusst wahr
❯ Sie spiegelt ihn nicht
❯ Sie baut kein spontanes Vertrauen auf
❯ Sie steuert die Situation nicht
❯ Sie hat kein Feedback, da die Kommunikation misslingt und
sie nach wie vor nicht weiß, wie ihr Chef sie einschätzt
Falls etwas nicht in Ordnung ist mit ihren Leistungen, hat sie die eventuell existierenden Probleme durch ihr Verhalten ungewollt vergrößert. Aber selbst dann, wenn alles okay ist, wird ihr Chef den Aufzug mit dem Gefühl verlassen, etwas stimme nicht mit
Gesine. Eine kurze missglückte Begegnung – und schon zeigen sich dunkle Wolken am Horizont. Das Beispiel demonstriert, wie unglücklich Kommunikation ablaufen kann, so unglücklich, dass sie Probleme erzeugt, obwohl es vordergründig überhaupt keine
Probleme gibt. Das heißt: Oft produzieren wir Probleme durch unbewusste oder bewusste kommunikative Inkompetenz, weil wir die falschen oder aber missverständliche Signale geben.
Der Sinn der empathischen Spiegelung ist es, durch eindeutige Signale der Akzeptanz Vertrauen zwischen zwei Kommunikationspartnern aufzubauen. Während der Aufzugfahrt könnte Gesine rasch eine erste Bestandsaufnahme vornehmen: Was sagen Körpersprache und Mimik ihres Chefs aus? Wie ist die Tonalität, das Tempo, der
Inhalt der verbalen Kontaktaufnahme? Entspricht sie den kulturellen Normen, oder passiert etwas Auffälliges? In dieser konkreten Situation könnte sie sehr leicht das lockere, muntere »Hallo, wie geht’s?« im gleichen Tonfall und mit der gleichen
Körpersprache beantworten. Dann fühlt sich der Chef akzeptiert, und Svenja zeigt ihm ihre Zugehörigkeit, also Loyalität, und baut Vertrauen auf. Da sie aber verdruckst kommuniziert, wird der Chef misstrauisch: Führt sie etwas im Schilde? Ist sie unzufrieden? Rührt ihre Unsicherheit daher, dass sie sich ihrer Aufgabe nicht gewachsen fühlt?
Jede Kommunikation erzeugt Gefühle, angenehme oder unangenehme
– neutrale Gefühle gibt es nicht! Gesine hat leider negative Gefühle der Unbehaglichkeit und damit Misstrauen und Skepsis ausgelöst. Von nun an wird jede Begegnung mit ihrem Chef unter dem Eindruck der verklemmten Aufzugfahrt stehen. Durch Vertrauens-Kommunikation hätte sie stattdessen Gefühlserinnerungen wie Sympathie, Leichtigkeit, Freude hinterlassen können. Mit äußerst positiven Auswirkungen: Wenn man sich wohlfühlt, projiziert man seine eigenen guten Gefühle auf das Gegenüber – die Begegnung wird also zukünftig mit positiven Emotionen assoziiert.
Entsteht eine vertrauensvolle Gesprächssituation mit Freude, Lachen, Austausch, so wird der betreffende Mensch mit Freude, Lachen und Austausch im Gehirn gespeichert.
Jedes Mal, wenn man an ihn denkt oder ihn sieht, werden diese positiven Werte
unwillkürlich wieder abgerufen. In Beziehungen ist Vertrauen deshalb eine wichtige immaterielle Ressource. Sie ist zugleich die Voraussetzung für eine positive Weiterentwicklung der Beziehung – im Beispiel für eine bessere professionelle Beziehungsqualität zum Chef. Jeder weiß, dass auf einer gut gesicherten menschlichen Basis auch berufliche Belange besser funktionieren. Die Begegnung im Aufzug wäre für Gesine eine Chance gewesen, sich als angenehme, vertrauenswürdige und kompetente Mitarbeiterin zu positionieren und diesen Eindruck nachhaltig
zu verankern.
Veränderungsmanagement mithilfe von Ressourcen
Wir alle wünschen uns starke, sichere Beziehungen, und meist meinen wir damit konkret: eine positive Veränderung bestehender Beziehungen. Doch so paradox es auch klingen mag, mindestens so groß wie der Wunsch nach Veränderungen ist die Angst davor.
Fragt man Menschen nach ihren Plänen, so formulieren sie zwar durchaus große Lebensziele, bei der Verwirklichung machen sie dann aber oft einen gedanklichen Rückzieher: Sollte man nicht doch zufrieden sein mit dem, was man hat? Wer gibt
einem die Gewissheit, dass »anders« wirklich »besser« bedeutet?
Und wenn man überhaupt versucht, etwas zu ändern – steht einem nicht die Beharrungskraft des Faktischen im Wege? Skrupel dieser Art hindern Menschen immer wieder daran, ihre Beziehungen zu verbessern. Sie finden sich mit Defiziten ab,
mit wiederkehrenden Missverständnissen und Auseinandersetzungen, obwohl sie theoretisch wissen, dass es Änderungsbedarf gibt.Wir sprechen hier von den bewusst Inkompetenten, die vor der Schwelle zur dritten Stufe, der bewussten Kommunikationskompetenz verharren.
Um dies zu verdeutlichen, lassen Sie uns einige typische Beispiele für übergeordnete Ziele näher anschauen:
❯ Ich möchte flüssiger und effizienter mit meinen Kollegen kommunizieren.
❯ Ich möchte liebevoller und stressfreier mit meinem Kind umgehen.
❯ Ich möchte mehr konfliktfreie Quality Time mit meinem Partner.
So weit die Ziele. Zwischen dem Jetzt-Zustand und dem Wunsch-Zustand liegt allerdings der mit Stolpersteinen gepflasterte Pfad innerer Vorbehalte:
❯ Man möchte die Veränderung nicht wirklich (insgeheim scheue ich den Kontakt zu meinen Kollegen und bleibe lieber auf Distanz).
❯ Man fürchtet, eine Veränderung könnte Bestehendes ins Wanken
bringen (eigentlich ist die Beziehung zu meinem Kind doch ganz okay).
❯ Man hat Angst davor, sich eventuell selbst ändern zu müssen (in der Partnerschaft möchte ich unbedingt so bleiben, wie ich bin).
Solche Vorbehalte sind normal, wenn auch nicht unüberwindlich. Letztlich handelt es sich um negative Beliefs (Glaubenssätze), die wir qua Erziehung in uns verankert haben und deren Botschaft die immer gleiche ist: Du weißt nie, ob anders wirklich
besser bedeutet, also lass besser alles beim Alten. Bei der Alternative Sicherheitsbedürfnis oder Änderungsbedürfnis entscheiden wir uns deshalb meist für die Sicherheit. Es wäre jedoch verfehlt, nur auf Kontinuität zu setzen, weil das Leben selbst aus Wandlungsprozessen besteht. Nichts bleibt, wie es ist, und auch Beziehungen sind nicht in Erz gegossen. Da sich die Menschen und Konstellationen unseres Umfelds permanent ändern, haben wir also einen Grund mehr, flexibel zu reagieren und uns weiterzuentwickeln. Überschreiten Sie die Schwelle zur bewussten
Kommunikationskompetenz, indem Sie nicht Ihre Vorbehalte gegen Veränderungen fokussieren, sondern stattdessen Ihre Ressourcen aktivieren.
Welche Ressourcen denn, könnten Sie jetzt fragen. Beantworten müssen Sie sich das selbst, aber es gibt eine Strategie dafür: Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Selbst auf. Ja, wir raten Ihnen sogar: Sprechen Sie mit sich!Hier kommen einige Anregungen für diese
Art der Selbsterfahrung,mit denen Sie Ihre mentalen Ressourcen entdecken und kraftvoll entfalten können. Dabei geht es immer darum, den Kontakt zu sich selbst wiederzufinden, der im Alltag verloren gegangen ist. Zugleich werden Sie feststellen, dass Sie dabei innere Ruhe, Erholung und Entspannung spüren.
Formulieren Sie
❯ positive Aussagen, die mit »Ich kann …« beginnen, weil diese
Worte zu Ihren kostbarsten Ressourcen führen;
❯ positive Aussagen, die mit »Ich bin …« beginnen, um Ihre Gesamtpersönlichkeit
zu erfassen;
❯ positive Aussagen, die mit »Ich bin überzeugt, dass …« beginnen,
um sich Ihrer aufbauenden Beliefs bewusst zu werden;
❯ positive Aussagen, die mit »Ich möchte künftig besser …« beginnen,
um neue aufbauende Beliefs auszuprobieren;
❯ positive Aussagen, die mit »Ich habe schon erreicht, dass …«
beginnen, um Ihren Ressourcen zu vertrauen.
Solche Selbstgespräche sind natürlich gewöhnungsbedürftig. Deshalb zitieren wir hier aus unseren Seminaren modellhaft einige Sätze erfolgreicher Menschen, die Sie mit Ihrem eigenen Erleben füllen können:
»Ich bin ein kraftvoller Mensch.«
– »Ich genieße das Leben.«
– »Ich freue mich an meinem Erfolg.«
– »Ich arbeite im besten Team.«
– »Alle arbeiten gern mit mir zusammen.«
– »Ich kann mich auf meine Fähigkeiten verlassen.«
– »Ich habe Glück im Leben.«
– »Ich bin in Harmonie mit mir selbst.«
– »Was ich anpacke, wird gut.«
– »Ich schaffe alles, was ich mir vorgenommen habe.«
– »Herausforderungen machen mir Spaß.«
Wenn wir diese Sätze bei unserem Coaching vorstellen, hören wir oft: »Moment mal, ich bin aber gar nicht kraftvoll, ich genieße das Leben auch nicht und so weiter.« Unsere Reaktion verblüfft dann die Seminarteilnehmer, denn wir antworten: »Stimmen
denn deine negativen Beliefs? Hast du nicht doch Kräfte in dir? Und gibt es nicht viele Augenblicke, in denen du das Leben genießt? Warum vergeudest du deine Energie mit negativen Glaubenssätzen, die dich schwächen, statt die positiven in den Fokus zu nehmen, die dich stärken?«
Das Bewusstsein für die beflügelnde Kraft Ihrer inneren Ressourcen hilft Ihnen ganz entscheidend beim Aufbau guter Beziehungen. Sobald Sie Ihre Ressourcen erschlossen und abrufbar gemacht haben, spüren Sie das, was Entwicklungspsychologen Selbstwirksamkeit nennen: Sie glauben fest daran, dass Sie empathische, vertrauensvolle Gesprächssituationen erschaffen können.
Dieser neue Glaubenssatz wird Ihre gesamten Beziehungen verändern. In Bezug auf Ihre Kommunikation sind positive Glaubenssätze Ressourcen, die gute Beziehungen fördern und wiederum als Beziehungsressourcen zur Verfügung stehen. Wer in ein Gespräch mit dem Belief geht: »Ich kann mich auf jeden Menschen einstellen und mich in ihn einfühlen«, wird von einer ungeheuren kommunikativen Energie getragen. Es fällt ihm viel leichter, empathisch zu sein, und das spürt auch das Gegenüber.
Machen Sie die Gegenprobe, gehen Sie in ein Gespräch mit der negativen Überzeugung: »Was andere Menschen betrifft, bin ich ein totaler Versager« – dann werden Sie es kaum schaffen, empathisch zu kommunizieren, weil Sie sich selbst sabotieren.
Genauso wenig erschaffen Sie eine empathische Beziehungsqualität, wenn Sie sich mit negativen Ansichten über den Kommunikationspartner blockieren. Verzichten Sie auf abwertende Veränderungsmanagement mithilfe von Ressourcen und aufs Psychologisieren, weil das zu nichts führt und Sie – metaphorisch – im Stau stecken bleiben (meine Kollegen sind anstrengend,mein Kind ist nervig,mein Partner ist egoistisch). Schließlich geht es ja um eine neue Richtung, um Ziele
und deren Verwirklichung.
Gelebte Empathie ist eine Chance, neue Ressourcen zu bilden, die Beziehungen festigen. Die Vertrauensressource spielt dabei eine entscheidende Rolle, doch es gibt auch andere Ressourcen wie gemeinsame positive Erfahrungen, die Sie nach und nach erschließen können. Damit untermauern Sie Ihr Veränderungsmanagement,
wie in der folgenden Formel dargestellt:
Gegenwärtiger Zustand plus Ressourcen = gewünschter Zustand.
Um positiven Veränderungen einen Weg zu bahnen, sollte man
sich bewusst machen:
❯ Wie sieht der gegenwärtige Zustand der Beziehung aus?
❯ Welchen Zustand der Beziehung wünsche ich mir wirklich?
❯ Welche eigenen Ressourcen (Talente, Gaben, Fähigkeiten) und
welche Beziehungsressourcen (Empathie, Akzeptanz, Vertrauen)
stehen mir zur Verfügung oder müssen noch gebildet
werden?
❯ Welche Störfaktoren könnten mir in die Quere kommen?
(Ängste, Bequemlichkeit, Vorbehalte.)
❯ Wie kann ich mithilfe von Ressourcen Störungen beheben und
positive Veränderungen herbeiführen?
Wenn diese Fragen beantwortet sind, haben Sie sich bewusst die eigenen Positionen und Überzeugungen vergegenwärtigt und können anschließend ein Zielbild formulieren: Genau so soll die betreffende Beziehung künftig aussehen. Stellen Sie sich den gewünschten Beziehungsmodus sinnlich vor: Wie fühlen Sie sich dabei, wie fühlt sich Ihr Gegenüber? Was sind Anzeichen für Entspanntheit, Akzeptanz, Vertrauen, Freude, Wärme? Auf der Meta-Ebene können Sie sich jederzeit klar machen, welches Ihre
Haltungsmaximen sind:
❯ Bewusstsein statt Unbewusstheit und Gleichgültigkeit
❯ Empathie statt Abgrenzung und Frontbildung
❯ Akzeptanz statt Verstärkung negativer Gefühle und abwertender
Diagnosen
❯ Vertrauen statt Unsicherheit und Misstrauen
❯ Empathische Steuerungsfähigkeit statt unbewusster, zufallsbedingter
Kommunikation
Überlegen Sie sich, welche Ihrer Verhaltensweisen Sie zum Ziel fester Bindungen bringen und welche nicht. Stellen Sie sich dann erneut mit allen Sinnen vor, wie es sich anfühlt, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben: Welche Emotionen herrschen vor? Was werden Sie sehen? Was wird Ihre innere Stimme sagen? Wie wird die bessere
Beziehungsqualität Ihr Leben beeinflussen? Die Beantwortung dieser Fragen wird Ihr Bewusstsein verändern, schon lange, bevor Sie Ihre Beziehungen positiv verändert haben. Man kann auch einen berühmten Satz von Mahatma Gandhi variieren, um
die Essenz dieses Abschnitts auf den Punkt zu bringen:
Sei selbst die Veränderung, die du dir von anderen wünschst.
Unser Tipp: Es kann nicht schaden, wenn Sie diesen Satz als Bildschirmschoner
installieren, ausdrucken und an die Wand hängen oder bei sich tragen wie ein Mantra. Es erinnert Sie daran, dass Sie kein Spielball des Schicksals sind – Sie selbst können Ihr Schicksal in Richtung Freude, Wärme und Erfolg steuern!
In einen guten inneren Zustand gelangen
Selbst wenn Sie sich Ihrer Ressourcen sicher sind, kann es immer einmal passieren, dass Sie einen schlechten Tag erwischen. Sie haben miserabel geschlafen, sich gleich beim Frühstück mit Ihrem Partner gestritten und dann auch noch den Bus verpasst. Niemand ist vor solchen Störungen alltäglicher Abläufe gefeit, die einem reichlich miese Laune bescheren.Wie um Himmels willen soll man in diesem Zustand auch noch empathisch kommunizieren, wenn man doch genug mit sich selbst zu tun hat?
Den meisten Menschen bereitet es große Schwierigkeiten, sich aus Gefühlslagen wie Wut, Ärger oder Pessimismus zu befreien, vermutlich auch Ihnen. Leider ist das die denkbar ungünstigste Ausgangslage für jedwede Kommunikation und ein Killer für
Empathie. Gut möglich, dass Sie in alte Verhaltensmuster zurückfallen, ungeduldig werden, selbstbezogen und abweisend agieren. Da Beziehungen wichtiger sind als Inhalte, könnte es also von Zeit zu Zeit geschehen, dass Sie trotz Ihrer inhaltlichen Kompetenzen auf der Beziehungsebene Verwüstungen anrichten. Klar, es gibt sicher eine gute Entschuldigung dafür. Aber wäre es nicht bedauerlich, wenn Ihre kommunikativen Fähigkeiten von der Tagesform abhängig wären?
Es ist weniger wichtig, was Sie sagen, sondern »wie« Sie es sagen, und dieses »Wie« hängt von Ihrem inneren Zustand ab. Auch wenn Sie meinen, innere Zustände seien äußeren Umständen geschuldet, können wir Ihnen das Gegenteil versichern: Sie
ganz allein entscheiden, in welchem inneren Zustand Sie sein möchten.Weder Schlafmangel noch ein verpasster Bus sollten Sie daran hindern, Verantwortung für Ihre Beziehungen zu übernehmen.
Das ist eine Frage des Bewusstseins. Ein vorbewusster Mensch wird sich schon über Kleinigkeiten aufregen und aus der Balance geraten. Ein bewusster Mensch wird sofort gegensteuern, weil er weiß, dass negative Emotionen binnen Minuten Gespräche
torpedieren und Vertrauen zerstören können. Stellen Sie sich der Herausforderung, durch Ihr Bewusstsein systematisch einen ausgeglichenen inneren Zustand herzustellen, unabhängig von widrigen Bedingungen. Natürlich können Sie nicht von heute auf morgen die sprichwörtliche Gelassenheit entwickeln, die uns an den buddhistischen Mönchen beeindruckt. Dafür bedarf es jahrelanger Meditation.
Doch Sie können auch sofort etwas tun: Ihre Reaktionen auf bestimmte Ereignisse reflektieren. Ist es wirklich ein Naturgesetz, dass Sie sich den ganzen Tag lang über den verpassten Bus ärgern? Denken Sie an das, was Sie in diesem Kapitel über Akzeptanz gelesen haben: Was man nicht ändern kann, lohnt den Ärger darüber nicht. Wäre es daher nicht klüger, nach dem ersten Ärger rasch wieder in die Balance
zu kommen? Physiologisch gesprochen, sind Gefühle wie Freude, Glück, Trauer oder Frustration nichts weiter als elektrochemische Muster, die sich durch unser Gehirn bewegen. Die Art, wie sie sich bewegen, können wir beeinflussen.
Pawlow: Das Phänomen der Konditionierung
Der legendäre russische Verhaltensforscher Iwan Petrowitsch Pawlow wies bereits 1905 nach, dass Reaktionen erlernt werden. Berühmt wurde sein Hunde Experiment:
Bei der Futterausgabe ertönte stets eine Glocke, und irgendwann lief den Hunden schon das Wasser im Maul zusammen, wenn sie lediglich die Glocke hörten. Ihr Hirn hatte den Zusammenhang während des Experiments gespeichert, mithilfe einer synaptischen Verschaltung: »Achtung, Glocke bedeutet Fütterung«.
Der anfänglich neutrale akustische Reiz des Glockentons wurde durch den Lernprozess mit Bedeutung aufgeladen, sodass eine unwillkürliche physische Reaktion erfolgte, der Speichelfluss. Pawlow nannte dieses Phänomen Konditionierung. Auf ähnliche Weise werden auch wir Menschen konditioniert, sogar emotional. Kennen Sie das? Im Radio läuft der Song, den Sie gehört haben, als Sie einst Ihre große Liebe kennen lernten. Sofort geraten Sie in eine weiche, sentimentale Stimmung. Andere lässt dieser Song völlig kalt, Sie aber schwelgen wieder in den Gefühlen von einst. Ihr Hirn hat die Verbindung gespeichert, und Sie können gar nicht anders, als in die damals gespeicherte Emotionalität zu geraten.
Allerdings ist das noch nicht das Ende der Geschichte. Denn im Gegensatz zum Tier verfügt der Mensch über die Gabe, seine Reaktionen, auch seine Gefühle zu reflektieren. Stellen Sie sich vor, Ihre große Liebe hat Sie tief verletzt. Während Sie den Song erneut hören, erinnern Sie sich nun aktiv an die nervenzerfetzenden Streitigkeiten, die mit der Trennung einhergingen. Daraufhin geben Sie dem Lied eine neue Bedeutung. Sie assoziieren es nicht mehr nur mit Glückseligkeit, sondern auch mit dem unerfreulichen Ende der Beziehung. Damit haben Sie bewusst die
Konditionierung durchbrochen, und wenn der Song das nächste Mal im Radio läuft, wechseln Sie möglicherweise den Sender. Wir sind unseren Emotionen nicht hilflos ausgeliefert, wir können Sie durch Reflexion bewusst beeinflussen.
Alles ist vom Bewusstsein veränderbar: Ihre Gewohnheiten zu denken, zu fühlen und Ereignisse zu bewerten. Deshalb können Sie auch Ihre inneren Zustände bewusst verändern. Jeder Mensch hat die Freiheit, darüber zu reflektieren, in welchen Zuständen er sich befinden möchte. Alles, was er verändern muss, ist die Bewertung der jeweiligen Situation. Sie haben den Bus verpasst? Dumme Sache, zugegeben, denn Sie werden zu spät im Job erscheinen. Doch falls Sie sich nicht aus Ihrem verärgerten Zustand befreien, setzen Sie noch eins obendrauf: Parallel zu Ihrer Verspätung produzieren Sie selbst eine anhaltend negative Stimmung, die im Laufe des Tages sämtliche Arbeitsabläufe und natürlich auch die Kommunikation belasten wird.
Negative Konditionierungen? Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gefühle
Machen Sie sich bewusst, dass Sie Souveränität in Bezug auf Ihre inneren Zustände entwickeln können. Befreien Sie sich aus negativen Konditionierungen, die Sie irgendwann erlernt haben. Selbst den stundenlangen Ärger über den verpassten Bus haben Sie nämlich erlernt, durch Ihre Eltern oder andere prägende Personen
Ihres Umfelds. Wären Sie hingegen in einem buddhistischen Kloster aufgewachsen, könnte Sie kein Bus der Welt irritieren. Dort hätten Sie Akzeptanz und Gelassenheit erlernt, und damit die Fähigkeit, jederzeit gute innere Zustände herzustellen.
Lernen Sie, ungeachtet äußerer Umstände bewusst Verantwortung für Ihre Gefühle zu übernehmen. Es geht nicht etwa darum, Emotionen zu unterdrücken oder zu verdrängen. Wir möchten Ihnen lediglich zeigen, wie Sie negative innere Zustände im Alltag schnell und kraftvoll ändern. Ihr neues Gefühlsmanagement beginnt damit, dass Sie zwischen spontanen Gefühlen und lang anhaltenden emotionalen Zuständen unterscheiden: »Ja, ich ärgere mich über den verpassten Bus – nein, ich lasse mir nicht den gesamten Tag verderben, indem ich dem Ärger erlaube, sich in mir einzunisten.«
Beschließen Sie bewusst, Ihre Bewertung von Störfaktoren zu verändern – als lediglich vorübergehende Irritationen. Um Ihre Stimmung souverän zu steuern, nehmen Sie
zunächst bewusst wahr, wie Sie sich fühlen:
entspannt / angespannt
selbstsicher / unsicher
konzentriert / zerstreut
respektvoll / abwertend
wachsam / apathisch
enthusiastisch / mutlos
friedlich / wütend
Was trifft zu? Wo möchten Sie ansetzen? Anders gesagt:Welcher innere Zustand blockiert Sie gerade, und welchen möchten Sie stattdessen erreichen? Nun haben Sie die Option, durch eine Reihe mentaler Techniken in den gewünschten Zustand zu kommen. Suchen Sie sich aus der folgenden Liste eine Technik aus, die zu Ihnen passt. Je nachdem, ob Sie beispielsweise eher auf Visuelles ansprechen, auf Worte oder auf Körperliches, gibt es Ihr ganz persönliches Tool.
Innere Bilder:Wenn Sie ein visueller Mensch sind, helfen Ihnen positiv aufgeladene Bilder, um sich aus einem Stresszustand zu befreien. Imaginieren Sie einen Ort, wo Sie glücklich und entspannt sind. Das kann ein palmengesäumter Strand sein, eine gemütliche Hütte in den Bergen, ein idyllischer Park, in dem Sie gern spazieren gehen, oder das Wohnzimmer Ihrer besten Freundin. Versetzen Sie sich in das Bild. Sehen Sie genau hin, und genießen Sie, wie Sie sich in diesem Bild bewegen. Niemand kann
es Ihnen nehmen. Es ist Ihr inneres Paradies, zu dem Sie jederzeit Zugang haben, Ihre Wohlfühlzone, die Ihnen einen guten inneren Zustand schenkt.
Körperliche Anker: Wenn Sie starke körperliche Stresssymptome ausbilden, wählen Sie ein verlässliches Ritual, um Ihren physischen und damit auch Ihren inneren Zustand zu verbessern. Atmen Sie zum Beispiel tief und regelmäßig, um Negatives auszuatmen. Legen Sie die Fingerspitzen aneinander und konzentrieren Sie sich auf die Energie, die zwischen Ihren Händen fließt. Eine gute Übung ist es auch, Ihre Augen diagonal wandern zu lassen: von rechts oben nach links unten und von links oben nach rechts unten, mit vielen Wiederholungen.
Motivierende Sätze:Wenn Sie eher auf Sprache reagieren, sagen Sie halblaut Sätze, die Ihre Gedanken und Gefühle in eine positive Richtung lenken. Etwa: »In zwanzig Jahren wird der verpasste Bus keine Rolle mehr spielen. Ich werde ihn zu Recht vergessen haben.« »Egal, was passiert, ich freue mich darauf, heute Abend im Bett zu liegen und meinen Lieblingskrimi zu lesen.« »Ich bin stolz darauf, was ich in den vergangenen Wochen geschafft habe.« Damit richten Sie Ihre psychische Energie weg
vom Ärgernis. Sie relativieren es, weisen es in seine Schranken und sind frei für die Vergegenwärtigung all jener Gründe, die für einen guten inneren Zustand sprechen.
Positive Vorbilder: Wenn Sie sich gern an Personen orientieren, hilft Folgendes: Suchen Sie sich jemanden aus, den Sie für seine Souveränität bewundern. Stellen Sie sich vor, diese Person wäre jetzt an Ihrer Seite. Malen Sie sich aus, wie sie achselzuckend
»shit happens« sagt und zur Tagesordnung übergeht. Diese Person lässt sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen, und Sie folgen diesem Beispiel.
Machen Sie es wie Woody Allen
Entkrampfender Humor: Wenn Sie Komödien und witzige Anekdoten mögen, versuchen Sie es mit der humorvollen Relativierung. Nehmen Sie die Beobachterposition ein, und betrachten Sie Ihr Missgeschick unter dem komischen Aspekt. Ist es nicht absurd,
was manchmal geschieht?War es nicht von außen betrachtet eine gute Nummer, wie Sie zur Bushaltestelle gerannt sind und dann nur noch die Rücklichter gesehen haben? Machen Sie es wie Woody Allen, der in seinen Filmen dem Ungemach immer eine witzige Seite abgewinnt. Ohnehin können wir oft mit einigem zeitlichen Abstand über Erlebnisse lachen, die im Moment wie ein Weltuntergang wirken.
Strategien zu nutzen, mit denen Sie sich bewusst in einen guten inneren Zustand bringen, bedeutet aktives Selbstmanagement. Lösen Sie sich von Ihren negativen Konditionierungen. Streben Sie eine Grundstimmung heiterer Gelassenheit an, die nicht so leicht erschüttert werden kann. Lassen Sie nicht zu, dass Sie innerlich dauerhaft in der Schmollecke sitzen oder an die Decke gehen, denn in solchen Zuständen sind Sie auf sich selbst zentriert und unfähig, sich für andere zu öffnen. Empathie erfordert
die Überwindung des Egos, empathische Spiegelung braucht eine achtsame Wahrnehmung des Gegenübers. Im Bewusstsein, dass Sie Ihren Beziehungen Priorität geben, messen Sie Störungen weniger Bedeutung zu,mit einem erfreulichen Ergebnis: Sie haben deutlich weniger schlechte Tage mit schlechter Kommunikation.
Die sichere Feedbackkontrolle
Sie haben gesehen: Wer sich sichere, konstruktive, harmonische Beziehungen wünscht, kann durch die Entwicklung bewusster Kommunikationskompetenz diese Ziele erreichen. Nun stellt sich die Frage:Woran kann ich die positive Veränderung festmachen? Was lässt mich sicher sein, dass meine empathische Haltung die
erwünschten Konsequenzen nach sich gezogen hat? Mit Verstand und Intellekt ist das nicht zweifelsfrei erkennbar. Da Empathie eine Frage von Haltung und Bewusstsein ist, entzieht sie sich der rationalen Überprüfung.
Sie brauchen Wachsamkeit und Erfahrung auf der Ebene der bewussten sinnlichen Wahrnehmung, um festzustellen, ob und wann die erwünschte Veränderung tatsächlich eingetreten ist. Die Betonung liegt hier auf der Kategorie des Bewusstseins. Für sich genommen, sind Ihre fünf Sinne nicht ausreichend, das Feedback zu analysieren. Sobald aber Ihr Bewusstsein mit Ihrer Sinneswahrnehmung zusammenarbeitet, gibt es Ihnen die Möglichkeit zu überprüfen, ob Sie Erfolg haben oder nicht. Denn die Bedeutung dessen, was Sie kommunizieren, zeigt sich in der Reaktion
des anderen.
Wie könnte das nun konkret aussehen? Bereits bei der Frage, woran Sie die gelungene Spiegelung erkennen, sind einige Kriterien genannt worden. Dabei ging es um die Zuordnung äußerer Zustände zu inneren. Das Empathie-Training erleichtert Ihnen
diese Zuordnung bei der Feedbackkontrolle, da Menschen »lesbar « für Sie geworden sind:
❯ Was sagt der Atem – ist er flach oder tief, regelmäßig oder unregelmäßig?
❯ Wie wirken die Augen – strahlen sie, oder ist der Blick unstet,
matt und trübe?
❯ Welche Signale sendet derMund – ist er verkniffen oder weich,lächelt er, oder ist er fest verschlossen?
❯ Wie verändert sich der Teint – wirkt er rosiger und lebendiger
oder grau und fahl?
❯ Was sagt die Körperhaltung aus – wirkt sie geduckt und verkrampft
oder aufrecht und voller Energie?
❯ Kann man Veränderungen des Muskeltonus erkennen – ist er
schlaff oder straff?
❯ Wie hört sich die Stimme an – gepresst oder klangvoll, zu hoch
oder in angenehmen Tonlagen?
❯ Was kann man aus dem Sprechtempo schließen – wirkt es gehetzt,
stockend oder entspannt?
Diese Fragen beziehen sich auf die Vorher/Nachher-Analyse. Dafür gibt es zwei Zeitrahmen. Erstens den großen Bogen vom Zustand vor Beginn der empathischen Kommunikation bis zum Jetzt-Zustand, zweitens bei jedem einzelnen neuen Gespräch.Wie verändert sich das Gegenüber? Ist der Funke übergesprungen?
Hat sich Vertrauen aufgebaut?
Achten Sie unbedingt darauf, ob Sie die Phase erreichen, in der Sie und Ihr Gesprächspartner einander tatsächlich spiegeln: Sind Ihre Atemrhythmen, Ihre Gesten, Ihre Mimik synchronisiert? Haben sich Stimmhöhe und Sprechtempo angeglichen?
Synchronisation, das wissen Sie bereits aus dem ersten Kapitel, ist immer ein Zeichen für vertrauensvolle gegenseitige Annäherung – so wie bei den beiden Verliebten im Restaurant, oder wenn ein Erwachsener ein Kind spiegelt und umgekehrt. Es sind
dann keine Abwehrmechanismen aktiv, die sich bei ablehnender oder feindseliger Kommunikation durch Asymmetrien zeigen.
Mit weiteren Kriterien können Sie eine Feinabstimmung des Feedbacks vornehmen. Hier geht es um den Grad Ihres Einfühlungsvermögens. Fragen Sie sich: Kann ich mir vorstellen, im Körper des anderen zu sein? Kann ich fühlen, wie es sich in seinem
Körper anfühlt? Kann ich mir vorstellen, seine Gedanken und inneren Bilder zu sehen? Kann ich hören, was der andere zu sich selbst spricht? Welche Informationen sammle ich, wenn ich mich in mein Gegenüber hineinversetze?
Abstandnehmen hilft
Für eine sichere Einschätzung hilft es, immer wieder für kurze Momente eine Beobachterposition einzunehmen. Auch Abstandnehmen hilft: Versuchen Sie, die Situation von außen zu betrachten, also sich und Ihren Gesprächspartner zu beobachten wie ein Zuschauer im Theater. Erst aus dieser gedachten Distanz heraus
können Sie die Beziehungsqualität neutral und emotionsfrei analysieren. Probieren Sie es aus! ZumBeobachter zu werden, ist eine uralte buddhistische Technik, um sich aus emotionalen Verstrickungen zu lösen. Aber warum stützen wir uns bevorzugt auf die
buddhistische Tradition, wenn es um die Überprüfung der Beziehungsebene
geht?
Der Buddhismus nimmt eine äußerst scharfsinnige Unterscheidung vor: zwischen dem Selbst, zu dem das Ich und das Ego gehören, und dem »höheren Selbst«.Mit dem spirituellen Begriff des »höheren Selbst« wird das göttliche Prinzip im Menschen
bezeichnet – Liebe, Mitfühlen, Empathie, Vertrauen, Solidarität, Altruismus, gelebte Verbundenheit. Zugleich ist es eine innere Instanz: Handele ich so, dass ich all diese wunderbaren Werte verwirkliche? Daher ist das »höhere Selbst« zum neutralen Beobachter prädestiniert. Es ist unbestechlich, weil es wertorientiert zum Wohle aller ausgerichtet ist. Genauso leuchtet ein, dass das Ich im Sinne des Egos kein guter Beobachter zweier Menschen sein kann. Es ist sozusagen parteiisch und im wahrsten Sinne des Wortes egoistisch.
Sie können das »höhere Selbst« auch bereits vor einem Gespräch hinzuziehen. In diesem Fall imaginieren Sie ein bevorstehendes Gespräch, als seien Sie Autor und Regisseur eines inneren Films. Aufgrund der Werte Ihres entwickelten Bewusstseins und Ihres »höheren Selbst« bestimmen Sie das Drehbuch. Wie sähe der ideale Austausch aus? Wie setzen Sie Ihre Ziele so um, dass sich beide Akteure wohlfühlen? Innerhalb dieses Films können Sie die Szene als Beobachter betrachten, Sie können sich aber auch mühelos in die beiden Gesprächspartner hineinversetzen. So haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Perspektiven. Der innere Film eignet sich sowohl für die Vorbereitung auf ein Gespräch als auch für die spätere Feedbackkontrolle. Stimmen
Film und Realität überein? Was lief wie gewünscht, wo gab es unvorhergesehene Komplikationen? Für die Schulung Ihres Bewusstseins ist dies eine hervorragende Übung. Spätestens beim zweiten oder dritten inneren Film, den Sie erschaffen, können Sie sogar Komplikationen einbauen und sich überlegen, wie Sie adäquat darauf reagieren.
Wenn Sie dann in der realen Situation die Beobachterposition einnehmen, ziehen Sie eine Bilanz:
❯ Wie wirken die Personen aufeinander?
❯ Wie beeinflussen sie sich gegenseitig?
❯ Welches Verhalten führt zu welcher Reaktion?
❯ Welche Erkenntnisse gewinnen Sie?
Im Laufe der Zeit und mit der entsprechenden Übung wird die Reflexion Ihrer Kommunikation zu einer festen Gewohnheit werden. Da Sie bewusst kommunizieren, entwickeln Sie ganz beiläufig eine höhere Sensibilität für die Feedbacks, die Sie erhalten. Sie werden immer leichter erkennen, ob Sie sich in Gesprächen wirklich wohlfühlen und Ihr Gesprächspartner ebenfalls. Genauso werden Sie auch sensibler für Verstimmungen. Was Sie früher vielleicht eher verdrängt haben, tritt nun deutlich zutage: Plötzlich blockt Ihr Gegenüber ab, oder es ist mit den Gedanken woanders. Möglicherweise zeigt es auch Anzeichen von Ungeduld oder Unlust. Übergehen Sie diese Störungen nicht. Ergründen Sie, warum Sie den empathischen Kontakt verloren haben.War es ein bestimmtes Wort? Ein heikles Thema? Oder eine zu schroffe
Bemerkung?
Jedes Gespräch ist so einzigartig wie der Mensch, mit dem Sie Kontakt aufnehmen. Der eine ist reservierter, der andere temperamentvoller. Manche Menschen zeigen ihre Emotionen offen, bei anderen muss man genauer hinschauen, um ihre Gefühle zu
entschlüsseln. Doch es gibt sichere Indikatoren dafür, dass ein empathischer Kontakt und eine positive Beziehungsebene entstanden sind.
Wir haben sie in Form einer Checkliste zusammengestellt:
❯ Angenehmes Gesprächsklima
❯ Harmonischer Gesprächsfluss ohne Pausen
❯ Lebendiger Austausch
❯ Betonen von Gemeinsamkeiten
❯ Humor, echtes gemeinsames Lachen
❯ Kompromissbereitschaft, Flexibilität
❯ Kooperativer Umgang mit Konflikten
❯ Teamgeist,Wir-Gefühl, Solidarität
Empathie als Krisenkompetenz
Zu den Störungen, die Ihre empathische Haltung durchkreuzen können, gehören auch Angriffe und unsachliche Kritik. Meist stehen wir dann erst mal völlig unter Schock: Um Gottes willen, was passiert da mit mir? Habe ich richtig gehört? Was tue ich denn jetzt? Schon diese Fragen verraten, dass man auf der Stelle den Blick fürs Gegenüber verliert und auf sich selbst zurückgeworfen ist. Der Angreifer wird nicht mehr ganzheitlich als Partner, sondern nur noch als Feind wahrgenommen. Deshalb geht man entweder in eine Schutzhaltung, oder man wappnet sich für den Gegenangriff: Wie kann ich diese Verletzung heimzahlen? Wie schaffe ich es, jetzt nicht mein Gesicht zu verlieren?
Diese Frontbildung ist ein natürlicher Reflex, ein evolutionäres Erbe, das sich in Körpersprache, Mimik und allen anderen nonverbalen Signalen ausdrückt, bevor wir überhaupt antworten. Abrupt hören wir auf, das »feindliche« Gegenüber zu spiegeln,
weil die Spiegelung Menschen vorbehalten ist, denen wir uns zugehörig fühlen oder denen wir Zugehörigkeit signalisieren wollen. Ein Feind hat in diesem empathischen System vermeintlich nichts zu suchen. Wir machen dicht, blocken ab, schwanken zwischen Angriff und Verteidigung. Doch gerade in solchen Situationen bewährt sich die empathische Kommunikation. Sofern Sie nämlich weiterhin empathisch bleiben,
sammeln Sie wertvolle Informationen über den Angreifer und können adäquat reagieren.
Steve Jobs, der geniale Konfliktmoderator
Bereits zu Lebzeiten war Apple-Gründer Steve Jobs eine Legende. Als Erfinder und Produktentwickler schrieb er bekanntlich Technologiegeschichte, indem er der breiten Masse die Errungenschaften des digitalen Zeitalters zugänglich machte – etwa
durch den Personal Computer und das iPhone. Ein weiteres Geheimnis seines Erfolgs war seine kommunikative Kompetenz. Obwohl viele Weggefährten ihn als schüchtern beschrieben, trat er regelmäßig vor die versammelte Belegschaft, um über den Stand der Dinge zu referieren. Auch Fragen waren zugelassen. Bei einer dieser Versammlungen wurde er von einem Mitarbeiter hart angegriffen: Jobs habe Fehlentscheidungen getroffen und den Erfolg des Unternehmens gefährdet. Alle
hielten den Atem an.Wie würde Jobs reagieren?Wütend? Verletzt? Beschämt?
Für jeden anderen Chef wäre diese Situation heikel gewesen, nicht aber für Steve Jobs. Seine Reaktion war beispielhaft für empathische Kommunikation. Timing: Statt sofort zu antworten, ließ er sich erst einmal Zeit. Bedächtig nahm er einen Schluck aus seiner Wasserflasche, sah den Mitarbeiter lange direkt an und dachte nach. Es waren
drei positive Dinge, die sein Verhalten charakterisierten: Mit dem Wassertrinken erholte er sich von dem »Schlag« des Mitarbeiters, durch die Wahrnehmung des Angreifers machte er sich ein Bild von dessen innerem Zustand, und durch die Denkpause
konnte er seine emotionalen Reflexe (Betroffenheit, Verletztheit, Wut, Scham) unter Kontrolle bringen. Zugleich zeigte er dem Mitarbeiter: Ich bügele deinen Einwand nicht ab, ich nehme dich und das Gesagte ernst, denn ich nehme mir Zeit für
dich.
Empathische Spiegelung: Nun hätte Steve Jobs zu einer Entgegnung ansetzen können, auch zu einem Gegenangriff. Was er nicht tat. Zum Erstaunen aller Anwesenden gab er dem Mitarbeiter recht: Ja, es habe Fehlentscheidungen gegeben. Jobs zeigte also, dass er das Gesagte nachvollziehen konnte und den Kritiker akzeptierte, womit er ihn empathisch spiegelte, statt ihn abzulehnen oder auszugrenzen. Gleichzeitig signalisierte er damit Gesprächsbereitschaft.
Übrigens blieb er auf der Bühne in einer stehenden Position, obwohl ein Stuhl vorhanden war, denn auch der Mitarbeiter im Auditorium war für seinen Redebeitrag aufgestanden. Allein schon diese Synchronisierung der Körpersprache zeigte seine Empathie. Sachliche Argumente: Sehr ruhig und ausführlich erläuterte Jobs nun das Problem der Fehlentscheidungen. Dabei merkte er an, er habe eine Vision für das Unternehmen, und bei der Umsetzung müsse es unweigerlich zu Fehlern kommen: »Einige Fehler werden auf dem Weg gemacht. Und das ist gut. Denn wenigstens werden dabei Entscheidungen getroffen.« Ein brillantes Argument – dass Entwicklung nur mit einer hohen Fehlertoleranz möglich ist. Doch die Botschaft wäre nicht angekommen, wenn er nicht vorher in die Spiegelung gegangen wäre.
Aufbauende Perspektive
Integrativer Lösungsansatz: Um sein Statement abzurunden, wählte Jobs eine aufbauende Perspektive, die alle Anwesenden mit einschloss: »Wir werden die Fehler finden und sie beheben «, versicherte er. »Aber ich denke, dass es schon sehr viel
besser läuft als noch vor kurzer Zeit, und ich denke, dass wir es schaffen werden.« Diese Schlusssätze wurden vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt. Auch der Kritiker applaudierte. Jobs hatte ihn mit Empathie und seinem unbeirrbaren Wir-Gefühl
überzeugt, das auch die anderen Mitarbeiter begeisterte. Ist es nicht immer wieder interessant, erfolgreichen Menschen über die Schulter zu sehen und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu beobachten?
Teamplayer Steve Jobs und seine Krisenkompetenz
Bei Steve Jobs kann man davon ausgehen, dass er auf einem hohen persönlichen Bewusstseinslevel stand, da er in den Siebzigerjahren Indien bereiste und sich intensiv mit dem Buddhismus auseinandersetzte. Spirituelle Ideen beschäftigten ihn ein Leben lang, so, wie er sich auch bis zuletzt zum Buddhismus bekannte – und damit zu einer Geisteshaltung des Wir. Seine Vorbilder waren bezeichnenderweise keine Wirtschaftstycoons, sondern die Beatles, über die er sagte: »Das waren vier Typen, die gegenseitig ihre negativen Tendenzen in Schach hielten. Sie balancierten sich gegenseitig aus, so dass das Gesamte viel mehr als die Summe der Einzelteile wurde. Große Dinge in der Geschäftswelt werden nicht von einer Person gemacht, sondern von einem Team.«
Als Buddhist war Steve Jobs bewusst Teamplayer – das erklärt seine empathische Kommunikationsfähigkeit und seine Krisenkompetenz. Man kann aus dem Beispiel lernen, wie viel Souveränität die empathische Haltung verleiht. Und mit Haltung ist hier
wirklich eine innere Grundhaltung gemeint, keine raffinierte Strategie Steve Jobs lebte die buddhistischenWerte Respekt, Akzeptanz, Vertrauen,Wir-Orientierung. Er verkörperte sie und streifte sie nicht etwa wie Ballast ab, wenn es hart auf hart kam. Das gab ihm unter anderem die Authentizität, mit der er in der angespannten
Situation des Angriffs seine Gefühlsreflexe kommen und wieder gehen ließ.
Vor allem aber bezog er die harte Kritik nicht auf sich als Person. Da er als Buddhist sein Ego reflektierte und im Zaum halten konnte, war er weit davon entfernt, den
Angriff als narzisstische Kränkung zu behandeln. Vielmehr betrachtete
er die Situation als willkommene Gelegenheit, das Wir-Gefühl und damit die Werte des Unternehmens zu stärken. Die Werte des »höheren Selbst«, die Steve Jobs so sichtbar
vorlebte, erzeugen darüber hinaus einen entscheidenden Benefit: Gelungene empathische Kommunikation läuft immer auf die souveräne Steuerung eines Konflikts hinaus. Solange das Ego die Oberhand behält, herrschen verwirrende Emotionen vor.Man ist beleidigt, beschämt, wütend oder ängstlich, also im Bann seiner
Gefühle. Wer sich aber in den Angreifer einfühlt und ihn einbezieht, kann das Gespräch buchstäblich »führen«, im Sinne des
Quiet Leadership
Empathisches Konfliktmanagement heißt: Man nimmt den Angriff nicht persönlich (Ich, Ego, Selbst), sondern als Option, die Beziehungsqualität zu sichern (Wir, Werte, »höheres Selbst«). Wie hätten Sie in einer ähnlichen Situation reagiert? Und was
können Sie aus dieser Geschichte mitnehmen? Sehen wir uns die einzelnen Elemente einmal näher an. Timing: Werden wir angegriffen, geraten wir binnen Sekunden
unter emotionalen Druck und fühlen uns zu einer schnellen Reaktion gedrängt. Oft lassen wir den Kritiker nicht einmal ausreden, sondern schießen entweder sofort zurück oder gehen in die Schutzhaltung – wir streiten die Verantwortung ab oder erklären
die Vorwürfe für nichtig. Gerade die überhastete Antwort aber blockiert einen echten Austausch.Wer zu schnell antwortet, blendet das Gesagte und den Kritiker aus, weil keine Zeit für die bewusste Wahrnehmung des Gegenübers bleibt. Spiegelung: Auch und gerade in Konfliktsituationen ist empathische Spiegelung der Königsweg.
Dem Angreifer zeigen, dass man ihn versteht und respektiert
Jetzt kommt es darauf an, dem Angreifer zu zeigen, dass man ihn sieht und hört, dass man sein Anliegen versteht und respektiert. Man muss die Meinung des Gegenübers keineswegs teilen, wichtig ist allein, dass man erst einmal eine Ebene der Akzeptanz installiert.ehe man Argumente: Auch die Formulierung der Argumente sollte dem Spiegelprinzip folgen, durch eine ähnliche Wortwahl und in einem Sprachmodus, der dem des Angreifers ähnelt. Eingedenk der Tatsache, dass es auf die Beziehung ganz entscheidend ankommt und dass sie prinzipiell wichtiger ist als der Inhalt, sollten
Schlüsselbegriffe wiederholt werden und die Benennung der Vorwürfe Teil der Antwort sein. Lösungsperspektive: Absolut jede Kritik enthält wichtige Informationen über den Angreifer, und diese Informationen müssen in die Reaktion eingebaut werden.
Hierfür ist eine bewusste Zielsetzung nötig: Was ist das übergeordnete, was ist das aktuelle Ziel? Beim aktuellen Ziel geht es um die Klärung der Sachebene. Das übergeordnete Ziel sollte immer auf die Beziehungsqualität und damit auf gemeinsame Lösungen hinarbeiten. So wird die Kritik, sei sie nun begründet oder unbegründet, sachlich oder unsachlich, zum Teil der Lösung. Die empathische Reaktion baut darauf, dass fast jeder Kritiker auch eine positive Absicht verfolgt – neben möglichen anderen
Motiven wie Angriffslust, Selbstdarstellung oder Frustration.
Konzentrieren Sie sich bei Ihrer Antwort einzig und allein auf die positive Absicht, und lassen Sie sich nicht von dieser Haltung abbringen.Fasst man die eben skizzierten Punkte zu einem Handlungsablauf zusammen, so ergibt sich die folgende Dramaturgie:
Wie Sie souverän mit Kritik und Angriffen umgehen:
1. Sie hören aufmerksam zu, nehmen den Kritiker mit all seinen Signalen wahr und machen sich ein Bild von seinem inneren Zustand. Dafür nehmen Sie sich genügend Zeit. Eventuell sagen Sie: »Moment, darüber muss ich erst einmal nachdenken.«
2. Sie spiegeln den Kritiker verbal und nonverbal, so dass zwischen Ihnen eine gute Beziehungsebene entsteht. Fragen Sie ruhig: »Wie ist das genau gemeint?« Zeigen Sie ihm, dass er sich wahrgenommen, verstanden und akzeptiert fühlen kann.
Paraphrasieren Sie den Vorwurf, damit kein Zweifel darüber besteht, wie ernst Sie ihn nehmen. »Sie sind also der Meinung, dass …« und machen Sie deutlich, dass die Kritik angekommen ist: »Ich bin betroffen, dass Sie…«
3. Bei der Formulierung Ihrer Argumente bleiben Sie verbal und nonverbal in der Spiegelung. Verwenden Sie die zentralen Begriffe des Kritikers, zitieren Sie den Vorwurf noch einmal, und erläutern Sie auf diese empathische Weise Ihre Sicht der Dinge. »Ich kann also davon ausgehen, dass Sie den Standpunkt vertreten … und dass dieser Standpunkt von meinem abweicht, weil ich denke, dass…«
4. Beziehen Sie beim Entwurf einer Lösung die Informationen ein, die Sie während des Angriffs gesammelt haben. Das betrifft neben den sachlichen Inhalten auch den inneren Zustand Ihres Gegenübers (unzufrieden, genervt, verärgert, enttäuscht, ungeduldig).Thematisieren Sie diesen Zustand aber auf keinen Fall verbal, denn das würde zu Fronten führen, und berücksichtigen Sie ihn lediglich auf der Meta-Ebene. Bleiben Sie verbal bei den Fakten, und denken Sie integrativ bei der Lösung:
im Wir, nicht im Ich. Hier können Sie den Kritiker auch direkt ansprechen: »Haben Sie einen Vorschlag? Wie können wir das am besten lösen?«
Dieses Modell kann Ihnen als wertvolle Orientierung dienen. Spielen Sie es gedanklich mit Situationen durch, die Sie selbst erlebt haben.Wie war das noch beim letzten Streit mit der Partnerin/dem Partner? Und was hat Ihnen Kollege X vor Kurzem an den Kopf geworfen? Versuchen Sie, sich so genau wie möglich an die kontroversen Gespräche zu erinnern, wie an einen Film, den Sie im Kino gesehen haben. Dann drehen Sie einen neuen Film, in dem Sie bewusst empathisch reagieren.Womöglich werden Sie es nun kaum abwarten können, dass jemand Sie angreift, weil Sie Ihre neu erworbenen Kommunikationskompetenzen ausprobieren möchten. Nur zu.
Testen Sie Ihre empathische Krisenkompetenz.
Es wird eine positive Erfahrung sein, schon allein deshalb, weil Sie nicht mehr überrumpelt werden können. Sie sind vorbereitet und haben damit auch die Steuerungsoptionen auf Ihrer Seite. Schwierig wird es natürlich, wenn der Angreifer Sie vorsätzlich verletzt, bloßstellt oder beleidigt. Selbst grundentspannte Zeitgenossen mit
einem gut kontrollierten Ego können dann schon mal die Nerven verlieren. Das ist nur menschlich. Aber bedenken Sie, dass Ihnen mit der Beherrschung auch Ihre Steuerungsmöglichkeiten abhanden kommen.Wer sich seinerseits mit Verletzungen,
Bloßstellungen und Beleidigungen revanchiert, wird zur Marionette des Angreifers.
Deshalb raten wir Ihnen: Bleiben Sie selbst in solchen Extremsituationen empathisch. Spiegeln Sie den Übeltäter nach dem obigen Modell, und gehen Sie keinesfalls auf die
Abwertungen ein, nur auf den sachlichen Kern. Die Gefahr wäre groß, dass Sie die fehlenden empathischen Kompetenzen Ihres Gegenübers mit faktischen Inhalten verwechseln.
Ignorieren Sie gezielte Kränkungen. Gehen Sie darüber hinweg, und bewerten Sie sie ausschließlich als eine wichtige Informationsquelle über Ihren Kontrahenten. Um Ihr Gegenüber dennoch zu spiegeln, bedanken Sie sich bei ihm für seine Offenheit.
Das wird ihm die schmerzlich vermisste Anerkennung vermitteln, die er bewusst oder unbewusst durch sein provozierendes Verhalten bekommen möchte. Danach überführen Sie die kränkenden Aussagen auf eine neutrale Sprachebene.
Sagt ein Kollege: »Sie sind ein lächerlicher Versager«, formulieren Sie den Satz neu und zwingen Sie Ihr Gegenüber zur Konkretisierung: »Sie sind also der Ansicht, dass ich an bestimmten Aufgaben scheitere. Könnten Sie mir bitte ein Beispiel geben?«
Erfahrungsgemäß lässt man mit dieser Reaktion »die Luft raus«, wie es so schön heißt. Sie bringen den Angreifer aus dem Konzept. Er hatte sich auf eine offene Konfrontation eingestellt, ist im Kampfmodus und voller negativer Emotionen. Mit Ihrer Frage
lenken Sie seine psychische Energie weg von seinen Aggressionen und hin zur Verstandesebene, ohne die Beziehungsebene zu verlassen. Denn Sie vermitteln ihm ja, dass Sie an seiner Sicht der Dinge interessiert sind und das Gespräch weiterlaufen lassen, statt sich verstimmt abzuwenden.
Steuern und Führen ist sogar in den heikelsten Situationen möglich, sofern man die empathische Haltung verinnerlicht hat. Bedenken Sie, dass noch die schlimmste Beleidigung ein Versuch der Kontaktaufnahme ist: Jemand ist interessiert an Ihnen, kann das jedoch nur negativ artikulieren. Wenn Sie ihn dann spiegeln und dadurch Ihrer Akzeptanz versichern, werden Sie etwas Interessantes feststellen: Auch hinter der Aggression verbirgt sich der geheime Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit.
Selbstwahrnehmung und Selbstkompetenz
Kommunikation richtet sich zwar nach außen, doch man sollte sich immer aufs Neue bewusst machen, wer da überhaupt mit dem Außen Kontakt aufnimmt. Womit die Frage aufgeworfen wird: Wer sind Sie eigentlich? Eine banale Frage ist das keineswegs.
Natürlich glauben Sie, sich selbst zu kennen. Andererseits ist Selbsterkenntnis ein Projekt, das immerhin alle großen Philosophien und Religionen thematisieren. Bestimmt haben Sie schon einmal von der altgriechischen Tempelinschrift gehört: Erkenne dich selbst! Dahinter steht das Eingeständnis, dass nur wenige ein klares Bewusstsein dafür haben, was sie antreibt, wofür sie stehen, welche Ziele sie haben, zumal die Antworten je nach biografischer Phase unterschiedlich ausfallen können.
Das Selbst ist keine unveränderliche Größe, es wandelt sich in einem andauernden, abwechslungsreichen Prozess. Das sieht man beispielsweise an der Verschiebung der Werte im Laufe des Lebens. Als Jugendlicher möchte man vor allem Spaß haben,
beim jungen Erwachsenen dominiert möglicherweise die berufliche Zielstrebigkeit, ältere Menschen verlagern den Schwerpunkt oft auf eine höhere Lebensqualität. Um Aufschluss über unsere aktuellen Gedanken, Gefühle und Handlungen zu erlangen,
ist es wichtig zu wissen, worauf wir unsere psychische Energie richten. Was beschäftigt Sie aktuell? Welche neuen Menschen gibt es in Ihrem Leben? Haben Sie kürzlich Interessen oder Hobbys entdeckt, die Sie vorher nicht hatten? Welches sind Ihre unerfüllten Wünsche? Was sagt all das über Ihren Status quo?
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