Exklusiv: CNN-Moderator John Defterios (2) vom WEF 2017 über 100 chinesische Stellvertreter für 40 Unternehmen, die in Davos mutig Stellung beziehen

 

Globalisierungs-Zwist zwischen USA und China – 

Gastbeitrag von John Defterios, CNN- Redakteur für Entwicklungsländer, exklusiv für den Management-Blog

 

John Defterios von CNN (Bild: CNN International)

John Defterios von CNN (Bild: CNN International)

 

Der Unterschied könnte kaum größer sein. Während Donald Trump verspricht, sich mit den Vereinigten Staaten merklich von der internationalen Bühne zurückzuziehen, hat China hier in Davos mutig Stellung bezogen. China hat deutlich gemacht, dass es gewillt ist, das von Washington zurückgelassene Vakuum im Bezug auf die Globalisierung zu füllen.

 

100 Stellvertreter aus China in Davos

Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Xi Jinping ist der erste Präsident Chinas, der beim Weltwirtschaftsforum eine Rede hielt, bei jener Versammlung der weltweiten Wirtschaftselite also, die oft als realitätsfremd bezeichnet und für ihren mutmaßlich fehlenden Bezug zum Normalbürger kritisiert wird. ‚Team China‘ ist mit der größten Delegation aller Zeiten angereist – wenn man so will, in voller Mannschaftstärke: über 100 Stellvertreter repräsentieren 40 Unternehmen.

Xi machte seine Rede zu einem entschlossenen Plädoyer für die Globalisierung und argumentierte, die wirtschaftliche Integration habe die Entwicklung des Menschen vorangetrieben und die Leben vieler Millionen Menschen verbessert.

In seiner einstündigen Ausführung im bis auf den letzten Platz gefüllten Plenarsaal ließ der Chinese im Bezug auf das Thema Handel keinen Stein auf dem anderen stehen. Xi erklärte, es sei ein Fehler, die Globalisierung für die Herausforderungen der Welt – etwa die Verlagerung von Arbeitsplätzen oder niedrige Gehälter – verantwortlich zu machen.

 

„Die Weltwirtschaft als großer Ozean – zum mit schwimmen“

„Viele Probleme, mit denen sich die Welt aktuell konfrontiert sieht, haben ihren Ursprung nicht in der wirtschaftliche Globalisierung“, sagt er. „Ob man diese Tatsache nun mag oder nicht: die Weltwirtschaft ist ein großer Ozean, in dem man mit schwimmen muss.“

An vielen Stellen klang der chinesische Präsident gar poetisch, so formulierte er, man könne nicht in ruhigeren Gewässern – etwa in Seen oder Flüssen – Zuflucht suchen, sondern müsse bietende Möglichkeiten nutzen. Vielerorts sind jedoch laute Zweifel ob des rasanten Tempos zu vernehmen, in dem die Veränderungen vonstatten gehen.

In einer Zeit, in der sich westliche Mächte – und ganz besonders die Vereinigten Staaten – aus dem Welthandelsgefüge zurückzuziehen suchen, bringt sich Peking als weltweit führende Kraft in Position.

 

China äußert sich positiv zur Globalisierung

„Es ist tatsächlich ein wegweisendes Zeichen, dass China hierher kommt und sich positiv zur Globalisierung äußert, die ja ironischerweise auch als Konsens von Washington bezeichnet wird“, erklärte Entwicklungsspezialist und Autor Dambisa Moyo.

China hat auf der ganzen Welt aggressive Expansion betrieben und Initiative nach Initiative angestoßen, um seinen Einfluss zu zementieren, den Zugang zu natürlichen Ressourcen – von Energie bis zu strategischen Mineralien – zu gewährleisten und weiterhin die mächtige Produktionsschlagkraft des Exportgiganten zu garantieren.

Nouriel Roubini von der Stern School of Business der New York University erklärte mir, all dies sei Teil der wirtschaftlichen Staatsräson Chinas. Man gebe mit seinen Aktivitäten nicht an, sondern bevorzuge es, im Stillen Ergebnisse zu liefern.

Zu den wichtigsten Initiativen gehören neben der „Ein-Gürtel,-eine-Straße“-Strategie, die China mit Zentralasien verbinden soll, auch die Gründung der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank: Mit einer Kapitalausstattung von 100 Milliarden Dollar, die Einführung der Marktinvestment- Organisation für aufstrebende Volkswirtschaften namens New Development Bank BRICS, sowie die strategische Positionierung Chinas in ganz Afrika. Peking investierte im Zuge seines Vorstoßes in den besagten Kontinent viele Milliarden Dollar.

 

China wird Mexiko die helfende Hand reichen

Dieses Modell bringen die Chinesen nun auch nach Südamerika, also in den Einflussbereich von Washington. Roubini prognostiziert, China werde Mexiko die helfende Hand reichen. Jenem Nachbarn im Süden, den Donald Trump unaufhörlich auffordert, eine Mauer entlang der US-Grenze zu bauen, die dabei helfen soll, dem Migrationsstrom Einhalt zu gebieten.

Dabei handelt es sich um eine klassische Peking-Strategie. Während sich etwa Russland mit Sanktionen des Westens aufgrund des Einmarschs in der Ukraine sowie der Annexion der Krim konfrontiert sah, unterzeichnete China im Gegenzug ein langfristiges Energie-Abkommen mit Moskau. Der Chef des Russia Direct Investment Fund erklärte, Präsident Wladimir Putin sei sich der Wichtigkeit dieses Punktes sehr bewusst.

„Zu einem wirtschaftlich schwierigen Zeitpunkt zusammenzuarbeiten, war auch ein wichtiges Zeichen für unsere Kooperation in der Zukunft“, sagte Kirill Dimitrijew unmittelbar bevor Xi die Bühne betrat.

Er fügte hinzu, Russland befinde sich nun in einem Ko-Abhängigkeitsverhältnis mit China, da Peking seit jeher enormen Bedarf an Rohstoffen hat, die es benötigt, um sein Wachstum gewährleisten zu können.

 

Kritik an Peking: Die Manipulation der Währung

Derweil führt Donald Trump seinen Kurs aus dem Wahlkampf fort, der intensiv von Kritik an Peking geprägt ist, den er beschuldigt, seine Währung zu manipulieren, und dem er mit Zöllen für chinesische Importe droht. China ist für etwa die Hälfte des Handelsdefizits der Vereinigten Staaten verantwortlich, das sich auf über 500 Milliarden Dollar beläuft – und Trump möchte diese Zahl tunlichst verringern.

Xi präsentierte den versammelten politischen Entscheidungsträgern und wirtschaftlichen Schwergewichten im Publikum von Davos sein Gegenargument. „Wir müssen weiterhin für freien Handel und für Investitionen eintreten. Wir müssen sowohl den Handel als auch die Liberalisierung von Investitionen fördern“, sagte er. „Aus einem Handelskrieg wird niemand als Gewinner hervorgehen.“

 

Globalisierung als zweischneidiges Schwert

Xi erkannte vor den Teilnehmern von Davos an, die Globalisierung sei ein zweischneidiges Schwert und viele Menschen auf der Welt spürten die Nachteile der globalen Wirtschaft auf schmerzhafte Weise. Ebenfalls erklärte er jedoch, dass es ein Fehler sei, sich in Isolation zurückzuziehen.

Hinter den Kulissen wurde Xis Teilnahme an der jährlichen Veranstaltung als ein Sieg des Davoser Weltwirtschaftsforums interpretiert, das sich in diesem Jahr weltweiter populistischer Ablehnung erwehren musste.

 

Klaus Schwab empfing vor 37 Jahren die erste chinesische Delegation

Gründer Klaus Schwab empfing schon im Jahr 1979 die erste chinesische Delegation. Über eine Zeitspanne von fast vier Jahrzehnten hatte er vier Präsidenten Chinas zu Gast, deren erster Li Peng war. Er kam zu einem Zeitpunkt als China gerade begann, sich auf der internationalen Bühne zu bewegen.

Xi begrüßte die Strategie des Forums, sich Asien zuzuwenden, was der Institution dabei helfen wird, in einem Klima von Rückschlägen für die Globalisierung ihre Relevanz zu bewahren.

Mehr CNN-Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum unter: http://www.cnn.com/davos

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