Geht das? Als frischgebackene Mutter einen Premierminister-Job haben? Im CNN-Interview sagt Jacinda Ardern: Klar, geht das

Am Rande der UN-Generalversammlung interviewte CNN-Moderatorin  Christiane Amanpour im Rahmen ihrer Sendung „Amanpour“ die neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern. Kurz zuvor waren Bilder von der Premierministerin und ihrer Tochter – das Baby Neve – aus dem Sitzungsaal der UN-Vollversammlung in New York um die ganze Welt gegangen. Im CNN-Interview sprach Ardern über ihre Erfahrungen als Spitzenpolitikerin, die auch stillende Mutter ist, über Sexismus in den Medien und die progressive gesellschaftliche Haltung in ihrem Heimatland.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern (Foto: CNN International)

 

„Ich musste akzeptieren, dass es unter Staatsoberhäuptern noch eine Seltenheit ist“

Zu Beginn des Interviews ließ Jacinda Ardern noch einmal die Situation Revue passieren, als sie ihre drei Monate alte Tochter bei der UN-Vollversammlung im September in Empfang nahm: „Ich hatte gerade meine Rede gehalten und stieg vom Podium, um festzustellen, dass sie im Sitzungssaal der Generalversammlung war. Es gibt sogar ein Foto von mir, das diesen Moment festhält […]. Es war wunderbar, sie dort zu sehen.  Ich hatte sie eigentlich in einem anderen Raum erwartet. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich immer noch stille. Ich habe Neve fast stets bei mir. Es ist nur nicht immer offensichtlich, dass sie in meiner Nähe ist.“

 

Staatsoberhäupter werden sonst nicht Mutter

Ardern reagiert verwundert auf die Tatsache, dass wenige Monate zuvor die Geburt ihrer Tochter eine solche Aufmerksamkeit auf sich zog. Auf die Frage, ob sie diese Reaktion erwartet hätte, sagte sie: „Nein, weil es natürlich ganz normal für Frauen ist, die Mütter werden. Aber ich musste akzeptieren, dass es unter Staatsoberhäuptern noch eine Seltenheit ist. Ich hoffe, dass es eines Tages nicht mehr kommentierungswürdig ist. Gegenwärtig ist dies jedoch noch nicht der Fall, aber das akzeptiere ich. Aber die Zeit wird kommen.“

CNN-Moderatorin Christiane Amanpour (l.) interviewt in ihrer Sendung „Amanpour“ die neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern (r.) (Foto: CNN International)

 

Logistische Herausforderungen im Job – aber machbar

Premierministerin Ardern erklärte, warum sie so offen über die Thematik spricht: „Ich möchte es normalisieren. Wenn wir moderne, aufgeschlossene Arbeitsplätze haben wollen, dann müssen wir anerkennen, dass dies logistische Herausforderungen mit sich bringt. Dadurch, dass ich die Erste bin und ein bisschen offener damit umgehe […], hoffe ich, anderen Frauen den Weg zu ebnen.“

 

Man sollte drüber sprechen – und es normalisieren

Ardern hebt die wichtige Rolle ihres Partner hervor: „Ich betone immer wieder, dass ich in diesem Sinne nichts Besonderes tue. Ich erhalte viel Unterstützung. Die Tatsache, dass mein Partner Clarke die Möglichkeiten hat, dies mit seiner Karriere zu vereinbaren und die primäre Bezugsperson für unser Baby sein kann, macht all dies möglich. Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, war die Anzahl der Männer und Frauen, die mir nach unserer Ankündigung, wie wir uns arrangieren werden, gesagt haben: ‚Wir haben genau dasselbe getan.‘ Es wird nicht viel darüber gesprochen […]. Und auch das müssen wir normalisieren.“

 

Sexismus in den Medien: „Kann eine frischgebackene Mutter ihren Job  überhaupt noch erledigen?“

Ist Sexismus in den Medien ein generelles Problem? Wie reagiert die Premierministerin, wenn die Presse im eigenen Land die Frage aufwirft, ob sie als schwangere Frau oder frischgebackene Mutter ihren Job überhaupt erledigen könne? „[…] Wir sollten offen gegenüber Kritik sein, wir sollten offen dafür sein, gleichermaßen herausgefordert zu werden, wie unsere männlichen Kollegen. Ich akzeptiere das und ich ermutige dazu. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir in einer robusten Demokratie leben. Es wird jedoch sehr schwierig, wenn man versucht, abzugrenzen, was als sexistische Kritik angesehen werden könnte. Um ehrlich zu sein, lasse ich mich darauf einfach nicht ein […]. Der beste Weg, wie ich gegen diese Aussagen vorgehen kann, besteht einfach darin, eine kompetente Führerin zu sein und meine Arbeit gut zu erledigen.“

 

Neuseeland als Vorbild: Bereits die dritte Premierministerin

Mit Blick auf ihr Heimatland stellt Ardern fest: „Ich würde uns definitiv als unglaublich fortschrittlich einstufen – alleine angesichts der Tatsache, dass ich die dritte weibliche Premierministerin [des Landes] bin. Ich bin als junge Frau nicht in dem Glauben aufgewachsen, dass mich mein Geschlecht auch nur in irgendeiner Weise daran hindert, zu tun was auch immer ich wollte. Das verdanke ich Neuseeland, meinem Umfeld und den Frauen, die mir vorangegangen sind. Ich rechne den Neuseeländern hoch an, dass sie die Geburt meines Kindes während meiner Amtszeit begrüßten. Die positiven Rückmeldungen überwiegen bei weitem die negativen. Ich bin zutiefst stolz darauf, wie weit wir als Nation gekommen sind.“

 

Das Video mit dem CNN-Interview  kann hier aufgerufen werden: https://cnn.it/2N3A6YA

 

 

 

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