Exklusiv: Die Bevölkerung mißtraut den DAX-Vorständen – GPRA-Vertrauensindex

 

Exklusiv: Die Bevölkerung hat kein Vertrauen in DAX-Vorstände, zeigt der GPRA-Vertrauensindex

 

Die wenigsten Bürger haben Vertrauen in die Dax 30-Vorstände: Nur noch 17 Prozent. „Das ist ein Fiasko, wenn umgekehrt 83 Prozent der Elite der Manager misstrauen, dem Motor der Wirtschaft mit dem höchsten Bekanntheitsgrad“, sagt Uwe Kohrs, Chairman des Agenturverbands GPRA und verantwortlich für den jährlich erscheinenden und repräsentativen Vertrauensindex. Dasselbe Ergebnis gilt für die multinationalen Konzerne und andere Großunternehmen.

Die abgefragten Kriterien des Vertrauensindex sind: Ehrlichkeit, Kompetenz und Qualität, Umgang mit Mitarbeitern und Kunden, gesellschaftliche Verantwortung. Exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelte der  Kommunikationsverband GPRA erstmals unter 1005 Befragten, wie es um das Vertrauen in Vorstände und Geschäftsführer bestellt ist.

 

Uwe Kohrs, Chairman des Kommunikationsverbands GPRA

 

Kohrs Fazit: „Die DAX-Manager haben die Bürger längst abgehängt.“ Niemand könne mehr nachvollziehen, warum die Top-Manager so hohe Gehälter bekommen. Ebenso, wenig nach welchen Kriterien sie für ihre Positionen ausgewählt werden. Prominentes Beispiel sei Martin Winterkorn, Ex-CEO von VW mit seinen hohen Bezügen, die er trotz des Desasters der Diesel-Affäre erhält.

 

Extrem viel Vertrauen in Kleinunternehmen

Dabei misstrauen die Menschen nicht der Wirtschaft und den Unternehmen generell: Ihr Vertrauen in Kleinunternehmen ist mit 91 Prozent extrem hoch, ebenso das in Familienunternehmen mit 86 Prozent und in die Mittelständler mit 80 Prozent. Dazwischen liegen die Freiberufler mit 47 Prozent und Start-ups mit 45 Prozent.
Abgefragt wird beim GPRA-Vertrauensindex ansonsten alljährlich das Vertrauen der Bevölkerung in 15 verschiedene Branchen (siehe Tabelle). Die Gewinner sind der Maschinenbau (48 von 100 Indexpunkten) und an zweiter Stelle Gastgewerbe und Touristik (46 Indexpunkte) gefolgt von der Elektroindustrie (44 Prozent) und dem Baugewerbe mit knapp (knapp 40 Prozent).

 

Am schlimmsten schneidet die Finanzbranche ab
An den Verlierer-Branchen kann man die vielen schlechten Nachrichten über sie ablesen, so Kohrs: Ganz unten landet die Finanzbranche mit 25 Prozent. „Seit in den Nachrichten eine Geldstrafe nach der anderen für Banken verkündet wird, haben selbst die Mitarbeiter das Gefühl, sie arbeiten bei kriminellen Vereinigungen“, sagt Kohrs. Sie würden freiwillig oft schon nicht mehr sagen, wo sie angestellt seien. „Bis die Banken dieses verlorene Vertrauen in der Bevölkerung wieder aufgebaut haben, dauert es mehrere Generationen“, prophezeit der Kommunikationsexperte.

 
Banker haben „das Gefühl, bei kriminellen Vereinigungen zu arbeiten“
An den Verlierer-Branchen kann man die vielen schlechten Nachrichten über sie ablesen, so Kohrs: Ganz unten landet die Finanzbranche mit 25 Prozent. „Seit in den Nachrichten eine Geldstrafe nach der anderen für Banken verkündet wird, haben selbst die Mitarbeiter das Gefühl, sie arbeiten bei kriminellen Vereinigungen“, sagt Kohrs. Sie würden freiwillig oft schon nicht mehr sagen, wo sie angestellt seien. „Bis die Banken dieses verlorene Vertrauen in der Bevölkerung wieder aufbauen können werden Jahre vergehen “, prophezeit der Kommunikationsexperte.

 

 

„Existenzbedrohende Verluste werden über Nacht Milliardengewinne“ 

Auf dem vorletzten Platz landen die Energiebranche und die einst so stolze Automobilindustrie mit dem gleich peinlichem Ergebnis von 31 Prozent. Am Beispiel VW wird, so Kohrs, deutlich: „Die Menschen sind emotional verunsichert.“ Zu Recht: „Vor allem wenn das Unternehmen der Öffentlichkeit Zahlenkolonnen präsentiert und den Untergang von VW prophezeit – und dann kurz drauf ganz andere Zahlen herauskommen, die hohe Gewinne ausweisen. „Da wurden quasi über Nacht aus existenzbedrohenden Verlusten, wegen denen deutsche Käufer nicht entschädigt werden sollen, zur allgemeinen Überraschung Milliardengewinne“, fasst Kohrs zusammen.
Das traurige Fazit für die Branche: „Die Grundüberzeugung der Teutonen, gute Autos kämen aus Deutschland, ist erschüttert,“ sagt Kohrs. Zumal es Teil des Nationalstolzes ist, dass Deutschland die führende Auto-Nation sei. Kohrs Prognose: Das ist supergefährlich für die Autoindustrie, denn wenn sie diese Allmacht verliert, sind die Menschen in zehn Jahren möglicherweise bereit, Apple-Autos zu kaufen“.

 

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