Abgewiesene Bewerber als Zierde: Die Firma ist stolz – und ganz viele Menschen enttäuscht

Vor wenigen Wochen meldete die Lufthansa stolz: Allein im vergangenen Jahr gingen über 110.000 Bewerbungen im Karriereportal www.Be-lufthansa.com ein. Und dass sich Bettina Volkens, Vorstand Personal und Recht bei der Lufthansa, darüber freue: „Dies zeigt, dass Lufthansa nach wie vor zu den attraktivsten Arbeitgebern Deutschlands gehört. Das macht uns sehr stolz.“

 

Die Allermeisten werden abgewiesen

Und wie viele Menschen wurden nun 2016 eingestellt? Immerhin 3.000. Anders herum betrachtet sieht es aber so aus: 107.000 Menschen erteilte die Lufthansa eine Abfuhr. Das heißt, so viele hat sie enttäuscht. Nachdem diese Menschen viel Zeit auf die umständlichen deutschen Bewerbungsverfahren verwendet und wahrscheinlich auch Geld investiert hatten.

 

 

Sich mit den Abgeblitzten schmücken, um noch mehr abblitzen lassen zu können

Und mit genau diesen vielen Enttäuschten schmückt sich die Lufthansa nun? Mit denen, die eine Niederlage erlitten, die ihr Ziel verfehlten haben und draußen bleiben müssen? Vor allem damit, dass es so viele sind, die sie enttäuscht? Mit einer sechsstelligen Zahl. Wozu eigentlich? Um noch mehr Bewerber anzulocken, die man dann ebenfalls abweist.

 

Nebenbei bemerkt: Die hohe Bewerberzahl beweist ja nicht einmal, dass die Airline ein toller Arbeitgeber ist. Die Bewerber können ja (noch) gar nicht wissen, ob die Lufthansa ein toller Arbeitgeber ist. Sie hoffen es allenfalls. Und reflektieren eigentlich nur auf die Marke.

 

Hin wie her: 107.000 Menschen fühlen sich minderwertig, da sie ja nicht gut genug für die Lufthansa sind und eine Abfuhr erfuhren. Klar, ein paar ganz Harte mit hohen Nehmerqualitäten mag es tatsächlich egal sein, wenn sie abgelehnt werden. Aber die sind nicht die Norm.

 

Unangemessen und respektlos: Menschen „wie Amazon-Ware“

Mit dem Thema befasst sich auch die Wissenschaft: Viele abgeblitzte Bewerber erleben den Umgang mit den Arbeitgebern als unangemessen oder gar respektlos, fühlen sich nicht menschlich, nicht individuell behandelt. „Also man bewirbt sich ja als Person, als Mensch und ich werde aber eigentlich behandelt als eine Ware, die auf amazon.de angeboten wird“, so der O-Ton einer Befragten im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung von Professor Manfred Seifert vom Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg mit der E-Recruitingplattform Softgarden.

 

Die meisten Bewerber haben starke Gefühle – und sind umso enttäuschter bei Standardabsagen oder fehlenden Rückmeldungen

Das Ergebnis laut „Wirtschaftspsychologie aktuell“: „Mit ´starken Gefühlen´ ist eine Bewerbung auf eine neue Job-Position bei mehr als vier von fünf Kandidatinnen und Kandidaten verbunden. Die Bewerber verglichen die Bewerbung als Lebenssituation mit Partnerschaft und Partnersuche oder auch mit Prüfungsszenarien.“ Umso schwerer wiegen eine „gefühlt“ zu lange Dauer des Bewerbungs-Prozesses oder die Enttäuschung darüber, oft keine Rückmeldungen oder lediglich einen Zwischenstand zu bekommen oder automatisierte Standardabsagen zu erhalten, so das Fachblatt.

 

Links: http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/lernen/lernen-20170509-lernen-von-manfred-seifert-von-ethnologischem-interesse-bewerber-und-ihre-gefuehle.html

 

www.softgarden.de/studien

 

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