Umfrage Big Data im Mittelstand: Warum Unternehmen ihre Daten weder sammeln noch analysieren

Big Data im Mittelstand

 
Die Mittelständler könnten – wenn sie nur wollten – ihren Kunden samt deren Kaufgewohnheiten viel besser auf die Spur kommen und Potenziale heben, wenn sie sich mehr für ihre eigenen Daten interessierten und konsequent analysierten. Eine Studie der Commerzbank hat die Gründe abgefragt.
 
 
Nur jedes dritte mittelständische Unternehmen sammelt überhaupt Informationen und Daten über einzelne Kunden und deren Konsum- und Kaufverhalten – die große Mehrheit, 60 Prozent lassen es lieber.
Auch wenn Big Data schon seit Jahrzehnten als Schlagwort bekannt ist und der Nutzen unumstritten ist: Zwischen Bewusstsein und Tun klafft da eine große Lücke. Selbst wenn Daten im Unternehmen gesammelt werden, so kümmern sich nur zwölf Prozent der Entscheider – Manager der Top-Ebene und Unternehmer – darum. Stattdessen pfeifen sie auf Daten zu Kunden, Nutzen und Märkten. Denn wenn man die Fakten einmal gesammelt hat, wäre es ja eigentlich nicht mehr so schwer, sie zu analysieren, intelligente Schlüsse daraus zu ziehen und die Unternehmensziele konsequent in Richtung Kunden auszurichten.
 
 
Was Unternehmen ausbremst
 
Eigentlich. Ermittelt hat diese Diskrepanz zwischen Denken und Handeln bei den Unternehmern die neue Mittelstandsstudie der Commerzbank, die jährlich 2000 Unternehmen mit mindestens 2,5 Millionen Euro Umsatz befragt. Was die Unternehmen davon abhält? In 31 Prozent der Fälle sind es die Führungskräfte, die blocken. In 30 Prozent der Unternehmen gibt es Probleme mit dem Datenschutz und bei 40 Prozent mangelt es an Personal-Ressourcen, sprich, sie haben zu wenig Mitarbeiter dafür an Bord. Das Fazit von Michael Reuther, Vorstand der Commerzbank fürs Firmenkundengeschäft lautet denn auch: Viele Mittelständler seien wegen ihrer eigenen Strukturen und Prozesse noch nicht reif fürs Big-Data-Zeitalter. Ihre eigene Führungskultur stehe der Nutzung des riesigen Potenzials von Big Data im Weg. Und: Die mittelständischen Unternehmen bräuchten einen Weckruf.

Michael Reuther, Vorstand Firmenkunden (Foto: Commerzbank)

Dass die Unternehmen Big Data können, wenn sie müssen, beweist diese Tatsache: Sie erfassen sehr wohl datentechnisch Finanzen, Ressourcen, Lagerbestände oder Absatzschwerpunkte. Vermutlich liegt das an gesetzlichen Bilanzierungsvorschriften, aber auch am Finanzamt – was ja großen Wert auf diese Zahlen von den Unternehmen legt.  
 
 
 
Individuelle Fertigung nur bei jedem dritten Unternehmen
 
Die Studie im Detail: 32 Prozent der Unternehmen setzen schon neue Technologien für individuelle Fertigung ein. 23 Prozent vernetzen ihre Maschinen untereinander. Wobei: Mancher Mittelständler handelt möglicherweise aus einem ganz anderen Kalkül so vorsichtig. Denn je weniger vernetzt ist, umso weniger dramatisch können Schäden nach Cyber-Attacken ausfallen.
 
Manche Branchen sind auch gar nicht so leicht zu digitalisieren: Im Dienstleistungssektor arbeiten nur acht Prozent der befragten Unternehmen daran, die Arbeit von Menschen zu ersetzen durch digitale und autonome Prozesse. Wenn die Medien und Beratungen seit zwei Jahren fortwährend von Künstlicher Intelligenz predigen, so haben sie damit den unternehmerischen Alltag abgehängt, so die Studie.
 
 
Die größte Angst: Hacker, Cyber-Attacken und Digitalbetrüger
 
Große Angst jagt den Entscheidern hingegen das Thema IT-Sicherheit ein: 78 Prozent der Befragten sehen sich von Hackern bedroht. Viele haben auch schon schlechte Erfahrungen damit gemacht und Schäden erlitten: 17 Prozent haben bereits Cybercrime-Attacken durch Viren oder Trojaner hinter sich, acht Prozent wurden Opfer von Hackerangriffen. Sechs Prozent der Unternehmen wurden schon ausspioniert und weitere sechs Prozent erlitten Verluste durch digitale Betrüger wie beispielsweise beim sogenannten Enkeltrick 4.0 oder Chef-Fraud. https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/chef-betrug-wie-falsche-chefs-millionen-ergaunern/14616996.html  
 
 
Zumindest Denkanstöße als Vorbild
 
Ebenso furchteinflößend finden die meisten Mittelständler – konkret 68 Prozent – die Technik-Giganten wie Alibaba, Facebook oder Google. 20 Prozent sehen sie auch konkret als Konkurrenz. 34 Prozent der Unternehmer gewinnen Google & Co. zumindest etwas Gutes ab: Denkanstösse für ihre eigenen Prozesse.   
 

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